Ich bin hotzenplotz aus Hamburg. Ich bin Qyper seit dem 10.07.2007
"Buchstabensuppe"
Meine Geschäfte auf Qype:
Nil Restaurant, Nil N°6
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Profil von hotzenplotz
Textilpflege Maltzahn - Sternschanze
Schulterblatt 115, 20357 Hamburg
21.08.2012
Soso, die alten Öffnungszeiten der Wäscherei waren also eine „Frechheit“.
Dass es inhabergeführte Geschäfte gibt, die mit einer einzigen Crew arbeiten und dieser das Recht auf ein normales zweitägiges Wochenende gönnen, ist nicht nachvollziehbar?
Müssen jetzt alle immer rund um die Uhr und an jedem Tag geöffnet haben, nur weil das so praktisch für einen selber ist? Machte eine Wäscherei damit mehr Umsatz oder erhöhte sie nur ihre Kosten, um dabei auch noch ihr persönliches Gesicht zu verlieren?
Denn ein Gesicht hat dieses Geschäft. Ich bin seit vielen Jahren Hemdenabonnent und irgendwie habe ich es immer geschafft, meine Sachen zwischen sieben Uhr in der Früh und sechs Uhr abends zu bringen und zu holen.
Dabei immer freundlich bedient, mit dem Namen angesprochen worden. Die Hemden sind stets am nächsten Nachmittag fertig. Es gab keinen Fleck, der nicht rausgegangen wäre. Ich zahle 1,50 für ein gewaschenes, gebügeltes Hemd. Ab und zu bringe ich einen Packen Drahtbügel zurück.
Dieses Geschäft gehört zu den letzten seiner Art in dieser Gegend. Neben Messer Jürges, Büromarkt Hansen, Schlüssel Reese und Eisenwaren Schüllenbach überlebende Dinosaurier einer Zeit, als man seinen Laden noch um sieben öffnete.
Ich mag das.
Brausewind - St. Pauli
Neuer Pferdemarkt/ Ecke Thadenstrasse, 20359 Hamburg
03.08.2008
(aktualisiert am 18.08.2012)
Es ist eine Nacht im August.
Eigentlich nichts besonderes, wäre da nicht der Wind.
Es war heiß in den letzten Tagen, vorgestern drehte er auf West und brachte Wolken.
Weiterhin bleibt es warm und seit Tagen liegt Gewitter in der Luft.
Der Wind weht in leichten Böen zwischen zwei und drei Windstärken, die Temperatur dürfte so bei 23 Grad sein.
Ich stelle mich an die Kreuzung Neuer Pferdemarkt genau gegenüber von Mr. Kebab vor die Litfaßsäule, da spürt man es am besten.
Der Wind kommt aus Richtung Altona und nimmt, nachdem er über die Bernstorffstrasse ist, den Weg bergab die Thadenstrasse runter. Dabei scheint er Fahrt aufzunehmen, die Bebauung dort ist recht eng.
Wenn er dann unten auf die Kreuzung trifft, hat er seit mindestens einem Kilometer freie Bahn und kommt manchmal mit plötzlicher Wucht um die Kurve.
Dann war er in letzter Zeit ein paar Mal wie ein Scirocco, der einem heiß ins Gesicht bläst.
Im Winter höchst unangenehm und feucht-kalt, an Regentagen nass, im Frühling voller Verheißungen.
Jetzt ist er genau richtig.
Lau, nicht warm, nicht kalt, genau dazwischen, perfekt.
Er lässt die Haare auf dem Kopf wehen und streichelt Hals und Arme.
Augen zu und fliegen.
Venezia Ristorante - Nebel
Hööwjaat 2, 25946 Nebel
05.07.2009
(aktualisiert am 14.08.2012)
Andere Länder – andere Sitten.
Zum Glück wohne ich in einer Stadt, in der es keine besondere Mühe macht, noch nachts um drei Nahrungsmittel zu erwerben oder geöffnete Restaurants zu finden, die sich über Kundschaft freuen. Die rege türkische Nachbarschaft befriedigt plötzlichen mitternächtlichen Appetit auf frische Kirschen oder Buttermilch; in Hamburg muss man nicht hungrig ins Bett, nur weil man vergessen hat, rechtzeitig Vorräte anzulegen.
Das prägt. Außerdem arbeite ich bis spät und esse oft erst gegen Mitternacht zu Abend.
Nicht Kalender und Uhrzeit planen die Essenszeiten, meist macht das mein Bauch. Ich gehe essen, wenn ich hungrig werde.
Sind wir hier auch nicht wahnsinnig weit vom Wasser weg, so fehlt doch gelegentlich der Geruch von Dünen und Meer, das Rauschen der Brandung und das nächtliche Kreischen der Austernfischer. Wenn ich Sehnsucht nach Leuchttürmen bekomme, dann fahre ich auf Inseln, wo es meistens welche gibt. Juist, Norderney, Hiddensee, Sylt.
Oder Amrum, immer wieder Amrum.
Hier ist das Leben noch ordentlich geregelt. Der Supermarkt schliesst um 18 Uhr, man kennt und respektiert die Mittagsruhe, die Bäckersfrau wirft einem vorwurfsvolle Blicke zu, will man etwa noch Brötchen um halb elf erwerben und auch im Hochsommer binden die Köche in den Restaurants ihre Schürzen ab, wenn die Sonne noch hoch am Himmel steht und der Spanier sich beim Manzanilla noch eine Olive in den Mund steckt, um sich aufs Abendessen einzustimmen.
Neun Uhr ist allgemeiner Küchenschluss, die meisten Kurgäste speisen so, dass sie rechtzeitig zur Tagesschau zuhause sind. Abendliche Strandspaziergänge also besser nach dem Essen machen, kommt man nämlich um 20.45 hungrig in ein Lokal und fragt nach einer warmen Mahlzeit wird man angesehen, als hätte man keine Hose an.
Vielleicht erinnert man sich von einem früheren Besuch daran, dass die Pizzeria Küchenöffnung bis halb zehn annonciert und Italiener schließlich herzliche Südländer sind, die keine Behördengastronomie betreiben, ist um 21.08 Uhr am Tresen und bittet höflich um Speise, stellt fest, dass Ristorante Venezia nicht mehr in italienischen Händen ist – wahrscheinlich hat der freundliche Wirt und AC Milan-Fan das Champions League-Finale im Mai 2005 nicht verkraftet, als seine Mannschaft nach 3-0 Pausenführung am Ende dem FC Liverpool noch im Elfmeterschiessen unterlag; ich hab das hier mit meinem Vater angesehen: bis zur Halbzeit hatte der Patron meinen Hund Yuyu so mit Parmaschinken und Salami vollgestopft, dass ich später Mühe hatte, ihn (den Hund) zu überreden, mit uns nach Hause zu gehen. Der Wirt jedenfalls war damals nur durch reichlich Trost und Zuspruch von allen Seiten von Schlimmerem abzuhalten, er war immerhin kurz davor, die Fahne seines Heimatclubs in Brand zu setzen oder den Flat Screen-Fernseher, den er eigens für dieses Spiel erworben hatte, zu zertrümmern – jedenfalls sieht man weit und breit kein italienisches Gesicht und auch die Auskunft, die man erhält, ist niederschmetternd, nämlich, dass es höchstens noch Pizza zum Mitnehmen gäbe.
Nun könnte man sagen, immerhin noch was bekommen. Andererseits könnte man auch mit der Bedienung diskutieren, warum sie denn an der Tür schriftlich die Öffnungszeiten ihrer Küche erwähnen, um einen dann binnen dieser nicht mehr vor Ort bewirten zu wollen. In anderen Gegenden der Welt ist Küchenschluss auch nicht unbedingt gleichbedeutend mit dem Abschließen der Haustüre.
Erhält man dann die Antwort, dass das Lokal ja schließlich schon seit 17 Uhr geöffnet gewesen wäre und es ja wohl nicht nötig sei, auf dem letzten Drücker zu erscheinen, dann hält einen nur der lautknurrende Magen davon ab, die Debatte sofort in ein, sagen wir finales Gelände zu steuern. Immerhin hat die Wirtschaft schon ca. 4 Stunden hart geackert, wie dumm von uns, noch mit belästigenden Wünschen mitten in der Nacht aufzulaufen.
Wir in dieser Situation halten uns lieber zurück, ehe es gar nichts mehr gibt, trinken das freundlicherweise auch im Sitzen genehmigte Warte-Flens, lassen uns die Pizza schneiden, zahlen exakt passend und essen vor der malerischen Clemenskirche gegenüber auf der Bank. War etwas fettig, Serviette vergessen, glücklicherweise noch ein Tempo dabeigehabt.
hotzenplotz Liebster Badbury, wahrscheinlich hast Du als Anglophiler den Film über die Gorillaforscherin Dian Fossey wenn überhaupt in Originalversion und dann unter dem Titel Gorillas in the mist geschaut. Das hätte zwar auch zur Situation, nicht aber zum Namen des Ortes Nebel gepasst; zu deutsch jedenfalls heisst der Streifen Gorillas im Nebel.
Und nebulös sind die Öffnungszeiten doch irgendwie schon, oder?
15 Juli 2009
sybill na sowas, kaum bin ich (seit hundert jahren?) einmal auf qype, lese ich einen schönen hotz. das war doch schon immer so…...:-)
hach! liebsten gruß.
31 August 2009
Waffelbäckerei Heidmann - St. Pauli
Heiligengeistfeld, Eingang Feldstrasse, 20359 Hamburg
30.10.2008
(aktualisiert am 20.07.2012)
Ab kommendem Freitag ist wieder Dom.
Kommt mir vor, als hätten sie eben erst abgebaut, schon steht das Riesenrad wieder da. Ich geh da ja bekanntlich ganz gern hin.
Einer der Hauptgründe – und auch bei schlechtem Wetter zu gebrauchen – ist Heidmann. Ich mag nämlich Schmalzgebäck.
Das Geschäft liegt an der Feldstrasse, hinter dem Bunker.
Und es ist dort eigentlich immer schon gewesen, zumindest seit ich denken kann.
Fragt man einen Paulianer, wo er eine Apfeltasche kaufen würde, er wird mit ziemlicher Sicherheit “bei Heidmann” antworten, da nehme ich jede Wette an.
Berliner gibt es hier, die nennt man andernorts seltsamerweise auch Pfannkuchen, meint jedenfalls ein fast rundes Gebäck aus Hefeteig, das in heißem Butterschmalz gebacken wird. Dabei schwimmt es wie ein Bötchen mit der einen Hälfte oberhalb, muss darum nach halbabsolvierter Garzeit mit einer Art Trommelstock zum Kentern gebracht werden, um kieloben zu Ende zu backen.
Oh ja, bald ist auch schon wieder Silvester, da ist es aus mir unverständlichen Gründen ein fester Brauch, so etwas um Mitternacht zu essen. Als hätte man sonst nichts zu tun.
Mutzenmandeln und Sprungfedern gibt es hier auch, klar. Letztere mag ich am liebsten. Kennen Sie nicht? Dazu nimmt man ein Spezialwerkzeug, ein spiralförmig gedrehtes Blech an einem Holzstiel, das wird in einen dicken Pfannkuchenteig getaucht, kurz abgetropft und ab damit ins siedende Fett. Es entsteht nun eine knusprige Spirale aus dünnem Teig. Nach dem Backen ist die Masse an der Oberseite des Werkzeugs zu einer festen Schicht geworden, diese muss durch vorsichtiges Draufklopfen losgelöst werden, dann rutscht das fertige Federchen langsam herunter. Das Gebilde ist aber sehr filigran, jedes Zehnte geht dabei entzwei, egal, wie vorsichtig man das macht.
Schon als Lütte haben wir daher immer nach Sprungfederbruch gefragt, der kostet wenig – letztes Mal 60 Cent die Tüte – und schmeckt fast genauso gut.
Hinterher hat man, egal was man nimmt, die Hände und Klamotten voller Puderzucker, das gehört dazu. Das Gebäck ist von guter Qualität und immer frisch und warm. Die verkaufenden Damen haben einen netten Schnack für jeden und während man wartet kann man den Bäckerjungs in ihren karierten Hosen bei der Arbeit zusehen.
Es gibt außer dem Verkauf aus dem Wagen heraus auch ein trutschiges Café, da geh ich immer dran vorbei. Aber ich spüre, auch meine Zeit wird kommen, mich auf weißlackierten Stahlrohrstühlen an den geblümten Tischdecken eines Kirmescafés aufzuhalten.
hotzenplotz Vom 20. März bis zum 19. April 2009 ist der nächste Hamburger Dom, mit etwas geschickter Planung sollte das doch zu machen sein, liebe Lakritze.;)
23 November 2008
Locanda Cipriani - Venedig
Piazza S.Fosca 29, Torcello, 30012 Venezia
20.08.2007
(aktualisiert am 11.07.2012)
Hunger. Wir gehen rein und melden uns an. Man begleitet uns zu einem Tisch mit weißer Decke im Kiesgarten. Große Karten. Klar Bellini. Amerikaner. Oberkellner. Sommelier. Hilfskellner. Viele. Die Karte schlicht. Cipriani kocht simpel. Gratinierter grüner Spargel. Fisch, vorgelegt. Fleisch, vorgelegt. Hier wird vorgelegt, wie zu Zeiten der Titanic. Crêpes flambiert. Tod in Venedig.
Prinz Charles und Lady Diana sieht man auf dem Weg zur Toilette auf Fotografien. Peggy Guggenheim. Filmstars. Heute ist keiner da, den wir kennen.
Das Essen ist wunderbar, dabei in keinster Weise angeberisch, kein Stückchen gefummelt; fast könnte man sagen langweilig, jedoch auf sehr hohem Niveau. Zum Dessert nichts Flambiertes für uns, wir sind zu jung, das essen wir dann mit 65.
Die abschließende Rechnung ist nicht ohne ein Schlucken zu begleichen.
Der Blick von Bord auf den Lagunenhimmel über den Inseln ist ein glücklicher Moment nach einem wunderschönen Tag.
Danke, Tine.
ottogang Mensch hotz ist das schön.
Ich kenne Venedig ja nur aus meinen Brunetti Büchern, und wenn ich dann diese aus den Büchern bekannten Begriffe hier in Deinem Beitrag lese, komme ich so richtig ins träumen - Aqua Alta - Murano - Vaporetto -
Ich sollte dem Drängen meiner BaE nachgeben und mal nach Venedig mit ihr reisen.
Tipps hole ich mir dann bei Dir.
Danke für Deinen Hinweis auf diesen Beitrag. Werde mir doch mal die Zeit nehmen und Dich total lesen.
26 September 2007
Olympia Looping - St. Pauli
Hamburger Dom, Heiligengeistfeld, Hamburg
14.08.2008
(aktualisiert am 11.04.2012)
Gerade war ich auf dem Dom, einmal Achterbahn und zurück.
Der Himmel ist hell, die Sonne blitzt gelegentlich durch, mehr immerhin als zuletzt.
Der Platz ist rappelvoll, man amüsiert sich.
Immer herreins- spaziert zur Fahrt mit der Rrie-sen-schau-kel!
Zahle an der Kasse, gehe über den Lochblechboden bis zum Anfang und lasse die wartende Bahn ohne mich fahren, damit ich ganz nach vorne komme.
Während sie fahren hab ich Zeit nachzudenken.
Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass es nicht unmöglich ist, Stahl und Eisen in größeren Mengen so zusammenzuschrauben, dass sie ein paar Wochen sicher stehen, auch wenn man so ein Fahrgerät andauernd auf- und abbaut.
Es gibt anspruchsvollere Technik, es ist noch nie was passiert und der TÜV guckt auch ständig vorbei.
Meine Zweifel bekomme ich jedes Mal, wenn ich beim Warten auf dem Bahnhof die verschrobenen Gestalten ansehe, die über die reibungslose Abwicklung des Fahrgeschäfts wachen. Junge Männer zum Mitreisen.
Da lümmeln vier halbseidene Gestalten auf irgendwelchen Geländern, die der Job ganz offensichtlich wahnsinnig langweilt. Ticket kontrollieren, einsteigen, Sicherheitsbügel runter, aussteigen nach rechts, das ist alles.
Deshalb werden sie bestimmt schlecht bezahlt, denke ich mir, weil diese Arbeit sicherlich von vielen gemacht werden könnte. Und deshalb tragen sie diese komischen Lederblousons, die ungefähr so alt und abgeranzt sind wie die Bahn von 1989, in die ich gleich steige.
Und sie haben immer schlechte Laune, weil nie etwas Aufregendes passiert, nicht mal was Halbaufregendes wahrscheinlich.
Jedenfalls sehen sie immer finster aus, wie die kleinen Bösewichte in einem Italo-Western.
Sie sehen nicht so aus, als ob ihnen an genau meinem Leben etwas läge. Sollten sie also in irgendeiner Art an der Installation dieser Anlage beteiligt gewesen sein, hätte ich mindestens Bedenken.
Dann kommt meine Bahn und ich bin froh, dass es endlich losgeht.
Trööt.
Viel Spaß bei der Mitreise.
emilli Leider ist bei uns die Kirmessaison vorbei ,Crange war ,Düsseldorf war auch schon und die lächerliche kleine Kirmes an der Gruga mit Ihren 1000 Fressbuden (die ekelig und teuer sind ) und ganzen 3-4 Fahrgeschäften ist total aberwitzig und traurig ,das sich sowas überhaupt Kirmes nennen darf ,ich werde wohl doch nochmal dieses Jahr in einen Freizeitpark fahren müssen um meinen Adrenalinspiegel für den rest des Jahres zu puschen oder zu dopen .
18 August 2008
Badbury Hotz, wundervoll Dein Hinweis auf Italo-Western und Bahnhof und verschrobene Gesellen die da herumlungern. Erinnert mich an “Spiel mir das Lied vom Tod” und dieses wäre die wohl perfekte musikalische Begleitung für diesen Todesritt.
22 August 2008
RENTOKIL GmbH - Altona
Holstenkamp 40, 22525 Hamburg
24.09.2008
(aktualisiert am 09.03.2012)
Stellen Sie sich vor, Sie besäßen ein Restaurant.
Sie haben vor zwei Jahren aufgemacht, dazu das Haus einmal komplett umgekrempelt, neue Leitungen für Wasser, Abwasser und Elektrizität gelegt, eine neue Küche eingebaut und gefliest. Kein Zentimeter Wand, Decke oder Boden, der nicht frisch gemauert oder verputzt und gestrichen wäre.
Alles läuft gut, Ihr Plan scheint zu funktionieren.
Da plötzlich kommt das Unerwartete, das, worauf Sie nicht vorbereitet waren, Sie sehen eine Schabe in Ihren heiligen Hallen.
Genau, ein gemeiner Kakerlak traut sich am frühen Abend aus seinem Versteck und zeigt sich unverschämt der Öffentlichkeit, zunächst erstmal nur Ihren Augen, aber schlimm genug.
Panik wird Sie erfassen, denn auch ohne jegliches Fachwissen ist Ihnen klar, dass Insekten meist nicht allein leben, sondern in Völkern und dass dieser Vorwitzige ein Kundschafter sein wird, ein Späher, in jedem Fall einer von vielen.
Fürchtet man sich zu Hause vielleicht vor Silberfischen, Mäusen, Kleidermotten oder widerwärtigen Nacktschnecken, so haben Sie mit Ihrer Speisegaststätte andere Feinde und andere Ängste und eine davon dringt gerade in Ihr Haus und damit auch in Ihren Kopf, Ihre Nachtruhe ein.
Die Zeit ist knapp, es wird nicht lange dauern, bis der erste Ihrer Gäste am Tresen eine am Waschbecken krabbeln sieht. Ist er Ihnen freundlich gesonnen, können Sie ihn vielleicht mit einem Schnäpschen beruhigen und erklären, dass Sie täglich zwanzig Kisten Ware bekommen, Gemüse aus Großmarkthallen, Weine aus Kellerlagern. Es wäre ein Wunder, wenn so etwas nicht irgendwann passieren würde.
Merken Sie seine Wahrnehmung aber nicht, oder der Gast kann Sie nicht leiden, ist wie jeder Zweite von der Presse oder eine cucaracha verirrte sich gar an einen Tisch, nicht auszudenken, was passieren wird.
Also werden Sie wohl am nächsten Tag ans Telefon gehen und um Hilfe betteln, möglichst heute, gleich, Feurio. Das muss weg, sofort!
Vielleicht werden Sie bei Rentokil anrufen, und damit Sie das, sollten Sie einmal in diese Lage geraten, nicht tun, darum schreibe ich diesen Beitrag.
Die Firma Rentokil ist groß und hat Niederlassungen überall in Deutschland und der Welt. Man beauftragt sie entweder für einen bestimmten Befall von Schädlingen oder, wie in obigem Szenario wahrscheinlicher, per Dauerauftrag für die regelmäßige Bekämpfung, Beobachtung und Vernichtung der feindlichen Stämme.
Würde die Firma wirklich effizient arbeiten, wäre sie nicht mehr nötig, also lässt sie immer ein paar von den Verwundeten zurück. Oder lässt zu, dass die sich irgendwo Zuflucht suchen. Jedenfalls fangen die dezimierten Truppen anschließend natürlich sofort an, sich ans Eierlegen für die nächste Generation zu machen.
Und Sie zahlen Monat für Monat, Jahr für Jahr eine nicht unerhebliche Summe Geldes für das unbefriedigende Gefühl, dass Ihre nachtaktiven Hausgäste, die schnell rennen können und – sollten sie amerikanischer Herkunft sein – bei größeren Temperaturen sogar fliegen, Partys in Ihrer Küche feiern, während Sie versuchen, zu schlafen.
Treffen Sie dann nach fünf Jahren der Zusammenarbeit mit dieser Firma einen Kollegen, der diese Erfahrung teilt, inzwischen aber zu einer total netten, halb so teuren Ein-Mann-Firma gewechselt ist, die ihn von zumindest diesem einen Problem restlos befreit hat, dann werden Sie sicher froh sein.
Nun gilt es nur noch, aus dem blöden Vertrag rauszukommen, den Sie Trottel wahrscheinlich mit ewiger Laufzeit abgemacht haben. Das sollte man übrigens möglichst nie tun.
Damit es gar nicht so weit kommt, verrate ich Ihnen nun eine Firma, zu der Sie wechseln können, wenn Sie in Hamburg leben, zu Volker Quitzau.
Und Sie müssen nun den ganzen Kram gar nicht erst machen, den ich am Anfang beschrieben habe, Sie sparen Nerven, Geld und Ihre Gäste leben glücklich und zufrieden undwennsienichtgestorbensinddannlebensienochheute.
sidifferent Hotz, es gibt einfach Leute, denen es nicht gegeben ist, strukturiert zu schreiben. Ich habe den Kommentar auch nicht verstanden.
12 September 2012
online8 …davon abgesehen, dass dieser kommentar auch von einem mitarbeiter einer gewissen firma stammen könnte … spackkokatze, arbeite eventuell noch an deinen konjunktionalsätzen!
16 Januar 2013
Friedrich Jürges GmbH - Sternschanze
Schanzenstr. 32, Fleischereimaschinen, neu & gebraucht, Reparaturwerkstatt, 20357 Hamburg
08.07.2008
(aktualisiert am 25.11.2011)
Jedem zufälligen Passanten dieses Beitrages sei zunächst ein kleiner Umweg auf den Text von Herr_Paulsen zum gleichen Platz empfohlen, dem eigentlich nicht viel hinzuzufügen wäre.
Allerdings habe ich drei Jahre lang auf der anderen Strassenseite, in der Schanzenstrasse 45 gewohnt, zu Großvaters Zeiten könnte man fast sagen, vor 24 Jahren.
Mittlerweile ist aus einer zerbombten Strasse mit etlichen Baulücken eine durchsanierte Meile mit hohen geschlossenen Fassaden geworden, an der sich Geschäft an Geschäft reiht.
Damals war Messer-Jürges meinem Fenster gegenüber in einem übriggebliebenen, blauen Haus zwischen dem Werksparkplatz der Hermann Laue-Gewürzfabrik auf der linken Seite und einer alten Tankstelle aus den Fünfzigerjahren auf der rechten.
Neben Jürges war das Angels Pub, eine Rockerkneipe, gegenüber ein Jugotreff, das Hajduk Split. Der ist immer noch da.
Wenn sich auch vieles in der Schanzenstrasse gewandelt hat, dieser Laden wirkt wie eine Insel der Kolonialwarenzeit, die nicht recht in der Moderne angekommen ist. Nicht ein Milligramm hat sich verändert, seit ich das erste Mal 1980 zu Beginn meiner Lehre meine ersten Dick-Messer hier gekauft habe: ein Gemüsemesser, einen Ausbeiner, ein Officemesser, ein Filetiermesser und den ersten Stahl. Die Messer besitze ich immer noch.
Ich kann nicht genau sagen, ob hier jemals irgendein Wechsel in der Belegschaft stattgefunden hätte, die Gesichter hinter dem Tresen jedenfalls sind immer noch die gleichen.
Der schon damals nicht mehr ganz junge Herr Jürges Senior sieht scheinbar keinen Grund, seinen beruflichen Lebensmittelpunkt gegen das Züchten von Rosen zu tauschen, warum auch.
Er ist mittlerweile 86, schaut gelegentlich mal rein, streicht vielleicht die Türen, plaudert ein wenig, dann geht er wieder.
Sein Sohn verändert sich äußerlich so wenig wie Tintin vom ersten bis zum letzten Band. Diesem ähnelt er auch sonst ein wenig, wenn er auch nie ganz so jugendlich war und natürlich immer einen grauen, knielangen Kittel trug und trägt.
Die Papppreisschilder an den Artikeln sind immer noch handschriftlich mit dickem Filzer geschrieben in zwei Farben, grün für den Netto- und Rot für den Bruttopreis.
Hier wirkt nie jemand gehetzt, erstaunt oder genervt, keiner fuchtelt rum oder machte sonst einen aufgeregten Eindruck.
Jede Frage, vom Profi oder vom Amateur, wird mit ruhiger Kompetenz ausführlich beantwortet.
Die Messer werden präzise und geschickt geschliffen, ohne dass dafür Halsabschneiderpreise verlangt würden.
Sollte jemand beabsichtigen, in die professionelle Wurstproduktion zu gehen, so findet er eine respektable Auswahl an verschiedenen Wurst-Cuttern bis zu einer Größe von geschätzten 50 Kilo Masse direkt frei Kofferraum, sofern er denn einen Parkplatz in direkter Nähe findet.
Für die derzeit größte verfügbare Maschine sollte man allerdings nicht versuchen, mit dem Kleinwagen vorbeizukommen, die wiegt nämlich 4 Tonnen und schafft bis zu 200 Kilo Wurstmasse auffen Schlach, wie mir Herr Jürges versicherte, alles hydraulisch und mit einer Auswerfervorrichtung, da braucht man nix mehr mit der Hand zu machen.
Ist drei Meter lang und zwei Meter breit und mannshoch, das Schmuckstück, und kostet in der einfachen Version gebraucht nur 40.000 Euro. Bevorzugt man technischen Schnickschnack wie stufenlose Steuerbarkeit müsste man schon mit 56.000 in die Verhandlungen gehen.
Damit wäre man sicher der Star auf der nächsten Grillparty.
Badbury Wundervoll, diese schönen alten Geschäfte aus schönen alten Zeiten und des Hotzenplotz’ Bericht herüber.
22 August 2008
Mr. Kebab - St. Pauli
Thadenstrasse 4, 22767 Hamburg
12.11.2011
Nach fast dreijähriger Pause ist Mr. Kebab seit gestern wieder geöffnet. Das Viertel atmet auf.
Halbinsel Priwall - Lübeck
Dünenweg, Travemünde, 23570 Lübeck
10.12.2007
(aktualisiert am 26.07.2011)
Gestern war Ausflugstag.
Nach dem Frühstück ab nach Travemünde, zum Priwall. Halb Schleswig – Holstein scheint nach den Wolkenbrüchen der letzten Tage Land unter zu haben.
Die Trave heute im Doppelbett.
Gestern war es friedlich, schließlich ist Advent. In Travemünde kurzes Hafenschlendern, kleine Jungs ärgern Schwäne, mehrere tote Seevögel liegen am Pier. Der Trip mit der Fähre dauert keine fünf Minuten, drüben ist der Priwall, eine kleine Halbinsel, früher das Ende der westlichen Welt, heute nur noch die Grenze nach Mecklenburg.
Im Sommer ist hier ziemlich Betrieb, die Sand World lockt viele Besucher und Campingplätze gibt es auch. In Herbst und Winter findet man ein paar tapfere Spaziergänger und Hundefreunde.
Von der Fähre runter begibt man sich auf den Weg linkerhand, ein kleines Stück längs der Travemündung, um dann durch den Wald abzukürzen. Jetzt kommt man an einen Yachthafen, an dessen Ende eine kleine Sensation wartet, die Viermastbark Passat, erbaut bei Blohm und Voss 1911, Schwester von Schiffen mit herrlichen Namen wie Pangani, Peking, Pamir oder Padua. Letztere kennt man vielleicht aus dem Film Große Freiheit N°7. Hans Albers verschwindet damit im Morgengrauen samt Liebeskummer und bestem Kumpel.
Ein wahrlich schönes Schiff liegt hier festgetäut seit 48 Jahren und ist scheinbar im Winter nicht zu besichtigen. Hat neununddreissigmal das Kap Hoorn umsegelt, ohne zu sinken.
Montags und dienstags kann man darauf heiraten, falls das jemanden interessiert.
Ab hier beginnt der Strandspaziergang, die See liegt still und spiegelglatt, der abendliche Himmel färbt sich schweinchenrosa, verspätete Gänse ziehen in langen Strichen mit ihrem typischen Hupen übers Wasser.
Früher war nach zwanzig Minuten Schluss, Stacheldraht, Grenze.
Heute kann man ungehindert weiterlaufen, an kleinen Dünen und Sanddornbüschen vorbei, im Hinterland Naturschutzgebiet, vorn Schwäne, die die Köpfe so gut wie nie aus dem Wasser heben, vereinzelte Kormorane mit holprigem Flug. Der Weg scheint mir nach mehreren Versuchen ausgesprochen geeignet für friedliche Gespräche.
Nach zwei Stunden drehen wir bei, die Sonne ist weg.
Im Wald vor der Passat leben Tausende von Krähen, im letzten Tageslicht knallt ein Schreckschuss und sie schwärmen unter protestierendem Gemecker auf, eine unheimliche schwarze Wolke.
Die Fähre bringt uns wieder in den Westen, hier gibt es Glühwein auf dem kleinen Promenadenweihnachtsmarkt und für die Heimfahrt noch eine süße Butterbrezel aus dem Niederegger-Laden.
Freie Bahn, Marzipan.
hotzenplotz Nein, badbury, ich pflege unbewaffnet auf meine Spaziergänge zu gehen.
Schon gerade in der Vorweihnachtszeit.
24 Dezember 2007
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