Sinn- und Haarspalter

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Rhetorisches Ärgernis: Das Businesskasper-Okay

gestartet von buchstäblich (27.12.2007, 13:09)

Benutzerfoto: buchstäblich

buchstäblich

27.12.2007, 13:09

Zur Erklärung:

Du rufst irgendwo an, um ein alltägliches Problem zu lösen, und egal, ob Behörde, Callcenter oder Kaufhaus: Es meldet sich ein offensichtlich junges, leicht hysterisch-dynamisches Stimmchen, dass Deine Worte entgegennimmt, während es im Zehnsekundentakt “Okay???” von sich gibt.

Egal, was Du sagst, egal, ob Du mitten im Satz bist oder nicht. Es kommt immer ein Okay??? mit offensichtlich drei Fragezeichen, die von der zum Ende hin stark ansteigenden Tonhöhe gebildet werden.

Du siehst es förmlich vor Dir, wie der adrette weiße Hemd- oder Blusenkragen aus dem dunklen Businesskasperblazer kess herhervorragt, der Herr trägt Gel, die Dame hat ein Glätteisen benutzt, und das komplette Desinteresse an Dir Störenfried wird mit der Missachtung durch das dreifach fragende, hinten hochgezwirbelte Businesskasper-Okay??? bekundet, das Dir eigentlich sagt: “Quatsch Du nur, ich höre ohnehin nicht zu und verbinde Dich weiter zu jemandem, den das auch nicht interessiert!”.

Kennt das noch jemand, und welches Strafmaß schlagt Ihr vor?

buchstäblich hat diesen Beitrag 27.12.2007, 13:18 geändert

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Benutzerfoto: telakin

telakin

27.12.2007, 13:14

Wie Meister Röhrich in Werner schon meint: “Ja ja” heißt “Leck mich am A%&$§” - kommt wohl auf’s gleiche raus.

telakin hat diesen Beitrag 27.12.2007, 13:16 geändert

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buchstäblich

27.12.2007, 13:17

Genau so fühlt man sich dabei! Und es ist eine Seuche - das lernen die Kinder wohl heutzutage in der Telefonservicefraggleausbildung gleich als Erstes.

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Benutzerfoto: telakin

telakin

27.12.2007, 13:28

Das heißt da dann bestimmt “positive Bekräftigung zur Stärkung der Kundenzufriedenheit”.

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Benutzerfoto: ottogang

ottogang

27.12.2007, 13:30

Das hat mir vor 40 Jahren schon mein Fahrlehrer bei der BW um die Ohren gehauen, “Ja,ja” heißt “LmaA” und so kommt auch das saublöde “okay” für mich daher.
Leider ist das bei den Jünglingen auch im persönlichen Gespräch oft Bestandteil einer versuchten Kommunikation. Wenn ich dann meine Schilderung kurzfristig beende, werden die Augen dann zwar etwas größer, aber im gleichen Maße nimmt das Verständnis ab. Auf meinen Hinweis, dass sein/ihr “Okay” die Erfassung des Problems für mich bedeutete, war die Entgegnung “Hä” für mich nur der Beweis des og. “Ja,ja”

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Benutzerfoto: Siri

Siri

27.12.2007, 14:53

(manchmal) hilfreich, wenn es bei solchen seuchen um anglizismen geht, ist die aufforderung, das betreffende wort ins deutsche zu übersetzen … ;-)

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Benutzerfoto: buchstäblich

buchstäblich

27.12.2007, 14:55

Wünscht Ihr Euch auch manchmal, eine flache Hand passte zwecks Backpfeife durch einen Telefonhörer?

Ich habe sonst nichts übrig für körperliche Züchtigungen, aber …

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Benutzerfoto: musensohn

musensohn

29.12.2007, 22:11

Dieses Phänomen entdeckte ich erst vor wenigen Wochen, als wir bei einem Werbetexter (37) eingeladen waren. Egal was ich erzählend in die Runde warf, kaum holte ich Atem, kam vom Gegenüber das “OK”, gepaart mit einem aufmunternden Augenaufschlag, der mir signalieren sollte “Ich kann dir folgen, red’ nur weiter!” Da vergeht einem schnell die Lust auf den nächsten Satz.

Ich sehe darin die servile Haltung einer übergeordneten Person gegenüber. Dem Chef also. Wenn er dem Angestellten etwas erklärt, zeigt der schnelle Auffassungsgabe und entbietet korrekte Ausführung der Anweisungen. In Wirklichkeit hat er natürlich überhaupt nichts gerafft und könnte nicht einmal meinen Satz wiederholen. So einen Pappkameraden würde ich sofort feuern. OK?

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Benutzerfoto: musensohn

musensohn

29.12.2007, 22:15

Strafmaß: Zwangsteilnahme an einem “Seminar für Verkaufsgespräche in Bad Sassendorf” (Hanns-Dieter Hüsch)

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Benutzerfoto: buchstäblich

buchstäblich

29.12.2007, 22:24

Wenn das Businesskasper-Okay mal nur nicht in Bad Sassendorf auf dem Lehrplan steht!
Aber wenn der große Rhetoriker ein Werbetexter ist, dann wundert mich gar nichts. Bei denen gehört das zur Uniform.

Vielleicht hilft die Erschaffung einer urbanen Legende?

Wer das Businesskasper-Okay in einer ungeraden Sekunde ausspricht, dem bleibt der Kehlkopf stehen und seine Stimmbänder verdorren auf ewig!
Dreifach fragend, hinten hochgezwirbelt dauert das Wort fast eine Sekunde - es könnte angenehm still werden im Lande.

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burkey

03.01.2008, 11:34

Erwischt!
Bin zwar kein richtiger Business Kasper, nutze aber diese “aktive Feedback Instrument” (schon wieder drei Unwörter) ebenfalls.

Was ratet Ihr mir, stattdessen zu verwenden?

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Benutzerfoto: buchstäblich

buchstäblich

03.01.2008, 15:15

Burkey,

ein einfaches “Okay”, an dem der Gesprächspartner feststellt, dass Du noch da bist, ist nicht zu beanstanden. Alternativ geht auch so etwas wie ja oder aha.

Solange Du nur nicht beim Weg zum Auslaut von Okay die drei Fragezeichen einbaust. Denn das ist es, was den Adrenalinspiegel hochtreibt. Nicht das Wort als solches.

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Benutzerfoto: ottogang

ottogang

03.01.2008, 17:46

buchstäblich, meinst Du dieses okeeeeeeeeeeeeeee ?

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Benutzerfoto: burkey

burkey

03.01.2008, 17:53

buchstäblich, wenn du das meinst, was der ottogang fragt, dann bin voll bei dir!!

Beim aha kann ich auf Schulerfahrungen zurückgreifen. Mein Physik-Mathelehrer sagte: aha sei der Schlachtruf der Ahnungslosen. Das hat sich bei eingeprägt (obwohl ich zum Glück nicht gemeint war).

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Benutzerfoto: buchstäblich

buchstäblich

04.01.2008, 12:41

Genau das meine ich!

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