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Ich bin Stroheim aus Berlin. Ich bin Qyper seit dem 25.02.2008

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Filmtheater "die kurbel" - Charlottenburg

Giesebrechtstr. 4, 10629 Berlin

02.01.2012

Ausgekurbelt: Charlottenburger Traditionskino wird zum Biosupermarkt

Die Leuchtbuchstaben, die bis vor kurzem den Meyerinckplatz allabendlich in rotes Licht tauchten, sind abgeflext, Popcornmaschinen, Kinositze, Lampen und alles andere ist verramscht. Die Kurbel gibt es nicht mehr. Noch existiert die Website des Kinos, aber sie gibt nicht mehr viel her:

Im leeren Schaukasten spiegelt sich die Ankündigung, dass hier nach einem Entwurf des Architekten Christopher von Bothmer der “Umbau von 3 Kinosälen in einem (sic!) Biomarkt und 6 Wohnungen” erfolgen soll. Jemand hat einen eindeutigen Kommentar hinterlassen.

Gegen die Schließung des Kinos hat sich die Bürgerinitiative „Rettet die Kurbel“ formiert. 7500 Unterschriften wurden gesammelt und fast 4000 Unterstützer wurden auf facebook gewonnen. Die Initiative bestreitet, dass das Kino unrentabel sei. Der Betreiber – und Gebäudeeigentümer – habe notwendige Investitionen unterlassen. Bei der Umwidmung gehe es ihm um Profitmaximierung. Unter den teiweise prominenten Unterstützern finden sich unter anderem Berlinale-Chef Dieter Kosslick, der Kunstsammler Peter Raue, Wim Wenders, Rosa von Praunheim ebenso wie eine ganze Riege von Schauspielern wie Otto Sander, Angelika Domröse oder Oliver Kalkhofe. Das Medienboard Berlin-Brandenburg schaltet sich ein, das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf fordert den Eigentümer auf, die Schließung auszusetzen und ein „Moratorium“ bis zum Sommer 2012 zu akzeptieren um bis dahin eine tragfähige Lösung zu finden. Angeblich gäbe es mehrere Interessenten, die das Kino weiter betreiben wollten.

Der Biosupermarkt Alnatura will in dem Gebäude ab dem Frühjahr 2013 Müsli und Dinkelstangen verkaufen. Aber man hat offenbar kalte Füße bekommen: „Sofern eine Möglichkeit besteht, den Kinobetrieb weiter zu führen, werden wir dem nicht im Wege stehen," verkündet eine Unternehmenssprecherin.

Der Eigentümer Symcha Karolinski denkt allerdings nicht daran, den Vertrag mit Alnatura aufzulösen. Er fühlt sich zu Unrecht kritisiert. Er habe das Kino 2005 übernommen, weil es keiner wollte, in Eigenregie betrieben und zwei Mal vor der Pleite gerettet. Seine Kritiker hätten lieber öfter ins Kino gehen sollen. Neben 16 großen Multiplexkinos hätte die Kurbel keine Chance mehr gehabt. Die drei Interessenten könnten „ nicht die notwendige Bonität aufweisen“. Gegen das Moratorium stünden die Verträge mit den Baufirmen.

Karolinski plant, das marode Gebäude für mehrere Millionen umfassend zu sanieren. Er spricht von einem sechsstelligen Verlust, den er in den vergangenen fünf Jahren mit dem 600-Sitze-Kino gemacht hat und er fühlt sich von der Initiative genötigt und hat Anzeige erstattet.

Weiterlesen…

Fuldanixe Sehr schade!

heilendehand Und wieder verändert sich ein Stückchen altes Berlin.

“Berlin ist Tod, lang lebe Berlin!”

Gasthof zum Grünen Baum - Boitzenburger Land

Templiner Str. 4, 17268 Boitzenburger Land

17.09.2011 (aktualisiert am 19.09.2011)

“Der Gasthof zum Grünen Baum” ist ein Ort der der eher war und sein wird als einer, der ist. Es wird sicher noch einige Jahre dauern bis man hier logieren kann. Es ist aber möglich die Auferstehung dieses Ortes zu verfolgen und zu begleiten.

Als es mich vor über sieben Jahren auf der Suche nach einem für meine Hochzeitsfeier geeigneten Ort in die Uckermark verschlug, fiel mir das Gebäude schon beim Vorbeifahren auf und ich entzifferte den an der verwitterten Fassade erhalten gebliebenen Namenszug „Gasthof zum grünen Baum.“ (Der Punkt hinter Baum steht wirklich da). So heruntergekommen wie das Haus aussah, strahlte es dennoch einen eigentümlichen Charme aus. Wäre es ein Mensch gewesen, hätte ich wohl etwas gesagt wie: “Es scheint Dir nicht gut zu gehen, aber ich würde Dich unheimlich gerne kennen lernen. Jetzt lad ich Dich erstmal zu einem anständigen Essen und einem guten Glas Wein ein und dann werden wir schon sehen, wie es weiter gehen kann.”

Ich weiß nicht, wann die Gastronomie eingestellt und das Gebäude dem Verfall anheim gegeben wurde. In den 50er Jahren wurde hier zumindest noch Bier ausgeschenkt. Wie wohl auch schon Jahrhunderte vorher. Die erste Nennung ist auf das Jahr 1772 datiert und im Landeshauptarchiv Potsdam zu finden. Im „Oberkrug“, wie der Gasthof damals noch hieß, legten die Postkutschen auf der Route Berlin-Stettin einen Zwischenstopp ein und wechselten die Pferde.

Eine alte Postkarte lässt vermuten, dass das Haus irgendwann um 1900 den Namen “Gasthof zum Grünen Baum” bekam. Von 1900 bis 1920 führten Albert und Hermine Biss den Gasthof, danach übernahm ihr Sohn Walter mit seiner Ehefrau Gertrud den Betrieb.

Das ältere Gebäude wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgerissen und durch die jetzigen Bauten ersetzt. Während das Hauptgebäude auf einem Feldsteinfundament errichtet wurde, über das sich ein zweigeschossiger Putzbau mit einem Satteldach erhebt, wurde das hofseitige Stallgebäude anderthalbgeschossig aus unverputzten roten Ziegeln gebaut. Im kleinen, straßenseitig gelegenen Biergarten sind die alte Lindenbepflanzung sowie eine kleine Freitreppe und die niedrigen Befestigungsmauern der Terrasse erhalten geblieben.

Am diesjährigen Tag des offenen Denkmals war es nicht nur möglich, sich das Gebäude von innen anzusehen, sondern auch zu erfahren, wie es wiederbelebt werden soll. Im Moment sieht es von innen genau so schlimm aus wie von außen: marodes Gebälk, feuchte Wände, und entfernte Decken und Böden korrespondieren mit glaslosen Fenstern und verwittertem Putz.

Aber der Architekt und Tischler Carsten Frerich und die Grafikdesignerin Ulrike Hesse haben sich des Hauses angenommen. Sie haben den Zustand des Gasthofes von Fachleuten untersuchen lassen und sie wirken kompetent und realistisch genug, dass man davon ausgehen kann, dass sie ihre Pläne umsetzen werden und dem denkmalgeschützten Haus neues Leben einhauchen. Ein Hotel mit zehn Zimmern im Hauptgebäude und drei Appartements im Stallgebäude soll es werden, natürlich mit Gastronomie und Biergarten. Auf ihrer Website – und auf einem gerade entstehenden Blog – kann man die aktuellen Planungen und Entwicklungen verfolgen und sich über die Geschichte des Gasthofes informieren. In einem Glossar lässt sich zudem Wissenswertes über das Boitzenburger Land nachlesen.

Den beiden Instandsetzern kann man natürlich nur allen erdenklichen Erfolg wünschen und einigen anderen maroden Gebäuden in Boitzenburg wünscht man, dass sich Menschen finden, die sich ihrer in ähnlicher Weise annehmen.

Auszeichnung für "Very Important Qyper", kurz "VIQs"

Coloniaexpress Schöner und einfühlsamer Bericht über Geschichte einer vermeintlichen Ruine.Vor allem auf die hypothetische Einladung zum Essen hat mir gefallen.

Fuldanixe Wunderschöner lost place !

Finanzamt Charlottenburg - Charlottenburg

Bismarckstraße 48, 10627 Berlin

10.06.2011

Hinter die Hausnummer geschaut

Zugegeben, dass Verhältnis zwischen meinem Finanzamt und mir ist nicht das Beste. Ich bin mit meinen Steuererklärungen seit Jahren im Rückstand.

Aber darum geht es mir hier nicht. Es geht um das Gebäude, in dem das Finanzamt Charlottenburg residiert. Basierend auf dem Entwurf der Stadtbauräte Brucker und Kepler wurde es 1939 vollendet. Damals war es das größte Finanzamt Berlins. Es besteht aus einem repräsentativen Haupttrakt in der Bismarckstraße, einem Mittelflügel und einem rückwärtigen Gebäudeflügel in der Spielhagenstraße. Hier machen die Bürofenster heute mitunter geradezu einen schmuddeligen Eindruck.

Insgesamt wirkt das Gebäude eher langweilig und einfallslos. Ein monumentaler Akzent wurde mit der über drei Geschosse reichenden Portalnische am Haupteingang gesetzt. Vier kantige Muschelkalkpfeiler markieren diesen Bereich.

Besucher die hier eintreten, werden unter einem Adlerrelief mit Hoheitszeichen empfangen. Nur wenige Eingeweihte wissen, dass der Adler in seinen Krallen ein Hakenkreuz umklammert, heute lediglich verdeckt von einer Hausnummernleuchte.

Auf facebook gibt es eine Seite, die zur Entfernung des Adlers und des Hakenkreuzes aufordert.

Das wäre der falsche Weg. Natürlich haben damals die Befreier alle Symbole des widerlichen Naziregimes im Boden zerstampfen mögen. Heute kann man solche Relikte nutzen, um Auseinandersetzungen mit Kontinuitäten und Erinnerungen an authentischen Orten zu provozieren. Also weg mit der verdeckenden Leuchte, das Hakenkreuz gezeigt und die Behörde in die Pflicht genommen, wie sie nicht nur ihre Naziarchitektur erklärt, sondern auch drüber informiert, welche Rolle die Finanzämter bei der bürokratisch organisierten Beschlagnahme jüdischen Eigentums gespielt haben.

Das Gebäude liegt an der Ost-West-Achse, die in den Germania-Plänen der Nationalsozialisten für ihre Reichshauptstadt eine zentrale Rolle spielte. Gemeinsam mit der faschistischen Architektur des Finanzamtes bilden die davor platzierten Straßenlaternen ein stimmiges Ensemble. Entworfen hat sie Albert Speer, Hitlers Lieblingsarchitekt und Handlanger, Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, angeklagt im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof und wegen seiner Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen und zu 20 Jahren Haft verurteilt.

vencidos Gut geschrieben. Aber mal ehrlich: Hakenkreuze an öffentlichen Gebäuden? Das geht einfach nicht. Immerhin wird dadurch eine Gesinnung zum Ausdruck gebracht, die die hier residierende Behörde (hoffentlich) nicht vertritt. Es gibt bessere Wege der Geschichtsaufarbeitung.

Friedhof des Zellengefängnisses Moabit - Moabit

Lehrter Straße, 10557 Berlin

21.05.2011

Nur ein paar dutzend Schritte vom geschäftigen Berliner Hauptbahnhof entfernt versteckt sich der Friedhof des Zellengefängnisses Moabit. Präziser: der Teil dieses Friedhofes, in dem die Beamten des Gefängnisses bestattet wurden. Den anderen Teil, auf dem die gestorbenen Gefangenen ihre "letzte Ruhe" fanden, hielt wohl niemand für erhaltenswert und so entstand nach 1955, als der Friedhof geschlossen wurde, auf diesem Areal eine Kleingartenanlage. Hier wird auf Gräbern gegrillt.

Die meisten Grabsteine sind umgefallen, zerstört oder überwachsen. Vor ein paar Jahren hat man den schmiedeeisernen Zaun um die Gräber restauriert. Das Tor ist verschlossen. Einer der wenigen erhaltenen Grabsteine ist der von Ernst Vetter: Hier/ ruhet in Gott/ mein lieber Mann/ und guter Vater,/ der Kgl.Strafanstalt-/ Aufseher/ Ernst Vetter/ * 28.2.1858, + 3.4.1918.

Neben dem Friedhof sind noch Teile der Gefängnismauer und drei Beamtenwohnhäuser übrig geblieben. An der Lehrter Straße erinnert eine Gedenktafel an die Opfer der Nazizeit.

Nach jahrzehntelangen Auseinadersetzungen gibt es seit 2006 nach Plänen von Silvia Glaßer und Udo Dagenbach einen gelungenen Geschichtspark auf dem Geländes des eigentlichen Zellengefängnisses.

Das Gefängnis wurde von 1842 - 1849 von Carl Ferdinand Busse als Kopie des Londoner Gefängnisses Pentonville als preußisches Mustergefängnis errichtet. Die Gefangenen sollten durch strengste Isolation voneinander geläutert werden. In fünf sternförmig angeordneten Flügeln gab es Einzelzellen, die vom Zentralbau aus überwacht wurden. Schweigepflicht, scheuklappenähnliche Mützen, die außerhalb der Zelle getragen werden mussten, Einzelhofgang in 10 qm großen dreieckigen Teilstücken des Hofes (daher kommt die Redensart "im Dreieck springen") und selbst in der Gefängniskirche Sitze in sargähnlichen Holzkisten, sorgten dafür, dass zahlreiche Gefangene die Flucht in den Wahnsinn oder den Suizid antraten. Folgerichtig wurde 1886 ein Nebengebäude zum Irrenhaus umgebaut.

Noch vor Abschluss der Bauarbeiten wurden die ersten Gefangenen, polnische Freiheitskämpfer, einquartiert. Sie wurden 1848 von Berliner Märzrevolutionären befreit. Prominente Gefangene waren danach Friedrich Wilhelm Voigt, der später als "Hauptmann von Köpenick" ganz groß raus kam. 1878 wurde Max Hödel hier hingerichtet. Er hatte sich an einem Attentat auf den Kaiser Wilhelm I. versucht. Während des ersten Weltkrieges wurden Kriegsgegner und später Teilnehmer der Novemberrevolution inhaftiert. 1933 wurde Erich Mühsam hier eingesperrt. 1940 quartierte sich die Wehrmacht in einem Flügel ein. Der Schriftsteller Wolfgang Borchert saß hier über neun Monate wegen Wehrkraftzersetzung in Einzelhaft. Unter dem Eindruck der Lautsprecheransage des nahen Lehrter Bahnhofs schrieb er das Lied "800 mal Lehrter Straße". 1941 zog die Gestapo ein. Neben vielen heute vergessenen Antifaschisten war der Sänger und Schauspieler Ernst Busch hier eingekerkert, später zahlreiche Widerstandskämpfer im Umfeld der Attentäter des 20. Juli. In den letzten Kriegstagen wurden 16 politische Gefangene aus ihren Zellen verschleppt und auf dem nahe gelegnen ULAP-Gelände per Genickschuss ermordet. Der junge Kommunist Herbert Kosney überlebte die Hinrichtung schwer verletzt. Ohne diesen Augenzeugen wäre vielleicht auch dieses Verbrechen vergessen. In den Taschen der Leiche des Dichters Albrecht Haushofer fand man die im Gefängnis erstandenen "Moabiter Sonette".

Nach der Befreiung nutzten die Alliierten das durch Bomben kaum beschädigte Gebäude bis 1955. Zwischen 1946 und 1949 fanden hier mindestens zwölf Hinrichtungen (nach andren Quellen 48) statt. Als Letzter wurde am 11. Mai 1949 der 24-Jährige Bertold Wehmeyer guillotiniert.

Um Platz zu schaffen für die - zum Glück nie realisierte - Westtangente wurde das Zellengefängnis 1958 abgerissen.

Zum ersten Mal war ich während einer Nachtwanderung im Rahmen einer Geburtstagsfeier einer Kindergartenfreundin meiner mittlerweile über 20-Jährigen Tochter auf dem Friedhof. Abgesehen davon bin ich hier bei meinen Besuchen fast immer wunderbar allein. Ich versuche mir nicht nur die Vergangenheit dieses Ortes vorzustellen, sondern denke auch über den Unterscheid zwischen allein und isoliert sein nach. Auf dem Nachhauseweg bin ich dann immer sehr zufrieden mit meinem bescheidenen Dasein.

Auszeichnung für "Very Important Qyper", kurz "VIQs"

meme Da muß ich wohl noch mal vorbeikommen, die vielen Links bieten weiteren hochinteressanten Lesestoff – Danke

Auszeichnung für "Very Important Qyper", kurz "VIQs"

Coloniaexpress Sehr interessanter Ausflug in die Geschichte von Stadt, Staat und Volk. Respekt!

Deutschlandhalle - Westend

Messedamm 26, 14055 Berlin

08.04.2011

Jetzt mal ernsthaft: niemand findet sie schön. Da gibt es höchstens Personen, die einen schon ganz und gar verbrannten Sonntags-Volks-Eintopf noch einmal aufköcheln lassen wollen und behaupten, die Entscheidung, den Kasten zu beseitigen, sei zum einen durch den Gebäudenamen, zum anderen durch den Umstand, dass der (Ver)führer ihrer Großeltern die Halle eingeweiht hat, motiviert. Mit Leuten aus dieser Ecke spiele ich sowieso nicht. Ihnen fehlt jeder ernstzunehmende Sinn für Ästhetik.

Aber an dem Ding klebt die kollektive Berliner Erinnerung.

Im Vorfeld der olympischen Spiele 1936 wird die Halle in der bemerkenswerten Zeit von nur neun Monaten errichtet. Von den Architekten Franz Orthmann und Fritz Wiemer für 10.000 Besucher entworfen, gilt sie als größte Mehrzweckhalle der Welt. Zunächst finden hier Sportveranstaltungen und Massenveranstaltungen der NSDAP statt.

Im Rahmen der Kolonialshow "Ki sua he li" führt Hanna Reitsch 1938 den weltweit ersten Hubschrauber-Hallenflug vor. Sechs Jahre später versucht die Flugenthusiastin Hitler persönlich von ihrer Idee der "Selbstopfer-Flugzeuge" zu überzeugen. Es geht um bemannte Bomben, die in Kamikaze-Art als Selbstmordkommandos operieren sollten, geflogen "von Menschen, die bereit sind, sich selbst zu opfern, in der klaren Überzeugung, dass kein anderes Mittel mehr Rettung bringen konnte," wie Reitsch in ihrer zuletzt 2001 aufgelegten Autobiografie "Fliegen, mein Leben" schreibt.

1937 findet hier die Weltpremiere von "Menschen - Tiere - Sensationen" statt. Im Januar 1943 machen, während einer ausgebuchten Aufführung dieser Show, britische Bomben das Gebäude zum ersten Mal platt. Bemerkenswerterweise sterben dabei weder Menschen noch Tiere. Von der Halle selbst bleiben allerdings nur Rudimente übrig. Bereits 1949 beschließt der Magistrat von Gesamt-Berlin den Wiederaufbau, allerdings finanziert mit privatem Kapital. Die Wiedereröffnung findet erst 1957 statt.

Es folgen Auftritte der Rolling Stones und von Queen mit Freddie Mercury und dem "British Tattoo" mit der Queen als Besucherin, die der Legende nach ihr eigenes mobiles Klosett mit brachte. Dire Straits, Police, Prince, Tina Turner, Udo Jürgens, die Berliner Philharmoniker, Bob Dylan, New Kids on the Block, Boxkämpfe und Kirchentage, Willy Brandt führt durch Knopfdruck das Farbfernsehen ein, Peter Gabriel, die Fantastischen Vier, die Gründung von "Brot für die Welt" und Jimi Hendrix, Holiday on Ice und Johnny Cash, Herbert Grönemeyer und Sechstagerennen, Muhammad Ali, Santana, Harry Belafonte....

Klaus Kinski. 1971. "Jesus Christus Erlöser". Das Genie verspricht die "erregendste Geschichte der Menschheit" zu erzählen, von einem der "furchtlosesten, freiesten, modernsten aller Menschen, der sich lieber massakrieren lässt, als lebendig zu verfaulen." Premiere in der Deutschlandhalle. Es kommt zum Eklat, als ein Zwischenrufer seine Vorstellung eines duldsamen Jesus darstellt. Kinski explodiert.

Obwohl ich von je her eher kleine Hallen bevorzuge, bin ich mir doch sicher, Anfang der 80er mindestens ein Konzert in der Deutschlandhalle besucht zu haben. Aber im Gegensatz zu den überschaubaren Konzerten, will sich eine konkrete Erinnerung an die Bands in der Deutschlandhalle nicht einstellen. Aber Trost kam ja schon aus berufenem Munde: Wer sich an die 80er Jahre erinnern könne, habe sie nicht wirklich erlebt...

Ohne es zu wissen, kennen viele die Deutschlandhalle aus der Verfilmung von "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Hier spielt David Bowie life seinen Song "Heroes". Ein Lied inspiriert von einem Paar, das sich Tag für Tag ausgerechnet bei einer Bank unter einem Wachturm an der Berliner Mauer traf und Bowie während seinen Aufnahmen in den Hansa-Tonstudios auffiel. "Die Mauer im Hochen(?) wird kalt."

Drei Tage, nachdem die Mauer dann tatsächlich fällt, gibt es noch einmal ein legendäres Konzert in der Halle. Das elfstündige Rockkonzert soll Jugendliche aus der DDR willkommen heißen. BAP, Pankow, Ulla Meinecke, Konstantin Wecker, Silly, Udo Lindenberg, Joe Cocker, Melissa Etheridge und etliche andere sind dabei. Die wunderbaren 3 Tornados haben ihren letzten Auftritt. "Set me free. Konzert für Berlin 12. November 1989" heißt die filmische Dokumentation von Holger Senft.

Der letzte Zustand der Deutschlandhalle, die braugetünchten Außengänge, die abgestoßenen Ecken allerorten, die altersschwachen Sitze, erinnern an einen überdimensionierten Partykeller, übrig geblieben aus der Zeit, als man eben Partykeller hatte. Die Akustik galt immer als grauenhaft.

1998 beschließt der Senat, es solle Schluss sein mit Musikveranstaltungen. 2001 wird die Halle für den Eissport umgebaut und beherbergt, nach dem Abriss der Eissporthalle Jafféstraße, diverse Clubs aus dieser Sparte.

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf versucht den Abriss zu verhindern. Der Senat zieht das Verfahren an sich. Die Halle sei weder "technisch noch wirtschaftlich zu betreiben" meint unsere Stadtentwicklungssenatorin. Die Entscheidung des Abrisses ist gekoppelt an die Entscheidung, das ICC zu sanieren. Der Abriss soll im Laufe des Jahres 2011 erfolgen. Die landeseigene Messegesellschaft errichtet auf dem Areal eine neue Messehalle.

Das war es dann.

vencidos Auch an hässlichen Dingen hängen Erinnerungen. Gute und Schlechte, wie man sieht.

U-Bahnhof Westhafen - Moabit

Am Westhafen, Berlin

31.03.2010

Der Berliner U-Bahnhof Westhafen wurde im Jahr 2000 nach Entwürfen der Künstlerinnen Francoise Schein und Barbara Reiter sehr ansprechend umgestaltet. Während die Wände des U-Bahnsteigs die Erklärung der Menschenrechte wiedergeben, geht es im Übergang zur S-Bahn zweisprachig um die Erfahrung, die der Dichter Heinrich Heine während seines Exils in Frankreich machen musste. Genauer um die Schwierigkeiten, die die Franzosen mit der Aussprache seines Namens hatten. Von Monsieur Heinrich Heine über Monsieur Henri Heine, Monsieur Enri Enn, Monsieur Enrienne zu Monsieur Un Rien (= ein Nichts). Die Berliner Verkehrsbetriebe haben wohl eher ein pragmatisches Verhältnis zur Kunst. Einzelne Zeilen sind nicht mehr lesbar, weil man ein Telefon und einen Geldautomaten davor montiert hat. Das ist kundenfreundlich, denkt sich der Herr BVG-Entscheidungsträger. Das ist serviceorientiert, denkt sich der Herr BVG-Entscheidungsträger und dass es einerlei sei, ob damit der ganze Text nicht mehr funktioniere. Wenn ein modernes Unternehmen hobelt, fallen eben Späne, denkt er und dass die Fahrgäste mit diesem Heine eh nichts anzufangen wissen.

Gestern trat das vom Herrn BVG-Entscheidungsträger imaginierte Zielpublikum in meine Realität. Drei männliche Jugendliche, leicht alkoholisiert, kurzhaarig, teils mit so komischen Deppencaps verunstaltet, die wohl cool wirken sollen, wenn man sie so klein wählt, dass sie gar nicht auf die Hohlköpfe passen können. „Ey wir sin hier in Doitschland, wieso steht hier kein Doitscher?“ gröhlte es aus einem der Hohlköpfe. Ich befand mich in einer Laune, die mich dazu bemüßigte auf den Schreihals zu reagieren: „Heinrich Heine war Deutscher. Es gibt eben auch Deutsche, die Fremdsprachen beherrschen, wenn auch sicher nicht in Eurem Bekanntenkreis.“ Ja, ich weiß, dass das arrogant, überheblich und vielleicht auch ein bisschen gefährlich war, aber auf die Schnelle fiel mir nichts Besseres ein. Die drei schauten sich verwundert an, schauten mich verwundert an. Man sah, wie ihre kleinen Hirne arbeiteten und eine passende Reaktion auf diese Situation zu finden versuchten. Zuschlagen? Irgendetwas erwidern? Nur was? Schließlich zogen sie wort- und reaktionslos weiter. Bildungsauftrag für heute erfüllt, dachte ich.

Jetzt muss ich nur noch irgendwie auf den Herrn BVG-Entscheidungsträger treffen. Dann erfülle ich meinen selbst erteilten Bildungsauftrag auch an ihm.

Fuldanixe Ach Alda , ick dachte det wäre der Kräck- dealer vom Bahnhof Zoo, der immer so kieckt beim jeehn!

whitewedding Wer crackt denn hier noch (???), ich dope mich natural mit Hanf. :)

Chausseestraße 123 - Mitte

10115 Berlin

20.02.2010

DIE VORLÄUFER VON DICAPRIO UND CAMERON: IN DER CHAUSSEESTRASSE WURDE DER ERSTE TITANIC-FILM GEDREHT

Die Nachbarschaft ist historisch prominent. Gegenüber steht das Borsighaus, in dem bis 1945 die Verwaltung des Unternehmens seinen Sitz hatte. Zur Linken liegt das Brechthaus, und zur Rechten befindet sich eine ewige Baugrube. Hier hatte einst Karl Liebknecht seine Rechtsanwaltspraxis. In diesen Räumen wurde am 1. Januar 1916 der Spartakusbund gegründet. Kaum jemand weiß, dass auch das Haus in der Chausseestraße 123 eine bemerkenswerte Geschichte erzählen kann. Hier lassen sich Anfänge der Berliner Filmproduktion verorten. Bereits zwei Monate nach dem Untergang der Titanic wurde hier im Juni 1912 die erste Verfilmung der Katastrophe realisiert.

Das langgestreckte Wohn- und Geschäftshaus wurde 1896 von dem Architekten und Zimmermeister Carl Galuschki errichtet. In der Vorderhausfassade aus rotem Sandstein vereinigen sich Elemente verschiedener Epochen. Der Jugendstil dominiert. Die Vorderhausdurchfahrt mit farbig glasierten Fliesen nimmt die Gestaltung der beiden Innenhöfe vorweg. In einem ehemaligen Fotoatelier unter einem Glasdach im Dachgeschoss arbeitet hier der Filmpionier, Technikfreak und Kameramann Guido Seeber mit der Deutschen Bioscop GmbH seit 1909. Unter anderen entstehen hier die ersten acht großen Filme des Stummfilmstars Asta Nielsen, ehe das Unternehmen neue Produktionsstätten in Potsdam-Babelsberg errichtet. Von 1912 bis 1918 hatte die Continental-Filmkunst in der Chausseestraße 123 ihren Sitz.

Die erste Verfilmung des Titanic-Untergangs trägt den Titel: „In Nacht und Eis“. Buch und Regie stammen von Mime Misu, der rumänischer Abstammung war, sich aber auch gerne mal als Amerikaner ausgab. Er agiert auch noch als Darsteller des heroischen Kapitän Smith. Die Kamera führte u.a. Emil Schünemann, der später oft mit Fritz Lang arbeitete. Gedreht wurde an der Ostseeküste, am Grüpelsee in Königs Wusterhausen, wo ein von leeren Bierfässern getragenes Modell Dampf speiend untergehen musste, und eben im Hinterhof der Chausseestraße 123.

Weiterlesen kann man hier.

Stroheim @guelbuelbuel: Nein, davon weiß ich garnichts. Würde mich interessieren, woher Du den Hinweis hast, eventuell könnte man dann ein bißchen nachgraben.

guelbuelbuel Eine etwas späte Antwort: Ich glaubte darüber etwas in Corry Guttstadt´s Buch “Die Türkei, die Juden und der Holocaust” gelesen zu haben. Leider konnte ich es heute nicht wieder finden. Sollte es sich mir wieder zeigen, werde ich mich bei dir melden.

HEINRICH - Mitte

Rosa-Luxemburg-Str. 39-41, gegenüber der Volksbühne, 10178 Berlin

19.01.2010

DIE GOLDENEN ZWANZIGER IN BLAU

Meine Idee war, mit einem guten Freund eine Reihe von unhippen Berliner Kneipen zu entdecken. Ich schlug ihm vor, am ersten Abend mit dem ”Kaputten Heinrich” zu beginnen. Aber mein Plan ging nicht auf. Nö, kaputte Kneipen hätte er in seinem Leben genug gehabt. Folgerichtig landeten wir im Heinrich. Dieses Restaurant ist alles Andere als unhipp. Dafür sorgen schon die Inhaber Florentine Joop, jüngste Tochter des Mode-Joops und ihr Ehemann der Koch Heinrich Beckmann. Sie betrieben zuvor das Restaurant Barokoko am Nauener Platz in Potsdam. Man möchte an die „Goldenen Zwanziger Jahre“ anknüpfen. Irgendwo habe ich gelesen, dass es sogar Berliner Gerichte der 20er Jahre geben soll. Das ist natürlich Quatsch, denn die Berliner Küche der 20er Jahre unterschied sich wohl kaum von der, der 10er oder 30er Jahre, abgesehen natürlich von der Mangelversorgung im 1. Weltkrieg und dem was, man später zugestanden bekam, wenn man nicht zur Volksgemeinschaft gerechnet wurde. Hunger und Hungerrevolten gab es übrigens auch im Berlin der 20er Jahre. Aber ich schweife ab.

Hinter der denkmalgeschützten Fassade findet man sich in einer Innenausstattung im Stil des „Art Deco“ wieder, zwar nicht immer konsequent und mit einigen Brüchen umgesetzt. Dennoch empfinde ich das Ambiente des hohen, saalartigen Hauptraums als besonders wohltuend. Über eine Treppe erreicht man eine Galerie, ausgestattet mit Club- und Plüschsesseln. Von den Fensterplätzen aus blickt man auf die nahe Volksbühne. Die Farbe Blau dominiert.

Der Service ist aufmerksam. Die Karte angenehm überschaubar. Man verspricht mit saisonal frischen Zutaten zu kochen. Dass nur zwei offene Rotweine auf der Karte stehen ist etwas schwach. Dafür gibt es Staropramen vom Fass.

Der Freund und ich konnten uns Beide nicht zwischen zwei Gerichten entscheiden. Nach einem Sching-Schang-Schong-Urteil, bekam er den „Stolzen Heinrich“, eine Bratwurst in Biersauce mit Kartoffelpüree und Rotkohl. Mir servierte man eine Kalbsleber mit Kartoffelpüree, Zwiebeln und Äpfeln. Abgesehen davon, dass von den zwei (unterschiedlich dicken) Leberstücken das eine etwas zu lange und das andere etwas zu wenig lange gebraten hatte, war Alles sehr ordentlich, aber auch nicht mehr. Es gibt sicherlich Orte wo man ähnliche Qualität preiswerter bekommt. Dafür dann aber auch nicht in so einem Ambiente.

Am Nebentisch saß ein älteres Paar, das mit wichtiger Mine und einem eigenartigen Automatismus jeden Teller fotografierte, der ihnen serviert wurde. Nicht sehr charmant wanderten die entsprechenden Anweisungen dazu vom männlichen zum weiblichen Part. Bestimmt schreiben die für irgend so ein ominöses Online-Bewertungs-Portal…

In meinen Ohren der größte Pluspunkt ist die Musik, die hier gespielt wird. Sie stammte während meiner Anwesenheit tatsächlich aus den 20er Jahren. Es war, als hörte ich meine eigene Schellackplattensammlung – nur die Arbeiterlieder fehlten. Allein dafür werde ich wieder kommen. Aber zunächst stehen zwei total unhippe Lokalitäten im Wedding an. Dazu konnte in den Freund im Laufe des Abends überreden.

Auszeichnung für "Very Important Qyper", kurz "VIQs"

meme ... schweif weiter - die "Abschweifungen" sind das Beste an Qype - meiner Meinung nach :)

Auszeichnung für "Very Important Qyper", kurz "VIQs"

Eisenherz Wo ist eigentlich diese blöde Taste für Lieblings-Qyper??? Wenn ich sie finde, bekommst Du Sie, Stroheim! Versprochen.

Naturwissenschaftliche Sammlung - Charlottenburg

Schloßstr. 69, 14059 Berlin

11.01.2010

VON RATTEN UND SCHMEISSFLIEGEN

Wer eine Ausstellung über „Ratten und Schmeißfliegen“ sehen möchte, hat dazu noch bis Ende Januar in Berlin Gelegenheit. Dabei geht es nicht, wie in den Zitaten von Franz Josef Strauß von 1978 und Edmund Stoiber von 1980, um CSU-kritische Journalisten und Schriftsteller. Es geht auch nicht um Juden, wie in dem NS-Propagandafilm ”Der ewige Jude”, dessen Autor, Eberhard Taubert, Richter am Volksgerichtshof, Referent beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und später dann Berater eben dieses Franz Josef Strauß war.

In der Ausstellung „Berliner – nie allein zu Haus! – (Un)heimliche Tiere in Haus und Garten“ geht es um reales, größeres und kleineres Geziefer. Flöhe, Läuse oder Wanzen, Buchskorpione, Schmeißfliegen, Automarder, Stadtfüchse und Wildschweine, alles was der Berliner sich gerne nach Hause einlädt und was gerne mal beim Berliner zu Hause vorbeischaut, wird hier recht anschaulich dargestellt. Über Ratten erfährt man nicht nur, wie man sie bekämpft, sondern kann sich auch ein Faltblatt über die artgerechte Haltung der Tiere mitnehmen. Wer weiß schon, dass die Hausratte in Berlin seit ca.1930 ausgestorben ist und es die anpassungsfähigeren Wanderratten sind, die uns gelegentlich via Kloschüssel einen Besuch abstatten? Oder dass es in Berlin noch in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Malariaepidemien gab?

In einem Hotelparkhaus am Alexanderplatz hat sich ein Waschbär eingerichtet, im Kita-Garten der Tochter tauchte ein junger Fuchs auf, auf den Köpfen der Kinder immer wieder Läuse. Selbst Wildschweine unternehmen ja gelegentlich Ausflüge zum Alexanderplatz. Da ist es nur gut, wenn man sich etwas vertraut gemacht hat mit dem Viehzeug und nicht so dämlich da steht wie ich neulich, als ich im Restaurant Waldhaus an der Havelchaussee ein Stück Wildschweinbraten verspeist hatte. Die Dunkelheit überraschte mich an der Bushaltestelle. Ein beängstigendes Rascheln kam immer näher und als Verursacher war bald eine Wildschweinrotte ausgemacht. „Jetzt rächen sie sich! Jetzt rächen Sie sich!“ waren meine letzten Gedanken bevor endlich der Linienbus eintraf und mich aus meiner misslichen Lage befreite. In der Ausstellung lernt man, dass auch anders miteinander umgegangen werden kann, wie dieses Foto (Quelle: Stadtmuseum Berlin | Berliner – nie allein zu Haus ! | c) Michael Setzpfandt) zeigt:

Mein Lieblingsexponat ist ein Stück Milbenkäse aus Thüringen. Es war mir aber unmöglich davon abzubeißen, da man ihn wohlweislich hinter einer Glasscheibe platziert hat:

Auch berufliche Perspektiven werden aufgezeigt. Wenn gar nichts mehr geht, kann man immer noch ein Insektenhotel aufmachen:

Wenn man in Berlin doppelt sieht, muss das nicht am übertriebenen Alkoholkonsum liegen. Hervorgerufen durch die Teilung der Stadt gab es zahlreiche Institutionen im Osten und im Westen. Ob Flughäfen, Opernhäuser, Staatsbibliotheken, Planetarien, Funk- bzw. Fernsehtürme: „Was ihr habt, wollen wir auch haben und zwar schöner, höher und pompöser“, lautete die Maxime in beiden Teilen der Stadt. So wurde auch die naturwissenschaftliche Sammlung von einem Förderkreis angelegt, dessen Ziel es war, ein Naturkundemuseum in Westen zu etablieren, als Gegenpart des traditionellen Hauses, das im Ostteil der Stadt lag. Der Vater einer Kollegin, Professor der Paläontologie, war dort Mitglied. Von daher hatte es sich in der Familie etabliert, allerhand totes Getier, das sich so ansammelt, im Kühlschrank aufzubewahren bis man es zum Präparieren einem Museum übereignen konnte. Gab öfter mal Ärger in der WG...

Seit 1987/88 ist die Sammlung in einem von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte entworfenen Gebäudekomplex in unmittelbarer Nähe des Schloßes Charlottenburg untergebracht. Nach der Wende wurde sie in die Stiftung Stadtmuseum Berlin eingegliedert, und musste sich einen deutlichen Berlinbezug zulegen. So ist beispielsweise ein Forschungs- und Sammlungsschwerpunkt „Bären als Wappentier Berlins“. Von Zeit zu Zeit zeigt man Sonderausstellungen.

Stroheim @eichhorn: Hautiere sind ein weites Feld. Ein paar Basisinfos findest Du hier:

http://www.ruhrnachrichten.de/anzeigen/osv/osvrn/kieferst...

http://www.gutefrage.net/frage/sollten-kinder-mit-hautier...

http://www.rennmaus.de/forum/community/haustierecke/75024...

Auch Eichhörner sind beliebte Hautiere, insbesondere, wenn sie sich in jeden Tippfehler verbeißen…

Diekmann Köstlich!

Weihnachtsmannvermittlung des Studentenwerks - Charlottenburg

Hardenbergstr. 34, 10623 Berlin

23.12.2009

Ich habe eine starke Affinität zu Weihnachten. Schon immer und ungebrochen. Selbst als ich vor langer Zeit als Nachwuchsautonomer auf der traditionellen Heiligabenddemo „Frohes Fest – Cholera und Pest!“ skandierte, richtete sich das keineswegs gegen Weihnachten als Institution. Ein paar Jahre später trug ich mit einigen anderen studentischen Weihnachtsmännern ein Transparent an der Spitze einer winterlichen Streikdemo. „Mit Heckelmann, Landowsky und Co wird keines Eurer Kinder froh“ warnten wir mit rauschebartbasierter Autorität die Eltern des zukünftigen Akademikernachwuchses vor der damaligen reaktionären Berliner Politikerkaste. Das Vermummungsverbot traute sich die Polizei natürlich nicht durchzusetzen. Die anwesenden Pressefotografen hätten zu gerne Bilder von Polizisten, die auf Weihnachtsmänner einschlagen, geschossen.

Am nächsten Tag stand ich dann im selben Outfit vor einem Herrenbekleidungsgeschäft und verteilte Süßigkeiten. Man konnte mich mieten. Seit etlichen Jahrzehnten vermittelt die studentische Arbeitsvermittlung „Heinzelmännchen“ Weihnachtsmänner (und mittlerweile auch Engel). Im Jahr erfüllten 500 Weihnachtsmänner 5.000 Bestellungen. Der Standardpreis (Heiligabend, Berliner Stadtgebiet, Familie mit bis zu drei Kindern) liegt mittlerweile bei 31 Euro.

Viele Jahre schmiss ich mich in den roten Fummel, betröpfelte meine Brille mit Antibeschlagmittel, und kurvte mit meinem kleinen Suzuki-Bus durch mein Einsatzgebiet. Dabei hörte ich lautstark Weihnachtslieder vorwiegend angloamerikanischer Provenienz, je sentimentaler desto besser. Mein Areal umfasste Teile des eigenheimdominierten Britz und der Gropiusstadt. Genau der Trabantenstadt, die man von Christiane F. kennt. In 20-Minuten-Takten trieb es mich in immer neue Wohnzimmer, wo ich Berliner Gören lobte und ihnen behutsame Verhaltensverbesserungsvorschläge unterbreitete, riesige Geschenkehaufen niedermachte, auf Dutzende Videos gebannt wurde und – nachdem ich oft darauf bestehen musste, dass sowohl der Fernseher als auch der Plattenspieler abgeschalten wurde - mit Inbrunst Weihnachtslieder schmetterte. Bei manchen Familien wäre ich gerne geblieben, bei anderen dankte ich dem Himmel, dass ich da so schnell wieder raus kam…

Übrigens waren auch Jürgen von der Lippe und Karl Dall in jungen Jahren als Weihnachtsmänner bei den Heinzelmännchen tätig!

Ein Abend hat sich mir besonders eingeprägt…

Hier kann man weiter lesen


Auszeichnung für "Very Important Qyper", kurz "VIQs"

meme ... und erst die Fortsetzung - unbedingt lesen !!!

Gestern

13.06.2013