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Syrtaki - Hennigsdorf

Neuendorfstraße 21, Blaues Wunder, 16761 Hennigsdorf

19.04.2010 (aktualisiert am 22.01.2011)

Essen lecker und üppige Portionen, reichlich kostenloser Ouzo (wobei die Gläser über den Abend immer größer werden :) ), nette Kellner, ganz gut besucht.

Preis durchschnittlich, wie bei den meisten Griechen n der Region. Hauptgerichte üblicher Weise 8,- bis 20,-

UPDATE 22.01.2010
Damals, als der Grieche eröffnet hat, waren wir froh, überhaupt einen in fußläufiger Entfernung zu haben. Heute sind wir froh, wenn wir noch einen Platz bekommen. Das Syrtaki erfreut sich also nach wie vor großer Beliebtheit und ist gerade am Wochenende zur Abendbrotzeit teilweise wirklich gut gefüllt. Ich werte das als gutes Zeichen für Qualität und Atmosphäre - mir ist jedenfalls bisher keine Verschlechterung aufgefallen.

Kino im Ziel Hennigsdorf Landkreis Oberhavel - Hennigsdorf

Postplatz 4, direkt im Einkaufszentrum "Ziel" in der 3.Etage via Fahrtreppe erreichbar., 16761 Hennigsdorf

10.06.2010 (aktualisiert am 15.12.2010)

Die besten Tage sind wohl vorbei für das Kino im Ziel. Nichtsdestotrotz wird es schon seit Jahren immer wieder totgesagt - ist aber immer noch offen.

Wen die schon ziemlich abgeranzte Inneneinrichtung und die mäßig freundlichen Bedienungs-Aushilfen nicht stören, der kann hier zum moderaten Preis abends schnell mal einen Film gucken. Das war's dann leider auch schon.

Im Grunde täte hier eine Total-Renovierung not, inkl. neuer Vorführtechnik. Aber wo soll das Geld herkommen, zumal es in 20min Entfernung (3 S-Bahn-Stationen plus etwas Fußweg) in Berlin-Tegel ein großes Cinemaxx inkl. "richtigem" Nachtleben rundherum gibt.

UPDATE 25.06.2010
Nun ist es also tatsächlich passiert: Wie die lokale Presse berichtet hat das Kino im Ziel Insolvenz angemeldet, nachdem das Centermanagement des "Ziels" den Pachtvertrag aufgrund von Zahlungsrückständen zum 30.06.2010 gekündigt hat. Ob an den Spekulationen über einen Nachfolge-Betreiber etwas dran ist wird man sehen.

Schon ein bisschen schade. Gerade jetzt, wo die Bowlingbahn kurz vor der Neueröffnung steht. Damit wäre glatt wieder etwas Leben in die oberste Etage des Centers eingezogen.

UPDATE 09.07.2010
Die oben erwähnten Spekulationen waren augenscheinlich berechtigt: Am 14.07.2010 wird das Kino wieder öffnen. Der neue Pächter betreibt bereits die Kinos in Bernau und Eberswalde, sowie einige kleinere Häuser in Berlin.

UPDATE 15.12.2010
Das Kino hat nun eine ganze Weile wieder offen und ich war mal gucken, was sich so getan hat. Der Getränke-Snacks-Karten - Tresen bekam ein neues Design und die Eintrittspreise wurden erhöht. Dafür werden die meisten Filme inzwischen nur noch mit Lichtton (d.h. Stereo und nicht DTS-Raumklang) gespielt. Das restliche, traurige Flair ist bis dato erhalten geblieben. Aber vielleicht muss sich erstmal genug Geld sammeln, bevor die große Renovierung starten kann.

Escobar - Hennigsdorf

Fontanestraße 34, 16761 Hennigsdorf

14.12.2010

Bricht die Nacht über unseren gut situierten Berliner Vorort herein, so machen sie sich alle auf den Weg: Die nach bedingungslosen Alkoholexzessen lechzenden Azubis, die tausendschönen Abiturientinnen, die kontaktsuchenden Jung-Stahlarbeiter, die Heute-mal-nicht-in-Berlin-durch-die-Clubs-Zieher, die Diesen-Abend-ohne-Kinder-Eltern und die Lokalhelden der ortsansässigen Bolzklubs. Mangels irgendwelcher Alternativen im Bar- und Lounge-Bereich landen sie dann eher früher als später hier, in der Escobar.

"Danke", muss man rufen, "Danke, dass ihr hier nun schon über fünf Jahre aushaltet!" - und damit mindestens vier Jahre länger als diverse Kneipen, Australier und Klamottenläden, die vorher in diesen Räumlichkeiten residierten. Zugegebener Maßen ist es auch nicht unbedingt die schlechteste Location, mit ihrem meist sauberen Sandboden, den selten stinkenden Klos, der elektronischen Musik, die nicht immer zu laut zum Unterhalten ist und dem niemals leeren Pavillon der rauchenden Kinder draußen vor der Tür. Die Cocktails sind ganz ordentlich - zwei Long Island Icetea und der Abend ist gerettet, oder gelaufen, je nachdem. Oder Cuba Libre, mit beachtlich Cuba und wenig Libre. In der Happy Hour gibt's das Vergnügen für erschwingliche EUR 3,90 pro Glas, und wenn es richtig voll ist und fünf Leute am Tisch verschiedene Getränke in unterschiedlichen Mengen bestellen kommt die Bedienung unter Umständen so durcheinander, dass man noch drei "falsche" Cocktails auf Kosten des Hauses zu sich nehmen darf - oder muss, wenn man schon nicht mehr will.

"Danke!", ruft also die Ortsjugend, "Danke, dass ihr unserem Leben einen Sinn gebt, mit Veranstaltungen wie 'Battle oder stirb!', 'Glühwein, Grill + Techno' oder 'Endstation Kneipenfest'!"

"Danke!", rufe auch ich, "Danke, dass es mit euch in Hennigsdorf wenigstens eine, halbwegs stylische Location mit Cocktails und etwas Flair gibt - sofern man 'Flair' nicht an biersaufenden Prekariatsgenossen in dichten Zigarettenqualm festmacht -, wo man sich abends auch mal mit Freunden treffen kann!" Insofern: Bleibt uns erhalten, ich will nicht immer nach Berlin rein müssen.

Rodeo Berlin - Mitte

Auguststraße 5a, 10117 Berlin

11.12.2010 (aktualisiert am 13.12.2010)

Zum vorweihnachtlichen Beisammensein geladen hatte das Unternehmen, welchem ich mein monatliches Haupteinkommen verdanke.

Somit machten sich neben mir etwa 200 Angestellte, Lebenspartner und Geschäftsführer am Freitag Abend auf zum Rodeo Club, anscheinend einer der Standard-Locations für Berliner Firmenweihnachtsfeiern. Erst zwei Tage vorher kehrten die Gebrüder Samwer hier mit ihren Schuhverkäufern von Zalando ein, natürlich in der Woche und nach der Arbeit, damit der Übermut der weihnachtstrunkenen Feierwütigen ja nicht zu einem Einbruch in den konsequent hohen Arbeitsleistungen führt. Zwei Tage später, am Freitag, waren nun also wir hier.

Nachdem man sich durch Schneematsch, Baustellen, Absperrgitter, Touristen, Falschparker und all die anderen Hindernisse der angesagten, leicht abgeranzt wirkenden, Berliner Innenstadt gewühlt hat, vorbei an vollgestopften Bars mit total beschlagenen Scheiben, tut sich in der Auguststraße 5a ein Tor auf, welches mindestens so groß wie der dahinter liegende Hof dunkel ist. "Hier soll also dieser Rodeo Club sein?" Allen Zweifeln zum Trotz geht es weiter über den Hof, immer vorwärts, dem kleinen Licht ganz am Ende über einer größeren Eingangstür entgegen. Und hinter dieser schließlich verbirgt sich... ein total heruntergekommenes Treppenhaus, dass den Charme einer von Hausbesetzern okkupierten Kaserne verströmt. "Rodeo Club 1. OG", verkündet ein dezenter Hinweis zwischen Graffiti mitten im Stickerwald. So verlässt man das erste, halbwegs erleuchtete, Halbgeschoss nach oben, einer düsteren Zukunft entgegen und betritt dort zu guter Letzt tatsächlich die Räume des Rodeo, womit sich sämtliche Zweifel bezüglich dessen realer Manifestation zerstreuen.

Ein Kalt-Warmes Buffet wurde uns geboten, nachdem die Geschäftsführung den offiziellen Partymodus gestartet hat, eingenommen in einem kathedralenartigen, von warmen, rotem Licht und dem Schein von Kerzen erfüllten Gewölbe des alten Postfuhramtes. Beeindruckt schwenkt der Blick immer wieder nach oben in die Kuppel, auf die zahllosen Stuckarbeiten, die schiere Weite des Raumes, die Zeitzeugen des einstmals größten Behördenbauwerks Berlins, welches 1881 fertig gestellt wurde.

Das Essen war OK, es gab Lasagne mit Waldpilzen, Entenkeulen, Kartoffel- und Semmelknödel, Wildgulasch und Rotkohl - wobei letzterer zur Eröffnung des Buffets deutlich besser schmeckte als 30 Minuten später - vielleicht hatte der Koch nicht mit soviel geballtem Appetit gerechnet und schnell noch ein paar Gläser vom Discounter zusammengekippt. Auch die Auswahl des kalten Buffets konnte sich durchaus sehen lassen - alles in allem dem Anlass angemessene, handfeste Küche - aber kein Sterneniveau. Sei's drum, man traf sich an diesem Abend schließlich auch nicht zum dinieren, sondern zum kommunizieren. Nervig jedoch: Eine der an das Gewölbe angrenzenden Bars diente als Sammelbecken für den rauchenden Teil des Partyvolkes - was an sich nicht schlimm wäre, zöge nicht der Rauch in beachtlicher Menge ununterbrochen in die theoretisch rauchfreie Zone.

Was bleibt also hängen, nach diesem Ausflug in eine gestalterisch gelungene Symbiose aus Klassizismus und Moderne? Schön, mal hier gewesen zu sein - nicht das schlechteste Essen, das ich je auf einer Firmenweihnachtsfeier hatte - aber mein Lieblingsclub wird das Rodeo wohl nicht. Einen Besuch ist er aber allemal wert.

volver Zwei Dinge sind cool an dem Bericht

a) die Schreibe und der Inhalt
b) dass es noch Unternehmen gibt, die eine Weihnachtsfeier organisieren UND bezahlen - Hut ab!

Alte Stahl-Apotheke - Hennigsdorf

Havelpassage 3, 16761 Hennigsdorf

13.12.2010

Wie mein Vorredner respektive -Schreiber schon bemerkte hat dieser Ort der pharmakologischen Nahversorgung inzwischen den Besitzer gewechselt. Oliver Keitel heißt der neue Inhaber, und die Apotheke ist nun die "Alte Stahl-Apotheke".

Der ehemalige Inhaber des eher überschaubaren Ladens verdiente sich - traut man dem örtlichen Buschfunk - die einen oder anderen tausend Euro durch den Handel mit Luxus-Old-und -Young-Timern aus dem Hause Mercedes, BMW und Alpina dazu, schmacht... Vielleicht reicht's ja inzwischen als Haupteinnahmequelle, die Parkhäuser in Hennigsdorf taugen jedenfalls durchaus als Ausflugsziel für begeisterte Mobilisten.

Aber zurück zur Apotheke: Nach dem Umbau ist der Kundenbereich deutlich übersichtlicher und geräumiger geworden. Der Stil hat gewechselt, das Personal nicht - und das ist auch gut so, wurde doch Freundlichkeit hier immer schon groß geschrieben.

Was abzuwarten bleibt ist jedoch, ob sich auch die Vorrats-Situation für durchaus gängige Medikamente gebessert hat, denn die war bis jetzt weniger als suboptimal. "Paracetamol-Fieberzäpchen für mein hochfieberndes Kind?" "Müssen wir leider erst bestellen". "Hydrocortison-Hautsalbe?" - "Haben wir bedauerlicher weise gerade nicht da." "Hustensaft?" - "Unglücklicher Weise erst heute nachmittag vielleicht." Abgesehen von guten Worten gab es hier - zumindest kurzfristig - wenig Konkretes. Da ich Medikamente aber in der Regel nicht auf Halde kaufe, sondern weil ich sie gerade dringend brauche, ist das schon ziemlich ärgerlich.

Von daher: Nun zeigt mal, was ihr könnt - die nächste Apotheke ist nur 50m entfernt, und die haben immer alles vorrätig. Bis dahin gibt's erstmal bloß drei Sterne.

Brezelbäckerei Ditsch GmbH - Prenzlauer Berg

Schönhauser 78-80, Schönhauser Allee Arcarden, 10437 Berlin

29.07.2010

Ditsch ist einer der Läden, die es verstehen, an die niedersten Instinkte im Nahrungsknoten irgendwo tief, tief im Gehirn zu apellieren. In der Auslage räkeln sich zu Hauf mit Unmengen Käse überbackene, fettglänzende Weizenteigwaren, gekrönt von Salami, Schinken und anderen Ergüssen der Tier-Endverarbeitung, und stellen das ernährungsphysiologische Pendant zu einem Atommüllendlager dar, während sie laut rufen "Nimm mich! Du willst mich doch! Wehre dich nicht, ich mache dich glücklich!"

Erliegt man der Verlockung, bekommt man genau das, was der Körper, dieser miese Verräter, wollte: Kalorien ohne Schnörkel, ohne Vitamine, Ballaststoffe, Spurenelemente und das ganze überflüssige Zeug, geschmacklich immer irgendwo auf dem Grat zwischen "Fett! Lecker! Käse! Geil! Gib's mir!" und "Erbarmen! Zu viel! Zu salzig! Zu mächtig! Mein Mund ist schon ganz wund!"

Nichtsdestotrotz ist man der vollgepiercten Verkäuferin dankbar dafür, dass sie einem dieses kurze, dreckige Vergnügen gewährt hat, der Tag muss vorher nur lang und der Hunger unerträglich genug gewesen sein. Und so verabschiedet man sich demütig, aber befriedigt, und schleicht mit einem schlechten Gewissen heim zur Frau, als hätte man sich von einer Domina gehörig versohlen lassen - und hätte es genossen.

Restaurant Jalla Jalla - Prenzlauer Berg

Kopenhagener Straße 4, 10437 Berlin

23.07.2010

Es ist in der Regel keine gute Idee, ein völlig menschenleeres Restaurant zu besuchen. Wir taten es trotzdem.

Das "Jalla Jalla" liegt mitten im Prenzlauer Berg. Nur wenige Meter von der Schönhauser Allee entfernt, wo der Designer-T-Shirts aus organischer Baumwolle tragende Papa Mitte dreißig seine Elternzeit genießt und die Drillinge im Luxus-Kinderwagen auf den Spielplatz schuckelt während die durchgestylte Mutti in der Hinterhof-Medienagentur noch ein bisschen Schotter für die Vier-Zimmer-Wohnung im Szeneviertel dazu verdient und wo die verpickelte Soziologie-Studentin Ende 20 sich nicht zu schade ist, ihre überbordenden Hüften unter einer arg knappen, pinkfarbenen "Berlin"-Jacke zur Schau zu stellen.

Hier also findet sich eine Heimstätte libanesischer Küche, die ich nicht probiert habe. Denn ich traf mich hier mit einem Ex-Kollegen zum Mittagessen, und was mich ins "Jalla Jalla" trieb - obwohl wir um 13:00 die einzigen Gäste waren - war das Versprechen, dass alle Pizzen und Nudeln werktags bis 17:00 nur EUR 3,90 kosten sollten. Das verhieß einen nicht all zu schweren und günstigen Mittagsimbiss.

Wir wurden zügig bedient, der - augescheinlich authentisch libanesische - Service war freundlich und unaufdringlich und die georderten Pasta-Gerichte lecker und tatsächlich nur EUR 3,90 teuer. Gegend und Ambiente sind angenehm und das gesamte Zwei-Personen-Mahl mit 2x Pasta, einem gemischten Salat, einem Wasser und zwei Espressi ging für etwa EUR 15,- über den Tisch.

Zumindest für das schnelle Mittagessen während der Arbeit - oder wie man im Prenzlberg mittlerweile auch sagt: Für den Business-Lunch - darf man hier getrost einkehren. Der libanesischen Küche widme ich mich dann irgendwann mal nach Feierabend, gegebenenfalls auch zusammen mit ein paar Cocktails.

Ach, und übrigens: Als wir erstmal saßen füllte sich das Restaurant recht schnell. Eigentlich hätten wir als "Anheizer" somit noch ein paar Prozent Rabatt auf die Rechnung verdient.

LutzWildgrube Einmal die Woche ist Treffen mit Freundinnen und Freunden im Jalla Jalla angesagt. Smalltalk, Bierchen, Wein und 'n Happen essen. Dazu reise ich aus Niederschönhausen an. Nicht dass wir "hier draußen in der Provinz" keine Möglichkeit hätten, den Abend außerhalb der eigenen vier Wände zu verbringen und die Woche besteht ja auch nicht nur aus einem Tag. Aber es ist eine schöne Atmosphäre im, oder an lauen Sommerabenden, auch vor dem Jalla Jalla . Das Team des Hauses ist immer gut drauf und ausgesprochen nett. Das Essen schmeckt, mir zumindest, immer sehr lecker und entspricht bei dem Überangebot in Berlin absolut dem oft zitiertem Preis-/ Leistungsverhältnis. Was die überkreativen und langzeitstudierenden Zugewanderten betrifft, dass soll mich überhaupt nicht stören. Daran hat man sich im PrenzlBerg inzwischen ja wohl gewöhnt und ich denke auch in anderen Bezirken (übrigens auch in unserer Provinz). Die Erde dreht sich und die Zeit verändert sich.

Kleiner Tipp für einen abendlichen Ausflug in die Provinz: http://www.souterrain29.de/

Die kleine Restauration ist recht gemütlich. Hat zwar eine sehr schmale Speisekarte, dafür aber um so mehr gute alte leckere Whisky- und Rum-Sorten auf dem Rückbuffet als in der selben stehen.

LutzWildgrube Hallo Renemt, ich bin es noch einmal.

Kompliment übrigens, Deine Beiträge sind wirklich cool. Sie haben haben Witz, Charme, sind unterhaltsam und doch realistisch. Solltest Kolumnen schreiben für die großen Tages-Gazetten oder tust Du es schon

Salon Cordula - Hennigsdorf

Klingenbergstr. 1, 16761 Hennigsdorf

19.07.2010

Es war Freitag, es war schweineheiß in Berlin - und ich hatte dringend wieder mal einen Haarschnitt nötig. "Vielleicht mach' ich dann ausnahmsweise schon um 17:00 Feierabend und gucke, ob auf dem Heimweg ein Friseur Zeit für mich hat, schließlich gibt es ja ein paar Läden an der Schönhauser.", dachte ich.

Aus 17:00 wurde dann 19:00, die Berliner Friseure waren alle voll - und die Hennigsdorfer hatten schon zu, als ich wieder in heimatlichen Gefilden war.

Kurz entschlossen stattete ich am nächsten Morgen auf dem Weg zum Bäcker dem "Salon Cordula" einen Besuch ab, der praktischer Weise gleich bei mir um die Ecke liegt. Warnungen aus dem Bekanntenkreis zum Trotz: "Zu einem von diesen freien Friseuren brauchst du gar nicht zu gehen, die sind doch viel teurer als eine Kette!" Teurer als z.B. Hairexpress, wo mich ein Trockenschnitt EUR 11,- kostet? Na sei's drum, die Haare müssen runter.

Um 8:30 am Samstag betrat ich also völlig unvermittelt den Laden, wo zwei Friseurinnen Dienst taten. "Wenn ich heute noch einen Haarschnitt bekommen möchte - habe ich da bei Ihnen eine Chance?" "Sicher - setzen Sie sich doch gleich hin!"

Gute 15 Minuten und ein obligatorisches Gespräch über das Wetter später war ich frisurtechnisch überarbeitet. "7,20 bekomme ich dann", sagte die Friseurin. "Wieviel!?", fragte ich? "7,20" wiederholte sie. Und damit war das Vorurteil vom teuren "freien Friseur" widerlegt, bei dem ich plötzlich inkl. Trinkgeld weniger zahle als bei irgendeiner Kette.

Außerdem ist "Cordula" ein terminfreier Salon, d.h. wer zuerst erscheint wird zuerst geschnitten. Insgesamt versprüht der Laden noch einen gewissen, angenehmen aber leider aussterbenden Tante-Emma-Charme, weit weg von den irgendwie steril wirkenden Ketten- und Mode-Friseuren. Hier wird das Kassenbuch noch von Hand geführt und die Kundin bei Regen von der Chefin nach Hause gefahren.

Alles gute Gründe, beim nächsten Haarschnitt wieder hier einzukehren - und ein Loblied auf den guten, alten Dienstleister im Kiez anzustimmen.

Das Ziel - Hennigsdorf

Postplatz 4-4c, 16761 Hennigsdorf

15.06.2010 (aktualisiert am 09.07.2010)

Hach, was waren das für Zeiten, damals. Wo wir am Wochenende abends auf der Dachterrasse des "Mexicali" im Ziel Cocktails in lauer Sommerluft geschlürft haben, oder nach dem Kinobesuch noch der Bowlingbahn einen Besuch abstatteten. Die hatte zwar schon etwas betagtere Bahnen, auf denen der Lauf der Kugel eher Kegelkünste erforderte, aber hey - immerhin gab es hier leckeres Breznak-Pils und den einen oder anderen Kurzen zu erschwinglichen Preisen, wonach das Bowlen deutlich lockerer von der Hand ging.

Leider gehören diese Geschichten aber der Vergangenheit an, denn das Schicksal des Ziels ist in den letzten Jahren - nennen wir es "wechselhaft". Viele der ehemaligen Läden und Unterhaltungsattraktionen sind umgezogen oder einfach pleite. Das "Mexicali" ist zu, das "Cinema-Café" sowie dessen Nachfolger, der "Kino-Pub" ist zu. Das schon fast antiquarische Kino, dem bereits seit Dekaden der Untergang prophezeit wurde, musste inzwischen tatsächlich Insolvenz anmelden, wird aber mit einem neuen Betreiber am 14.07.2010 wieder öffnen. Die Spielothek dagegen hält eisern die Stellung im ansonsten traurig-leeren dritten Stock. Spielotheken gehen ja sowieso immer. Und auf der Bowlingbahn, die momentan auch noch zu ist, soll angeblich im September die Kugel wieder rollen. Momentan sind die Umbauarbeiten im vollen Gange.

Auch durch das Stockwerk darunter rollen, metaphorisch gesprochen, bereits ein paar "Steppenläufer" (das sind diese kleinen Heuballen, die der Wind in Westernfilmen immer durch verwaiste Straßen treibt). Frisörkette, Erotikshop, Internet-Café, Computerladen, Videothek: Zu, weg, verschwunden. Dafür findet man hier nun, neben vielen abgeklebten Scheiben und dem Center-WC, eine AOK-Geschäftsstelle sowie ein Sonnenstudio. Und nicht zu vergessen das Fitness-Studio "Ars Vivendi", welches ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Auch das Ergeschoss wandelte sich über die Jahre. Zur Urzeit des Ziels erstreckte sich ein "Trend"-Kaufhaus über zwei Etagen. Dieses ist einem ganz guten DM-Drogeriemarkt sowie einem NKD-Laden, welcher Bekleidung, Spielzeug und Nippes im Günstig-Preisbereich feilbietet, gewichen. Kein wirklicher Verlust aus meiner Sicht, denn das Verhältnis von Angebot und Preisen des Kaufhauses war, nunja, zweifelhaft. Ein ebenfalls jahrelang hier beheimatetes Reisebüro ist vor kurzem 50m weiter in die Havelpassage gezogen, eine Boutique schließt gerade ihre Pforten. Dagegen seit eh und je vor Ort: Ein Lebensmittel-Discounter, eine Fleischerei (die auch einen Mittagstisch anbietet), ein Bäcker, eine Vollreinigung, ein Schlüsseldienst, ein Lotto- und Zeitschriftenladen, ein Döner, ein Blumenladen, ein Obst- und Gemüsehändler, ein Juwelier und eine Parfümerie. Dazu ein Eiscafé mit öfter wechselnder Bewirtschaftung (lokale Gerüchte behaupteten sogar einmal, der Laden solle von den "Bandidos", jenem etwas anrüchigen Motorradclub, übernommen werden, was dann aber wohl doch nicht gestimmt hat - fast schon ein bisschen schade, wäre bestimmt lustig geworden).

Insgesamt befindet sich das Ziel natürlich in einer nicht ganz einfachen Situation. Berlin-Tegel, mit seiner Vielzahl an Shopping- und Unterhaltungsmöglichkeiten, ist 10 S-Bahn-Minuten entfernt, und nach 30 Minuten ist man in der City von Berlin. Die Havelpassage, Hennigsdorfs "Einkaufs- und Flaniermeile", liegt gleich vor der Tür des Ziels, was Fluch und Segen zugleich ist. Ein paar hundert Meter weiter, am anderen Ende der Havelpassage, befindet sich mit der "Storchengalerie" ebenfalls ein Einkaufszentrum, welches sich dem äußerem Anschein nach deutlich stabiler entwickelt als das Ziel. Über die Gründe darf man spekulieren, dass auch die Höhe der Ladenmiete eine Rolle spielt, ist anzunehmen. Insolvent war das Center zwischenzeitlich bereits und ein neuer Betreiber übernahm Anfang des Jahres die Geschicke.

Ich jedenfalls wünsche ihm Glück, denn eine Investmentruine im Herzen von Hennigsdorf wäre die denkbar schlechteste Lösung. Und vielleicht macht er ja auch das Mexicali mit seiner Dachterrasse und den sagenhaften Cocktails (wie dem "Voodoozauber", oha...) wieder auf.

renemt Danke übrigens auch an Die Mark Online, die Webseite des Verlages u.a. des "Oranienburger Generalanzeigers" sowie des "Hennigsdorfer Generalanzeigers", für die Erwähnung meiner Bewertung des Ziels in einem Artikel dort :)

Carsten_A = Kaum zu glauben das jetzt 10.300 qm Fläche leer stehen und das nette Mexicali geschlossen ist.

La Casa - Hennigsdorf

Havelpassage 7, 16761 Hennigsdorf

05.07.2010

"La Casa" war bis vor kurzem noch "Raphael", in sofern gilt das dort gesagte erst einmal unverändert weiter. Trotzdem aber immer noch die gleichen Leute in dem Laden arbeiten (sieht man mal von den sowieso ständig wechselnden Aushilfs-Kellnern ab) wurde die Karte überarbeitet: "La Casa" ist jetzt mexikanisch.

Obwohl ich mir partout nicht vorstellen konnte, dass da plötzlich ein echter Mexikaner in der Küche steht, habe ich letztens als Vorspeise ein paar frittierte Käse-Teilchen mit Peperonis bestellt. Was soll ich sagen - das Zeug erfüllte meine Erwartungen voll und ganz: Durchs heiße Fett gezogene Tiefkühlware. Der Käse war noch relativ akzeptabel (und hoffentlich nicht "analog"), die Peperoni da drin konnte man aber vergessen. Labrig und geschmacklos. Gerade für mich als fanatischen Scharfesser, der seine Flasche Blair's Sudden Death quasi immer im Handgepäck hat, ein unverzeihlicher Fauxpas. Dagegen sind die Chilli-Cheese-Nuggets vom Burger-Brater Sterneküche.

Aber um ehrlich zu sein geh' ich hier auch nicht wegen mexikanischer Küche hin. Oder wegen "mediteraner". Oder französischer, sofern die sich das als nächstes einfallen lassen. Sondern ganz einfach, weil es hier einen verdammt leckeren Döner gibt. Der ist für mich geschmacklich das Maß der Dinge - und zwecks Meinungsbildung gibt es in 5 Minuten Umkreis noch mindestens drei Alternativen. Die Neuausrichtung der Küche rechtfertigt für dieses artfremde Produkt anscheinend auch eine Preiserhöhung, denn seit der Mexikalisierung des Ladens kostet das Türkisch-Berliner Kullinarium mit EUR 2,90 zehn Cent mehr. Für den Vor-Ort-Verzehr inklusive Restaurantflair bietet sich alternativ der große Döner-Teller mit Salat, Pommes und Döner-Soße für um EUR 6,00 an. Der steht zwar nicht auf der Karte, aber die Bedienung dürfte von der Bestellung nicht überrascht sein.

In sofern bleibt eigentlich nur die Frage: Warum machen die das? Warum ändert man die Karte eines Lokals, wenn man den Style eh nicht authentisch beherrscht? Die meisten Leute ordern hier sowieso die "Außenseiter", welche schon seit Jahren im Angebot sind: Döner, Pizza, Pasta. Nicht Gault Millau - würdig, aber für den Preis lecker und reichlich. Warum dann also verdammt nochmal ausgerechnet mexikanisch? Zu Raphael mit seiner buntgemischten "Rund-ums-Mittelmeer-Karte" konnte ich auch mal mit meiner Oma gehen, wenn sie zu Besuch war. "Komm, Oma, heute gehen wir Taccos naschen, und dann noch einen ordentlichen Burrito" verkauft sich da doch deutlich schwerer. Vor allem, wenn ich ihr dann noch erzähle, dass Sie das Zeug auch 1:1 bei LIDL in der TiKo bekommt, falls es ihr schmeckt.

Hättet ihr nicht einfach einen "richtigen" Türken draus machen können? Mit Mezze und Ayran, Köfte und diversen Kebabs, Baklava und schwarzem Tee? Ich glaube, das könntet ihr wirklich gut. Und schlechter ankommen als ein falscher Mexikaner würde ein echter Türke vermutlich auch nicht.

Aber keine Angst, ich komme weiterhin vorbei. Zumindest, so lange ihr noch Döner habt.