Beiträge von mostro
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Arsenalstraße 2, 19055 Schwerin
mostro
am 15 Januar 2007
Der gemeine Hamburger ist stolz auf seine Stadt, speziell auf das viele Wasser inmitten der Metropole und den damit verbundenen Erholungswert. Vor allem liebt er seine Binnenalster, den quadratischen See am Rathaus, der direkt in die grosse Aussenalster übergeht, auf der Segelboote Platz finden.
In Schwerin angekommen vergeht dem hanseatischen Großmaul aber das Schwärmen und Prahlen, denn Schwerin ist im Prinzip auf einem Bißchen Festland gebaut, das es irgendwie geschafft hat, zwischen einem Verbund von mehr als 10, teilweise riesigen Seen nicht hinweggeschwemmt worden zu sein. Weite Wasserflächen strecken sich in einfach alle Richtungen.
Was nun überrascht ist, daß hier auch noch künstliche Seen angelegt worden sind. So der Pfaffenteich, der auf der nördlichen Seite der Altstadt schon im 12. Jahrhundert als Mühlenteich aufgestaut wurde und der bestimmt einen Umfang von 3 Kilometern hat.
Die Schweriner nennen den Teich auch ganz pragmatisch "Schweriner Binnenalster", zumal er im 18. Jahrhundert vom Stadtarchitekten Demmler (entwarf auch die Vernderungen am Schloß) mit der heutigen rechteckigen Uferbefestigung verziert wurde, die das Promenieren erleichterte.
In jeder anderen Stadt wäre dies eine Top-Wohnadresse: Man blickt weit übers Wasser, von vielen Positionen aus sieht man die Türme von Dom und anderen Kirchen, die Uferbebauung besteht geschlossen aus Altbauten von 17. bis 19.Jahrhundert, und auf den umrahmenden Pflastersträsschen fährt praktisch kein Auto.
Merkwürdigerweise stéhen hier aber prachtvolle Gründerzeithäuser leer und verfallen, die Promenade ist halbrenoviert am Gammeln, nichts deutet auf fröhliche Freizeitgestaltungen im Sommer hin - in Hamburg wären hier geschätzte 56 Cafés und 200 Eisbuden mit Kanuverleih. Aber Schwerin hat wie gesagt ja eher zu viel Wasser...
Immerhin befindet sich im "E-Werk" am Nordufer ein Theater, das entgegen dem Anschein (vor sich hin rottendes Fabrikgemäuer) massiv frequentiert ist - wir konnten keine Tickets mehr für die abendlich Vorführung bekommen.
Alles in allem ein sehr schöner Spaziergang, der im Angesicht des Verfalls aber ein wenig wehmütig macht - aber es kommen sicher bessere Zeiten und dann blüht diese Stadt auf!!
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Am Ziegenmarkt 13, 19055 Schwerin
mostro
am 14 Januar 2007
In der schönen Umgebung der hinreichend gelobten Schelfstadt gibt es keine besonders riesige Auswahl an Treffpunkten und Cafés. Wahrscheinlich erklärt das den Fortbestand dieser kleinen Lokalität direkt neben einer hervorragenden Konkurrenz wie dem "Freischütz".
Das "Vollstedt" verkörpert ein wenig das Klischee, das Westmenschen vom Postwendegeist der Ostmenschen haben: Ein sicherlich ehemals hübsches Café wurde mit merkwürdig kunsthandwerkartigem Mauerbewurf, künstlichen Palmen und nichtfarbenen Polstermöbeln verunziert, so daß die wenigen verbliebenen -m.E. mindestens aus dem frühen 18. Jahrhundert stammenden- wunderbar gedrechselten riesigen dunklen Stilmöbel in all dem Unrat untergehen. Schade, denn die im Hochparterre gelegenen Nischen wären eigentlich sehr gemütlich!
Vorn in der Konditorei wird recht durchschnittlicher Kuchen verkauft, schmeckte nach Fertigmischung.
Eine echte Zumutung war aber der Kaffee. NVA-Stubenarrest-Muckefuck wäre als Geschmacksdefinition deutlich hochgelobt. Mein Begleiter vermeinte, feine Noten von Instantbrühe zu erkennen. Im Abgang fand sich aber auch ein wenig graues Abwaschwasser mit gehauchtem Spüllappen. Aber vielleicht war die nette Verkäuferin mit den Knöpfen des Kaffeeautomaten ja auch überfordert? Oder das Gerät irrtümlich als Kaffeemaschine in den Osthandel geraten? Vielleicht war es ja eine Bügelmaschine?!
Egal, immerhin war es hier ruhig.
mostro Muckefuck.
Etymologisch habe ich da leider keine so elegante Lösung wie "Muck", m, altgotisch, volkstümlich für Putzlappen und "Fuck", m, neunordamerikanisch, 20. Jh., sl, Präsident der Vereinigten Staaten - nein: allgemein wurde meines Wissens damit zunächst ein Kaffee-Ersatz in schlechten Zeiten und im weiteren Verlauf abfällig ein dünner, bzw. minderwertiger Kaffee bezeichnet. Aber es wäre interessant, mehr zu erfahren!15 Januar 2007
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Puschkinstr. 13, Schwerin
mostro
am 14 Januar 2007
Wenn man durch die alten Gassen der Schelfstadt geht, könnte man meinen, eine Zeitreise angetreten zu haben. Zumindest an einem Werktag kann es sein, daß einem auf der Strasse kein Mensch entgegenkommt, nur ganz selten verirrt sich ein Automobil hierher - und Ampeln scheint es in ganz Schwerin kaum zu geben, so wenig Menschen (und Fahrzeuge) verlieren sich zwischen den Seen... eine wunderbare Ruhe beim Bummeln, manchmal ist es aber auch zu ruhig....
Hier erwartet man eigentlich nur Altes, sehr Altes.
Immerhin gibt es die Fotografie schon seit über 100 Jahren, aber dennoch überrascht die Anwesenheit einer Fotogalerie im Hinterhof der Volkshochschule ein wenig.
Mit der Erwartung hier unsäglich betrüblich erheiternde Hobbywerke irgendwelcher Doppelnamenträgerinnen (gleich Entschuldigung an diejenigen dieser Teilmenge, die Ausnahmen bilden)betraten wir das Souterrain - und wurden wieder einmal eines besseren belehrt:
Hier stellt der Verein MV Foto e.V. anspruchsvolle Fotokunst deutscher Fotografen aus, zur Zeit kann man hier sehr gute Fotografien aus abgelegenen Árealen Litauens bewundern - also doch wieder passend zum Charakter Schwerins... -
Lennéstr. 1, Schwerin
mostro
am 13 Januar 2007
(aktualisiert am 11 Januar 2008)
Trotz mannigfaltiger Nachforschungen habe ich es bis heute nicht geschafft, meinen (sicherlich doch irgendwie berechtigten) Anspruch auf einen der europäischen Königsthrone geltend zu machen. Schade eigentlich. Zumindest denkt man das definitiv, wenn man das Schweriner Schloss sieht und sich vorstellt, seine 3-Zimmer-Wohnung an der Bahnlinie gegen diesen schmucken 120-Zimmer-Palast einzutauschen. Das heißt: Den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern würde man kulant und huldvoll hier auch noch weiter tagen lassen.
Das Schloss liegt in geschichtsträchtiger Position auf einer Halb-Insel neben der Altstadt, zwischen zwei der zahlreichen Schweriner Seen (es sind wohl um die 12 Stück) - hier stand schon in wendischer und obotritischer (natürlich kannte ich die Geschichte dieses bekannten Volksstammes lange vor meinem Besuch hier, siehe "Die Obotriter, Band 1-15) Zeit eine Trutzburg, bevor im 12. Jahrhundert Heinrich der Löwe auf seinem Weg nach Osten auch diese Region "befreite" - komisch eigentlich, daß in Geschichtsbüchern ähnliche Aktionen positiver oder zumindest neutraler bewertet werden, wenn sie nur lang genug zurück liegen.
Egal, man baute gleich wieder eine neue Burg auf, die dann im 16. Jahrhundert von den regierenden Herzögen prunkvoll umgestaltet wurde, mit Wohnflügeln etc. Aber auch das kam dann auch wieder aus der Mode und im 19. Jahrhundert schrieb Franz I. einen Architekturwettbewerb aus und erwählte nicht etwa Schinkel oder Semper sondern den Einheimischen Demmler, der mehrere Entwürfe brauchte um dem alten Bauwerk mehrere hübsche Türme und Gebäude anzufügen.
Das entstandene Konglomerat kann sich sehen lassen. Alte Backsteinflügel zeigen an der Fassade seltene Renaissance-Terrakottaarbeiten des 16. Jahrhunderts, dazwischen sind lieblich-leichte Türme des 19. Jahrhunderts eingefügt, eine helle Treppe führt zur wunderbaren Orangerie am Seeufer, alles elegant und beschwingt, dennoch überthront von einer majestätischen Goldkuppel.
Im Inneren sind zahlreiche Räume im Originalzustand zu besichtigen. Beeindruckend ist das wunderbare Intarsienparkett in allen Sälen, dazu Wandvertäfelungen; eine kuriose Ahnengalerie zeigt, was die Herrenmode im 11.- 13.Jahrhundert männlichen Wesen antat, Beinkleider im XXXXXXL-Format, tonnenförmige Kopfbedeckungen... ein Hoch auf Fleece-Shirts, vor allem angesichts des rauhen Windes, der hier über den See weht.
Die Bibliothek hätte man auch gern: 2 x 12 Meter geschlossene Holzschränke, 5 Meter hoch, intarsiengeschmückt - da könnte man gefahrlos jeden Bücherladen leerkaufen und zuhause immer noch Platz zum Lesen der Beute finden...
Nach all dem Ernst kann man im Militariasaal wieder lachen: Die Uniformen des 19. Jahrhunderts sind wirklich urkomisch, auch hier riesige Kopfbedeckungen - kein Wunder, daß bei derartigen Zielscheiben so viele Menschen in den Kriegen umkamen...
Ein ebenfalls machtvoll beeindruckender Thronsaal, dann noch das liebliche Blumenzimmer, in dem die amtierende Herzogin Auguste im Deckenfries gleich achtmal dargestellt zu sehen ist - offenbar wurde sie vom Herrscher ausnahmsweise mal wirklich geliebt?
Und immer der wunderbare Blick über die Weiten des Sees... man wundert sich, daß die Herzöge da noch weitere Residenzen bauten.
Aufs Schlosscafé haben wir dann verzichtet, es war optisch nach all der Pracht dann mit seinem 80er-Jahre-Mobiliar ein zu starker Kontrast ins Funktionale. Und im Museumsshop merkten wir wieder, daß die Menschen hier ein zwiespältiges Verhältnis zu Besuchern haben - als kein passendes Wechselgeld vorhanden war, kam einfach nur ein "geht nicht", so wie damals im DDR-Laden 1 Stunde vor Schluß keiner mehr reindurfte, weil er ja länger als eine Stunde im Laden bleiben könnte... man musste der Verkäuferin dann erst mal erklären, daß man -angesichts des leeren Ladens - ja 5 Meter weiter an der Museumskasse Wechselgeld besorgen könne....
BerndB Im HO oder im Konsum! Später durften dann die Leute auch im Deli ab 17.30 Uhr nicht
mehr hinein! DDR-drei Doofe regieren ( Nunmehr regierten.)11 Januar 2008
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Frankenhorst 5, 19055 Schwerin
Restaurant Bootshaus im Best Western Hotel Frankenhorst
mostro
am 13 Januar 2007
Als Edeltourist in Ostgefilden pflegt man eigentlich nicht im Hotel zu dinieren, sondern erkundet mit der kulinarischen Machete den Dschungel der eingeborenen Küchenkünste.
Wie aber bereits erwähnt hat das Hotel Frankenhorst eine gewisse räumliche Distanz zu anderen Planeten und zwingt daher seine Gäste zur Alternative zwischen Taxifahrten und hoteleigenem Restaurant.
Auf den ersten Blick ist das Interieur hier nicht besonders spektakulär, der Charme der 90er-Jahre blüht neutral-geblümt vor sich hin. Das Problem ist: Man kommt hier nicht bei Tageslicht vorbei, denn dann sehr bekanntlich alles anders aus - hier sogar sehr anders. Vom geräumigen Wintergarten hat man nämlich einen optimal berechneten Landschaftsblick über den See, Schilf, Wälder, Boote und allerlei vorsätzlich in die Bildkomposition ästhtisch eingebrachtes. Also für Wintergäste: Im Sommer wiederkommen!
Auch hier: Musikbeschallung vom Unfeinsten. Live is Live. Wissen wir. Doof bleibt doof. Dick bleibt dick. Und zum Glück gehorchte der Kellner devot und stellte den Ton einfach ab. Fein.
Besonderes Essen hätte ich hier vorher nicht erwartet. Das bei Ankunft gewählte Kapitäns-Dinner, eine Fischplatte mit verschiedenen Sorten, ist dann auch recht bieder und der Salat gar garstig mit einer vermutlich fertigen American Dressing-Emulsion getränkt.
Zwei Tage später waren wir trotzdem nochmal hier, zum Glück. Die Senfschaum-Kartoffelsuppe entpuppte sich als großer Wurf, feincremig mit Mengen von luxuriösem Edeldijon. Die steirische Kürbissuppe war auch nicht zu verachten und beide kamen in gigantischen Portionen daher. Kaum Platz blieb für den Hauptgang: Die "Lammstelze" (hätte nicht gedacht, daß Lämmer im Osten fliegen können, aber wer weiß wie der Solidarzuschlag investiert wird...) schwamm fein in starker Preisselbeersauce, frische Kräuter und Ratatouille rundeten das Ganze gut ab. Mein Gegenüber war auch zufrieden mit seiner zarten Perlhuhnbrust (nicht seine, die auf dem Teller), bemängelte aber das Auberginenkartoffelpüree als eher langweilig.
Alles in allem aber eine positive kulinarische Überraschung nach so vielen hier besuchten Restaurants, in denen meist die bürgerliche Küche in etwas phantasieloser Zubereitung dominierte.
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Frankenhorst 5, 19055 Schwerin
BEST WESTERN Seehotel Frankenhorst
mostro
am 12 Januar 2007
Das Hotel-Anwesen Frankenhorst liegt 5 Kilometer ausserhalb von Schwerin - und man sollte nicht versuchen, es bei Nacht und Nebel mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Das Hotel ist in den stündlich verkehrenden Bussen der Linie 8 zwar bekannt, von der Haltestelle geht man aber unsicher über holperige und matschige Wege und Pfade durchs Halbdunkel und ertrinkt bestenfalls in einem Schlammloch oder macht sich gar die Hose dreckig...
Das Hotelgrundstück ist das Anwesen eines erfolgrteichen Dichters namens Franck, der sich in den zwanziger Jahren hier eine Zuflucht errichtete, eine Villa mit riesigem Grundstück an einem der zahlreichen Seen um Schwerin. Aus dieser Einsamkeit hat man heutzutage einerseits eine wunderbare Stille, andererseits einen phantastischen Fernblick über See und Uferwälder.
In DDR-Zeiten war hier ein Parteibonzenquartier untergebracht, auch Honecker kam hier vorbei. Nach 1990 wurde hier aber schnell ein feines Hotel eingerichtet, wobei die bestehenden drei Häuser behutsam erweitert wurden ohne zuviel Schaden anzurichten - so daß das aprikosengelbe Ensemble angenehm aussieht.
Allerdings führt die abgelegne Lage dazu, daß erheblicher Werbeaufwand getrieben werden muß - und da wird schon mal ein bißchen über die Stränge geschlagen. Aus den über mehrere Kellerräume versprengten Sauna-, Fitness- und Tischfussballräumchen wird so plötzlich ein imposanter Wellnessbereich, in dem man Wellnesswochen verbringen kann. Man sucht vor Ort dann vergebens nach palmengefüllten Wintergartenhallen mit Schwimmbahnen und Whirlpools, sondern stolpert durch enge Gänge bis man endlich den Weg zur 6-Quadratmeter-Sauna gefunden hat...
Die Zimmer sind guter Standard, das junge Personal ist recht freundlich, und als Pluspunkt ist ein kostenloser Shuttle-Service zu vermerken, den man angesichts der o.g. Transportprobleme nutzen sollte (fährt immer um 10.00 in die Stadt).
Insgesamt dominiert hier aber die schöne Natur, und im Sommer ist es sicher ganz wunderbar: Es gibt einen großen Bootsanleger mit Badesteg, Segelkurse und die alten Dampfer der "weißen Flotte" legen hier auch an, dann kann man bis zum Schloß schippern.....
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Marienplatz 5-6, im Schloßpark-Center, 19053 Schwerin
SPIELE MAX Schwerin - Schloßpark-Center
mostro
am 12 Januar 2007
In der Zeit der Kaufhäuser und Discounter verschinden Spieleläden langsam vom Markt, um so schöner, daß es hier noch einen Laden gibt, der auf einer großen Fläche eine gute Auswahl an Spielen anbietet - und auch für uns ein frugales Schachspiel hatte.
Was nicht so schön ist (Abzug!), ist die Tatsache, daß der Laden in einem Einkauszentrum steht, das hier neu gebaut wurde. Schwerin ist so eine schöne Stadt, die eine unfassbare Menge mittelalterlicher Bauten besitzt. Einkaufszentren sind daher das allerletzte, was diese Stadtr braucht. Und die Einzelhändler sollten sich gefälligst eines der unrenovierten Häuser in der Schelfstadt vornehmen und aufmöbeln - dann würden deutlich mehr Menschen von außerhalb Schwerin ansteuern und auch wiederkomnmen!
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Alter Garten, 19055 Schwerin
mostro
am 12 Januar 2007
Schwerin hat Bauten, die Hamburger neidisch machen. Besonders die Gegend um das Schloß ist voll davon - und man wundert sich darüber, wie profan und lieblos die Schweriner ihre Schätze behandeln.
So ist vor dem schönen klassizistischen Bau des staatlichen Museums ein öder morastig-sandiger Platz ohne jede Zier neben einer Art Bundesstrasse, so daß man von düsterem Grau und Braun aus die monumentale Freitreppe emporsteigt, hinauf zum Eingang...
Eingang? Hier erfolgt der zweite Schildbürgerstreich. Am Gipfel des Dhaulagiris japsend findet man auf einer der majestätischen Flügeltüren ein bürgerliches Zettelchen, das einem bedeutet, man möge den Eingang unter der Treppe suchen. Als Senior mit Coxarthrose hätte ich meinen Kampfmittelvorrat reaktiviert und den Laden dem umliegenden Seeufer gleichgemacht - tatsächlich bezwangen wir die aufkeimenden Aggressionen erfolgreich, liessen das elende Gemäuer stehen und fanden unter der Treppe seitlich einen gut versteckten Zugang zum Museum (mit Automatiktür dann aber...) und wurden als Besucher stürmisch begrüsst.
Immerhin trafen wir im Verlauf der nächsten Stunden noch zwei weitere Besucherinnen, so daß wir nicht allein waren. Und ebenfalls immerhin gab es einiges zu sehen.
Die moderne Sammlung sagte mit mit ihren wackligen Stryroporobjekten und badewannenartigen Skulpturen zwar nicht viel, dafür gabe es dann einige interessante Bilder aus dem frühen 20. Jahrhundert, hierbei vor allem einen sehr begabten lokalen Maler namens Paul Bartels.
Hauptfokus der Gemäldesammlung ist aber ein wunderbarer Bestand an gut erhaltenen Holländischen Meistern, meist des 16.- 18.Jahrhunderts. Hierfür muß man allerdings schwärmen, um es zugeniessen, ich bevorzuge eher die Zeit von 1870 bis 1940.
Immerhin gab es dann noch etwas heiteres: Eine schöne Sammlung von Meisssener Porzellanskulpturen und Miniaturen, dabei wunderbare Naturmotive mit lebensechten Vögeln und anderen Wildtieren und geradezu komischen Menschenfigurenarrangements.
7 Euro sind für hiesige Verhältnisse ein kräftiges Eintrittsgeld, aber bei so wenig Besuchern scheint es nötig - in jedem Fall hatten wir hier während des Regensturms ein paar erbauliche Stunden. Nicht erbaulich sondern kalt ist das Museumscafé - wir zogen uns lieber ins Café Prag um die Ecke zurück....
JanniRo Der Einschätzung zu den merkwürdigen Aussengestaltung kann man zustimmen. Die gesamte Durchgangsstraße vom Schloss zur Schelfstadt ist problematisch, aber insgesamt ohne Alternative, sonst wird die halbe Stadt abgeschnürt. Man hat schon einiges verbessert, und das KFZ-Tempo mit techn.-gestalterischen Massnahmen gemindert.
In der Tat ist die Gemäldesammlung eine mittlere Sensation für Norddeutschland. Die Alten Niederländer sind nahezu vollständig und in hoher Qualität: Fürstenkunst eben.
Aber, “mostro”: Das wie Sie die “Badewannenartigen Skulpturen” beschreiben, sorry, das ist dilettantisch und ahnungslos dahergesagt.
Das Haus verfügt durch Glück über diese Sammlung eines der wichtigsten Avantgarde-Künstler des frühen 20. Jahrhunderts überhaupt. Marcel Duchamp hat die damals geltenden Begriffe von Kunst radikal infragegestellt, und einen Durchbruch zur konsequenten Subjektivität und Autonomie des Künstlers geebnet, dem viele große Künstler folgten – Beuys, Tinguely, die Abstrakten Expressionisten …
Auf dem Kunstmarkt wird jedes der wenigen erhaltenen Werke mit immensen Summen gehandelt. Allein dies ist eine Reise nach Schwerin wert, leider hat das Haus kaum Besucher. 7 € für solche Schätze sind völlig angemessen.5 Dezember 2012
mostro Tja, da setzt die große Diskussion ein. Ich behaupte einfach mal: Es gibt einen Kunstmarkt, der bestimmt, was große Kunst ist und was nicht. Dieser Kunstmarkt der Moderne ist prinzipiell subjektiv. Es gibt keine Objektivität. Millionenpreise sind das Ergebnis von Spekulation,s agen aber nichts über eine reele künstlerische Qualität aus, weil keiner sich anmaßen sollte, der Gradmesser dieser Objektivität zu sein. So erhebe ich den Anspruch, einiges nicht als Kunst zu empfinden, was die Komposition aus selbst oder fremd ernannten und miteinander verbäbndelten “Kunstsachverständigen” und Spekulanten zum Millionenobjekt erklärt. Und das sage ich als Mensch, der auch in der Kunstszene tätig ist. Tut mir leid – ich erkenne Sachverständige für moderne Kunst nur selten als solche an – vor allem, wenn sie mir Preise als Qualitätsmerkmal andrehen wollen. Das ist wie mit Aktien – die zeigen auch eher einen fiktiven als realen Wert an…. und Beuys sagt mir einfach gar nichts. Ich denke, mit den entsprechenden Medienmitteln bin ich in der Lage, jeden Besenstiel für 10 Millionen auf den Markt zu bringen. Anders ist das bei Expressionisten und sicher allem vor 1900. Als “ahnungslos” lasse ich mich definitiv nicht bezeichnen – ich habe diverse Universitätsabschlüsse, bin promoviert, Buchautor – aber ich stelle mich einfach auch gern MAinstream-Meinungen entgegen, auch wenn es dann heisst, das sei eben schon Kunstgeschichte! Nein – auch in der politischen Geschichte gibtes oft Differenzen zwischen Realität und Geschichtsschreibung….
Das soll aber nicht den künstlerischen Wert der gesamten Sammlung schmälern, die ist wirklich sehenswert. Mein Besuch leigt etwas zurück – ich hoffe, man beschreitet weiter einen guten Weg dort.5 Dezember 2012
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Am Markt 4, 19055 Schwerin
mostro
am 12 Januar 2007
Touristen folgen im Allgemeinen Verhaltenscodes, die in igrendeiner Weise sozialgenetisch geprägt sein müssen. Dem Abklappern der hierarchisch hochrangigsten Sehenswürdigkeiten folgt zumeist ein kulinarisches Abtasten, schließlich ein Ergänzen der zwischen den gesehenen Punkten liegenden Geographie durch Erkunden von Gassen und intermittierend der Erwerb landestypischer Souvenirs um zuhause den Besuch belegen oder angeben zu können - oder aber um nichtmitgekommene Eigentlichmitkommberechtigte ruhigzustellen...
Aber was bringt man denn aus Mecklenburg-Vorpommern mit, wenn man nicht einen lahmen Krug vom Schweriner Schloß oder gar einen bockwurstfarbenen Tonpott aus einer ökologischen Lehmfarm hinter Woistdastrow?
Sanddornprodukte werden heftig beworben - aber das haben wir alle schon in den Bioläden der 80er-Jahre getestet, an Sanddorn ist irgendwie kein Hedonismus zu finden (eher Märtyrertum). Und ansonsten dominiert in den einschlägigen Läden gnadenloser Kitsch.
Das "Inspiration"-Lädchen war da eine gewisse Zuflucht. Hier ist zwar nichts exorbitant inspirativ-kreatives zu finden, aber man muß Dinge immer als Kontrast vor einem Hintergrund bewerten. Und daher konnten wir hier zumindest Annehmbares finden, d.h. es gab viel farbigen Schmuck zwischen Stein, Perlmutt, Koralle und Kunststoffen (Beschreibung wäre sinnlos) und ein gutes Sortiment von Vasen aus diversen Manufakturen, allesamt bunt und dekorativ, also wenigstens etwas um nicht mit leeren Händen zu kommen (aber auch nicht landestypisch).
Allerdings: Auch hier gab es kein rechtes Lächeln der Verkäuferin, kein freundliches Verkaufsgespräch - irgendwie scheint den Schwerinern das Alltagsleben nicht so viel Spaß zu machen, und das bei einer so schönen Stadt!!
Und kleine Mäkeleien wegen sichtbarer Kratzer an einigen Vasen wurden als persönlicher Affront aufgefasst - in der geschäftstüchtigen Hansestadt Hamburg hätte man uns die Scherben noch mit Kulanz und Rabatt mitaufgenötigt.... -
Puschkinstr. 37, Schwerin
Das Kleine Mecklenburger Gasthaus
mostro
am 12 Januar 2007
Auch dieses kleine Gasthaus liegt in der schönen historischen Schelfstadt nur 5 Minuten vom Dom entfernt. Und wie auch in der Nachbarschaft handelt es sich um ein wunderbar renoviertes, schiefes Fachwerk-Backsteinhaus aus dem frühen 19.Jahrhundert.
Was hier gleich positiv auffällt: Endlich mal dudelt einem nicht dieser unerträgliche Musikmix aus Discomist der 80er-Jahre um die Ohren, den auch gehobene Lokale im Osten ihren Gästen um diem Ohren prügeln. Über die Motivation diese Unsite haben wir lange philosophiert (mehr dazu anderswo) - hier aber war es wunderbar ruhig.
Dazu saßen wir im vorderen Eck des Lokales von großen Fernsterfronten umgeben wie in einem schönen alten Wintergarten und blickten auf den heftigen Regen, der draußen das Pflaster glitschig werden ließ, während wir im Trockenen geniessen durften. Das Interieur ist übrigens recht authentisch und somit frei von den ekelhaften Errungenschaften der Postwendezeit.
Die Speisekarte ist nicht besonders groß, wir wählten einfach das Tagesgericht, das für sagenhafte 6 Euro auf ein Täfelchen gekritzelt war. Tatsächlich bekamen wir hierfür eine gute Portion saftigen Wildschweinbraten mit Rotkraut und Kartoffeln, deftig und gutbürgerlich ohne viele Scherereien - gut essbar!
Die Kartoffelsuppe vorweg war kräftig, mir etwas zu salzig aber in Ordnung. Das Lokal ist mit einem Weinkontor assoziiert, daher gibt es doch ein breiteres Angebot. Der offene rote Trollinger aber war nicht so mein Geschmack, allerdings bevorzuge ich eher schwere alte Weine, die es hier aber nur flaschenweise gibt (zuviel für einen einzelnen).
Bedient wurde von einer freundlichen älteren Dame, endlich mal jemand , der lächelte, in Schwerin.
Fazit: Das Essen war o.k., die Wertung gibt es in erster Linie aber für das schöne Ambiente und die günstigen Preise!

