gestartet von musicafides (07.12.2007, 11:31)
Eigentlich (leider) schon (fast) ein alter Hut, aber da es nochmal angesprochen wurde, spendiere ich dem Deppenapostroph ein eigenes Thema. Zur Einstimmung ein Interview, sowie einige Beispiele von Apostrophitis .
Und auch in Großbrittanien wird sich dieses Problems (dort “Greengrocer’s Apostrophe”) angenommen:
Immerhin haben wir es ihnen zu verdanken …
telakin hat diesen Beitrag 07.12.2007, 11:38 geändert
Wenn ich Herrn Sick in seiner Kolumne richtig verstehe, ist das Genitiv-Apostroph bei Ladenschildern sogar zulässig:
Der Apostroph kann dort gesetzt werden, wo jemand ein Gewerbe eröffnen und dazu ein Schild mit Genitiv anbringen will:
Bellini’s Bar; Gerti’s Grillstation; Willi’s Weinkontor
Das war mir neu.
Quelle: Zwiebelfisch-Abc: Der Gebrauch des Apostrophs im Überblick
Landstreichler hat diesen Beitrag 07.12.2007, 14:18 geändert
Und wie begründet Herr Sick dieses Phänomen? Das ist doch ein klarer Anglizismus, der ungeprüft übernommen wird, weil es chic aussieht. In der Vergangenheit waren wir allerdings nicht so zimperlich. Goethe und Thomas Mann verwenden ihn häufig. Und das waren meines Wissens keine Deppen.
Ich lese im Wikipedia-Beitrag zur neuen Rechtschreibung :
Nur wenn der Eigenname zur Hervorhebung durch Apostroph abgetrennt wird und damit als etwas Eigenständiges in Erscheinung tritt, wird großgeschrieben: das ohmsche Gesetz, der ohmsche Widerstand, oder aber: das Ohm’sche Gesetz, der Ohm’sche Widerstand.
Oder in
“Deutsche Rechtschreibung
Regeln und Wörterverzeichnis
Entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung
Überarbeitete Fassung des amtlichen Regelwerks 2004” Abschnitt 4.1:
E: Von dem Apostroph als Auslassungszeichen zu unterscheiden ist der gelegentliche
Gebrauch dieses Zeichens zur Verdeutlichung der Grundform eines
Personennamens vor der Genitivendung -s oder vor dem Adjektivsuffix -sch:
Carlo’s Taverne, Einstein’sche Relativitätstheorie
In Carlos Fall verstehe ich das noch, da auch ein Carlos gemeint sein könnte. Gerti’s Grillstation finde ich halt deppert, falls ein Norddeutscher das so ausdrücken darf.
Carlos’ Taverne :–)
Den meisten “Autoren” dieser Schilder kam diese Regel vermutlich auch nicht in den Sinn. Aber “Verdeutlichung der Grundform eines Personennamens” ist natürlich schwammig genug für endlose Diskussionen.
In meiner Ausgabe “Richtiges und gutes Deutsch” von 1985 ist der Genitiv-Apostroph bei Eigennamen noch kategorisch verpönt. Allerdings sind nur Beispiele von Nachnamen aufgeführt.
In meinem Alter darf ich mich darauf zurückziehen, ohne in den Knast zu wandern. Ich kann mich auch nicht daran gewöhnen, daß man jetzt dass schreiben soll. Geben Sie Narren Freiheit!
Da bist Du ja noch einmal knapp um das “Deppenleerzeichen” herum gekommen. Die Rechtschreibhilfe meines Browsers steht auch auf “Deutsch - alte Rechtschreibung”. Hilft aber auch nicht bei allem.
Meinst Du die Narrenfreiheit? Meines Wissens heißt es in der Erstausgabe von Don Karlos auch “Gedanken Freiheit”. Leuchtet mir ein. Wie wäre denn GedankenFreiheit? Schnittig, originell, cool. Aber diese Phase hat ihren Höhepunkt wohl schon überschritten: BahnCard, KlassikClub, TechnikerKrankenkasse. Mir wird schlecht…
Schönen Abend noch allerseits!
Lieber gebe ich Narren Freiheit als Affen Zucker.
Lieber Wickie Zucker und Pedia Freiheit schenken.
Gebe ich dem Narren Freiheit, so genießt er Narrenfreiheit. Gebe ich der Welt Narrenfreiheit, so wird sie narrenfrei, doch frei von Narren - wo bleibt da der Spaß?
In der Narrenfreiheit ist der Narr frei. Hat die Welt Narrenfreiheit, dann ist sie voller freier Narren!
Ob das dann immer so richtig wäre …...
(seufzt schwer)