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Ich bin 6Kraska6 aus Duisburg. Ich bin Qyper seit dem 18.07.2008

"Verstecke sind unzählige, Rettung nur eine, aber Möglichkeiten der Rettung wieder so viele wie Verstecke. Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg; was wir Weg nennen, ist Zögern. (Franz Kafka)"

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Plingo Media - Ingo Plückhahn - Moers

Hainbuchenstraß3 18, 47443 Moers

12.02.2011

Bingo! Ingo!

Aufgewachsen bin ich im Schützengraben des Dreissigjährigen Ehekrieges meiner Eltern. (Noch heute bin ich ein wandelnder Kollateralschaden...) Eine der verheerendsten Waffen im Krieg zwischen Mutti und Vati war das mehrtägige Nicht-miteinander-Reden. Man schwieg sich an, schwieg sich nieder, schwieg sich tot. Ich war sozusagen ein echter Schwieger- oder Schweigesohn, der irgendwann nicht mal mehr zusammenzuckte, wenn am ca. 1qm-großen, resopalbezogenen Esstisch, an dem die ganze Familie saß, die Mutter mir auftrug: „Frag Vati, ob er noch Kartoffelpürée will!“ Ich tat wie geheißen, und übersetzte zwischen den Krieg führenden Schweige-Kombattanten. Meinen Eltern verdanke ich daher den früh entwickelten Sinn für das Absurde. Als in den 60ern die irren Stücke von Beckett, Ionescu und Arabal („Absurdes Theater“) auf die Bühne kamen, war ich als Einziger nicht irritiert – war ja wie zu Hause! Mutti saß in ihrem Resignier-Sessel und schlürfte Schmoll-Cognac, während Vati sich Kriegsrat bei den Waffenbrüdern im Schützenverein suchte...

Um so traumatisiert-neurotischer reagierte ich, als jetzt mein altes MacBook und mein neuer iMac, wiewohl auf dem gleichen Schreibtisch zuhause, sich ebenfalls weigerten, miteinander zu kommunzieren. Ich versuchte es mit allen Tricks: Ethernet, Bluetooth, externe Festplatten – nix! Wie verzickte Ehestreithähne wandten die Geräte sich den Rücken zu und wollten voneinander nichts wissen.

Die alten Schröcknysse des Dreyssigjährigen Krieges stunden wieder auf und brandtschatzten, verwüsteten und verheerten mein Nervenkostüm! Das konnte doch nicht wahr seyn! Zwar von Mutter und Vater mittlerweile emanzipiert, bin ich doch heute von Rechnern abhängig – die ich ebenso wenig begreife wie weiland meine werten Erzeuger.
Naive Eigen-Frickeleien, innigste Gebete und hilfesuchende Telefonate mit Qyperin „karu“ – die sich mit Macs normalerweise auskennt wie sonst mit Presslufthämmern, Schaufelbaggern und Zementmischmaschinen – brachten keine wirkliche Hülfe. Lag es, wie bei meinen Eltern, an den unterschiedlichen Betriebssystemen? War es, wie bei ihnen, der Altersunterschied? In meiner Not griff ich zu den extremsten Methoden: Spielte den Geräten etwa Mario Barth vor („Ick hab ne Freundin, verstehsse, verstehsse, verstehssse, ne Freundin, die vasteh ick einfach nich...“) – aber so dumm waren die Rechner dann auch wieder nicht.

Dann kam die Erleuchtung – Bingo! Ingo!

Nach außen führt Ingo das unauffällige Leben eines brillentragenden Werbefuzzis und Webseiten-Bastlers. Aber wenn wo in Big Apple MacIntosh-Town ein armer Depp in Not ist, schlüpft er in der Telefonzelle in sein Supermac-Kostüm und kommt in Nullkommanix angeflogen, setzt sich vor meine zickenden Rechner, lässt, unverständliche Abbreviaturen, Suffixe und Tool-Namen murmelnd, ca. zweieinhalb Minuten lang die Finger über die Tastatur fliegen, stellt ein lokales Netzwerk her, verbindet telepathisch beide Geräte und fragt: „Sonst noch Probleme?“

"Äh, nein, nix, oder doch, warte Mal, hier, Dings...“ – Ingo löst, wo er schon mal da ist, noch schnell ein paar Probleme, von denen ich kaum wusste, dass ich sie hatte, und hinterlässt noch ein Test-Dokument mit dem Titel „deringokannwiederweg.doc“, steckt ein – eigentlich viel zu kleines, weil im Grunde ist er meine gesamten Zahn- und Bruchgoldvorräte wert – Scheinchen ein und fliegt wieder davon.

Mein Guru! Hätte ich ihn nur früher gekannt, er hätte bestimmt auch meine Eltern mit irgend so einem Ever-nice-Programm repariert! Für Techno-Analphabeten wie mich ist so einer wie Ingo mehr wert als die Heiligen Nothelfer St. Dionysius, St. Timotheus und Sta. Barbara! Leute mit Mac-Problemen: Ruft-ihn-an!

Mein NoteBook und mein iMac sind jetzt im Dauerbetrieb: Sie haben sich sooo viel zu erzählen...

scharffenberg Ja, wenn der Ingo nicht wär...woll?! Hatte mal ne Freundin (Tochter der Hausfriseuse meiner Mutter) die hieß Heike Plückhahn. Damals gabs weder Media noch Barth. Ne Freundin vastehste...

Erna_kommt überaus beeindruckend! man könnte aus den kommentaren bei herrn kraska übrigens gut einen neuen homogenetischen beitrag erstellen!!! schon mal in betrachtung geschoben?

Orinoco - Duisburg

Harmoniestraße 59, 47119 Duisburg

29.01.2011

MAL IN EINEM SATZ GESAGT...

Als bekennender Fernreisemuffel war ich, zugegeben, noch nie am Orinoco, denn Alexander von Humboldt war ja schon da, in Venezuela und Kolumbien, und hat berichtet, wie es da aussieht, was man ruhig mal wieder lesen kann, wenn es einen interessiert; indes sah man mich im Orinoco, gestern, einem „südamerikanischen“ Restaurant, das es schon ewig gibt, bei uns, ohne dass ich es recht bemerkt hätte, – aber nun ist es in neue Räume gezogen und ich habs besucht, worüber ich gern berichte, wenngleich zu einem eindeutigen Urteil zu kommen für mich so schwer ist wie, um mit Lichtenberg zu sprechen, „einem Schaf das Apportieren beizubringen“, denn die Zwiespältigkeit der Eindrücke lässt sich schwer auf einen Punkt oder Stern bringen, was nicht zuletzt, und bestimmte Gastronomen sollten mal drüber nachdenken, an dem überaus charmanten, aufgeschlossen kommunikativen, ungewöhnlich zugewandten weiblichen Service-Personal liegt, dessen Reiz einen entwaffnet, dergestalt, dass man Kritik nur ungern äußert, um nicht Liebenswürdigkeit mit Grämlichkeit zu beantworten, obwohl es gewissen Anlass zu Nörgelei schon gäbe;

freilich braucht es eine Weile, denn zunächst bewundert man die liebevolle, detailverliebte Dekoration der Räume, Nischen und Separées, die mit allerhand Lateinamericana und Orinoco-Anmutung ausstrahlenden Aquarien – ob auch mit Piranhas, das habe ich nicht herausgefunden – ausgestaltet sind, wobei viel bunte Deko-Lichter und brennende Kerzen zusätzliche Gemütlichkeit abstrahlen, was olfaktorisch hochempfindsame Hyper-Sensiblingen wie mir ein wenig über den leicht feucht-muffigen Geruch der Räume hinwegzuhelfen imstande ist, der leider in dem alten, lange durch Leerstand vernachlässigten Gemäuer hängt, gewiß aber irgendwann verschwinden wird; indes mag den Leser mehr die Qualität des Essens interessieren, über das ich nicht in den Jubel mancher Kollegen einstimmen vermag, denn die kleine überschaubare Karte bietet leider nur wenig genuin Regionales wie z. B. in gewissen Regionen am Orinoco verzehrte frittierte Riesenameisen oder gegrillte Meerschweinchen; nicht dass ich diese ernsthaft erwartet hätte, nein, so verwegen bin selbst ich nicht,

– nur schienen mir Enchiladas und Tapas doch eher ein wenig amateurhaft a là mexicaine „nachempfunden“ als wirklich original, was nicht unbedingt schlimm ist, aber meine Enchiladas waren zur Hälfte eiskalt, mein geliebtes schwarzes Bohnenpürée recht fad und das Guacamole, nun, ich behaupte dies ungescheut, kann ich zuhause besser, würziger und genuin „mexikanischer“ zubereiten; allein die Suppen (Tomaten-Olive, Erdnuss) waren ohne Tadel, erfrischend, fruchtig und im Falle der oft gelobten Erdnusssuppe, überraschend wenig mächtig und fett, sondern appetitanregend schmackhaft, ein Highlight, das mich den ein wenig unambitionierten, banalen Rosé aus Chile gutmütig tolerieren half, was auch an der wirklich entzückenden Verblüffung lag, mit der die reizende Service-Kraft meine Bemerkung registrierte, Nachos könne man durchaus, anstatt kalt und zäh, im Ofen warm gemacht und fertig geröstet servieren, eine Neuigkeit, die sie versprach, unverzüglich dem Koch zu hinterbringen –

kurzum, offen gestanden, das Orinoco-Erlebnis blieb ein zwiespältiges, da ich mich letzten Endes vermutlich weniger an das Essen, mit Ausnahme der Erdnusssuppe, die ich beschloss, recht bald nachzukochen, dafür umso mehr an die offensichtliche Begeisterung der Betreiber und den Charme der Saaltöchter erinnern werde und deshalb einen zweiten Besuch nicht ausschließe. Punkt.

6Kraska6 Eine Kritik-Straße gibt es halt nicht; ich hab auch schon am Philosophenweg gewohnt, in der Friedenstraße geschlafen und im Kehrwieder gezecht...

Auszeichnung für "Very Important Qyper", kurz "VIQs"

Frankenbacher @6Kraska6, eine Kritikstraße habe ich zweimal gefunden:

in
45872 Tadelshausen

und in
27694 Gemecker

;-)

Hochbunker - Duisburg

Friedenstraße 3, 47053 Duisburg

18.01.2011

DER KLOTZ

„Seht, was geschehn, steht jetzo nicht zu ändern.

Der Mensch geht manchmal unbedacht zu Werk,
Was ihm die Folge Zeit läßt zu bereun.“

(Shakespeare, „Richard III.“)

Jahresanfang – noch Zeit der guten Vorsätze: Unbedingt wieder radikaler werden! Weniger Geduld und Gelassenheit! Den Sprengstoffgürtel enger schnallen! Mehr Mut zum Nichts oder wenigstens höherem Blutdruck! – Jedenfalls, seit unser Bau- und Planungsdezernent jüngst öffentlich davon träumte, „große Stadt-Teile Duisburgs ... abzureißen“, laufe ich mit ganz anderen Augen durch die Stadt. Wo lohnt sich das denn? Was könnte jetzt gut schon mal weg? Den Kopf voll schwurbeligem Abbruchsbirnengeist streife ich durchs Viertel und schwelge in destruktiven Phantasieen, führe Abrißlisten, pflege gute Sprengvorsätze und schwinge den Abbruchsvorschlags-Hammer.

Zum Beispiel hier: dieser ungeschlacht wuchtige Backstein-Trumm am Anfang der Friedenstraße! Was ist das denn überhaupt? Wer baut denn solch festgefugten Unfug? Lange Zeit habe ich den Riesenhaufen Bauunglück aus dem Augenwinkel betrachtend für eine besonders grässliche, aus der wilhelminischen Zeit stammende Kirche gehalten. Applizierte Mosaiken, gemauerte Rundbögen und spitzwinklige Giebelchen hier und da bestärkten mich in diesem Irrtum. Indes, selbst die hässlichsten Gotteshäuser (Gott im Plattenbau?) haben nicht derart kleine Fenster, und hinter den Back-Ziegeln von Kirchen verbergen sich in aller Regel auch nicht meterdicke Beton-Wände.

Kurzum, es handelt sich gar nicht um eine Kirche, sondern um ein herausragendes Monument des Wirkens unserer Nazi-Vorfahren, den grandiosesten Ruinenbaumeistern der Neuzeit. Ihnen gelang Innovatives: Ganz Deutschland in Trümmer zu legen und zugleich Bauwerke zu schaffen, die sich offenbar in Jahrhunderten einfach nicht kaputt kriegen lassen. Wie tote, aber unzerstörbare Zähne ragen die Hochbunker im faulen Maul des Geddos: Zu hässlich und gemein, um stehen zu bleiben; zu klumpig, trumpfmotzig und blöd betonbullig, um sie rationell wegzubomben; andererseits zu idiotisch widersinnig verbaut, um sie einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Dieser hier, heißt es, war einst ein sog. „OP-Bunker“, eine Art verbarrikadiertes Kriegs-Lazarett, in dem es sich noch gemütlich Beine amputieren ließ, wenn sich draußen über der Stadt schon die Royal Airforce austobte.

2009 geisterte durch die Bezirksvertretung das Gerücht, eine Investorengruppe wolle „Büro- und Wohnräume“ darin einrichten. „Na, dann wünsch ich schon mal viel Spaß mit den Heizkosten!“, dachte ich noch, aber es blieb eh, wie fast alle hochmögende Stadtplanung in Duisburg, heiße Luft, oder wie Magister Lichtenberg sagte, „ein wehendes Vakuum“.

Der Klotz hockt weiter in seiner verstockten Mehrstöckigkeit und mahnt stumm vor sich hin. Kein jugendfroher Vandalismus und kein delirierender Stadtplaner kann ihm etwas anhaben. Selbst zu Graffitti fordert er seltsamerweise nicht wirklich heraus. ’So dauerhaft wie ich ist nur die Dummheit’, besagt er. Freilich kann man bezweifeln, dass die täglich dran vorbeiziehenden Völkerscharen einen Schimmer haben, was es mit dem Backsteinwerk auf sich hat. Man kann noch nicht mal eine Moschee draus machen!

Aber weil ich jetzt drüber nachgedacht habe, kann man ihn ja zum Denkmal erklären, den Klotz.

Erna_kommt Alle wollen immer nur reichlich bunkern!

jurgenehre Eine Festung ist unser Gott, ein Bunker unser Teufel.. Warum sooo grimmig?

Kamps Backshop - Krefeld

Hochstr. 24, 47798 Krefeld

18.01.2011

PERSONAL HIGHLIGHT

Unter meinen dreißig LeserInnen bin ich ja für meine Fairness weltbekannt. Ich kann schon mal etwas ätzend sein, aber wenn wo was irgendwann mal gut ist, drängt es mich, das gern zu melden. – Aus eher prinzipiellen, auch ökotrophologischen Gründen bin ich kein großer Freund der Fa. Kamps. Die aus unumschränkter Profitgier geborenen Industriebäcker-Ketten haben mir das Brötchen-Glück meiner Kindheit gestohlen! Auch die als eingeheiratete Kronprinzessin fungierende Knallschote und multi-unkulturelle Labertasche Gülçan Kamps hat bei mir die Sympathiewerte dieser schnöden Brötchen-Veröder nicht erhöht. Aus solchem Motivgemenge heraus habe ich kürzlich die Kamps-Filiale im Krefelder Hauptbahnhof etwas uncharmant getatzelt.

Nun war ich erneut in Krefeld, und wieder zu früh und frühtücksbedürftig. Mangels echter Alternativen machte ich mir Mut: Vielleicht ist Kamps ja nicht immer und überall gleich Kamps, vielleicht gibt es ja auch Unterschiede? Um es kurz zu machen: Es gibt sie. Zum Beispiel schräg gegenüber, in Sichtweite vom Bahnhof (ich hoffe, die Adresse stimmt).

Diese Kamps-Filiale punktet schon mal mit 50% weniger Kälte und Zugigkeit, was der reisende Zeitungsleser und Frühstücker zu schätzen weiß. Doch die Attraktion, jedenfalls an diesem Tag, waren die zwei jungen Männer hinter dem Tresen, die ich mit wachsender Hingerissenheit bei der Arbeit beobachtete (ich bin, hüstel, übrigens Hetero). So viel Vitalität, Spannkraft, Freundlichkeit, Kundenorientiertheit, Flinkheit, ja beinahe Arbeitsfreudigkeit und Engagement habe ich seit Ewigkeiten in keinem Service-Bereich erlebt. Die beiden Jungs, teils vielleicht mit, teils eher ohne „Migrationshintergrund“, waren sich ihrer absoluten Überqualifiziertheit entweder nicht bewusst oder ließen sich das nicht anmerken. Für jeden Kunden ein strahlender Gruß, ein freundliches Wort, einen Serviervorschlag, ein hilfreiches Angebot, das alles rasch, gewandt, präzis und unaufgesetzt! Nebenarbeiten wurden unauffällig und dezent erledigt, ohne dass ein Kunde nur eine Sekunde warten musste. Als wären sie Kamps’ neue Schwiegersöhne!

So etwas sei doch alles selbstverständlich, meint ihr? Schön wärs. Aber mal im Ernst: Selbst die bescheidene Filiale eines eher besch...eidenen System-Ladens (das Backwerk bleibt natürlich das gleiche) kann durch gutes Personal um Welten gewinnen. Vielleicht gibts ja irgendwann ein Umdenken, und Unternehmer investieren mal wieder in Menschen anstatt in Chemikalien und Automaten?

Erna_kommt drei* für den Kamps sind aber viel!!!

jurgenehre Komm in das Land des Lächelns, raus aus dem Stress- Geddo! Überwache deinen Blutdruck, lieber Freund!

Stadtentwicklungsdezernat - Duisburg

Friedrich-Albert-Lange-Platz 7, D-47049 Duisburg

11.01.2011

WIR VER-DSCHUNGELN UNSER OMMA IHR KLEIN HÄUSCHEN

Wir haben hier, was nicht vielleicht jede Kommune besitzt, einen gewissen Herrn Dressler. Jürgen Dressler. Er selbst nennt sich gern „Stadtbaurat“, aber offiziell darf er sich nur Bau- und Planungsdezernent nennen. Dafür dürfen wiederum wir Wähler seine Beliebtheitswerte schwankend, seine Reputation umstritten und seine Kompetenz erörterungswürdig heißen. Egal, demnächst wird der Kommunalminister für Fehlplanung, Luftschlossbau und Kreativ-Phantasmen sowieso in Pension geschickt. Manche atmen darob auf, andere halten den Atem an: Wird es jetzt vielleicht noch schlimmer, ohne den sympathischen Grundsteinleger, Autobahnverbreiterer und Wolkenkuckucksheimer?

Der SPD-Neujahrsempfang war wohl jedenfalls sein letzter öffentlicher Auftritt. Und dabei hat der Herr Dressler nun etwas wirklich Bemerkenswertes gesagt! Es kommt selten vor, dass ich die Ohren spitze, wenn so eine Kommunal-Schranze irgendwas von sich gibt – aber diesmal? Ich war enchantiert, ja regelrecht inspiriert und angefackelt! Man sollte nämlich, so empfahl der expertenmäßig vorbildlich vorgebildete Dezernent für Stadtdekonstruktion, am besten große Teile der Stadt Duisburg ... abreißen! – Das nenne ich groß, ja, visionär gedacht! Mit Mut zur Lücke, zum Leerstand, ja, zum Nichts!

Selten hat ein SPD-Kommunaler mir derart aus dem Herzen gesprochen! „Große Stadt-Teile“, so zitiert ihn die Presse, sollte man also „abreißen“, zusammen semmeln und derbatzen, kurz: dem Erdboden gleichmachen. Das ist doch mein Reden seit Jahren! Komplettieren wir das unvollendete Werk der königlich-britischen Luftflotte (R.A.F.)! Machen wir reinen Tisch bzw. kaputt, was uns kaputt macht! Schaffen wir Natur-Oasen, endlos weite Grünflächen, Savannen und Regenwälder zwischen DU-Meiderich und DU-Hochfeld! Lasst Giraffen weiden, das Gnu ansiedeln, den Biber arbeiten zwischen Rhein und Ruhr! Weg mit den verpickelten, schimmligen, vereiterten, kotzbrockengrauen Bausünden der 50er, 60er, 70er, 80er und 90er Jahre! Können sich beim Dschungelcamp eigentlich auch ganze Städte anmelden? Dann los! Wohlan! Frischen Mutes die Abrissbirne geschwungen! Haut weg den Scheiß! Nimmt man wohl Freiwillige? Ich würd mich gern melden, um beim Abriss mitzutun. Braucht man einen Presslufthammerführerschein? Ich kann aus den frühen 70ern eine solide Bombenleger-Ausbildung vorweisen!

Der Herr Dressler ist natürlich weder von der R.A.F. noch bei der RAF. – Er meint halt nur, und nicht gänzlich zu unrecht, bei ständig wachsendem Bevölkerungsschwund (oh je! Kann denn ein Schwund wachsen? Was sagt die Semantik-Abteilung der Diskurspolizei? Na, ihr wisst, was gemeint ist...) sei es zu teuer, ganze Stadtteile mit kommunalen Leistungen wie Kanalisation, ÖPNV und Stadtreinigung zu versorgen und zu erhalten, wo doch niemand mehr dort wohnt (wobei „niemand“ halt der Sammelbegriff ist für Russlanddeutsche, Roma, Bulgaren, Polacken, deutsche Hatz4ler und anderes zahlungsunfähige Pack). Yeah! Wir ver-dschungeln unser Omma ihr klein Häuschen.

Ich freu mich schon auf die Schilder, knapp hinter den Shopping-Mals und Konsum-Galerien: „Achtung! Sie verlassen den zivilisierten Sektor der Stadt“. – „Vorsicht, Wildtierwechsel!“ „Warnung: Sprengungsarbeiten!“ – „Hier entsteht für Sie ein Naturschutzpark!“ Duisburg wird, nach verflossenem Montanstadt-Glamour und tristem Geddo-Elend, nunmehr zur Serengeti 2.0.

In einem Märchen von Hanns Christian Andersen, hab vergessen, in welchen, steht ein Satz, den ich behalten habe: „Immer bergab, sagten die Engländer, immer bergab und immer lustig. So gefällt es uns!“ Und mir halt auch. Sarrazin hatte nur fast Recht: Zwar nicht gleich ganz Deutschland, aber wenigstens, und das ist ein Anfang: Duisburg schafft sich ab. Ach, DAS wird ein Frühling: Silbrig-frische Land-Luft und der Duft von Semtex am Morgen! Natürlich hoffe ich, man lässt ein paar Mitbürger am Leben. Ureinwohner, die bereitwillig ver-bauern, ver-indianern, ver-wildern, und für Touristen vorführen, wie ökologisch wertvoll das Bio-Leben der Neanderthaler war.

Kreative Stadtentwicklung, doch, das ist ein Gebiet, für das ich mich begeistern könnte! Ich weiß nicht, ob man als Mitbürger Vorschläge einreichen darf, welche „großen Stadt-Teile“ zuerst gesprengt werden sollten. Vorschläge hätte ich schon.

Saupreis Warum eigentlich nicht? Abgerissen wurde immer schon.

UggaUgga SEMTEX!!?? Hört, hört - ein 6Kraska6 kennt sich mit einem "Qualitätsprodukt" der - Vorsicht, politisch unkorrekt - Tschechei aus. ;-)

Krause - Duisburg

Friedenstraße 110, 47053 Duisburg

10.01.2011

YOU CAN ALWAYS GET WHAT YOU WANT!

Krause. Kein Name – ein Programm! Wie anders könnte der Laden heißen als schlicht: „Krause“! Höchstens noch: „Kraut & Rüben“, wobei ausgerechnet Kraut und Rüben vielleicht zum wenigen zählen, was es bei Krause NICHT gibt, sowenig wie elektronische Sprengsatzzünder, koreanische Potenzmittel aus Tiger-Hoden und Rote-Beete-Granulat. Sonst aber fraglos ALLES. „Krause“ ist, um eine Lieblingssprachfigur von Samuel Beckett zu zitieren, ein dermaßen universales „Büdchen“, dass „Büdchen“ schon nicht mehr der richtige Ausdruck ist. „Krause“, das ist ein Miniatur-Lafayette auf 25 Quadratmetern; „Krause“ ist der glorrreiche Name der verzweifelten Strategie, dem ökonomischen Niedergang durch gnadenlos kreative, tägliche, ja fast stündliche Sortimentserweiterung die Stirn zu bieten.

Wir reden also hier nicht vom Standardprogramm, nicht von Kippen, Korn und Kondomen, nicht von Printerzeugnissen, Feuerzeugen, Batterien, nicht von Schulheften, Drehbleistiften und Glückwunschkarten, nicht von Müllsäcken, Telefonkarten und Nahverkehrsticketts, nicht von Briefmarken, Nähzeug und Bastlerbedarf! Iwo! So etwas zu führen ist für ein anständiges Ruhrgebietsbüdchen eine Selbstverständlichkeit!

Du musst deine Beziehung kitten, dein Leben kleben, auswandern, untertauchen oder das Geschlecht wechseln? Kurz mal kopieren, telefonieren, Telefaxe versenden oder sonst wie tele-kommunizieren? Du brauchst eine Botox-Spritze, musst mit dem Internetz fischen, willst einen Reise-Pass kaufen oder ein Koch-Rezept recherchieren? Geh zu Krause! Geht es um Autos, Adoptionen oder Alimente? Reichen dir neue Staubsaugerbeutel oder brauchst du die Spurensicherung? Hat dich ein, vielleicht durch den Genuß von Krauses Magic Mushrooms befeuerter Drang gepackt, dein Heim zu verschönern? „Krause“ bietet: Puppen, Statuetten, Gipsengel, Marionetten, Krippenspiele, Schneekugeln mit und ohne Weihnachtsmann, Lava-Lampen, Lametta-Lawinen und Leuchtkugeln, Kruzifixe, Schraubendreher und Bohrfutter-Schlüssel, Steuererklärungsformulare, Prepaid-Handys (für anonyme Hinweise!), Liechtensteiner CDs, Schneeballsysteme, Sportwetten und Lotto-Scheine. Wie? Musst du ein polizeiliches Führungszeugnis basteln? Oder einen Abschluss in forensischer Psychiatrie faken?

Dürften es Pokerkarten, todsichere Roulette-Systeme oder Schatzkarten sein? Oder – für einen zeitgeschichtlich brisanten 60er-Jahre-Film – Requisiten wie Druckaschenbecher, Käse-Igel oder Kaffeewärmer?

Wie magisch gebannt verharre ich jedes Mal vor „Krauses“ vergitterten Auslagen: Mir will nicht einfallen, was es hier nicht gibt! Es mag übertrieben und eine Überschätzung sein, aber bei „Krause“ hab ich immer den Eindruck, hier bekäme ich zur Not auch die Privatadresse von Osama bin Laden, die geheime Telefonnummer von Bob Dylan oder die Schnittmuster von Lady Gagas Kleid aus Rumpsteak-Fleisch. – Gut, vielleicht suchst du etwas WIRKLICH Ausgefallenes, Schräges und extrem Unwahrscheinliches, und bist schon seit Tagen und Nächten vergebens durch die Halbwelt und den Untergrund des Geddos geirrt – warum aber dann nicht erstmal bei Krause fragen? Gut, so richtig ILLEGALES wird es bei Krause nicht geben. Wer ein „AK 47“ benötigt, eine Automatik-Pistole mit weggefeilter Registriernummer oder gar ein Tütchen Crystal Meth, – der wird HIER sicher nicht fündig, dafür gibt es andere Adressen. „Krause“ ist durch und durch bieder, anständig und gesetzestreu. Hier kaufen Schulkinder und ihre verantwortungsbewussten Eltern! Selbst die Fassade des Ladens ist so hygienisch verklinkert, dass schon der bloße Verdacht auf Gesetzwidriges daran abperlt wie die blutigen Tränen einer Madonnen-Statue von derselben. Seriöseres und deutscheres als „Krause“ gibt es im Viertel nicht!

Übrigens residiert „Krause“ direkt schräg gegenüber vom „Caffé dello Sport“, einer Kneipe, in der ausschließlich sizilianisch und kalabresisch gesprochen wird, und in der deutsche Legal-Spießer nicht gern gesehen werden. Aber da kann „Krause“ ja nix für. „Krause“ ist, gewiß, ein Luxus-Büdchen, aber es ist auch ein Ort für wilde Träume! Ausweislich der Nippes-Figuren ein extrem und beinhart CHRISTLICHER Ort, der den umliegenden Hinterhofmoscheen trutzig ein kreuzfahrerisch rechtgläubiges Paroli biet. Und deswegen heißt er, wie er heißt: „Krause“!

Saupreis Schön!

Nach dieser Listung des Sortiments bin ich ganz neugierig geworden auf Opa Krause.

Könntest Du diesen noch vorstellen? Vielleicht in einem eigenen Artikel?

Auszeichnung für "Very Important Qyper", kurz "VIQs"

sidifferent Giggle, magic mushrooms, so was gibt es noch ?

Edeka Angerbogen - Duisburg

Düsseldorfer Landstraße 361, 47259 Duisburg

08.01.2011

Der Prophet und der Prinz-auf-der-Erbse beim Poulardenkauf

Heute erhielt ich per Post von der WBG endlich den dringend ersehnten fünften Band der Hadithe des Propheten Muhammad, der (also der Band!) u. a. schiitische Speisevorschriften enthält. Meine schiitischen Mitbürger mögen mir verzeihen, aber irgendwie bringt mich das auch nicht weiter. Ob über dem zu schlachtenden Tier nun korrekt der Name Allahs angerufen wurde oder dies, aus Schlampigkeit oder Unglauben, leider unterblieb, scheint mir weniger wichtig, als die Frage, mit was für einem satanischen Zeug das Schlachttier zuvor gefüttert wurde.

Dioxin, Asbest, Acrylamat oder selbst biologisch angebaute Salmonellen – das ganze Zeug, das anderen so gut schmeckt, vertrag ich nicht so richtig. Ich bin ein ausgemachter Öko-, ja sogar Ökotrophologie-Zimperling, ernährungstechnisch praktisch ein hypersensibler Prinz-auf-der-Erbse. Gegen die Hälfte aller Gifte bin ich allergisch, und der Rest tut mir irgendwie nicht gut. Eine von mir entwickelte Fasten-Diät, bei der man sich nur von Bio-Wein, Roggen-Whisky und Scotch, gebraut u. a. aus purem Hebriden-Quellwasser, ernährt, fand nicht uneingeschränkt die Billigung der Gattin. Sie, die journalistisch versierte Rechercheurin, fand bald heraus, dass selbst meine Lieblingsnahrungsmittel ein wenig bekanntes Gift enthalten (Alkohol!). Und sie findet, dieses Gift gehört ebenfalls auf die no-go- Liste. Mist! – Da ist guter Rat nun, was er immer ist: rar und teuer.

Eine echte Zwickmühle: Einerseits zwickt die notorisch anorektische Geld-Börse und rät (geldwerter Geld-Börsen-Tip!) dringend zu Einkäufen beim Discounter oder Gemüse-Türken. Andererseits verschmähe ich ethisch hoch-motiviert, grundsätzlich mit fiesem Gift aufgepäppeltes resp. herzlos zu Tode gemästetes Lebendmaterial aus Hühner-KZs und Puten-Gulags, sowie chemie-besudeltes, hoch-gespritztes und radioaktiv begastes Kunst-Gemüse. Der Anruf Allahs spielt da keine Rolle.

Sich am Wochenende das Material für exzessive Hobby-Koch-Orgien zusammenzuklauben, erfordert gewissenhafte Planung, strategische Intelligenz und ein Höchstmaß undogmatischer Flexibilität. Gelegentlich erfordert es daher sogar das zwiespältige Vergnügen, beim EDEKA im Duisburger Süden Einkäufe zu tätigen. Ein riesiger Lebensmittelmarkt für Leute, die bereit sind, für einen Salatkopf 2,99 und für ein Kilo Trauben 8,99 Euro auszugeben. Ist ja egal, wir zahlen eh mit Karte. Hier gibt es alles, was des Laien-Kochs verfettetes Herz höher hüpfen lässt, u. a. eine beeindruckende Auswahl des Überflüssigsten, was die Welt erfunden hat: Convenience-Food. Diese unvermeidbare Pest der bequemlichen Postmoderne wurde für Leute erfunden, die zu reich, zu blöd oder zu blasiert sind, sich eigenfingrig einen kleinen Salat zu schnippeln, und die daher lieber für 5.99 Euro einen kleinen Plexiglas-Container-Schneewittchensarg mit welkem Vorgeschnippelten kaufen, dem eine Plastik-Gabel (!) beigeklebt ist. – Dieses Geld-Gesindel ist ja definitiv unfähig, sich eine Scheibe Schinken und ein Salatblatt auf den Toast zu legen – sie müssen das FERTIG kaufen! Eingeschweißt!

Dabei lass ich mir, dies als wichtige Information über meine Persönlichkeitsstruktur, meine Verachtung keineswegs anmerken. Zwanzig Minuten meiner ablaufenden Lebenszeit widmete ich uneigennützig einer älteren Düsseldorfer Pelzmantel-Schlampe, um ihr zu erklären, was es mit Jakobs-Muscheln auf sich habe und das es für Gourmets beklagenswert sei, dass diese seit einiger Zeit grundsätzlich nur noch ohne den köstlichen Rogen erhältlich wären. Die blondierte Pelzdame versuchte, sich zu revanchieren, machte ein listiges Gesicht und erkärte mir verschwörerisch: „Isch glaub, isch weiß, wat die mit den Rogen machen!“ Ich: „???“ Sie. „Da machen die Kaviar draus!“ Ich: „Was? Kaviar?“ Sie: „Jahaa, diese kleinen, schwarzen Kügelchen!“ Ich versicherte ihr, dies sei schon deshalb unwahrscheinlich, weil der Rogen von Jakobsmuscheln leuchtend orange-rot und keineswegs kugelförmig sei; ich verließ die Dame aber nicht, ohne ihr eine leicht verständliche Anweisung zu hinterlassen, wie man köstliche Coquilles-St.-Jacques zubereitet. Bin ich ein Gentleman!

Nein, im Ernst: Dieses Luxus-EDEKA hat schon ein beeindruckendes Angebot, und nicht nur für erzbrummdoofe Düsseldorfer Parvenues; als Geddo-Insasse, der in diesen Palast nur kommt, wenn die Gattin ihn mal mitnimmt, glühen einem ob der herrschenden Mond-Preise freilich kräftig die Ohren; ich war sogar kurzzeitig versucht, ein oder zwei Schnäpse direkt intravenös in mein Portemonnaie zu kippen, damit es betäubt für eine Weile Ruhe gäbe und zu quengeln aufhöre. Hektisch blätterte ich in den Hadithen: Hatte der Prophet nicht den Wucher untersagt? Hat er. Aber wer hört schon auf Propheten!

Immerhin habe ich hier eine adrette, schnuckelig-feiste „Schlemmer-Poularde“ erstanden, die nicht nach Dioxin aussah. Ich werde sie „mexikanisch“, also mit Chili-Schokoladen-Sauce zubereiten. Fertig gab es das nicht. Ich werde also kochen müssen. Aus dem verbliebenen Rest Block-Schokolade mach ich Kaviar, zu dem ich, auch wenn es der Prophet gar nicht gern sieht, ein Gläschen Grauburgunder trinke, in den man, so hoffe ich vertrauensseliger Naivling, bitteschön nichts Artfremdes hineingepanscht hat. Andernfalls möge der Zorn Gottes über den Winzer kommen, und er sollte schon mal in den Hadithen nachblättern, was ihm an Höllenstrafen blüht.

Mit anderen Worten, und knapp zusammengefasst: Am Anfang des Monats kann man in diesem EDEKA schon mal gut einkaufen!

Auszeichnung für "Very Important Qyper", kurz "VIQs"

sidifferent Nu habe ich nen paar Jahre in Düsselkaff gelebt und nie begriffen, dass es da einen fließenden Übergang zu Duisburg gibt. Danke, kraska

Erna_kommt Poulonesen auf Erbsen, das ist ja eine fäkalinarische Offenbahrung!

Krefeld Hbf - Krefeld

Am Hauptbahnhof 1, 47799 Krefeld

06.01.2011

BEIN FAST AB, ANSONSTEN ABSCHEU

Tja, Gott, Bahnhöfe. Verzeihung! Über Bahnhöfe spricht man ja nicht gern. Im Grunde das gleiche wie Bedürfnisanstalten – irgend einen miesen Verschlag muss man halt in die Gegend (oder neuerdings in den Untergrund) klotzen, damit die Pullmann-Züge wissen, wo sie halten und mal pullern dürfen. Lummerland-Oberstadt, Dodge City, Paris, Pirmasens, Pinneberg – kein Ort, wo Züge nicht mal müssen. Darf man übrigens bei Tisch über Krefeld sprechen? Krefeld hat, hmrrhmm, auch einen Bahnhof.

Als unser Kaiser einst die Eisenbahn erfand, waren Bahnhöfe noch repräsentabel-repräsentative wilhelminische Protz- und Trutzburgen, welche die gottgegeben unanfechtbare hoheitliche Selbstherrlichkeit der reichsdeutsch-preussischenen Personenbeförderungsbehörde extraordinär versinnbildlichten! Bahnhöfe wie Neuschweinsteiger, Sanssissi und Beldéjavu zeugten von deutscher Ingenieurskunst und kaiserlichem Dekorationsstolz. Unsere ingeniösen Düsentriebtäter bauten Bahnhöfe bis nach Istanbul und Aleppo, in sechs Tagen oder so, und sie sahen, dass es gut war!

Nachdem unser hochverehrter Dampflok-Kaiser, der beim Schiffe-Versenken verloren hatte, in die Verbannung verschickt wurde, ging es bergab. Pah, patzten die modernen Sparfüchse, was sollen wir extra für Leute Paläste bauen, die doch nur alle sowieso bloß wissen wollen, wie sie hier ganz schnell wieder wegkommen? Macht halt ein Loch, verlegt Schienen, tut irgendso’n Dachdeckel drüber – und gut ist! Erwähnte ich schon Krefeld?
Ältere Register resp. Magister wie ich, die noch in der Goethe-Zeit aufwuchsen, quengeln freilich gern: Es gäbe doch auch hin und wieder Ankömmlinge, und für die sei der Aussteigebahnhof doch so eine Art Visitenkarte der Stadt, die zu betreten sie evtl. erwögen, weswegen doch möglicherweise eine gewisse Sauberkeit, optische Ansehnlichkeit und atmosphärisch commode Anmutung doch auch ratsam sein könnte? So als Werbung für die Stadt?

Was aber sagte mir, dem unbedarften, von Eichendorffscher Einfalt geprägten, naiven Ankömmling und Weltreisenden der Krefelder Hauptbahnhof? Dass die Stadt Krefeld eine heruntergekommene, übel verkommene, verarmte, am seidenen Hungertuch nagende, von korrupten oder unfähigen Defraudanten regierte, geistfern verwahrloste, miese kleine Schlachthaus-Metropole, grekachelt, schmutzig, baufällig, korrupt, niederschmetternd desolat, eiskalt zugig fremdenfeindliche, ungastliche Stadt sei? Das kann ich nicht glauben! Andererseits – der Augenschein...

Kann mir ja egal sein. Wer bewertet schon Bahnhöfe. Und wer will schon nach Krefeld? Was ich aber verflucht persönlich nehme, ohne zu wissen, wer daran schuld ist, ist die Tatsache, dass man mir im Krefelder Bahnhof, an Gleis 2, heute versuchte, ein komplettes Bein abzureißen, und zwar auch noch das rechte, auf das ich, verdammt noch mal, sehr viel Wert lege! Ich meine, okay, es mag kein schönes Bein sein, aber mir ist es vertraut und lieb. Ich gehe gern stereo, anstatt einbeinig herumzuhüpfen, damit nachher noch herzlose Lausebengel (Herkunft unbekannt!) mir hinterher rufen: „Na, alter dicker Mann? Diabetes oder was?“ Es war nämlich so, dass zwischen dem Bahnsteig und der RB33 ein ca. 50cm breiter Spalt klafft, in den ich, kurz bevor derZug anfuhr, hineingeriet. Sekunden später, und es hätte mich zerrissen. Besonders lobenswert fand ich die dumm, debil, mit hängenden Gorilla-Armen stumpf mich beglotzenden Krefelder (?), die, anstatt mir aus meiner extrem prekären Lage herauszuhelfen, hoffnungsvoll meine Hilflosigkeit begafften, in der doch spürbar lustvollen Erwartung, es gäbe vielleicht Blut und Horror, damit sie zuhaus was zu erzählen hätten. Oder in die Mikrophone von RTL, Sat1 und ZDF.

Der Bahnhof Krefeld, ich bitte nochmals um Entschuldigung, von solchen Obzönitäten zu sprechen, der Bahnhof Krefeld also, an diesem frostig-grauen, fies-niesiligen Januar-Morgen, präsentierte mir die anhängende Stadt zum Verlieben! Aah, Krefeld, wer wollte Dich nicht besuchen – und würde spätestens am HBF Hals über Kopf reißaus nehmen...

Siam-Wellness Wohl war... Krefeld, die Samt und Seidenstadt hat sehr abgebaut! Ich bin (man nehme es mir nicht übel) gebürtiger Krefelder und bin nun übergesiedelter Duisburger. Allein Veranstaltungstechnisch hat Duisburg wesentlich mehr zu bieten. Allerdings hat man den HBF schon um etliche Level verbessert. Vor 10 Jahren war es durchaus noch gefährlicher dort und hat diesen Ort möglichst gemieden.

6Kraska6 Der Kontrast war es wohl, der mich so irritiert hat. In Krefeld musste ich in ein Viertel, in dem sich ungeheuer protzig-monströse Villen, z. T. schon kleine Paläste aneinander reihen (wohl noch aus der Blütezeit der Textilindustrie) – und dann dieser schäbige, abstoßende, verwahrloste HBF...

Bäckerei Kamps - Krefeld

Am Hauptbahnhof 1, Krefeld

07.01.2011

DAS IKEA-TOR ZUR HÖLLE (KREFELD)

Gern stilisiere ich mich als kosmopolitisch und urban erfahrenen Weltmann. Man muss, sagen wir mal, aus Arzt-Besuchs-Gründen, in die Provinzstadt Krefeld. Nun gut, warum denn nicht. Nur, als stets überangepasster, ängstlicher Psycho-Krüppel bin ich natürlich generell mindestens eine Stunde zu früh. Will ja meinem Arzt nicht die Zeit stehlen! Dessen Zeit ist kostbar! Ich trau halt eben auch im Winter dem ÖPV nicht besonders, deswegen bin ich aus Prinzip zu früh! Eine leere Stunde zu überbrücken, dürfte ja auch kein Problem sein, oder? Geht man halt in ein Café! Na ja, „Café“, so etwas Urban-Mondänes kann man sich hier in Krefeld natürlich erstmal abschminken.

Aber man kann immerhin, wie ich, die Bäckerei Kamps besuchen, sich ein Marzipan- oder Schoko-Croissant und einen Pappbecher Milchkaffee ordern und dann seine mitgebrachte Zeitung dazu lesen. Kostenlos dazu bekommt man eine Erfahrung, die nicht jeder sein eigen nennen darf. Wie ist es eigentlich, als Obdachloser zu leben? Nun ja, fieses, ungesundes, überteuertes Essen, eiskalt-zugiges, menschenfeindliches Ambiente, inhuman-zynisches IKEA-Mobiliar, gnadenlose Kälte.. Eiskalt desinteressiertes, unpersönliches Kantinen-Personal. Und kein Alkohol. Geht ja um 11.00 Uhr morgens schon mal gar nicht. Obwohl, ich würde jetzt und angesichts des Ambientes skrupellos einen „Jägermeister“ ordern, aber ich bin ja nicht zuhause, im Geddo! „Kamps“ also. Da, Knecht oder Von-sonstwo-Dahergelaufener, setzt Dich halt hin und freu Dich, für eine halbe Stunde geduldet zu werden.

Bei Kamps, jedenfalls in dieser Filiale, bekommt man nicht unbedingt Vertrauen in den Humanismus. In jeder Obdachlosen-Suppenküche wird man freundlicher behandelt. Und man muss dort nicht so frieren. Aber okay, es ist „Kamps“, und wer hier einkehrt, hat halt selber schuld und ahnt ja wenigstens, worauf er sich einlässt. Nur wenige Menschen werden schon von ihrem Leben her reichhaltig mit Depressionen reichhaltig beschenkt. Wer aber in der allgemeinen Daseins-Lotterie leer ausging, kann hier gut und preisgünstig (na ja...) nachtanken. Yeah! Vor Kälte und feucht-penetrantem Zug zitternd, von Trostlosigkeit umwabert, einsam und verachtet süßen Junkfood mit labbrig geschmacksfreiem Kaffee zu sich zu nehmen – wo kann man das sonst? Als Kameraden hat man versprengte Geschäftsleute, klamme Kaminfeger und Penner jenseits der Hoffnungsgrenze. Im Kopf spielt Tom Waits und Schopenhauer rät zum Suizid.

Wenn man, natürlich völlig unberechtigt, Krefeld für die Hölle hält, dann ist das „Kamps“ im HBF der würdige Eingang. Bäckerei-Ketten-Filialen gehören zurecht schon immer zu den Highlights menschlichen Daseins. Unter diesen sinistren Präliminarien sich auf den Besuch der „Stadt“ vorzubereiten, macht durchaus Sinn. „Kamps“ weist Dich ein: Erwarte nichts. Zahle zuviel Geld. Friere wie ein Junkie auf Cold Turkey. Hab Spaß in unserer Stadt. Gehe direkt ins Gefängnis, ziehe keine 4000 Euro ein! Dieselbe (Stadt) heißt, falls Ihr Euch das doch mal notieren wollt, Krefeld. K-r-e-f-e-l-d. Eine Stadt, einladend wie ... wie .. äh... hm, nun ja, die Hölle. Die Hölle jedenfalls, glaub ich nämlich, vom HBF und „Kamps“ ausgehend, muß ungefähr so sein wie eben ... Krefeld. Trist, kalt, grau, nieselig, zugig und ungemütlich, abweisend, trostlos, trivial und unbedeutend.

Wer gern in einen richtig deprimierenden Tag starten möchte, voller Niederlagen, Demütigungen und Desillusionierungen, für den wäre, meiner subkektiven Eindrücke nach, „Kamps“ im Krefelder HBF ein ziemlich superguter Startpunkt. Fuck Gute Laune! Vergiß den Kitsch von Optimismus, Lebensmut und Daseinsfreude! Lies zum faden „Milch(?)Kaffee(?) ein paar Zeitungsartikel über Banker-Defraudanten, Dioxin-Schweine und FDP-Wichser. Mach Dir dabei begreiflich: Du hast keine Zukunft. Niemand wird Dich vermissen. Beginn Deinen letzten Tag bei „Kamps“! Das Lebensende wird Dir danach nicht so traurig vorkommen. Das Leben ist eine Geldmaschine. – Ich freu mich schon so aufs Pleite-Sein...

Tulpenteufel In meiner Roseller Hood sind die Kamps-Frauen ausgesucht höflich, dadurch schmeckt das Zeug jedoch auch nicht besser. Die Schokolade in meinem letzten Schokocroissant hatte eine artuntypische, fischige Komponente.Würg! Noch schlimmer ist, dass Kamps Bäcker in Marokko, Rumänien, Brasilien usw. verdirbt. Unter dem Deckmäntelchen zu helfen und nennt das süffisant "Brot gegen Not".

Schniekmaster Die haben ihre eigene Not noch nicht entdeckt ;-)

Qype Motivation - Neustadt

Hamburg

31.12.2010

Kraskas Mitgliedermotivation: Schreibt auf Qype

„Theeooooo, wir fahr’n nach Lodz“ – so posaunte einst die unvergessene Graeco-Sirene Vicky Leandros, die, wie mancher für Anwohner nicht ungefährliche Vulkan, noch heute gelegentlich aktiv sein soll. Ob „Theo“ den reiseverführerischen Eruptionen der damals noch ungelifteten Liedgutsbesitzerin Folge leistete, ist mir nicht bekannt. Lodz ist m. W. ungefähr so attraktiv wie Duisburg, – aber „Theo, wir fahr’n nach Kraaa-kau“ wäre rhythmisch halt nicht so der Bringer gewesen.

Dennoch, mit Gratis-Reisen zu locken, ist und bleibt altbewährte Werbetradition. Das aufstrebende Weltunternehmen Qype mag da nicht kleckern, es klotzt global und winkt generös mit einer sage & schreibe 1-wöchigen, hippen New-York-Reise für ca. 2 Personen (d. h. 1 Person sowie „1 Begleit-Person Deiner Wahl“ (!). New York, New York! If I can make it there, I can make it everywhere und so weiter. Sse Bic Äppel! Qype hätte es sich ’türlich einfach machen und die content-
Lieferer mit ein paar user- freundlichen Reparaturen, Design-Renovierungen und technischen Verbesserungen um den Bart gehen resp. abspeisen können, aber nein, iwo, das wäre zu kleinkariert und un-cool. Stattdessen wird die Sause in die Welt-Großstadt unter allen Beiträgen verlost, die zwischen dem 8. 12. und heute bei Qype veröffentlicht wurden. Heute geht also nicht nur ein mittelmäßiges Jahr zuende, sondern auch eine erfolgreiche Motivationskampagne. Eine gewiss bezaubernde Qype-Glücksfee greift heute mit verbundenen Augen ins virtuelle Töpfchen und fischt den seligen Gewinner heraus. Man darf, wie der Provinzreporter gerne schreibt, „gespannt sein“, ob es dann auch genau der sein wird, den man sich vorher ausgeguckt hat.

Erfolgsgekrönt war das Preisausschreiben ohne Frage, denn es gibt Schlauberger und Sparfüchse, die sich blitzschnell ausgerechnet haben, dass man seine Chancen auf die Klassenfahrt ja wohl vervielfältigt, je mehr oder doller man Beiträge schreibt. Nach Adam Riese und Eva Zwerg wird das hinkommen. Das Schöne daran: Auf den Inhalt kommt es gar nicht an! Man kann auch, sozusagen, mit leeren Händen nach New York fliegen. Ich kenne einen Qyper (dessen Namen ich fairerweise verschweige), der im fraglichen Preiszeitraum geschätzte bzw. überschlägig gezählte 80 (!) Beiträge verfasst hat, denen ich u. a. so wertvolle Informationen verdanke, wie die, dass es im Jeans-Shop XY Jeans zu kaufen gibt und die Firma Deichmann in jeder einzelnen ihrer Filialen „viele (!) verschiedene (!!) Schuhe“ feil bietet. – Für jemanden, der gerade durch ein dreistöckiges Buch-Kaufhaus irrt und verzweifelt nach der Schuh-Abteilung sucht, kommt diese Information vielleicht gerade noch rechtzeitig aufs iPhone.

Wer sich nicht hat hinreißen lassen, sämtliche Tchibo-, Lidl- und Deichmann-Filialen des Landkreises zumindest virtuell und kurz-review-mäßig abzuklappern, der hat das Nachsehen und muss wohl leider zu Hause bleiben, aber vielleicht war er ja schon in New York und möchte jetzt lieber mal nach Lodz. – Ich persönlich bin nicht traurig, denn momentan passt ein Flug nach New York gar nicht in meine kurz- bis mittelfristige Lebensplanung, zumal ich die Traumstadt schon aus dem Fernsehen kenne und aus tausend Kino-Streifen, komischerweise lauter Krimis und Mafia-Sagas. (Sagt man „Sagas“? Oder „Sagen“? Aber „Mafia-Sagen,“ das klingt ja, als gäbe es keine Mafia in NY. Kann das?)

Ungefragt und unbelohnt möchte auch ich alle alten und neuen Qyper motivieren, einladen und enorm anstacheln, auch im neuen Jahr wieder fleissig, ehrenamtlich und investigativ zu recherchieren und zu reportern, wo was lecker ist, hübsch betrunken macht oder wenig kostet. Auch Berichte darüber, wo es Schuhe gibt, will ich lesen und Bilder möchte ich wieder gucken, von Sehenswürdigkeiten oder so, am besten solche mit dem neuen Photoshop-tool, wo man so in Schwarz-Weiß-Fotos irgendwas trotzdem bunt machen kann, was irre aussieht. Schreibt Euch die Finger wund! Ihr kriegt auch Komplimente von mir!

Unter den Beiträgen, die mir besonders gefallen, verlose ich im nächsten Jahr eine einstündige Reise mit der U79 von Duisburg-Hochfeld nach Düsseldorf-HBF, für eine Person. Die Begleitperson braucht Ihr nicht, das wäre dann nämlich ich. Für Getränke (Pils, Jägermeister oder nach Deiner Wahl) hat der Gewinner zu sorgen. Allen anderen, den Verlierern, Gescheiterten und Erfolglosen, meinen lieben Kollegen also, wünsche ich ein gutes Neues Jahr!

Herzlichst, Euer Motiv.-Mag. Kraska (z. Zt. in Lodz oder Umgebung)

Auszeichnung für "Very Important Qyper", kurz "VIQs"

sidifferent Ich will, kraska, ich will an Deiner Tour de Ruhr-Reise teilnehmen !

Michael Z. Das ist ein guter Vorschlag! Auch ich wollte schon immer mal mehr über das Ruhrgebiet und die Eingeborenen vor Ort wissen. :-))