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Profil von mostro
Apollon-Tempel - Syrakus
Piazza Pancali, Siracusa
10.12.2012
Mitten auf Ortygia an der Piazza Pancali findet man ein zunächst recht unspektakulär aussehendes Ruinenfeld mit einiigen Säulenresten, die man fast übersehen könnte. Angesichts der Pracht der Stadt kommt man kaum darauf, das dieses hier der älteste bisher bekannte größere Tempel ist, den die Griechen in ihrer Hochzeit auf Sizilien errichteten. Der im 6. Jahrhundert v. Chr. erbaute Ringhallentempel ist demzufolge natürlich ein dorisches Werk und wurde nach seiner Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert dann erst im zweiten Weltkrieg ausgegraben. Da Ortygia permanent seit phönizischer Zeit besiedelt war, wurde auch dieses Bauwerk mehrfach recycelt, zunächst als Kirche, dann als Moschee, dann als Basilika SS. Salvatore - bevor es irgendwie in anderen Zweckbauten wie Kasernen unterging und in die Fundamente wanderte.
Der Apollon-Tempel hatte ursprünglich eine Länge von über 58 Metern und eine Breite von fast 25 Metern. Initial hatte er 6 Säulen an der schmalen Seite und 17 an der Längsseite. Er besaß wie damals üblich, eine schmale langgezogene Cella, die durch zwei Reihen von Säulen in drei Schiffe geteilt wurde. Heute ist wie gesagt nur noch ein Teil der nördlichen Säulenreihe übrig. Zugeschrieben wurde der Tempel dem Architekten Epikles, manche sehen hier deutliche Einflüsse des Rhoikos Tempel auf Samos, der zehn Jahre früher entstand. Eingeweiht wurde er laut Inschrift durch den damals in Siracusa herrschenden Tyrannen Cleosthenes.
Die Zuordnung des Tempels zum Apollon-Kult ist fraglich. Zwar erwähnt eine Inschrift Apollo. Cicero aber schrieb nach einem Besuch, hier sei ein Artemis-Heiligtum. Angesichts der Größe des Bauwerks sollte man sich immer wieder klar machen, dass Siracusa in der Periode des Baus eine Großmacht im Mittelmeerraum war. Zwischen 600 und 400 v. Chr. war der Höhepunkt ihrer Macht - Syrakus beherrschte nicht nur das komplette Sizilien, sondern besiegte um 474 v. Chr. die Etrusker in der Seeschlacht vor Cumae. Berühmtheiten wie Aischylos (der mit den Fabeln) oder Pindar kamen in die Stadt um das geschäftige Leben hier zu geniessen. Angesichts der Schönheit von Stadt, Klima und Lage, kann man das auch heute noch gut nachvollziehen...
(Review Nr. 2019, 10. Dez. 2012, © text and photographs by mostro)
Amarcord - Noto
Piazza Municipio 1, 96017 Noto
06.12.2012
Und antürlich noch mehr. Der Espresso ist cremig und in der arabischen Hitze der Stadt schmilzt er regelrecht durch die Zunge hindurch ins Gehirn wo er ausschlisslich Wohlbefinden erzeugt. Ein kleines Stück Mandelgebäck dazu - und dann die Ruhe des Nachmittages geniessen, eine Zeitung lesen, die Katze beobachten, die sich gegenüber an der Mauer entlang stiehlt, die heimkehrenden Schulkinder, sizilianisch fluchende Müllfahrer, noch ein Espresso, die Schatten wandern über die Mauer... Amarcord ist wirklich der Prototyp des urwüchsigen italienischen Cafés.... und die Preise bestätigen das: Untouristische 80 Centlein kostet der Espresso....
(Review Nr. 2018, 6. Dez. 2012, © text and photographs by mostro)
Siri DER film zum café:
http://de.wikipedia.org/wiki/Amarcord
http://de.wikipedia.org/wiki/Federico_Fellini
31 Januar 2013
Sami Kebab di Islam Shahidul - Catania
Via San Martino 19, 95121 Catania
05.12.2012
Plötzlich dringt ein würziger Duft durch die südliche Luft und erschüttert die Bougainvilleen. Meine Begleiterin ist bereits frustriert - denkt, da kocht doch jemand privat. Aber ich ziehe sie mit sanfter Gewalt in die dunkle Seitengasse, aus der die Wolken kommen. Ein schäbig wirkender Imbiss hat geöffnet. Plastikschilder mit Fotos von Gerichten draussen. Und wie so oft sind es die Asiaten, die selbst zu den unüblichsten Zeiten geöffnet haben. Es riecht wie indische Küche, Espresso und Kebab gibt es aber auch. Egal. Hinein. Erwartungen niedrig. Einrichtung einfachst.
Resultat: Überraschung. Der Inhaber ist aus Bangladesh. Und er kocht richtig gut. Über den Tresen geht ganz schnell und auf einfachem Geschirr ein Reisgericht mit Fleisch und Gemüse darin, das nur so von frischer Tamarinde, Koriander und Kardamom strotzt. Delikat komponiert. Riesenportion. Danach Espresso, auch der fein wie er sein soll - und so cremig. Kostenpunkt: 3 Euro pro Mahlzeit. Espresso 50 Cent. Prima gegessen. Ambiente? Nennen wir es ruhig "urwüchsig und originell" - alle waren sehr nett, beäugten uns neugierig - aber dann kam das Gespräch auf Bangladesh (wohin unsere Familie sehr eng Beziehungen hat) und alles wurde sofort richtig gut... - wie schön dass wir Hummer und Hilton nicht gefunden haben...
(Review Nr. 2017, 5. Dez. 2012, © text and photographs by mostro)
Castello di Lombardia - Enna
Enna
05.12.2012
Von hier betritt man auch heute noch die Burg, der Eintritt ist tatsächlich frei - und der Platz vor der Burg ist mit seinen architektonischen Hässlichkeiten der 1970er Jahre so unschön, dass man meint, die Städter Ennas wüssten nicht, welch historischer Schatz hier steht. Zum Glück fällt der Blick schnell auf die schönen Bäume und dann die imposanten Mauern und Türme vor dem Abgrund!
Zunächst geht es über eine Rampe durch Torbögen in den riesigen ersten Hof, der schon von hohen Mauern und Turmresten umgeben ist - über eine weitere Treppe geht es in den oberen Hof. Hier wartet eine Überraschung: Hohe Bäume stehen im Kreis um einen sicher 100 Meter durchmessenden Platz herum, der im Sommer für Freilichttheater genutzt wird. Ein ungewöhnliches Schauspiel - dieses unerwartete saftige Grün auf dem sonst sio kargen Berggipfel hinter dem Windschutz der Mauern, ein sinnlicher Kontrast mit den alten aber hellen Mauersteinen, am Boden ein Rasen aus Klee und weißen Blümchen.
Von den funktionalen Räumen der Festung ist wenig erhalten. Von den ursprünglichen 20 Türmen stehen aber noch sechs. Seitlich geht es vom Hof zu dem höchsten von ihnen - dem Torre Pisana. Im Inneren ist es feucht, die Geländer rosten und verdrecken die Hände, aber ohne Festhalten ist der Aufstieg um das freie Treppenhaus nicht zu empfehlen - Höhenängstliche Menschen sollten definitiv unten bleiben.
Aber oben winkt einzigartiger Lohn: Von der Plattform des Turmes hat man eine einmalige - und das heisst wirklich: einmalige - Aussicht auf das gesamte Land um Enna. Und der Blick schweift weit in die Ferne: Bei gutem Wetter sieht man problemlos den Ätna in 100 Kilometer Entfernung, in der Nähe sieht man verschiedene Seen, unter anderem den Lago di Pergusa, der der antiken Sage nach aus den Tränen der Göttin Demeter besteht, die über die Entführung ihrer Tochter weinte. Man soll auch gelegentlich das Mittelmeer sehen können - das ist mir hier bei meinen Besuchen nicht gelungen. Dennoch sollte man bei einer Reise durch die Mitte Siziliens diesen Platz auf keinen Fall versäumen!
(Review Nr. 2016, 5. Dez. 2012, © text and photographs by mostro)
Caffe' Italia di Campanella Massimo - Enna
Via Chiaramonte 12, 94100 Enna
05.12.2012
In der Provinzhauptstadt Enna geht man gern nahe am Rathaus zum Café Italia, das kleine Snacks anbietet aber in erster Liinie ein breites Angebot an lokalem Backwerk, insbesondere dem traditionell sizilianische Mandelgebäck mit oder ohne Füllungen hat. Dass der Espresso gut ist, ist irgendwie in Italien eher Pflichtprogramm und daher keiner besonderen Erwähnung würdig. Die Mandelteilchen hier sind allerdings besonders und allererste Güteklasse - sie schmecken auch noch Tage später hervorragend. Einzig etwas befremdlich ist das Bezahlsystem - und das nicht nur für Fremde. Man bestellt bei einer Dame an der Glastheke, diese oder die Nebenstehende verpackt es. Mit dem geschlossenen Paket geht man zu einer separaten Kasse. Dort wird man von einer weiteren Dame gefragt, was drin ist - aber irgendwie wird dann doch noch mal quer durch den Saal gebrüllt und nachgefragt, was denn im Palet drin sei. Etwas umständlich. Aber am Ende haben wir unser Paket und dürfen geniessen. Billig ist es aber keinesfalls - so ein Mandelküchlein von vielleicht 4 cm Durchmesser wird mit einem Euro berechnet. Aber den ist es in jedem Fall wert, frisch mandelig und dabei zart und locker, nicht so ein harter Makronenkram, wie teilweise im winterlichen Deutschland...
(Review Nr. 2015, 5. Dez. 2012, © text and photographs by mostro)
Flughafen Hamburg / Airport Hamburg - Fuhlsbüttel
Flughafenstraße 1, 22335 Hamburg
03.12.2012
(aktualisiert am 05.12.2012)
Immerhin hat er eine nette Historie. Schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurde er. Und zwar in erster Linie im heutzutage eher stiefkindlich behandelten Stadtteil Groß Borstel. Die Borsteler waren damals dann auch fest überzeugt, dass der Flughafen beim Ausbau nach ihnen benannt werden würde, hieß der Ort doch zunächst für lange Zeit Flughafen Groß Borstel. Aber die Fuhlsbütteler hatten anscheinend besser politische Verbindungen - und so kennt heute jeder Fuhlsbüttel aber keiner Groß Borstel, auch wenn die letzten Erweiterungen sich immer mehr in das grüne Borstel hineingefressen haben.
Als Kind stand ich oft am Zaun und glotzte auf die noch nahen Riesen, die Concorde, die Jumbos. Heute ist zwar alles besser abgeschirmt, dafür gibt es für Kinder ein tolles Angebot für Geburtstage mit Gruppenevent, Führung über die Rollfelder und Vorplätze bis zur Luftwerft etc. - da kann man die Kids heute nur beneiden, wir standen fern und träumten....
Einen Flughafen zu bewerten ist schwer. Zu viele Einzelfaktoren. Ein mieser Securitykerl kann die Gesamtlaune definitiv verderben. Ein Lächeln in die Wolken versetzen. Und wenn das Gepäck dann noch schnell kommt, fühlt man sich kurz wie ein Lottogewinner. Also: Ich habe mich hier nie verirrt und nie einen Flug verpasst, bin nie verprügelt worden und nie beleidigt - also ähnlich wie auf den meisten Flughäfen der Welt - aber leider auch ohne hübsche Anekdoten....
(Review Nr. 2014, 4. Dez. 2012, © text and photographs by mostro)
flifu @sidifferent: die U-Bahn ist zwar eine S-Bahn, aber ansonst stimmt es. Per Bahn in ca. 20 Minuten in die Innenstadt.
6 Dezember 2012
Alimentari San Giacomo - Caltagirone
Via Duca degli Abruzzi 56, 95041 Caltagirone
01.12.2012
(aktualisiert am 05.12.2012)
Caltagirone am Spätnachmittag, Die Sonne erleuchtet die Bergkuppe in warmen Farben, die so kitschig aussähen, wenn man nicht gerade dort wäre und die Wärme spürte, die von diese uralten Mauern ausgeht, die in allen Gelb- und Brauntönen zu leuchten scheinen.
Es kommen Erinnerungen heraufgezogen in Himmel meines Hauptes. 1979. Sizilien. Hitze. Sommer. Mein Vater zeigt mir, was eine "echte Wurst" ist. Vom Bergbauern, den nicht mal italienische Philologen verstehen. Wurst: Schief, eckig, wurzelig, buckelig, kalkig, innen drin fast schwarz. Und hart. Können halt nur echte verwitterte sonnenverbrannte Männer mit echten schwarz angelaufenen holzbegrifften Messern schneiden, an denen noch das Blut der letzten Vendetta klebt. Macht mein Vater dann auch echt, äh, das Wurstschneiden. Mit unserem Küchenmesser. Was für ein Mann! Was für eine Wurst! Der Geschmack des Himmels oder der Hölle. Hier fängt die Philosophie an. Viele scheuen schon wie ein Springpferd vor der Hürde, wenn sie von Eselsfleisch im Würstchen hören. Andere aber werden bei solch rauhen Urwüchsigkeiten erst recht wild und gierig. Mir schmeckte das wilde Zeug tatsächlich schon damals - und bis heute liebe ich eine Salami, wenn sie so richtig handgemacht aussieht. Leider kann das die Industrie ja mittlerweile alles nachmachen. Und macht es auch.
Zurück ins Jahr 2012, eben 33 Jahre später. Sizilien ist mittlerweile ein paar Schritte weiter, wenn auch nicht viele. Gut so. Sut so?
Immerhin muß man immer essen. Und da Restaurants nicht dauernd gehen, weil man ja nicht einfach in dieser schönen Landschaft unschön platzen will, gibt es bei uns abends oft ein Picknick im dunklen Olivenhain oder etwas unromanitischer im Hotelzimmer mit Brot und Wurst. Also will ich auch hier, in der Keramikstadt, eine Wurst bekommen. Die Kleinstadt in den Bergen scheint prädestiniert für den Kauf urwüchsiger tradiitioneller Würste. Dazu ein paar frische Trauben aus dem Weinberg oder anderes Obst vom übernächsten Hang?
Eine kleine Alimentari am Beginn der Oberstadt. So klein, dass sie eigentlich nur gut sein kann. Und geöffnet ist sie um 17 Uhr auch endlich. In italienischischen Alimntari kann man ja als Deutscher eh nichts falsch machen, denn irgendwie ist ja immer jedes Produkt neu und damit Bestandteil eines Urlaubes. Denkt man.
Wir kaufen ein, oder wir
versuchen es. Der dürre Kerl, der die Alimentari betreibt, hat zwar
eine Freundin aber kein Obst im Miniladen an der runden 1950er
Esso-Tankstelle – er verkauft uns dann auch endlich eine extrem urige einheimische
Salami, kurz, knubbelig, kostet 3,50 Euros. Beim genauen Hinblicken zuhause allerdings müssen wir ein bisschen lachen. Das Biest stammt nämlich nicht aus der Bergmanufaktur von Nonna Maria oder Bauer Giorgio und besteht keineswegs aus Schaf und Esel. Sondern es kommt aus den Großfabriken von von "Casa Modena", einer Marke, die man auch beim Discounter in
Hamburg im Rahmen von Aktionen immer wieder angeboten bekommt ... Schmeckt in Ordnung, aber die Romantik ist futsch. Für dieses vorsätzlich böswilligen wurstfiese hinterhältige Beschneiden unserer sonnigen Touristenerwartungen müssen wir diesen Laden leider ein bisschen herunterbewerten, auch wenn es in Caltagirone vermutlich von Weltläufigkeit zeugt, seine Produkte ja nicht aus sizilianischer Produktion zu beziehen, So ähnlich wie bei Asterix, wo der Fischhändler Verleihnix seine Fisch täglich aus Paris anliefern lässt, obwohl er drei Schritte vom Meer der Bretagne entfernt wohnt....
Dennoch ist es ratsam, bei dem dünnen Angebot an Lädchen, jede Gelegenheit zum Einkaufen wahrzunehmen. Und hier gibt es eine Menge nützlicher Dinge...
Scalinata di Santa Maria del Monte - Caltagirone
95041 Caltagirone
29.11.2012
Hier in Caltagirone gibt es ein einmaliges Exemplar dieser Gattung. Ober- und Unterstadt werden durch eine Treppe mit sage und schreibe 142 (auf italienisch: centoquarantadue) verbunden. Ursprünglich war hier nur eine Gasse mit vielen einzelnen Treppen und Rampen - aber im Jahre 1844 wurde sie durch den Architekten Salvatore Marino begradigt und mit Stufen versehen. Allein der steile Blick auf die unten liegenden Gebäude wäre einen Besuch wert - aber es kommt besser: 1954 versah man die Stufen mit lückenlosen Verzierungen mit farbigen Keramiken. Jede Stufe bekam ein eigenes Designmuster. So festigte man den auch heute noch bestehenden Ruf der Stadt Caltagirone, nämlich die bekannteste Keramikproduktionsstätte der Insel aufzubieten. Hier befinden sich auch heute noch unzählige Werkstätten, in denen teils traditionelle, teils skurrile Werke erstellt und mühevoll bemalt werden. Auch im Winter sieht man in den Hinterzimmern zahrleiche alte und auch junge Menschen sitzen und mit feinem Pinsel Blütenmuster, Ornamente oder anderes auf das weiße Steinzeug malen.
Da die Treppe recht breit ist, ist es aber auch kein Problem, auf einer Stufe sitzenzubleiben und das Panorama nach unten zu studieren. Caltagirone ist vor allem am frühen Abend ein Meisterwerk an warmen Farbtönen mit violetten Schatten an goldgelben beleuchteten Mauern.... Zum Fest von San Giacomo (Schutzpatron) am 24. und 25. Juli wird die Treppe übrigens festlich geschmückt und von Tausenden von Laternen erleuchtet. Ebenfalls erwähnenswert ist auch die „La Scala Infiorata“ am vorletzten Sonntag im Mai, wo prächtiger Blumenschuck entlang der 142 Stufen aufgebaut wird. Es folgt zu Ehren der Madonna di Condomini am 31. Mai die "Rusedda" , eine Prozession mit geschmückten sizilianischen Karren und Traktoren (deren Fahrer natürlich wissen, dass sie nicht über die Treppe fahren können...).
(Review Nr. 2012, 29. Nov. 2012, © text and photographs by mostro)
vinzenztheis Ja , die Bergstädtchen in Italia, einfach wunderschön, originell und die Treppen halten fit. Verschiedentlich hat man von unten nach oben 200 Höhenmeter zu überwinden.
30 November 2012
Castello Maniace - Syrakus
Via del Castello Maniace, 96100 Siracusa
28.11.2012
Es war ein wenig auf den letzten Drücker, der letzte Tag in Sizilien, noch wenige Stunden bis zum Abflug, der Regen peitschte kräftig, um uns den Abschied zu erleichtern. Wir trieben windverweht durch die nassglitschige Stadt und landeten schließlich an dem Punkt der in puncto Rauhheit am ehesten zu dieser Witterung passte. Das Castello Maniace - auf dem südlichen Ende der Ortygia-Insel gelegen, der Keimzelle der Stadt, die wegen ihrer strategisch guten Lage immer schon eine begehrte Festung war und oftmals Wehranlagen getragen hatte.
Der Name löste Befremden bei mir aus, ich dachte "Maniace" sei die Entprechung des englischen "Maniac" und erwartete eine Geschichte von wilden oder gar durchgedrehten Menschen (Staufer? Ungeheuer? Regenschirmverkäufer?). Es war aber alles ganz anders wenn auch nicht gerade zahm: Das Castello Maniace stammt aus der Stauferzeit, die schwere Festung wurde in der Zeit Friedrichs II. von 1232 bis 1240 errichtet. Davor stand an diesem Ort eine ebenfalls sehr voluminöse Festung des byzantinischen Heerführers Georg Maniakes - dieser ist merkwürdigerweise für die heutige Benennung verantwortlich. Ihm gelang im Jahre 1038 die Rückeroberung von Syrakus für die Normannenherrscher, von denen er für den Kriegszug tatsächlich honorarmäßig bezahlt wurde. Syrakus war zuvor lange in arabischer Hand gewesen. Im Jahre 1704 explodierte in der Festung übrigens eine Pulverkammer, dabei wurden große Teile der Innenräume zerstört - daher beschränkt sich das Erhaltene auf die äußere Gebäudesubstanz.
Äußerlich ist die Festung fast unveränderlich erhalten geblieben, im 17. Jahrhundert wurden jedoch die Obergeschosse abgetragen. Steile Mauern aus bunten Sandsteinen ragen schier auf. Darüber ein grüner Leuchtturm, winzig erscheinend. Unten tost das Meer. Einzelne Gebäude hinter einem riesigen Innenhof, Arkadenbögen, die von Metallklammern zusammengehalten werden, keine Innenausstattung, nur noch feuchte Mauern, Gänge, Türme und Bastionen. Hier gibt es in einem Seitenraum eine kleine Ausstellung mit neuen Repliken der antiken Widderfiguren (ein Original steht in Palermo) aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., die in der Antike die Stadt Siracusa um die Insel herum in den vier Windrichtungen bewachten... ein verlorener Museumswärter schleicht erst lange im Sturm herum, dann entschließt er sich, dass das rauhe Klima nach menschlicher Wärme ruft - er kommt heran und erzählt freundlich und lang über blutrünstige Geschichten, unter anderem, dass die berühmten Widder einst als Buße nach Palermo geschickt werden mussten, nachdem ein General hier bei einem eigentlich friedlich geplanten Treffen ermordet worden war.
Unwirtlich wirkt der äußerste Teil der Festung, die Spitze, die scharf und hoch in den Ozean ragt. Ein wenig erinnert es an die Fortaleza in Sagres, auch wenn der Wind hier vermutlich nie so heftig wie am Atlantik wird. Dennoch wachsen in djedem Windschatten erstaunliche Pflanzen, die die Feuchtigkeit der See aufzusaugen scheinen, dazwischen die hellen Kiesel der Küste...
(Review Nr. 2011, 28. Nov. 2012, © text and photographs by mostro)
B&B Artemide - Syrakus
via Vittorio Veneto,9, 96100 Siracusa
28.11.2012
Und so hat mir diese Unterkunft in Siracusa wirklich gefallen. Mitten drin, im Leben. Auf der alten Insel Ortygia, dem ältesten Siedlungskern, dem Labyrinth von Gässchen. Dort, wo nacht vor dem Haus im gelben Licht der Laternen das Leben erwacht und Mofas knattern, man im Café noch einen dunklen Wein trinkt und sich über die Restwärme des Tages freut, die einen im Hemd da sitzen lässt. Nebenan in allen Richtungen das Meer, das immer mal wieder aufbrausend klar macht, dass man hier als Landratte nur zu Gast ist
Artemide liegt versteckt in einem Hinterhof hinter einem Torbogen - im Prinzip sind es eine oder mehrere Wohnungen um einen Atriumhof eines Hauses, das sicher aus der Barockzeit stammt, aber kein großartigen Schmuckelemente zeigt. Man fühlt sich wirklich wie in einem italienischen Hinterhof aus einem alten z.B. neapolitanischen Film, normale Bürger wohnen um den Hof, man hört ihre Konversationen, mal laut, mal leise, abends, morgens - wie gesagt, man ist mitten drin. Nichts für einen langen Aufenthalt zur Erholung, sondern für denjenigen, der ganz nah an der Stadt sein will. Und die ist wirklich zauberhaft schön - und diese Schönheit dringt bis hier vor.
Die Zimmer sind in keiner Weise schäbig oder gar eng, wie die Mauern erwarten lassen könnten. Saubere Steinböden, blanke Badezimmerchen - und eine Menge antike (oder zumindest so gearbeitete) Holzmöbel, allen voran das große Bett aus glänzend dunklem Holz, das uns sofort überzeugte.
Hinzu kommt die lebhafte noch junge Besitzerin, die beim Klingeln sofort aus einer der Nebenwohnungen stürmt und uns mit breitem Lachen in ein wunderbares lustiges Gespräch verwickelt. Die Formalien sind schnell erledigt. Dann erfahren wir noch von ihren Kindern, ihrer Mamma (wohnt auch am Hof), ihrer Familie, deren Krankheiten und viele weitere Details, die in Deutschland wohl lästig wären - hier aber Spaß machen, zumal man hier sein Italienisch phantastisch trainieren kann (die Italiner sind da ja definitiv zugänglicher als die Franzosen...). Und teuer ist es auch nicht - es waren um die 60 Euiro pro Nacht. Mit Frühstück.
Gerade dieses gibt dann weitere Gelegenheit, hautnah in das Stadtleben der Einheimischen einzutauchen. Serviert wird nicht etwa in der Behausung - da wäre man ja langweilig touristisch unter sich. Man erhält einen Gutschein für eine Colazione in der Bar Centrale, am nächsten größeren Platz. Und da kommt dann die nächste Sprach-Lektion mit dem Barmann (bald mehr dazu....).
P.S.: Parken kann man kostenfrei ganz nah in der Parallelstrasse am Meer, aber nur an der Mauer direkt zum Wasser, wo die weißen Linien die Begrenzung anzeigen!
(Review Nr. 2010, 28. Nov. 2012, © text and photographs by mostro)
vinzenztheis Ich sehe das ganz genauso. Nur weiß ich nicht mehr ie das mit den Dialekten auf bella Sicilia ist. Es gibt einige Regionen auch auf dem italienischen Festland z.B. Calabria wo man denkt man ist völlig auswärts, aber macht nix. Das ist gerade das Salz in der Suppe.
30 November 2012
22.04.2013
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mostro hat ein neues Foto zum Platz Kinder-Flohmarkt Ansgarkirche hinzugefügt um 18:59 Uhr
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