Beiträge von Karde
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Niederhövels über Schönstein nach Wissen, Lehr-Wanderweg über Kultur/Natur, Wissen
Karde
am 4 November 2010
Wieder zog es mich an die Sieg, die vielen unbekannten Wege locken mich. Auf der Wanderkarte hatte ich mir einen 7-km-Weg ausgesucht, der Wald, Felder und Aussichtspunkte zu bieten hat. Als krönenden Abschluss hatte ich mir Schloss Schönstein vorgenommen.
An der Hauptstraße durch Niederhövels stehen kleine, niedrige Reihenhäuser – nee, die sehen nicht nach Bauernhäuser aus. Auch hier finde ich ein Schild mit der Erklärung: Die Häuser wurden vom Grubenbesitzer an die Bergmänner und ihren Familien vermietet.
An einem Wanderparkplatz gleich hinter Niederhövels erfuhr ich etwas über den gut beschilderten Wanderweg. Er ist 35 km lang, führt im großen Kreis um Wissen und heißt Botanischer Wanderweg. Der Name ist etwas irreführend, denn er umfasst alle Begebenheiten dieser Gegend: Erzabbau über und unter Tage, Eisenbahnbau, Quellgebiete, Bäume u.v.m.
Ich folgte meinem Weg durch den Wald, langsam den Berg hinauf. Die ehemalige Erzabbaustelle Rasselkaute ist nur noch ein baufälliges Haus mit angrenzender Halle.
Etwas versteckt oberhalb des Weges steht ein Wegekreuz. Verschüttete Bergmänner hatten es nach ihrer Rettung errichtet.
Fast habe ich die offene Höhe erklommen. Die Sonne erreicht im letzten Talstück die Baumspitzen und lässt die Blätter erglühen.
Eine geteerte schmale Nebenstraße führt zu den kleinen, verstreut liegenden Siedlungen. Jede noch so kleine Siedlung hat einen eigenen Ortsnamen. Von dem lang gezogenen Bergrücken habe ich eine weite Sicht über bunte Wälder und Höhen.
Eines der kleinen Ortschaften möchte ich namentlich erwähnen: Blickhausen! Ist das ein Name für einen Ort mit schöner Aussicht? Zwei der schönen Häuser habe ich fotografiert. Eingerahmt von Gärten und bunten Laubbäumen sieht das alles sehr idyllisch aus.
Der Wanderweg führt durch die Wiesen sacht nach unten. Ein Schild weist mich daraufhin, dass ich mich in Quellgebiet befinde, erklärt Flora und Fauna.
Schon schluckt mich der Wald erneut. Der begraste Weg verläuft durch eine junge Schonung. Vielleicht fielen die Bäume einem der 80er Jahre-Stürme zum Opfer? Vom Nachbarhang leuchten goldene Lärchen herüber.
Am Wegesrand steht ein Familien-Dankeskreuz für zwei heimgekehrte Söhne aus dem I. Weltkrieg.
Mein bisher so beschaulicher Weg ändert sich leider allzu bald. Ich lese: Alter Fußpfad. Da hatten die Menschen zum Markt oder so aber einen beschwerlichen Weg.
Dieser Fußpfad schraubt sich in die Höhe, wird immer schmaler und auch noch abgeschrägt. Manno! Zum hundertsten Mal ein Dank an meine Wanderstöcke. Die vielen Blätter auf der Erde verdecken alle Unebenheiten. Ich bin gelaufen, als wollte ich Tellerminen aufspüren. Nee, war eigentlich nicht lustig ‚grumel’.
Gut, dann war es überstanden, der Pfad wurde zum Weg und es hat wieder Spaß gemacht. Rechts sah der Wald plötzlich nach Park aus? Ich stieg einige Schritte tiefer und war im Anwesen des Schlosses Schönstein. Mein Qype-Freund Exlenker schrieb einen interessanten Beitrag über das Schloss.
Grandiose alte Bäume, die nie Licht und Platz teilen mussten, stehen auf den Wiesen. Rhododendren-Büsche rahmen das weite Gelände ein. Dann gibt der Park den Blick auf das Schloss frei. Eigentlich sieht das Gebäude nach Burg aus. War es wohl auch, bis einer der Besitzer sie zum Schloss umgestaltet hat.
Ich hatte gelesen, dass sich Schloss Schönstein in Privatbesitz der Grafen von Dönhoff befindet. Dass es den Besuchern nicht verwehrt wird, über das Gelände zu laufen, finde ich sehr großzügig. Das Burgtor zum winzigen ersten Vorhof steht offen. Klar habe ich hier fotografiert, was nur eben möglich war.
Das ganze Burgschloss macht einen sehr gepflegten Eindruck, genau wie alle Nebengebäude.
Durch einen Torbogen komme ich zu einem weiteren Vorhof mit Fachwerk-Häusern. Über einer Tür steht ‚Wildkammer’. Der ganze Hof ist mit runden Steinen gepflastert. Schwer zu begehen, aber hübsch anzusehen.
Erst von der Straße erkenne ich die ganze Größe des Schlosses. Gewaltige Mauern über mehrere Etagen ragen empor. Wenn ich die Bauzeit (ab 13. Jh.) bedenke – eine tolle Leistung. Das Burgschloss wurde auf einen Fels zwischen Sieg und Elbbachmündung erbaut, strategisch sehr geschickt.
Eigentlich wollte ich anschließend noch eine besondere Kapelle auf dem Nachbarhügel besuchen, aber der ‚Alte Fußpfad’ hat mich geschaftt. So lief ich den Kilometer bis Wissen an der Straße entlang und dann ab ins Bahnhofs-Café (!!) bis der Zug mich durch das schöne Siegtal zurück nach Köln brachte!!
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Kleiner Ort auf der Höhe des Westerwaldes, Wissen
Karde
am 31 Oktober 2010
Jahrzehnte ließ ich das Siegerland links liegen – zu sanft, wenig anspruchsvolle Wanderungen, dachte ich!
Ich tat der Gegend bitter Unrecht. Bin in den letzten beiden Jahren schon einige Male hier gewandert und mit dem „Gefährlichen Bergpfad“ ab Dattenfeld an meine heutigen Grenzen gestoßen.
Seit diesem Jahr verbindet mich mit der Gegend um Wissen/Sieg etwas Besonderes: ich fand heraus, dass ein Familienzweig meiner Ahnen aus dieser Gegend stammt (die Kirchenbuch-Aufzeichnungen beginnen 1730). Um eine Beziehung zu den längst Verstorbenen herzustellen, laufe ich mit meiner neuen Wanderkarte durchs Wissener Land.
Meine Sippe kommt aus einem kleinen Ort oben auf dem Berg. Geschickt wurden die fünf Anwesen in eine Mulde gebaut – das schütze wenigstens etwas vor den kalten Winden des Westerwaldes.
In dieser Gegend wurde überall unter Tage Erz abgebaut. Ob mein Ahn dort als Schlosser gearbeitet hat oder in der Dorfschmiede?
Bei meiner Wanderung kam ich in Dorfnähe an „hübschen“ Wiesen vorbei. Wow, ein neuartiger Swin-Golfplatz?!
Der Eichenhof hat den Sprung in die moderne Zeit geschafft. Es gibt außer Swin-Golf, ein Scheunen-Café, Heuhotel und Ferienwohnungen.
Bedächtig gehe ich über die schmale, sich windende Dorfstraße. Der Ort ist immer noch winzig. Hühner und Enten sehe ich bei den Häusern, auf den Weiden stehen Kühe und Pferde. Die Vorgärten sind mit Blumen und Hecken bestückt, ganz wie sich ein Stadtmensch eine Dorfidylle vorstellt.
Auf einem Schild las ich: um 1800 wurde eine Schule eingerichtet. Jeder Hofpächter war verpflichtet, monatlich eine Stube zur Verfügung zu stellen (Wanderschule). Ab 1828 gab es elektrisches Licht, ab 1835 Wasserleitungen. Ich hatte einiges zu überdenken . .
Meine vorbereitete Wanderstrecke führte genau über die „Alte Poststraße“. Alle Fuhrwerke, Reisenden oder Händler nahmen diese Strecke durch den Wald. Heute sah ich einige Waldarbeiter, zwei Wandersleute, und einen Einheimischen lernte ich kennen.
Und das kam so: Ein großer Traktor kam hinter mir angebraust. Ich trete zur Seite, aber er fährt nicht vorbei.
Er hält an, ist auf ein Schwätzchen aus. Das kam mir sooo recht! Habe ihn nach früher ausgefragt. Er fand es toll, dass ich mich für die alten Geschichten interessiere. Hochzufrieden zog dann jeder seines Weges.
Auf einer entfernten Berghöhe sah ich durchs Fernglas Honigsessen liegen (ich musste mich erst einmal erkundigen, wie man diesen Ort ausspricht!) Bis dorthin musste mein Vorfahre durch den Wald ins Tal und wieder hinauf laufen, wenn er um sein Mädchen werben wollte. Sie hat ihn erhört, wurde meine Ahnfrau!
jurgenehre Aber liebe Karde, das ist so einfach : Da brauchst du nur den Zaun aufzumachen !Dann liegen sie dir zu den Füssen!
14 November 2010

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Karde Mensch Lenz, mach mich nicht verlegen. Ich schreibe mir nur einfach meine Begeisterung vom Herzen. Um negative Erlebnisse aufzuschreiben, fehlt mitr Lust und Zeit 'kicher'
7 Dezember 2010
Lenz Genau, Karde. Negatives zu schreiben macht kein Spaß. Aber mit deinen Beschreibungen von Wanderungen gehörst du absolut in die Nachfolge von Johanni, der leider aufgehört hat zu schreiben.
7 Dezember 2010