Beiträge von Schnuppidu
-
Hartungstraße 18, 20146 Hamburg
Schnuppidu
am 14 April 2009
Charlie steht vor der Tür, guckt mich skeptisch an, kriegt ein paar Klapse auf den Hintern und läßt mich doch passieren: direkt an dem Mops vorbei führt der Weg ein paar Stufen hinunter ins Liebling, meine neue Entdeckung in der Hartungstraße direkt gegenüber der Kammerspiele. Seit Ende Februar 2009 ist das Liebling das Reich von Nissim und seinem Liebling Britta, den omnipräsenten, liebenswürdigen Eigentümern, die es aus dem Stand geschafft haben, das Liebling in der Pasta-, Kaffee- und Zeitvertreiberszene des Stadtteil Rotherbaum zu einer ersten Anlaufstelle zu machen.
Wochenlang wurde in diesem Laden gewerkelt, renoviert und riskiert, Wände wurden durchgebrochen, die stehengebliebenen Reste mit viel Liebe und Aufwand gemalt, Inventar ausgetauscht, die großen, freundlichen Scheiben im Souterrain geputzt, Zweifel ausgeräumt, Zweifler beseite geschoben und die winzige Küche, die jetzt das Reich der höchst attraktiven Köchin ist, zu einem gastronomischen Kommandostand erster Güte gemacht.
Rund 30 Leute können drinnen bequem sitzen, essen, trinken, reden, lachen. Tageszeitungen laden ein, sich auf hohen Hockern, die Bar im Rücken, das Trottoir vor der Nase, Tagträumen zwischen internationalen Schlagzeilen und den vorbei flanierenden Attraktionen des Stadtteils freien Lauf zu lassen.
Dieser Tage, wo der HHer Sommer seine beeindruckende Frühform bereits im April zur Schau stellt, sind vor dem Liebling 6-7 kleine 2er-Tische aufgebaut, rauchend liest eine Hübsche “Das Salz auf meiner Haut”, spürt dabei nur die Sonne. Daneben eine nette Mutter mit süßem Kind, die - vielleicht ist sie wieder schwanger - eine große Portion Rote Grütze mit Vanillesoße verputzt. Auf der Tafel stehen handgeschrieben einfache Gerichte, die Königsberger Klopse sollen einst das Herz von Nissim, dem Liebling von Britta, im Sturm erobert haben.
Weil Britta vergeben ist, nehme ich Penne all`arabbiata, die sehr appetitlich nach draussen kommen, grob geriebener Parmesan, ordentliche Knoblauchstücke, frische Basilikum-Blätter und eine Biobrause aus der Flasche, dann noch einen Cappucino, macht 10,50 Euro.
Sehr sympathischer Laden, sehr nette Eigentümer, sollte man jetzt schon mal hingehen, wo das Liebling noch Geheimtipp ist.
Veröffentlicht auf: sehnsuchtdeutschland.wordpress.com
-
Alte Rabenstraße, 20148 Hamburg
Schnuppidu
am 5 November 2008
(aktualisiert am 6 Februar 2012)
Wiederholt sich Geschichte? Wir werden sehen, heute tummelten sich schon wieder Hunderte auf der Außenalster/6. Februar 2012.
-—————
Barnie, was für eine Inspiration, vielleicht trankst du auch bei mir, denn meine Geschichte ging so:Als das erste Mal nach sehr langer Zeit der Eisfreiheit – vielleicht 94/95 oder 96 die Alster wieder zufror, das bevorstehende Wochenende zum offiziellen Alstereisvergnügen ausgerufen worden war, kam ich morgens gegen 7h vor der Umweltbehörde an, um mir eine Genehmigung für den Ausschank zu besorgen. Student, der ich war, dachte ich, es sei früh, doch die Schlange der auf eine der begehrten Lizenzen hoffenden war schon über 150m lang. Ich ging um das Haus, kam von der anderen Seite, verwickelte wortgewandt den an Nummer 4 positionierten in ein kurzes Gespräch und blieb stehen. Die Tür ging auf, wir bekamen unsere Lizenzen, alle anderen später auch und ich war am nächsten Tag als vorne in der Schlange stehender auf dem Titel des Hamburger Abendblattes zu sehen.
Ich lieh mir Geld, kaufte 300 Liter Glühwein, ergänzte um Nelken, Zimtstangen, Zucker, Orangen und einige Flaschen von Vaters Rotem aus dem Keller – er hat es nie erfahren -, Gaskocher, Mutterns silberne Schöpfkelle und den alten Gartentisch aus Makassar, Celebes, heute Sulawesi.
Ob der Aussicht auf rollenden Rubel war Freund Steve gleich bei der Sache, Freitag ging es los, unser Stand war zwischen Alte Rabenstraße und Milchstraße, dort wo das Alstervorland am tiefsten ist und die Anfahrt unmöglich. Wie tibetanische Lastmulis schleppten wir Equipment und Glühwein zum Stand, bauten auf, setzen einen Stoffpinguin mit dem selbst gemalten Aufspruch “Mmmmh, lecker” auf einen Kleiderständer – Werbung – und begannen.
Nachdem der erste Gaskocher fast durchs Eis geschmolzen wäre, wurden flache Umzugskartons zur Unterlage, wir hatten uns weit ausgebreitet, der behördlichen Kontrolle fröhlich geantwortet, dass die Genehmigung sich nur auf die Verkaufsfläche beziehen würde, das wäre der Tisch, der hätte genau 1qm und väterlich-großmütig lächelnd zogen die Kontrolleure ab. Es war das erste Eisvergnügen seit langem, gewerbliche Anbieter in der Minderheit, Familien, Freunde, Studenten, Hausfrauen etc. betrieben die meisten Stände, ein echtes Volksfest, das den Namen noch verdiente.
Unser Glühwein kostete 3 Mark, mit Schuß 5. Dafür hatten wir aber den guten Hansen-Rum, was insbesondere von den älteren Gästen, die in uns Söhne, Neffen, Nachbarjungs sahen, lautstark gelobt wurde. Freitag war gut, Samstag war super, Sonntag sensationell. Die Schlangen am Stand waren bis zu 30 Meter lang, Steve schenkte ein, ich kassierte bis ans Ende der Schlange ab, danach wurde frisch aufgegossen, eine Flasche von Vaters Wein hinein, Zimtstangen zerbrochen, Apfelsinen großzügig zerschnitten und dann und wann ein ordentlicher Schuß Zucker aus der freien Hand hinein, dampfend, köstlich riechend verrührt, alles mit der Gestik eines werdenden Glühweinmoguls. Ein erster Crashkurs in Logistik, Kundenfreundlichkeit, wir waren äußerst beliebt, wurden ohne unser Wissen am Montag auf Platz 2 unter allen Ständen auf der Alster in der Bildzeitung geehrt, mit ph-Wert, Abdampfwert etc., Note 2, kurz hinter Bobby Reich, aber vor allen anderen.
Abends zählten wir unsere Penunzen, tranken zwei, drei Bier und gingen früh zu Bett, wir waren ja Unternehmer, jedenfalls für drei Tage, die lang und sehr hart waren, keine Zigarette zwischendurch, nichts zu essen, kein Schnack außer mit den vor dem Tisch stehenden Stammkunden, Klogänge geschäftsschädigend, Dauereinsatz, Geld immer am Mann, lieber fallen wir mit Geld in die Alster als dass unsere Kasse geklaut wird, wie an Nachbarständen geschehen.
Nie wieder hat mir ein Job soviel Spaß gemacht, wir sprachen von Glühweintürmen an der Alster, oben drauf ein sich drehender, hübsch beleuchteter Pinguin und wir als Glühweinbarone von Hamburg.
Nun, es kam anders,
dennoch mussten wir in dem Semester nicht mehr arbeiten.Lucie Leider kann ich Dir keine Nachricht schicken ???
Ich jedenfalls hab Dein Eis-Glühweinvergnügen miterlebt.14 November 2008
Schnuppidu Heute, 27. Januar 2010, ist die Geschichte vom Glühweinmogul im Hamburger Abendblatt nachzulesen!
27 Januar 2010
-
Grindelhof 43, 20146 Hamburg
Schnuppidu
am 17 August 2007
(aktualisiert am 28 September 2011)
Der Etrusker, eine Grindelhof-Institution, die seit langem zum Inventar der Hamburger Restaurant-Szene gehört. Und bislang keiner, der über die echte italienische Mamma namens Luisa Allessandrino, die – immer in weiss – nicht nur lecker kocht, sondern den Etrusker seit Generationen zu führen scheint, und ihre niemals wechselnden Kellner Giorgio und Co. etwas geschrieben hat.
Mein Bruder ist heute 52 Jahre alt und hat schon während seines Studiums vor 30 Jahren beim Etrusker gefuttert und getrunken.
Kurz zu den Basics:
Wer die zwei Stufen in den Etrusker hochstiefelt, kommt in den ganzen engen Vorflur, der im Prinzip auch ein bißchen Bar ist, schräg links ist die offene Küche, in der es dampft und brutzelt und wo fast immer gute Stimmung die Oberhand hat. Vor der Küche gibt es eine mit Baby- und Kinderfotos gepflasterte Wand und Sitzplätze für rund 10 – 14 Personen. Es gibt aber auch den großen Raum, vielleicht für 30 weitere Leute, der rechts abgeht und wirklich eng ist, wenn die alle da sind. Sollte, was selten der Fall ist, das eigene Gespräch ins Stocken geraten, kann man – ohne sich zu verbiegen – auch getrost zuhören, was rechts und links so gesprochen wird. Und dies kann gerade im Stadtviertel Rotherbaum sehr kurzweilig sein.
Und im Sommer, der geht in Hamburg ja manchmal schon bei plus 12 Grad und Sonne los, hat der Etrusker auf dem breiten Bürgersteig reichlich Tische und Stühle aufgestellt. Hier ist der Bürgersteig so breit, dass kein Bezirksamt blaue Linien zur Abgrenzung auf den Boden malen muss. Das Wohnviertel, die Uninähe und die vielen anderen Kneipen und Restos im Grindelhof sorgen dafür, dass der Durchgang stark frequentiert ist und beizeiten einem Catwalk gleicht. Und man kann ziemlich lange draussen sitzen bleiben, jedenfalls bis weit nach Mitternacht.
Dolce Vita mitten in Hamburg.Zu essen gibt es natürlich auch was. Und das zu moderaten Preisen, wie ich finde. Die Dauerkarte sieht Pasta (um die 8 Euro), Pizza (ab 7 Euro) und ein paar Standards der italienischen Küche vor, doch in der Karte ist auch immer eine ganze Seite mit aktuellen Köstlichkeiten, letztere zwischen 12 – 20 Euro.
Fragen Sie den legendären Kellner Giorgio, das ist der mit dem attraktiven Silberblick, nach Penne Alex, steht nicht auf der Karte und ist von einem Stammgast gefordert worden, Pinienkerne und Mozarella sowie Pfeffer nach Gusto. Sehr lecker. Spaghetti Bolognaise heißen bei Giorgio Spaghetti Blankenese, kosten weniger als 8 Euro! Bier gibt es nur aus der Flasche, eine ganze Batterie sehr ordentlicher Weine in allen Farben zu vernünftigen Preisen.
Wir waren hier früher, da wohnten wir noch um die Ecke, dauernd, kurz ein Anruf, um den bevorstehenden schönen Abend mit einer Tischreservierung abzusichern, der Name? Bruno, so heißt unser Hund, und vier Personen. Nur so werden Tischreservierungen hier entgegengenommen. Haben uns immer pudelwohl gefühlt und auch nach dem Hamburg-Marathon haben wir unsere Kohlehydratspeicher mit mehreren Tellern Nudeln, Medaille um den Hals und reichlich Bier aufgefüllt. Und zwar den ganzen Sonntag.
Stimmung und Atmosphäre ist immer familiär und locker, zum Abschied gibt es noch einen Drink aufs Haus. Oder wollen wir noch bleiben? Ja, wollen wir. Giorgio, noch einmal Penne Alex und eine Flasche Vernaggia, im Kühler mit Eis, bitte. Jede Stunde Verlängerung kostet 7,00 Euro für den Babysitter und ist jeden Cent wert.
Und bevor man dann irgendwann endgültig geht, gibt es noch einen roten Lolli vom Tresen, um den von Knoblauch und Co. angestrengten Atem kurzfristig zu überlisten.
Schön, dass es den Etrusker gibt.

