gestartet von Irmgard (21.10.2007, 15:38)
1722: Rauhensteingasse 10: das MALEFIZ – SPITZBUBENHAUS:
seit dem 15. Jhdt. stand hier ein Gefängnis, der „Rauche Stein“, auch als „Schergenhaus“ bezeichnet. 1608 wurde das Gebäude für „Malefizverbrecher“ = Schwerverbrecher neu errichtet.
1722 wurde es neuerlich abgerissen und ein neues erstellt: nach den damaligen überspitzten zünftischen Ehrbegriff hätte jeder, der sich an dem Neubau des Gefängnisses beteiligt hätte, als „unehrlich“ gegolten, das wäre einem Berufsverbot gleichgekommen. So mussten am 14.4.1722 in einer besonderen Zeremonie alle Angehärigen von Bauberufen aus der ganzen Stadt symbolisch an der Arbeit beteiligt werden, damit keiner dem anderen etwas vorwerfen könne.
In den weitverzweigten unterirdischen Kerkerräumen, die noch aus älterer Zeit stammten, wurde bis 1776 die „peinliche Frage“ vorgenommen. Die Häftlinge hatten ihr Lager auf Strohmatten („Dacken“), daher kommt auch der Ausspruch „der liegt auf der Dacken“ für jemanden, dem es schlecht geht.