10.02.2008
5
Recht hat er, mein Vorredner. Eine Grachtenrundfahrt ist was Feines. Am besten bei schönem Wetter, denn bei Regen können die Fenster der extra flach gebauten Rundfahrtboote schon mal beschlagen. Und flach müssen sie sein, diese Boote, denn sie müssen unter den Brücken hindurch von denen es im "Venedig des Nordens" unendlich viele gibt. Und möglichst flach mussten sie sein, diese Brücken, denn in früherer Zeit musste den beladenen Wagen mit Muskelkraft nachgeholfen werden, um über den Hubbel zu kommen. Cargadoor - Car fahr weiter (Wagen hauruck) riefen dann die schiebenden Männer im Chor und es war ein Beruf, der sich so nannte. Cargadoor. In Utrecht gibt es bis zum heutigen Tage ein Haus, das so heißt. Da saßen die Cargadore zusammen und warteten auf Kundschaft, die es zu schieben galt. Und in Amsterdam gibts eine Brücke, bei der sogar die erste von Pferden gezogene Straßenbahn noch von Cargadoren angeschoben werden musste.
Soviel zu den Brücken über den Booten. Die Brouwersgracht, das ist die Brauersgracht, wo früher die Brauereien ihren Sitz hatten und wenn mann dann weiß, dass die ein Riesengeschäft machten mit der Versorgung der Schiffe, die von Amsterdam aus in die ganze Welt segelten. Bier war Proviant, haltbar und damals nicht so stark wie heute. Da gibt es während der Rundfahrt den Schreierstoren zu sehen, den dicken Turm am Hafen, von dem man sagt, dort standen die weinenden, schreienden Angehörigen der Seeleute, die dem ausfahrenden Schiff nachwinkten. Das an Bord befindliche Bier wird nur ein kleiner Trost für die Scheidenden gewesen sein und viele der Seeleute kehrten ja auch nie zurück.
Vom Rundfahrtboot aus sieht man die verschiedenen Grachten, nicht nur eine, denn Amsterdam hat einen Grachtengürtel. Die Grachten sind von menschenhand gegrabene Kanäle, die vor allem dem Warentransport dienten. Aber auch der Kanalisation. Alle Abwässer kamen dort früher hinein, in mittelalterlichen Zeiten, als auch in deutschen Städten der Pisspott geleert wurde, indem man ihn einfach aus dem Fenster kippte. Bis zum heutigen Tage werden die Grachten in Amsterdam des nachts geflutet, obwohl schon längst kein "Nachtspiegel" mehr in die Gracht entleert wird, ach Leute, Heute ist nicht besser als früher, heute stehen die Männer nach durchzechter Nacht an der Gracht und verrichten ihre Notdurft und das ist bei Strafe verboten.
Man schaue auf die Grachtenhäuser. Treppengiebel, Halsgiebel, Schnabelgiebel, Glockengiebel, Leistengiebel... Eine Pracht. Die Grachten heißen ihrer Bedeutung nach. Amsterdam ist eine wirklich besondere Stadt. Einzigartig und außergewöhnlich. Das wichtigste in dieser Handelsstadt waren schon immer die Herren. (die Kaufleute), dann kamen die Kaiser und dann die Prinzen.
Und genauso sind die Grachten von innen nach außen angeordnet.
Singel, Heerengracht, Keizersgracht, Prinsengracht.
(Anne Franks Eltern betrieben ein Geschäft in der Prinsengracht.
Bis heute ist das Zimmer dieses Mädchens zu besichtigen. Und die alte Kastanie im Hof des Hauses durfte auf gerichtliche Anordnung nicht gefällt werden. Denn Anne beschreibt diesen Baum in ihrem Tagebuch und dieser Baum ist ein Monument in der Literatur geworden. Baum und Erinnerung bewahren. Das ehrt die Stadt Amsterdam.)
Die Kranhaken im Dachfirst heißen Aufzugbalken und die hat auch jeder heute entstehende Neubau. Da schweben die Möbel beim Umzug außen an der Hauswand vorbei und schwingen elegant durch die Fensteröffnung in die Wohnung hinein. Schwitzend bugsiert natürlich und die Fenster kann man zu dem Zweck ganz herausnehmen.
Wer nun mal gucken möchte, wie eine Gracht von innen aussieht, der besuche einfach mal den Amsterdamer Zoo. Der heißt Artis und liegt mitten in der Stadt. Klein aber fein. Eine Oase der besonderen Art. Da gibts eine Gracht im Querschnitt zu bestaunen, versenkte Fahrräder inklusive. Die in Amsterdam Fietsen heißen. Fiets mit s.
Ergänzend gibts noch zu berichten, dass bei Smits Koffiehuis auch die Museumsboote abfahren. Die fahren auch durch die Grachten und halten bei jedem Museum. Da kann mensch aussteigen und später zu gewünschter Zeit wieder weiterfahren. Und es gibt auch das Wassertaxi. Das erfüllt individuelle Wünsche.
Amsterdam ist eine tolle Stadt. Wenngleich auch diese Stadt von der Realität eingeholt wurde.
Ich wünsche allen Reisenden einen herrlichen Aufenthalt.
(Und auf seine Siebensachen muss mensch in allen Großtstädten dieser Welt aufpassen. Auch in Amsterdam.)
Noch Fragen? Immer raus damit.
Gute Reise wünscht
Hexje
Stichworte
bier, herren, giebel, brücken, kaiser, prinzen, amsterdam, aufzugbalken, brauer, annefrank
|
Bedenklicher Inhalt?
|
Kompliment