Ich bin hotzenplotz aus Hamburg. Ich bin Qyper seit dem 10.07.2007
"Buchstabensuppe"
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Profil von hotzenplotz
Friedrich Jürges GmbH - Sternschanze
Schanzenstr. 32, Fleischereimaschinen, neu & gebraucht, Reparaturwerkstatt, 20357 Hamburg
08.07.2008
(aktualisiert am 25.11.2011)
Jedem zufälligen Passanten dieses Beitrages sei zunächst ein kleiner Umweg auf den Text von Herr_Paulsen zum gleichen Platz empfohlen, dem eigentlich nicht viel hinzuzufügen wäre.
Allerdings habe ich drei Jahre lang auf der anderen Strassenseite, in der Schanzenstrasse 45 gewohnt, zu Großvaters Zeiten könnte man fast sagen, vor 24 Jahren.
Mittlerweile ist aus einer zerbombten Strasse mit etlichen Baulücken eine durchsanierte Meile mit hohen geschlossenen Fassaden geworden, an der sich Geschäft an Geschäft reiht.
Damals war Messer-Jürges meinem Fenster gegenüber in einem übriggebliebenen, blauen Haus zwischen dem Werksparkplatz der Hermann Laue-Gewürzfabrik auf der linken Seite und einer alten Tankstelle aus den Fünfzigerjahren auf der rechten.
Neben Jürges war das Angels Pub, eine Rockerkneipe, gegenüber ein Jugotreff, das Hajduk Split. Der ist immer noch da.
Wenn sich auch vieles in der Schanzenstrasse gewandelt hat, dieser Laden wirkt wie eine Insel der Kolonialwarenzeit, die nicht recht in der Moderne angekommen ist. Nicht ein Milligramm hat sich verändert, seit ich das erste Mal 1980 zu Beginn meiner Lehre meine ersten Dick-Messer hier gekauft habe: ein Gemüsemesser, einen Ausbeiner, ein Officemesser, ein Filetiermesser und den ersten Stahl. Die Messer besitze ich immer noch.
Ich kann nicht genau sagen, ob hier jemals irgendein Wechsel in der Belegschaft stattgefunden hätte, die Gesichter hinter dem Tresen jedenfalls sind immer noch die gleichen.
Der schon damals nicht mehr ganz junge Herr Jürges Senior sieht scheinbar keinen Grund, seinen beruflichen Lebensmittelpunkt gegen das Züchten von Rosen zu tauschen, warum auch.
Er ist mittlerweile 86, schaut gelegentlich mal rein, streicht vielleicht die Türen, plaudert ein wenig, dann geht er wieder.
Sein Sohn verändert sich äußerlich so wenig wie Tintin vom ersten bis zum letzten Band. Diesem ähnelt er auch sonst ein wenig, wenn er auch nie ganz so jugendlich war und natürlich immer einen grauen, knielangen Kittel trug und trägt.
Die Papppreisschilder an den Artikeln sind immer noch handschriftlich mit dickem Filzer geschrieben in zwei Farben, grün für den Netto- und Rot für den Bruttopreis.
Hier wirkt nie jemand gehetzt, erstaunt oder genervt, keiner fuchtelt rum oder machte sonst einen aufgeregten Eindruck.
Jede Frage, vom Profi oder vom Amateur, wird mit ruhiger Kompetenz ausführlich beantwortet.
Die Messer werden präzise und geschickt geschliffen, ohne dass dafür Halsabschneiderpreise verlangt würden.
Sollte jemand beabsichtigen, in die professionelle Wurstproduktion zu gehen, so findet er eine respektable Auswahl an verschiedenen Wurst-Cuttern bis zu einer Größe von geschätzten 50 Kilo Masse direkt frei Kofferraum, sofern er denn einen Parkplatz in direkter Nähe findet.
Für die derzeit größte verfügbare Maschine sollte man allerdings nicht versuchen, mit dem Kleinwagen vorbeizukommen, die wiegt nämlich 4 Tonnen und schafft bis zu 200 Kilo Wurstmasse auffen Schlach, wie mir Herr Jürges versicherte, alles hydraulisch und mit einer Auswerfervorrichtung, da braucht man nix mehr mit der Hand zu machen.
Ist drei Meter lang und zwei Meter breit und mannshoch, das Schmuckstück, und kostet in der einfachen Version gebraucht nur 40.000 Euro. Bevorzugt man technischen Schnickschnack wie stufenlose Steuerbarkeit müsste man schon mit 56.000 in die Verhandlungen gehen.
Damit wäre man sicher der Star auf der nächsten Grillparty.
Badbury Wundervoll, diese schönen alten Geschäfte aus schönen alten Zeiten und des Hotzenplotz’ Bericht herüber.
22 August 2008
Mr. Kebab - St. Pauli
Thadenstrasse 4, 22767 Hamburg
12.11.2011
Nach fast dreijähriger Pause ist Mr. Kebab seit gestern wieder geöffnet. Das Viertel atmet auf.
Eat_Berlin aber in den seltenen fällen, in denen ich in HH bin,
denke ich an andere anlaufstellen. gruß, fr. berlin.
13 November 2011
Halbinsel Priwall - Lübeck
Dünenweg, Travemünde, 23570 Lübeck
10.12.2007
(aktualisiert am 26.07.2011)
Gestern war Ausflugstag.
Nach dem Frühstück ab nach Travemünde, zum Priwall. Halb Schleswig – Holstein scheint nach den Wolkenbrüchen der letzten Tage Land unter zu haben.
Die Trave heute im Doppelbett.
Gestern war es friedlich, schließlich ist Advent. In Travemünde kurzes Hafenschlendern, kleine Jungs ärgern Schwäne, mehrere tote Seevögel liegen am Pier. Der Trip mit der Fähre dauert keine fünf Minuten, drüben ist der Priwall, eine kleine Halbinsel, früher das Ende der westlichen Welt, heute nur noch die Grenze nach Mecklenburg.
Im Sommer ist hier ziemlich Betrieb, die Sand World lockt viele Besucher und Campingplätze gibt es auch. In Herbst und Winter findet man ein paar tapfere Spaziergänger und Hundefreunde.
Von der Fähre runter begibt man sich auf den Weg linkerhand, ein kleines Stück längs der Travemündung, um dann durch den Wald abzukürzen. Jetzt kommt man an einen Yachthafen, an dessen Ende eine kleine Sensation wartet, die Viermastbark Passat, erbaut bei Blohm und Voss 1911, Schwester von Schiffen mit herrlichen Namen wie Pangani, Peking, Pamir oder Padua. Letztere kennt man vielleicht aus dem Film Große Freiheit N°7. Hans Albers verschwindet damit im Morgengrauen samt Liebeskummer und bestem Kumpel.
Ein wahrlich schönes Schiff liegt hier festgetäut seit 48 Jahren und ist scheinbar im Winter nicht zu besichtigen. Hat neununddreissigmal das Kap Hoorn umsegelt, ohne zu sinken.
Montags und dienstags kann man darauf heiraten, falls das jemanden interessiert.
Ab hier beginnt der Strandspaziergang, die See liegt still und spiegelglatt, der abendliche Himmel färbt sich schweinchenrosa, verspätete Gänse ziehen in langen Strichen mit ihrem typischen Hupen übers Wasser.
Früher war nach zwanzig Minuten Schluss, Stacheldraht, Grenze.
Heute kann man ungehindert weiterlaufen, an kleinen Dünen und Sanddornbüschen vorbei, im Hinterland Naturschutzgebiet, vorn Schwäne, die die Köpfe so gut wie nie aus dem Wasser heben, vereinzelte Kormorane mit holprigem Flug. Der Weg scheint mir nach mehreren Versuchen ausgesprochen geeignet für friedliche Gespräche.
Nach zwei Stunden drehen wir bei, die Sonne ist weg.
Im Wald vor der Passat leben Tausende von Krähen, im letzten Tageslicht knallt ein Schreckschuss und sie schwärmen unter protestierendem Gemecker auf, eine unheimliche schwarze Wolke.
Die Fähre bringt uns wieder in den Westen, hier gibt es Glühwein auf dem kleinen Promenadenweihnachtsmarkt und für die Heimfahrt noch eine süße Butterbrezel aus dem Niederegger-Laden.
Freie Bahn, Marzipan.
hotzenplotz Nein, badbury, ich pflege unbewaffnet auf meine Spaziergänge zu gehen.
Schon gerade in der Vorweihnachtszeit.
24 Dezember 2007
Speisekammer - Eimsbüttel
Weidenstieg 5a, 20259 Hamburg
15.07.2007
(aktualisiert am 27.05.2011)
Update am 27. Mai 2011
Ich war vorhin nach ungefähr drei Jahren das erste Mal wieder in der Speisekammer. Ich bin schwerst beeindruckt, dass sich der Wirt nach so langer Zeit erinnerte, dass ich zum Kaffee kalte Milch möchte. Das haben sonst nach umfangreichen Studien 98% der Bedienungen schon vor dem Erreichen der Kasse wieder vergessen. Châpeau!
Die Speisekammer ist erst vor ein paar Wochen eröffnet und gerade mein Lieblings- Frühstückslokal. Vor der Tür sind vier Vierertische mit Bänken auf einem Holzpodest aufgebaut, leider zur Zeit selten zu nutzen, da nicht überdacht oder beschirmt aber mit hübscher Kräuterdeko in kleinen Kästen. Drinnen ist alles noch recht frisch und unpatiniert, man sitzt im Hochparterre an einer langen Fensterbank
oder über eine kleine Treppe im oberen Geschoß wie in einem kleinen Wohnzimmer. Die Speisen sind sehr liebevoll zubereitet, es macht Vergnügen, hier zu frühstücken: köstlicher selbstgebackener Brioche mit guter Butter und frischer Erdbeermarmelade, kleine Karotten-Orangensäfte und ein zwar nicht besonders hübsch aussehendes aber um so leckereres Birchermüsli,kleine Mürbeteigkekse zum Kaffee am Tassenrand und ein Obstsalat mit einem geringen Apfelanteil, dafür aber Pfirsich, Aprikose, Erdbeeren und was sonst gerade so dran ist, haben mich überzeugt, wiederholt hier einzukehren. Es gibt wohl auch ein tägliches Mittagsgericht, das hab ich aber noch nicht ausprobiert.
Die Bedienung ist sehr freundlich und bemüht, man kümmert sich. Eine Nachbarin verriet mir neulich, daß man in der Umgebung dies teilweise als zuviel Service und zu bemüht betrachte, na ja, weiß ich nicht, ich finde ja als alter Kartenspieler, daß Bedienen nicht nur nicht schlecht sondern in dem Job auch Pflicht ist. Der Laden hat Charme, mal sehen, wie er sich entwickelt..
Man darf nicht rauchen, was mich als Raucher einerseits nicht freut, weil ich nach dem Frühstück in den Regen muß, andererseits aber freut, weil ein Café nach Croissant und Kaffee riechen sollte und nicht unbedingt nach Qualm.
Hunde sind übrigens erlaubt.
ottogang Das wäre natürlich auch eine Möglichkeit, Hamburg hat sonst ja auch noch was.
26 September 2007
Nicola Ottogang ist mir zuvor gekommen. Wollte Dir auch gerade sagen, wie unglaublich ich das mit der Speisekammer finde. Hier hast Du für den Dietmar ja echt was ins Rollen gebracht. Für ihn freut es mich sehr!!! Bestell ihm herzliche Grüße bei Deinem nächsten Besuch!
26 September 2007
Klaus Ohle - Eimsbüttel
Weidenallee 56, 20357 Hamburg
04.04.2011
Irgendjemand hat nach der letzten Renovierung im Laden die Wanduhr verkehrt aufgehängt, dass sie ein paar Tage später und glücklicherweise erst nachts kurz vor Feierabend runtergerauscht ist. Vier Meter freier Fall mit harter, lauter Landung.
Die Uhr stammt aus den Fünfzigerjahren und ist der einzige Gegenstand, den wir aus dem Besitz der Vorgänger übernommen haben, sie wiegt sicher drei, vier Kilo, hat eine abgerundete Glasfront, einen schönen Rand aus Chrom und ein ausgesprochen hübsches Zifferblatt. Nach dem Absturz alles zerdeppert und verbeult, eigentlich Totalschaden.
Nach so vielen Jahren hängt man an den Sachen. Man kann doch die Geschichte nicht einfach so zum Schrott geben. Und außerdem weiß man erstmal nicht, was als Ersatz herhalten sollte.
Meister Ohle hat das schöne Stück oder besser die Reste davon wieder zusammengeflickt, ausgebeult, mit einer neuen Scheibe versehen und nun strahlt sie wieder in alter Ruhe und Zuverlässigkeit.
Eindeutiges Votum für Ohle!
hotzenplotz Du warst noch nie drinnen bei uns, Gesellschafterin, richtig? Draußen scheinst du ja gelegentlich rumzuschleichen und zu fotografieren... Wird nachgereicht, das Foto. Grüße
Uhr hängt ordnungsgemäß, alles unter Kontrolle. Auch Grüße
5 April 2011
Restaurant Trific - Hoheluft-West
Eppendorfer Weg 170, 20253 Hamburg
24.02.2010
(aktualisiert am 14.01.2011)
Nachschlag:
Wir hatten letzte Woche hier unsere Weihnachtsfeier.
Sechzehn Köche und ebensoviele Kellner glücklich zu machen ist kein ganz einfaches Projekt. Danke für den sehr schönen Abend!
Sie haben es geschafft.
Wie angekündigt wurde gestern eröffnet. Keine Kabeltrommeln, keine Farbeimer und Sägespäne, alles frisch wie aus dem Ei gepellt. Nicht ganz zwanzig Tische, weiß gedeckt, eine Bar mit Durchreiche zur Küche, ein schönes Blau an der Stirnseite. Der Flur zur Garderobe wie zuhause bei Freunden. Die Gastgeber, Tanja und Oliver, wirken entspannt und souverän. Erst bei genauerem Hinsehen merkt man den Stress der letzten Wochen.
Da ist erstmal alles gelungen. Der Raum ist klasse, genau richtig groß, der Service schon am ersten Tag gut eingespielt, freundlich und aufmerksam. Das Restaurant wird es schaffen, ein zweites Wohnzimmer für Gäste aus der Nähe zu werden, wie die Eppendorfer Grillstation nebenan ja auch. Ich wohne etwas weiter weg, werde also eher nicht jeden Tag im Bademantel reinschneien, was wahrscheinlich die meisten als Glück betrachten werden.
Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Oliver hat das Kochen nicht verlernt, was aber auch niemand außer ihm ernsthaft bezweifelt hat.
Tanti auguri!
Grab & Go Coffee Shop - Neustadt
Valentinskamp 20, grab&go coffee-shop, 20354 Hamburg
04.01.2011
Per Zufall heute vor der Tür geparkt und weil mir gerade die Augen zufielen rein auf einen Espresso. Sieht aus wie eins von diesen Kaffeekettencafés.
Die Bedienung war ziemlich nett und der Kaffee auch.
Aber sagt mal, Grab & go? Da hatte ich irgendwie ne andere Assoziation, auch wenn Kaffeetrinken nicht sehr gesund sein soll.
sidifferent Lach, kraska, wie: "Douglas - Come in and find out". Komm rein und finde wieder raus, oder ?
5 Januar 2011
FalkdS Na klar ist Kaffee gesund, nur zu viel eben nicht, wie bei allen Dingen, die Dosis macht´s. ;-)
10 Januar 2011
Haus Erholung - Juist
Carl-Stegmann-Strasse 15, 26571 Juist
03.09.2008
(aktualisiert am 30.07.2010)
Ein Zufallstreffer.
Habe übers Internet am vergangenen Montag ein Zimmer für den Tag darauf gesucht, die Inhaberin am Telefon war herzlich, 30 Euro die Nacht, ein Fax zur Bestätigung, fertig.
Ein altes, schlichtes Backsteinhaus zentral im Ortskern. Was auf Juist nicht heißt, dass es laut wäre. Aus dem Fenster hört man das allgegenwärtige Hufgeklapper und bei günstigem Wind die internationalen Melodien des ungarischen Kurorchesters auf dem Kurplatz.
Ansonsten ist es still bis auf den Wind, der gelegentlich heult, das Krächzen der Krähen, die lachenden Möwen und was sonst so vorbeifliegt.
Die Treppe knarzt, ich wohne im zweiten Stock und versuche, möglichst leisezutreten. Die Toiletten und die beiden Duschen sind auf halber Höhe, im ersten. Man hört des Morgens und in der Nacht die Hausbewohner heimkommen oder ins Bad gehen. Ich mag das.
Auf eine eigentümliche Weise scheinen sich alle Bewohner in einem gleichmäßigen Rhythmus zu bewegen, auch ich bin schnell angekommen. Das Frühstück findet zwischen halb neun und halb zehn statt, und alle Gäste erscheinen Tag für Tag in der gleichen Reihenfolge.
Zunächst die alleinreisende ältere Dame, die nicht viel redet und etwas schüchtern scheint, dann die drei freundlichen evangelischen Schwestern – sie sind verwandt, nicht im Orden -, jetzt kommt das rheinländische Paar, das immer mal flüstert und dann wieder laut lacht und zwischendurch mehrmals zum Rauchen vor die Tür geht. Gegen neun erscheine ich und zu guter letzt Herr S. aus Baden-Württemberg, der schon seit Jahrzehnten immer im gleichen Zimmer wohnt und sich auskennt.
Als ich einmal pünktlich um halb neun auftauche, bringe ich den ganzen Laden durcheinander, Frau Schmidt verfällt in Hektik, denn mein Kaffee ist noch nicht gefiltert.
Mache ich nicht wieder.
Der Spar ist gleich an der Ecke, ich kaufe vor dem Frühstück Zeitung, die hier per Flugzeug kommt, Zigaretten und Schokolade.
Den Kaffee und mein Ei hole ich mir immer persönlich aus der Küche, was mir Pluspunkte bringt, denn so kann Frau Schmidt ein paar Minuten mit mir schnacken und sie muss nicht so viel laufen, ist sie doch nicht mehr allzu gut zu Fuß, Thrombosen.
Dafür redet sie sehr gern und erzählt mir Teile der Familiengeschichte. Sie mag mich.
Und stammt aus Ostpreußen, was man unschwer hört und was wohl auch Ursache ihrer Gesprächigkeit ist. Sie ist eine liebenswerte Gastgeberin, ihr verstorbener Mann war Friese, von Langeoog.
Das Frühstück ist sehr üppig und alle packen sich Stullen und Brötchen für unterwegs ein. Sie bittet darum.
Jeden Morgen, wenn ich mit meinem Tablett aus der Küche entschwinde, um an meinem Tisch Platz zu nehmen, ruft sie mir ein „Lassen sich´s schmecken, Herr H.“ nach.
Am späten Nachmittag mangelt sie meist und fragt, was man so erlebt hat.
Man kann in einem Fernsehraum z.B. Fußball gucken, die Vordertür wird um zehn verschlossen, hinten bleibt die Nacht über auf, falls der Herr H. noch auf den Gedanken kommen sollte, nachts die Sternbilder zu kontrollieren.
Brausewind - St. Pauli
Neuer Pferdemarkt/ Ecke Thadenstrasse, 20359 Hamburg
03.08.2008
(aktualisiert am 13.06.2010)
Es ist eine Nacht im August.
Eigentlich nichts besonderes, wäre da nicht der Wind.
Es war heiß in den letzten Tagen, vorgestern drehte er auf West und brachte Wolken.
Weiterhin bleibt es warm und seit Tagen liegt Gewitter in der Luft.
Der Wind weht in leichten Böen zwischen zwei und drei Windstärken, die Temperatur dürfte so bei 23 Grad sein.
Ich stelle mich an die Kreuzung Neuer Pferdemarkt genau gegenüber von Mr. Kebap vor die Litfaßsäule, da spürt man es am besten.
Der Wind kommt aus Richtung Altona und nimmt, nachdem er über die Bernstorffstrasse ist, den Weg bergab die Thadenstrasse runter. Dabei scheint er Fahrt aufzunehmen, die Bebauung dort ist recht eng.
Wenn er dann unten auf die Kreuzung trifft, hat er seit mindestens einem Kilometer freie Bahn und kommt manchmal mit plötzlicher Wucht um die Kurve.
Dann war er in letzter Zeit ein paar Mal wie ein Scirocco, der einem heiß ins Gesicht bläst.
Im Winter höchst unangenehm und feucht-kalt, an Regentagen nass, im Frühling voller Verheißungen.
Jetzt ist er genau richtig.
Lau, nicht warm, nicht kalt, genau dazwischen, perfekt.
Er lässt die Haare auf dem Kopf wehen und streichelt Hals und Arme.
Augen zu und fliegen.
Kaiser&Santos - Neustadt
Hamburg
15.12.2008
(aktualisiert am 08.04.2010)
Was tun, wenn wieder einmal Dezember ist und die Lieblingslokale voller krakeelender Großgruppen oder gleich ganz in der Hand von Versicherungsgesellschaften in Feierlaune sind?
Wohin gehe ich mit der spontanen Verabredung aus Heidelberg, von deren Anreise ich erst am Vortag erfuhr, als keine Zeit mehr da war, sich in Wartelisten hochzuarbeiten?
Nach einigem Nachdenken fiel mir ein, dass ein alter Bekannter, Thomas Kaiser, im April ein Restaurant in der Weidenallee eröffnet hat und ich da immer noch nicht war.
Bei dem Namen Kaiser Santos muss ich an Keyser Söze, den anonymen Oberbösewicht aus The usual suspects denken, Lieblingsfilm mit einem grandiosen Kevin Spacey.
Thomas Kaiser und Orlando Santos servieren hier alles andere als bösewichtig zwischen roten Wänden unter einer goldenen Decke gutes Essen zu vernünftigen Preisen.
Nachdem ich die Garderobe von der Wand gerissen hatte, wurden wir trotzdem noch mit einem kalten Cremant versehen.
Zum Anfang kam eine nichtschaumige, genau richtig kremige, leicht scharfe Kokossuppe mit gelbem Curry und gebratenen Garnelen. In diesem Fall fand ich das Aus-dem-Panzer-puhlen der Krabben mit den Fingern mal ganz in Ordnung, eigentlich möchte ich den Köchen der Welt gern ab und zu mal zurufen, dass sie doch die bescheuerte Schale vorm Bruzzeln auch abmachen könnten, dann hätte man es bequemer. Zumindest in Suppen oder Pasta.
Ich aß dann hervorragende Maultaschen mit einem gut gewürzten Kalbfleisch drin, einem Hieb in guter Butter geschmelzten Zwiebelwürfelchen drauf und dem geradezu idealen Salat dazu. Meine Begleitung hatte Confit von der Ente, eine Art der Zubereitung für fette Vögel, die ich gern häufiger sehen würde. Die Ente oder besser ihre Beinchen werden nur kurz angebraten um dann eine Weile im vorsichtig siedenden Fett des Tiers, in unseren Fall also Entenschmalz, zu schmurgeln bis sie butterweich vor Zartheit fast zerfallen. Dies ist der Küche gut gelungen, der mit etwas Ingwer gegarte, dazu servierte Rotkohl und die Serviettenknödel, ich glaube, sie waren aus Brezeln, haben auch Spaß gemacht.
Leider war nur eine Flasche vom Pouilly Fumé bevorratet, der von Herrn Kaiser angeratene Rueda danach war aber auch ein sehr guter Fang.
Das Lokal verfügt über einen separaten Raum, falls man mal mit der CDU-Ortsgruppe Eimsbüttel Weihnachten feiern muss. Dann allerdings damit rechnen, dass fremde Männer auf dem Weg zur Toilette die Internationale singen.
Ich hoffe, es ist rausgekommen, was ich meinte: ein sehr gutes Lokal für den Besuch mit Freunden, dem Rendezvous, möglicherweise sogar mit der Familie. Es sei denn, Mama sitzt nicht so gern unter einem buntgespritzten Rehgeweih.
Nach Valet-Parken hab ich jetzt nicht direkt gefragt, auch weil ich zu Fuß kam, denke aber eher, dass dies nicht der richtige Platz dafür ist. In der Weidenallee parkt man am besten in zweiter Reihe bis einer hupt, der raus will.
Zum Abschluss mein Tipp an alle, die längere Zeit auf Alkohol verzichtet haben und mal zwischendurch etwas feiern wollen: nicht gleich alles auf einmal trinken, der Körper verliert unheimlich schnell an Übung im Alkoholabbauen.
Barnie Also nach Hamburg kam er damals von Cosmos, nicht von Santos, der Herr Kaiser...
8 April 2010
ChaCha Gar nicht übel, dieses aktualisieren - dann weiß ich wenigstens, dass ich bei meinem nächsten Besuch bei Dir meine Liederbücher mitbringen muss (so textfest bin ich im Alter nicht mehr) ;-)
18 April 2010
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