gestartet von timcollins (03.04.2008, 16:35)
Schlimm genug, dass immer weniger Landsleute wissen, wie sie den Genetiv eines Substantivs korrekt anzeigen, finde ich immer häufiger das Plural-Apostroph:
Mein Handyanbieter bietet mir Hit’s zum Download an, Media Markt verkauft DVD’s und mein liebstes Ungetüm stammt noch aus Jugendzeiten: Spaghetti’s Dream’s
Sollte man in Zukunft vielleicht alle End-s apostrophieren? Wenn man also ein’s und ein’s zusammenzählt, wei’ß man Ende, da’ss der Prei’s hei’ß ist.
Schau mal hier, hier gibt es eine wunderschöne Deppenapostroph-Sammlung inklusive der Plural-Apostroph’s ;-):
http://www.flickr.com/groups/deppenapostroph/pool/
Oh, schön - ich habe gerade das schöne Weimarer Deppenapostrophbild hier hochgeladen. Die Sammlung hatte ich übersehen :)
Das Bild ist wirklich prima ;-) Der Herr Goethe würde sich im Grabe umdrehen, wenn er das wüsste.
Da war noch ein schöneres im sog. Ginkgo-Museum, da wurde Goethes Gedicht aus dem West-Östlichen Diwan zitiert:
Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Spürst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin ?
“erwidern” war mit ie geschrieben - da hatte ich die Kamera leider nicht dabei :)
Sancho hat diesen Beitrag 03.04.2008, 17:24 geändert
Goethe übrigens hat eine ziemlich, äh, phantasievolle Rechtschreibung gepflegt, und der Deppenapostroph wurde bis zur ersten großen Rechtschreibreform auch von großen Dichtern gern benutzt.
(Ich sachs nur. Ist irgendwie alles Geschmackssache. :))
Eine gepflegte Form in allen Ehren, aber solange alle wissen, was gemeint ist, ist einer der wichtigsten Aspekte einer Sprache ja erreicht, oder?
Aber ohne das überbordende Regelwerk der deutschen Sprache wären ja klugscheißernde Spießer, wie der Namensgeber dieser Gruppe arbeitslos… ;-)
Nanana, lepalmier. Ob wissen, was gemeint ist, man immer reicht… ;) Ich persönlich bin der Ansicht, wer an exponierter Stelle schreibt, sollte das ordentlich und korrekt tun. Ich will auch keine miesen Amateurfotos sehen, wenn ich in ein Museum gehe oder eine Illustrierte aufschlage.
Außerdem verdiene ich mit dem überbordenden Regelwerk der deutschen Sprache meine Brötchen, darum bin ich da heilfroh drüber! :))
Versteh mich nicht falsch, auch ich liebe gut lektorierte Texte.
Aber dieses überhebliche und verachtende Sich-lustig-machen über Fehler und offensichtliche Bildungslücken anderer ist mir einfach zuwider und mit oben genannter Person habe ich so meine eigenen Erfahrungen… ;-)
lepalmier hat diesen Beitrag 03.04.2008, 19:15 geändert
Damit niemand denkt, ich sei einer guten Kritik an Texten in der Öffentlichkeit und in den Medien unaufgeschlossen. Nein, auch ich kann mich köstlich über fehlerhafte Berichte und ungeschickte Formulierungen in Werbung und Journaille amüsieren und selbige darf man sehr gerne anprangern.
Aber Imbissbuden, Bäckereien oder Handwerksbetrieben sei es gegönnt Fehler zu machen und häufig macht halt einfach der etwas zu oberlehrerhafte Ton die disharmone Musik … Sick makes me sick! ;-)
Klar, lepalmier, das ist teilweise richtig. Andererseits ist es ja so, daß sich auch diese Betriebe an ein Publikum richten, also sollten sie sich Gedanken über die Formulierung machen. Bei gedruckten Speisekarten wird ja meist nicht die Bildungslücke angeprangert, sondern der offensichtliche Widerspruch, einerseits Geld für Formulierung und Druck auszugeben, andererseits bei Lektorat und Vorbereitung gespart zu haben.
Meine Beispiele hier oben hatten mich aus einem weiteren Grund erheitert: Ladenbesitzer, die sich auch nur ansatzweise mit kulturellen Inhalten schmücken wollen, sollten sich wenigstens ihrer Rechtschreibung sicher sein. Wenn nicht, gibt es ja Lektoren, die das gern für etwas Geld erledigen.
Sehe ich ganz genauso. Sancho, Du hast neben Formulierung und Druck die Gestaltung vergessen. (Kommt gerade bei Speisekarten aber häufiger vor ;-)
Serviervorschlag hat diesen Beitrag 03.04.2008, 23:07 geändert
Das Goethe Beispiel ist ja auch wirklich amüsant, da man im Umgang mit literarischen Nationalhelden natürlich etwas mehr Sorgsamkeit erwarten dürfte, samt der Nutzung eines Lektorats.
Die Verkümmerung der Sprache durch E-Mail-Kleischreibung, Marketing-Denglisch und undurchdachter Werbeaussagen (z.B. Geiz ist geil!) finde ich aber bedeutend schlimmer, als das eine oder andere falsch gesetzte Häkchen auf einer Imbiss-Karte.
Versteht das bitte nicht als Kritik an euch, sondern eher als allgemeine Sickness. ;-D
@Serviervorschlag: Für die Gestaltung der Karten wird aber scheinbar eher selten Geld ausgegeben, was da schon mein Auge beleidigt hat … ei ei ei! ;-)
d’accord, Serviervorschlag. Die habe ich unterschlagen, ist mir aber aufgrund der familiären Begebenheiten (bin mit einer erfolgreichen Illustratorin verheiratet) durchaus bewußt.
@lepalmier: ja, ich glaube, ich verstehe Deinen Standpunkt. Aber über sowas machen wir uns nicht lustig, sondern das regt uns regelrecht auf!