gestartet von Pocahontas (10.12.2007, 12:45)
Ihr kennt alle den Witz: der Himmel auf Erden ist, wenn der Koch Franzose, der Polizist Engländer, der Mechaniker Deutscher und der Liebhaber Italiener ist und das Ganze von einem Schweizer gemanagt wird. Dem gegenüber die Hölle auf Erden, wenn der Koch Engländer, der Mechaniker Franzose, der Polizist Deutscher, der Schweizer Liebhaber ist und das Ganze von einem Italiener gemanagt wird.
Was meint Ihr? Stimmt das oder wird dem Latin Lover zu viel, dem Dirigente zu wenig zugetraut? Was sind Eure Himmel/Hoelle-Erlebnisse hier in Italien?
Erzaehlt mir eine Geschichte!
Das Interessante ist dann oft, dass verschiedene Kulturen eine unterschiedliche Vorstellung von Himmel und Hölle haben, bzw. dass das, was in der einen Kultur als selbstverständlich und erstrebenswert gilt in der anderen ala diskutabel erscheint. Die von Pocahontas beschriebenen Perspektiven beziehen sich immer auf die Sichtweise der fremden Kultur: Für Deutsche mag der mediterrane Liebhaber und der französische Koch aus der Ferne erstmal der positive Traum schlechthin sein - in der Realität angekommen ergeben sich dann doch oftmals Probleme grösserer Rangordnung.
Meine Beziehung mit einer Italienerin vor langer Zeit war zumindest ein Wechselbad aus Himmel und Hölle - ich kam definitiv nicht damit zurecht, dass sie rasend eifersüchtig auf alles war, das nicht mit ihr zu tun hatte und praktisch jede Sekunde mit mir verbringen woolte, mich nachts sogar aufweckte, damit ich nicht von anderem träumte und dramatische Szenen machte (weil man gewagt hatte, Briefmarken zu kaufen ohne vorher bescheid zu sagen o.ä.) gegen die sich Visconti-Filme wie eine für dreijährige zensierte Version der Sesamstraße ausnehmen. Ich erinnere mich, dass sie mindestens einmal in der Woche drohte aus dem fahrenden Auto zu springen (mit Vorliebe auf engen Alpenpässen) und dass man vor allem in der Küche als Menn keinerlei Rechte besaß, dass nicht einmal zu diskutieren war, dass man bestimmte Dinge ja auch anders zubereiten könnten (“das macht MAN so, basta”). Der antagonistisch-synergistische Himmel war natürlich auch da… aber auf Dauer sehr anstrengend.
Und der französische Meisterkoch wird schnell zur Nervensäge, wenn man ihn im eigenen Haus hat und nichts mehr so machen darf, wie es mal war - “Oh nein, die Schneckeneier müssen doch aus artgerechter Haltung stammen - den Schrott, den Du gekauft hast, hab ich weggeschmissen….”...
Aber das ist fiktiv, dazu hab ich keine Geschichte erlebt…
Was man allerdings immer über Italien hörte, war, dass Kriminalität hier nicht zu unterschätzen sei. Als ich mit meinen Eltern als Kind nach Italien fuhr (das erste Mal um 1976), hatten wir gerade voin Leuten gehört, denen man ihre Auto vor ihren Augen per Kran auf einen Lastwagen verladen und abtransportiert hatte. Dementsprechend hatte ich den Eindruck, ich geriete in ein Land, in dem dunkel gekleidete Gestalten an jeder Ecke auf Geldbörsen und kleine Kinder aus seien. Meine Eltern waren ähnlich mißtrauisch und ließen ihr neues Auto kaum aus den Augen. Es passierte natürlich überhaupt nichts, im Gegenteil: Bereits am Gardasee rannte eine alte Italienerin meiner Mutter hinterher um ihr ihre goldene und sehr teure goldenen Uhr zurückzugeben, die sie auf der Toilette eines Campingplatzes gelassen hatte. Auch im weiteren Verlauf der Reise ließen die mafiösen Horden jede Gelegenheit aus, uns auszurauben, vergessene Taschen am Strand wurden immer wohlgefüllt wiedergefunden, offenstehende Ferienhäuser wurden nie ausgeplündert, selbst in Sizilien wurde niemand vor meiner Nase ermordet oder wenigstens entführt - ich gestehe, daß ich als zehnjähriger dann langsam ein wenig enttäuscht war, da hatte ich doch ein wenig mehr erwartet…
Tja, Klischee verfehlt. Aber sicher wurden genau so viele erfüllt…
Da Du in Mailand wohnst, vielleicht kannst Du zum “Latin-Lover” quasi…Stellung nehmen - oder ? ;-)
Aber tendenziell ist das hinter den “Images” etwsas hinter, und das hat viel mit Kultur zu tun. Aber eben auch nur tendenziell, soll heißen: mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit.
Und Italien, das ist auch klar, ist im Norden etwas ganz anderes als im Süden. Und Frankreich ist in Paris etwas ganz anderes als in der (beispielsweise) Provence oder Aquitaine…
Die Latin Lover Forschung kam bisher zu kurz bei mir. Ich kann nur soviel sagen, dass abgewiesene Liebhaber in ihrem Stolz so beleidigt sind, dass sie Dich nicht mal mehr anschauen, auch wenn sie sonst nicht in der Goldkettchenliga spielen.
Aber Mostros wunderbare Geschichte habe ich schon in einigen Variantionen gehoert. Beispielsweise wie eine Frau bei Ihrem Freund anrief mit den Worten: “Wenn Du Deine Wohnung wiedererkennen moechtest, komm sofort nach Hause!” Sie hatte sich naemlich mit seinem Handy auseinander gesetzt und festgestellt, dass er SMS von Frauen empfaengt!
Ich glaube, wer in der Eifersuchtshoelle schmort fuer den ist das Nord-Sued-Gefaelle in Italien nur noch der Unterschied zwischen verbrennen und verkohlen ;-)