Beiträge von Thomas Gotthal
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Hedwigstr. 17, 12159 Berlin
Yin und Yang von Schlüsseldiensten in Berlin: Sie sehen oft unscheinbar aus, die Schlüsseldienste Berlins. Aber sie sind mächtig. Viele von ihnen gelten bei mir als "Apotheken". Zu teuer, umständlich und zu wenig kundenorientiert. So ging es mir schon mit dem Schlüsseldienst Werner in Charlottenburg. Mit einigen anderen in Berlin. Manch Unscheinbarer ist in Wirklichkeit schon vom Konkurrenten aufgekauft und sitzt direkt gegenüber: So wie beim Schlüsseldienst TEGGE in der Zehlendorfer Clayallee, wo der gegenübersitzende Schlüsseldienst praktisch "Marktvielfalt" vorgaukelt, aber zu Tegge gehört. Geschickt, geschickt.
Thomas Gotthal
am 18 Februar 2013
(aktualisiert am 22 April 2013)
Sie rufen Mondpreise für Hardware auf, für Schließzylinder, Schlüssel und Kleinzeug, dessen Verwendung "Sicherheit" versprechen soll. Vor vielen Jahren war die Fa. Knorr Sicherheitstechnik unter Leitung ihres Seniors Dieter Knorr eine Firma, mit der wir zusammen arbeiteten. Hausverwaltungen arbeiten gern mit zuverlässigen Schlüsseldiensten zusammen. Hier sind die Schlüssel...
Wir trennten uns, als diese ohne vorherige Absprache anfing, so genannte Eigenprofile (hier: ASSA RUCCO) einzubauen. Dabei macht der Anlagenhersteller dem Schlüsseldienst ein Versprechen, das eine Existenzgrundlage par excellence verschafft. Einen Wettbewerbsvorteil, den viele, nicht wenige, erst viel später - wutschnaubend - bemerken. Der Schlüsseldienst bekommt eine "exklusive Schließlinie", ein so genanntes Eigenprofil. Die Folge ist: Niemand kann dieses Eigenprofil nachfertigen.
So wird der Kunde zum Junkie, zum Schlüsseldienst-Abhängigen: Der Schlüsseldienst kann nun selbstverantwortlich und wie es ihm gefällt, Preise binden. Wer einmal eine Schließanlage wie diese bestellt hat, wird schnell merken, wo der Hase im Pfeffer liegt: Nachschlüssel kosten auf diese Weise inzwischen leicht 20,- bis 45,-, ja teils 40,- bis 65,- € (inkl. Packung und Versand). Derartiges wird "in hübsche Kosten" verpackt. Ein Schließzylinder kostet jetzt ohne weiteres 120,- € und noch mehr. Einen Türschließzylinder der Fa. IKON für 150,- € zu verkaufen, das hat schon was von modernem Straßenraub: Spesen, Kosten, Verpackung, Kurier, Zustellung, pi pa po....: Ein Schließzylinder könnte auch 40,- € kosten, das wäre noch gerecht. Den Rest rechtfertigt das Diktum "garantierte Sicherheit".
Wer so behandelt wurde, fühlt sich hintergangen. Hausverwalter binden Kunden, die Hausbewohner. Die müssen die Zeche zahlen. Die Hausverwaltung deponiert den Schließplan beim einzigen Schlüsseldienst, der das darf. Und der kassiert ordentlich. Die Sache liegt viele Jahre zurück und führte seinerzeit zur Trennung. Mit dem mache ich nichts mehr.
Inzwischen sind viele Jahre ins Land gezogen. Es heißt, bei den Schlüsseldienstunternehmen habe ein Umdenken stattgefunden. Die Erfahrung im Hinterkopf, frage nicht nur ich nach, und bei Bedarf bestelle ich, Schließprofile die "frei händelbar" sind. Dieses ist ein "basic": Nie wieder abhängig werden von (bestimmten) Schlüsseldiensten. Die Wege des Herrn führten bei weiteren Ausschreibungen wieder zur Firma Knorr Sicherheitstechnik.
Es gab einen Generationenwechsel im Hause. Dieter Knorr ist jetzt "elder statesman". Seine Geschäfte führt jetzt Herr Mahmoud, der von der Firma sagt, sie sei ein kleines, mittelständiges Familienunternehmen. Das Angebotsprocedere ist vielversprechend: Guter Preis, alles sehr flexibel, gutes Angebot, er gibt das beste für ein Projekt ab. Bei der Gelegenheit lasse ich im Ladengeschäft noch einen Nachzylinder fertigen. Die Rechnung soll mir zugeschickt werden. Ich habe nachgeschaut: Am 27.09. habe ich das Ding fotografisch präzisiert, wie mir vom Laden telefonisch aufgetragen wurde: Kein Problem, den Zylinder im Laden zu fertigen, hatten sie gesagt.
Später stellt sich raus: Den Zylinder haben sie doch nicht da, die Rohlinge sind aus, die sie dafür benötigen, um den baugleichen Zylinder zu stiften. Sie müssen das doch erst bestellen. Wir verabreden, dass das geschehen soll. Zwei Wochen später bin ich wieder "on the road" und fahre vorbei. Sie finden den Auftrag nicht mehr. Ja, es gab eine Email dazu, mit Foto: Die Baulänge des Zylinders, es ist ein 40/45-mm-Zylinder der Marke IKON. Sie finden den Auftrag nicht im Ladengeschäft. Rohlinge sind auch noch nicht bestellt. Ab Werk. IKON sitzt in der Goerzallee.
Bei einem weiteren Besuch der Gegend fahre ich erneut vorbei. Wieder nichts. Ich warte schon seit Wochen. Wir verabreden, dass sie den Zylinder zuschicken an die Privatadresse. Es kommt aber nichts. Schließlich frage ich nach: Nun sagen sie, der Zylinder sei ans Büro zugeschickt worden und wieder zurückgekommen, weil die Entgegennahme verweigert wurdei. Ich sage, das sei aber anders ausgemacht worden. Schließlich hole ich den Zylinder beim dritten Ladenbesuch nach etlichen Wochen ab. Umständehalber.
Umständlicherweise. So Sachen können auch mal schief laufen. Man darf das nicht verallgemeinern, denke ich. Bleibe gerecht.
Zwischenzeitlich gedeiht das Großprojekt einer komplett auszutauschenden Schließanlage in Berlin-Irgendwo. Es ist ein Schadenersatzanspruch gegen eine Handwerkerfirma. Ein Mitarbeiter hat den Schlüssel in der Haustür stecken lassen. Jemand hat ihn geklaut. Er ist weg und die Schließanlage in empfindlicher Stadtlage mit Kriminalitätsquoten ungesichert. Der Handwerker muss bluten. Es sind mehr als 40 Wohnungen betroffen und fast 20 Tiefgarageneinstellplätze. Eine komplizierte Sache.
Ich schreibe dem Geschäftsführer nach einigen Vorklärungen, es käme jetzt zum Auftrag und die Vorklärungen könnten beginnen. Der Chef schreibt nach mehreren Vorgängen wie diesen zurück, er habe die bisherige Korrespondenz zum bevorstehenden Auftrag noch nicht bearbeiten können, weil er noch keinen Auftrag habe. Als ich den Einzelzylinder im Ladengeschäft beim dritten Versuch endlich abhole, spricht er mich an. Er erinnert unsere Geschäftsbeziehung und warum auch immer wir damals unzufrieden waren und weggegangen sind. Ich müsse ihn verstehen: Sie würden sich ständig Arbeit für Andere machen und dann bekommen sie den Auftrag nicht.
Ausgenommen werden von gewitzten Kunden? Ich denke, ich bin anders, murmel was von, ich hab doch geschrieben, er bekäme den Auftrag. Es sei für mich kompliziert, ich müsse die Rechte des geschädigten Handwerkers wahren und zu dessen Schutz nicht noch Dinge bestellen, wie sie (zu) gewitzte Kunden von uns aus der "Gunst der Stunde" zu schlagen versuchen. Jeder müsse in dieser Anlage so gestellt werden, wie vorher. Eine umfängliche Bewohnerbefragung mit schriftl. Fragebögen hätte er ja schon ausgefüllt von mir erhalten. Wir werden nicht einig: er beharrt mir zur sehr auf seiner Position. Dabei bin ich "das Gute" der Menschheit: Ich habe Geld, will es ausgeben und zu ihm tragen.
Vielleicht denke ich zu einfach. Die Wochen gehen weiter ins Land. Den Auftrag hat er inzwischen. Jetzt liegt es nicht mehr an mir, dass ich räudig mit den Interessen "meiner Handwerker" umzugehen beabsichtige. Seine Rechnung über 150,- € für einen Türschließzylinder (siehe oben) bleibt unbezahlt liegen. Mein Fehler. Es ist eine Privatsache, abgelegt auf den falschen Stapel Papier. Zweimal mahnt die Fa. Knorr, dann ruft der Geschäftsführer an. Er kann mich nicht sprechen, weil ich außerhaus bin. Er sagt, er arbeitet jetzt nur noch gegen Vorkasse für unsere Hausverwaltung. Als ich davon unterrichtet werde, schreibe ich ihm eine Email: Können Sie den Betrag abbuchen per Einzug, hier das Konto .....
Seine Antwort: Nein, Rechnungsbeträge abbuchen per Einzug, das ist unmöglich. Ich müsse das selbst bezahlen. Er habe "zur Anweisung gegeben, dass für die Hausverwaltung nur noch gegen Vorkasse" gearbeitet würde. Mein erster Gedanke: Die Hausverwaltung hat diesen Schließzylinder gar nicht bestellt und ihn nicht zu bezahlen? Allerdings: Diesen feinen Unterschied will ich nicht erzählen. Mir reicht, in Sippenhaft genommen zu sein. Dann eben nicht. Du willst also nicht? Gut, ich merk´s mir.
Hat ein Kunde eine Rechnung nicht gezahlt, sich für den fauxpas entschuldigt, muss es doch damit gut sein. Gerade wollte ich sagen: Hallo, lieber Freund! Bitte halte mich privat für unzuverlässig, weil ich deine Rechnung nicht bezahlt habe. Sie ist jetzt überwiesen. Ich entschuldige mich für diesen Fehler. Dann gibt es noch eins drauf und "bittet um Verständnis", das Aufträge der Hausverwaltung nur noch gegen Vorkasse erfolgen. Später finde ich heraus, dass die Rechnung zwischen der ersten und der zweiten Mahnung überwiesen worden war, aber die Kontonummer falsch war. Das Geld ist abgegangen und wieder zurückgekommen. So räudig war ich ja gar nicht. Shit happens. Aber das Verhalten: Das ist eine Frechheit, denke ich.
Es gibt sehr viele Schlüsseldienste in Berlin. Etliche sind nicht so teuer. Dein "kleines, mittelständiges Familienunternehmen" kann mich mal..... - Wir können uns die Umstände nicht aussuchen, wir tun gut daran, Dinge zu durchschauen, zu verstehen und Hintergrund zu fühlen. Wir werden aus dieser Sache unterschiedliche Dinge lernen. Er wird für den Rest seines Lebens Leuten erzählen: Ach der, ich weiß, den kenne ich. Der zahlt seine Rechnungen nicht. Ich werde sagen: Ach ja, die Firma ist gar nicht mal so schlecht, du darfst nurl mit dem Geschäftsführer nicht ....., wende dich lieber an einen Mitarbeiter. Der Geschäftsführe ein ganz Emotionaler, der seine Fassung verliert, auch in Kleinigkeiten. Ist am Ende cholerisch? Vielleicht werde ich es so sagen. Oder ruhig sein. Wichtig: Ich kann die Firma unter dieser Führung nicht empfehlen. Der muss erst noch Seminare..., werde ich sagen, ...wie man mit Kunden umgeht und das man den Blick für das Wesentliche nicht verliert..., aber das ist meine Meinung.
Fazit: Dass der bestellte Schließzylinder so lange gebraucht hat, wie ich Zeit benötigte, die Rechnung zu bezahlen (siehste!), hatte ich unerwähnt gelassen. Es wäre ein Prinzip vollkommener Gleichberechtigung. Der Kunde passt Zahlungsmodus an die Lieferfrist an. Das wäre gerecht, aber ich geb zu: Es wäre ein "Auge um Auge", so wie es der Herr Geschäftsführer mit uns gespielt hat. Soll er doch paar Kröten kriegen, denke ich, jetzt erst recht, aber Schluss mit Projekten. Nicht mehr mit dem auseinandersetzen, allenfalls noch Anderen erzählen, was einem selbst dort passiert ist.
Ich hab die Rechnung nicht um meine vergeblichen, mehrfachen Anfahrten eingekürzt. Bloß nicht: Er würde vielleicht behaupten, ich sei ein Querulant, würde sagen, mit so einem....., und nun wird deutlich, wie ungleich die Kräfte in dieser gar nicht erst ins Rollen kommenden Geschäftsbeziehung verteilt sind. Bloß nicht, nach all dem Ärger auch noch Recht haben wollen. Für eine Entschuldigung wegen der Umstände mit dem Zylinder ist das Recht verwirkt: Wegen Nichtzahlung. Als Buchhalter talentiert addiere ich den Mitte September und die Anfang November, subtrahiere als zweites gleich den Brutto-für-Netto-Effekt namens "Lieferfrist" für den Zylinder und fühle mich inzwischen unschuldig. Die Dinger oben an der Tür, die die Tür wieder zurückschieben, wenn die Tür aufgemacht wurde, nennt man "Dikatator". Ist ein Schlüsseldienstthema, siehst du ja jetzt.
Dass ich die zu Unrecht erhobenen, in Rechnung gestellten Zustellungskosten an eine falsche Adresse mitbezahlt habe, ohne zu murren, gut. Was die Leistung betrifft, so kann ich sagen: Der Zylinder war mir definitiv zu teuer und seine Lieferung dauerte zu lange. Was das Kostenangebot für eine Großschließanlage anging, ist das ein gutes Angebot. Da ich ein Multiplikator bin, gilt das auch für von uns vertretene Mandanten.
Deswegen nur "ein Stern".
release:
1.0: 18.02.13, Ursprungsfassung
2.0: 02.04.13, überarbeitet, gestrafft
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Bundesallee 95, 12161 Berlin
In der letzten Ecke der Bundesallee ist hier das Bewußtsein des Südberliners gar nicht so sehr auf Flanier- und Freßmeile. Insiderwissen, diesen Teil der Straße (noch) als Bundesallee zu begreifen. Gleich rechts vom Ratana ist ein Vierfarben-Quietschebuntdruck-Chinese mit goldfarbenen Winkekätzchen.
Thomas Gotthal
am 20 November 2012
(aktualisiert am 2 Dezember 2012)
Gegenüber Jacques Weindepot. Das Restaurant übersieht der geflissentliche Gourmet schnell hochmütig, draußen dran steht "und Café" auf der Beschriftung. Das geht gar nicht: Café und Restaurant, das klingt nach Bauchladen, Verniedlichung, nach Bistrocharme. Der Mensch fürchtet kleine rundliche Marmortischchen mit Gußstützfüßen.
Diesem Eindruck von außen steht das Restaurant innen entgegen. Der Fußboden ist "musche-musche" braun diagonal zu den Umfassungswänden verfliest, zu rustikal. Dafür sind die Sitzmöbel asiatisch schlicht, ohne Tüll und Gardine. So wie die Möblierung hier ist, passen einige Gäste hinein. Warum also auch anders bestuhlen?
Der Eindruck der Speisekarte: lesbar, übersichtlich und profund. So schmecken auch die Gerichte: Ausgewogen, thailändisch authentisch, aber nicht autistisch. Die Frau, der dies Gewerbe gehört, ist eine fleißige, schöne, sehr bemühte und nette thailändische Gastronomin mit einem asiatischen Migrationshintergrund. Sie ist so in der Art, wie ich solche Gastronominnen sehr gern mag. Sie ist ausgezogen, von ihrer Heimat gutes zu berichten. Diesem selbst auferlegten Anspruch wird das Restaurant gerecht.
Ich saß hier neulich versehentlich, auf dem Weg zu einem anderen Termin. Hatte noch Zeit, die ich nicht nutzlos verstreichen lassen mochte. Als Lückenfüller kam eine thailändische Durchschnittsmahlzeit in Betracht und trotz allem, was ich auf der Straße las, siehe oben, ging ich frohen Mutes in die Lokalität hinein. Es war rege besucht und übrig geblieben war nur eine Sitzgruppe von Tischen zu je vier Plätzen, die näher aneinandergerückt zum Hinsetzen auffordert. Niemand hat hier die Absicht, die Bestuhlung auseinanderzurücken, schon gar nicht eigenmächtig. Also setzte ich mich als "Solist" allein mittenmang die Sitzanordnung weiterer Sitzfleischfetischisten.
Um nur wenig später einen thailändischen, schon fortgeschritten gereiften Mann im Gefolge von zwei jungen Frauen zu gewärtigen und die drei fragten, ob sie sich hier mit ransetzen dürften? Ich sagte: "Ja" und so geschah es auch. Seine Frau, erklärte der thailändische Sitznachbar mir, sei nur noch kurz einen Parkplatz zu suchen. Wie ein Sachverständiger führte er seine zwei jungen Frauen in die thailändische Küche ein, während die "beste Ehefrau von allen" nunmehr herbeieilte. Sie auf mich entschlossen, freundlich lächelnd zugehend: "Ich bin Ingrid und Du?" Ich: "Thomas" und Ingrid auf eine der zwei jungen Frauen zeigend: "Du bist der Mann von ihr?" - ich so: "Nein, ich sitze hier nur zufällig, bin im übrigen anderweitig gut verheiratet und habe vier Kinder." Gekicher.
Ingrid ist seit dreiundvierzig Jahren mit meinem thailändischen Nachbar-Sitzfleischinhaber verheiratet, verlebt sechs Monate im Jahr in Thailand und den Rest in Berlin. Hier im Ratana ist sie regelmässig. Sie weiß Thai so zu schwätzen, das man als Unkundiger eine fortgeschrittene Gesprächstiefe darin vermutet. Wäre ihre Gesprächstiefe meine Müdigkeit, so schliefe ich längst. Sie lobt das Restaurant, ebnet mir den Weg in die Welt des Ratana. Einen Nachteil hat der angebrochene Interimsabend hier schon: Es ist nicht ganz leer, weswegen die Chefin (zu) lange braucht, mich zu bedienen.
Schliesslich bestelle ich auf Ingrid´s Fürsprache hin mein übliches Testkit "Yam Nueah" (Rindfleischsalat, Vorspeise, 6,80 €) und eine "kross gebratene Dorade in süß-scharfer Chilisauce" (Hauptspeise, 14,80 €). Von beidem weiß ich zu berichten: Diejenigen, die diese Gerichte beherrschen, werden meine Empfehlung als "kundiges Restaurant" erwerben. Astronomisch erlebnisgastronomisch. Ihr versteht?
Die ganze Kür des Abends besteht darin, das ich in Eile bin und nun weg muss. Mit Ingrid habe ich sehr viel geredet. Eine ungeheure Bereicherung. Sie strafte mit Eloquenz mein Interimsdasein Sünde, die abzubrechen ich nicht in der Lage war, Sachzwänge des Alltags.
Wie um mich selbst zu vergewissern, ich könne dieses Restaurant tatsächlich (ganz wirklich) empfehlen, sucht ich den Laden ein weiteres Mal auf. Das gestrige Testkit ist hier ebenfalls fotografisch abgebildet. "Yam Nueah", diesmal nicht als Vor-, sondern als Hauptspeise. - Kein Problem. Wir verständigten uns auf "thailändisch scharf" und ich darf zutreffender Weise hinzufügen, wer diesen Schärfegrad bestellt, muss Mut besitzen oder den Willen zu einem eisernen Schärfegrad-Training, von dem selbst ein Lance Armstrong hinterher leugnen würde, es besäße die Qualität eines fortgeschrittenen Dopings. Thaischarf kann so scharf sein, viel schärfer noch als scharf.
Fazit: Ich mag den ganzen Laden, ich mag die Frau, der der Laden gehört, ich habe auch den Koch gesehen. Ihm gebührt mein Respekt. Der kann Thai, sie kochen hier für eine Verbesserung der Weltgrundstimmung aus lukullischen Gründen. Was das Restaurant Ratana betrifft, weiß ich zu berichten, dass dieses Restaurant mitnichten ein Café ist. Es ist ein vollwertig abgerundetes und von jedem möglichen Denkritt eigener Gedanken her guter Verköstigungsort für die Geschmacksknospen. Gehobene Qualität. Ich mag den Laden und bin hier bald wieder anzutreffen. Mein Tipp: Hingehen und ausprobieren.
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Rheinstr. 27, (Gründungsgeschäftssitz), Berlin
Thomas Gotthal
am 22 November 2010
In den frühen Fünfziger-Jahren gründete ein gewisser Herr Kühne an diesem Ort (der hiesigen Anschrift) das erste Ladengeschäft für "Heilkräuter aus aller Welt zu volkstümlichen Preisen" (Eigenzitat Fa. Kräuter Kühne, Firmenprofil). Und so sieht übrigens auch heute dieser (erste) Laden der auf Filialnetzgrösse angewachsenen Ladenkette aus: volkstümlich, irgendwie eigentümlich, aber "volksnah" und robust, übersichtlich sowie gutsortiert. Aufgeräumt. Alles ordentlich beschriftet.
Jedes kleine Kind war einmal in einem solchen "Kaufmannsladen" und jedes große Kind erinnnert sich gern dran. Die erste Würzerfahrung machten wir im eigenen Kaufmannsladen aus Holz, inzwischen eher aus Plaschte. Die Stammwürze unseres Lebens bestand früher aus "Maggi" in kleinen Fläschchen, die wir vorsichtig aufschnitten und wo richtiges Maggi drin war. Das legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte sondergleichen und Maggi ist für viele der Inbegriff einer normalen Alltagswürzerei auf bezahlbarem Niveau. Zu volkstümlichen Preisen eben.
Womit wir wieder Kräuter-Kühne beim Wickel haben. Also einem Wickel von verschiedenen Gewürzen, sozusagen! Nicht Waden-. Aus ehernen Firmengrundsätzen des Firmengründers ist inzwischen generationsbedingt eine Kräuter Kühne GmbH geworden, die aktuell von zwei Geschäftsführern namens Kühne -oh Wunder!- geführt wird.
Heilkräuter, Arzneitees, Arzneipräparate, Tees, Bonbons, Gewürze: das Sortiment von Kräuter Kühne ist ausgeklügelt. Bockshornkleesamen? Kein Problem, aber nur gemahlen, ja? Sternanis? Na klar! Ich habe zwei Fotos von den Schaufensterauslagen im "Stammgeschäft" Rheinstr. hochgeladen.
Als ich kürzlich für eine komplizierte Curryzubereitung aus der indonesischen Küche (Nasi Rendang, wem das was sagt) im gegenüber liegenden besten, aller Berliner Asiensupermärkte Vinh Loi zwar schwarzen, aber keinen grünen Kardamon und Bockhornklee nicht fand, kam mir die durchaus gewitzte Idee, es bei Kräuter Kühne zu versuchen. All diejenigen Sachen, die ich gewürztechnisch bei Vinh Loi vermisste, so stellte ich mir etwas mißmutig vor, könnte ich eventuell bei Kräuter Kühne ergattern. Die Idee war übrigens so schlecht nicht, stellte sich heraus. Mein Einkaufsportfolio für das "schwierigste Curry aller Reussen" (berolinischer Globalisierungsbegriff) war hinterher komplett aufgefüllt, mithin lückenlos.
Also, ich mag dieses etwas "alt anmutende", irgendwie anheimelnde, dass sowas hat von der Werbung für Storck-Riesen Bonbons und wo der Junge in seiner Kindheit schwarzweiss vor dem großen Bonbonglas steht und sehnsüchtig paar Storck-Riesen bestellt. So ähnlich komme ich mir in dem ältesten aller derzeit 17 Filialen (Berlin, Hannover, München) vor und die Lust, noch herauszufinden, was ich alles noch nicht kenne, eventuell dran zu riechen (nicht zu nahe ran gehen!) und zu sagen: "Ja, davon bitte noch ein Beutelchen", ist ausgesprochen groß.
Die Galle ist mir jedenfalls noch nicht hochgekommen beim Einkauf bei Kräuter Kühne und sollte sie es einmal tun, bin ich ja bereits im richtigen Laden, um mir wirksame Heilkräuter zu besorgen.
Abteilung Wünsch Dir was!
Wenn ich mir zu Weihnachten, Ostern, zum Namenstag oder zum Geburtstag etwas von Kräuter-Kühne wünschen dürfte, dann höchstens das, noch intensiver in den asiatischen Gewürzraum einzusteigen, sich stärker im Orient sachkundig zu machen und auch abseitig der "Gewürzstrasse nach China" wachsende Kräuter und Gewürze zum Kauf anzubieten. Und vielleicht sogar eine Art "Samenvertrieb" aufzubauen, mit umfassenden KnowHow über Aufzucht, Hege und Pflege von so tollen Pflanzen, wie Chilis aller Art und aller Kontinente, asiatischem Grünkoriander oder bspw. thailändischem Basilikum. Alles auch frisch zu verlegen zum Zwecke des Verkaufs, das erschiene mir noch eine unbeackerte Rasennebenfläche der ältesten Kräuterhexe von Berlin. Wo bekommt man eigentlich frische indische Curryblätter für jeden gewöhnlichen Tag und ohne besondere Scherereien? Ich ahne: nirgends.
Sollte mir einmal eine Laus über die Leber, ich wage gar erst nicht erst, daran zu denken....
Der Firmengründer von Kühne, Hans-Joachim Kühne führte ein langes Leben, geboren Juni 1918 und verstorben im Mai 2009. Der Impetus ist dabei, dass Bewegung nur möglich scheint, wo und so lange eine Kraft dort wirkt. Er war der spirituelle Impetus der Firma und die "Seele des Geschäfts" und wäre ein solch langes Leben nicht auch eine Art Visitenkarte für jeden anderen, der mit Heilkräutern und Gewürzen handelt? Der Impetus wirkt weiter, so lange sich die Nachfolgergeneration auf die historischen Kernkompetenzen von Firmenführung, Geschäftsleitung und Wirken versteht, denkt man einen Moment. Der Gedanke muss nicht stimmen.

cynopz Kurz zu diesem Text : Der Verfasser ist ein Vollpfosten, der seine Wünsche und seine Unkenntnis mixt und dann erbricht.
24 März 2013
Thomas Gotthal Dass die Vögel der Sorge und des Kummers
über Deinem Haupt fliegen,
kannst du nicht ändern.
Aber dass sie Nester
in deinem Haar bauen,
das kannst du verhindern.
(Martin Luther)
24 März 2013