gestartet von derdichtedichter (17.03.2008, 10:57)
Hatte es tourist kurz gegenüber erwähnt, wieso ich so frankophil bin und sie war direkt neugierig.
Ist in meinen Augen keine Schande, Neugier :-)
“Zeig mir deins und ich zeig dir meins”, also erzähl ich hier mal meine Geschichte und freue mich dann auf Eure
Also:
Geboren bin ich in St.Cloud im Banlieu von Paris. Meine Eltern lernten sich in Köln bei der Firma Honeywell-Bull kennen, wobei der zweite Teil französisch gesprochen werden muss. Sie suchten beide nach einem Neuanfang und so beschlossen sie beide spontan, eine Karriere-Gelegenheit beim Schopf zu fassen und zusammen auszuwandern.
Meine Wenigkeit ist das Ergebnis ihrer Ehe, leider beschlossen sie, als ich 1 Jahr alt war, wieder nach Deutschland zurück zu gehen. Zu meinem Ärger sprechen meine älteren Geschwister daher natürlich besser Französisch als ich :-( da sie dort auch zur Schule gingen.
Danach war mir aber jedes Jahr mindestens einmal im Jahr ein längerer Urlaub in der Charente vergönnt, auf einem Weingut, dessen Bauer, Dominique und seine Frau Paule (ja, richtig herum) auch drei Kinder hatten, die jeweils so alt waren wie mein Bruder, meine Schwester und ich.
Mit 17 entdeckte ich dann die Liebe, den Alkohol, die Zigaretten und das alles eben in Deutschland und da war erst mal Schluss mit Frankreich. Schade eigentlich, gell?
Die Regelmäßigkeit und vermutlich der Umstand, dass ich immer die für Kinder schönste Zeit des Jahres - den Sommer - in Frankreich verbracht habe, haben bei mir jedoch bis heute eine tiefe Verbundenheit mit diesem Land bewirkt, die bis heute anhält und die ich gern auch wieder ausbauen würde.
Daher habe ich auch wieder damit begonnen, um mit Herrn von Schaf zu sprechen, mein rostiges Sprachvehikel anzukurbeln :-)))
derdichtedichter hat diesen Beitrag 17.03.2008, 10:59 geändert
Das sind zwei, drei gute Gründe für Frankophilie. :)
Also, ich war als Kind (bis 12) regelmäßig und oft in Frankreich, meines frankophilen Vaters wegen, und bin ein bißchen mit französischem Essen und dem Klang der Sprache aufgewachsen.
In der Schule dann war Herr Dr. Schneider froh, als ich nach einem Jahr seinen Franz-Überhangskurs wieder verließ (4. Fremdsprache, wer wird sich dafür schon engagieren?).
Jetzt wohne ich direkt an Frankreich dran, viele Saarländer sind zweisprachig, und es fuchst mich, daß ich mich nur entschuldigen kann, wenn mich jemand nach dem Weg fragt. (Mein Mann hingegen erklärt fröhlich auf Französisch drauflos -- ein weiterer Anreiz, die Sprache zu lernen .)
Verstehen kann ich vieles, lesen ein bißchen, sprechen ein paar Brocken, schreiben laß ich lieber. :)
So ging mir das mit Latein als dritte und Spanisch als vierte Sprache. War alles eher ein Überangebot an Sachen und am Ende hab ich nichts mehr richtig gemacht (Meine Noten in Latein gingen dann so 2,4,5,6 in den Keller, jawoll, eine 6, ich glaube meine einzige in der ganzen Schulzeit!).
Französisch konnte ich aber zur Schulzeit sehr gut, war aber faul und hab den Kurs daher verlassen. Meiner Lehrerin tat das Leid, mir auch irgendwie, aber ich war jung und faul. Merde.
Heute ärgere ich mich nachträglich. Was mir blieb, habe ich vor ungefähr einem Jahr angefangen aufzubügeln.
Ich hatte den Fehler begangen, in der siebten Klasse dem Ehrgeiz meiner damals noch verheirateten Eltern zu folgen und Latein zu lernen. Damit wäre ich sicherlich Arzt oder Jurist geworden. So habe ich aus Protest in der neunten Klasse, Französisch als 3. Fremdsprache gewählt, wohl wissend, dass ich zwei Fremdsprachen bis einschließlich der 12. Klasse weiterlernen musste. Latein sollte dies nun wirklich nicht sein. Aus dem Protest wurde eine Leidenschaft und ich belegte ab der 11. Klasse Französisch als Leistungskurs.
Dies wurde durch die traurige Begebenheit gestützt, dass die deutsch-französische Familie eines Schulfreundes sich meiner nach der Scheidung meiner Eltern annahm, als meine Mutter sich von ihrem selbst gewählten Arrangement “Ehe” auf vielen Parties und in vielen Diskotheken befreien musste und ich die meiste Zeit der Woche alleine in einem alten Schulgebäude auf dem Land verbrachte, das wir damals bewohnten. Zu dem Zeitpunkt war ich knapp 16 Jahre alt und die französische Mutter meines Kumpels hat das Französischüben als Vehikel benutzt, mir die verloren gegangene familiäre Geborgenheit zu geben, weil sie auf meine Mutter unglaublich wütend war. Ich hätte zwar wütend sein sollen. Mir war es aber lieber eine Teilzeitersatzfamilie gefunden zu haben, als mich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass mich beide Elternteile im Stich gelassen haben. So habe ich in der Woche die Schulnachmittage mit zwei Stunden Französisch lernen verbracht.
Irgendwann habe ich Biologie studiert und sollte lt. Prüfungsordnung ein nichtbiologisches Nebenfach wählen. Ich studierte in Freiburg, war immer wieder gerne mit dem Fahrrad in Frankreich, und so wurde mein Bio-Diplom mit Französisch angereichert.
@Schaf: Kulturevolution finde ich übrigens auch ein extrem spannendes Thema, war mein inoffizielles Diplomfach ;-)
Vor allem wie es zur Entwicklung der Religion kam, finde ich persönlich am … spannendsten (warum fallen mir da keine anderen Adjektive ein?).
Letzten Endes habe ich mich dann um das Sexualverhalten von (Pollen-)Wespen gekümmert. Hat auch viel mit dem Menschen zu tun: Männchen sind alle gleich ;-)
Egal welche.
update: Mann, dann ist Französisch ja tatsächlich sowas wie Familie für Dich!
Meine Eltern haben sich ja auch scheiden lassen und - wer weiß - vielleicht sind aus dem Grunde meine Kindheitserinnerungen an Frankreich auch gleichzeitig meine schönsten, weil meine Eltern da noch zusammen waren.
derdichtedichter hat diesen Beitrag 17.03.2008, 21:39 geändert
@Dichter: anregend, reizvoll, bemerkenswert… (Schuldi. Lektorin. :))
Pollenwespen? Das sind welche --?
Lakritze hat diesen Beitrag 17.03.2008, 21:38 geändert
Religion und Gottesanbeterinnen. Die beißen ihren Mannen den Kopf auch schon beim Sex ab. Sind eben doch nicht alle gleich. Da ist Weglaufen eine echte Option.
In der Kulturevolution habe ich mit mit Ernährung beschäftigt und meine Diplomarbeit war über die toxischen Effekte von Gallensäure auf Nieren und Leber in Folge von Gallengangverstopfungen.
Stimmt: Mit Französisch oder besser allgemein mit dem Ausland und Fremdsprachen verbinde ich tatsächlich Heimat. Diese verwegene Wahrnehmung kommt wirklich aus dieser Zeit.
Graf Schaf hat diesen Beitrag 17.03.2008, 21:42 geändert
@Lakritze; Also Pollenwespen sind eine Gruppe der Faltenwespen, die bekanntesten davon dürften diejenigen sein, die dich auf deinem Pflaumenkuchen nerven.
Pollenwespen sehen auf den ersten Blick genauso aus, hier ein
Bild
Pollenwespen leben aber wie Bienen, sammeln Honig und sind ganz lieb. In Deutschland, genauer BaWü und Bayern, gibt es nur die eine Art (s. Bild) und die wird dementsprechend auch Honigwespe genannt.
@Schaf: Ähm, das Weglaufen ist tatsächlich gar niocht so eine tolle Strategie - zumindest bei den Gottesanbeterinnen.
Wenn der Kopf nämlich erst einmal ab ist, kennt der Unterleib kein halten mehr und “pumpt” alles was da ist in das Weibchen rein.
Für das Männchen ist das sozusagen der ultimative Deal: Du mich fressen, du dafür auch all mein Sperma. Für ein Weibchen, dass normalerweise tausende Eier legt und die auch gerne von reichlich Männchen befruchtet haben will, gar nicht so toll :D
@all
Als Biologe bin ich dann auch ziemlich viel gereist. Allerdings fand meine Dipl.Arbeit in Spanien statt und der Rest der Welt spricht lieber Englisch. Wo wart ihr denn so auf reisen? Immer Frankreich?
Ich weiß, die Biologie hält die Strategie für optimal. Ich meinte das aber übertragen und augenzwinkernd; besser weglaufen bevor die Alte Dir den Kopf abbeißt. Biologische Strategien lassen sich doch nicht so einfach auf die Menschen übertragen. Goldener Schuss und dann hin gleicht dem Drogentod - im Rausch drauf gegangen. Zum Glück funktionieren wir Menschen nicht nur, sondern sind Menschen.
Ich habe meine Diplomarbeit in England und auf Englisch geschrieben. Reisen gerne in französischsprachige Kanada. Spanien ist ganz okay. Griechenland ist mir am Liebsten. Russisches Polarmeer war exotisch, chaotisch und voller Wodka und unvergälltem Alkohol. Wollte immer mal Richtung Asien. Bisher nie geschafft.
Ultimativer Deal: Im Deutschen wird das Wort ultimativ positiv verwendet. Tatsächlich hat es in anderen Sprachen auch negativen Konnotationen und bedeutet z.B. im Englischen auch noch der letzte Deal. Ob das nun gut ist ;-)
Oh, Griechenland. Davon hab ich als kleiner Bub immer geträumt. Ich hatte etwas Probleme die goldne Verpackung….
Nee, hab als Kind eine Adaption der griechischen Sagen verschlungen! und dann, nach der Scheidung meiner Eltern hat mich mein Vater nach Kreta mitgenommen. Traumhaft! Ein echter Rucksackurlaub war das, keine Orga, kein Reiseunternehmen, einfach los und die Stätten meiner Helden besucht - naja, einen Teil davon, aber als Kind war mir das nicht so bewusst. z.B. das Labyrinth von Knossos, hab mich direkt drin verlaufen. Oh, gibt’s davon schon einen Qypetrag?
Kanada wär für mich auch noch ultimativ reizvoll, immerhin spricht man da die beiden Fremdsprachen, die ich halbwegs beherrsche. Von allen andern, Niederländisch & Spanisch, kann ich letztlich nur Bruchstücke. Finde es auch extrem schwierig, Niederländisch zu lernen durch seine Nähe zu Deutsch und Englisch. Als ich Spanisch für meine Diplomarbeit lernte, kam ich mit meinem Französisch durcheinander.
Whow, das hört sich ja alles total spannend an, Biologie mit Französisch und Kulturrevolution? Bei mir fing alles ganz beschaulich an, geboren und aufgewachsen auf dem Lande in der Nähe der holländischen Grenze, neusprachliches Mädchengymnasium, und die meinten das auch so. In der 7. Klasse hatten wir die Wahl zwischen Latein und Französisch, wer Französisch machte, bekam in der 9. Klasse Hauswirtschaft, arghhhhhhhh. Also habe ich Latein genommen und bekam in der 9. Klasse Französisch. Nach zwei Jahren waren wir so weit wie die anderen, nur konnten wir keinen Kuchen backen. Aber die zwei Jahre hatten es in sich, wir waren ein Haufen pubertierender Zicken, die besonderen Spaß daran hatten, unsere Französischlehrerin zum Wahnsinn zu treiben. Zum Glück wurde sie schwanger und ging, danach haben wir uns beruhigt und wurden sogar versetzt. Mit 14 habe ich meinen ersten Austausch mit einer französischen Familie gemacht, hinterher sprach ich perfekt Englisch mit französischem Akzent. Diese Familie habe ich übrigens im letzten Sommer mal wieder besucht. Mit 16 habe ich noch einen Austausch gemacht und mich verliebt, das wurde eine sehr lange Geschichte mit vielen Liebesbriefen auf Französisch. Nach einem halben Jahr war ich fitt für den Leistungskurs Französisch. Während der Oberstufe lernte ich dann noch Spanisch und Italienisch, eine AG Russisch gab es auch. Nach dem Abi habe ich zuerst VWL studiert, war aber nichts für mich, also schneller Wechsel zu Germanistik und Romanistik. Nach dem Studium habe ich dann ein Jahr als Fremdsprachenassistentin in Lyon gearbeitet, das war mit die beste Zeit meines Lebens. Später war ich ein Jahr in Kanada und habe ernsthaft erwogen, dorthin auszuwandern. Na ja, kommt vielleicht noch. Oder doch lieber Frankreich?
Reisen? Auch schon länger her. Als Kind nur Frankreich; später dann sechs Jahre Pendeln nach New York (wo ich mir mein Englisch und Fernbeziehungserfahrung erworben habe). Seither am liebsten so weit die Füße tragen -- die schönsten Reisen sind für mich die, die an meiner Haustür anfangen. Und erstaunlich exotisch, sobald man mal zehn Kilometer vor der Stadt ist, sogar auf der deutschen Seite. ;)