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Beitrag zu Tierärztliche Klinik für Kleintiere vom 16 April 2013
Oft liest man doch von verärgerten Tierhaltern, denen von Tierärzten
eher Geld aus der Tasche gezogen wird, als dass ihren Tieren geholfen
wird. Nun war ich auch an der Reihe. Mein kleiner Wellensittich hat seit
Längerem Kotauffälligkeiten (normale Form, aber weicher und hellgrün).
Dazu gesellen sich weitere Symptome: Aufplustern, Antriebslosigkeit,
leicht sichtbare Hautstellen unter den Flügeln, Schnabel-Brüchigkeit,
Flügelzittern.
Hin und wieder hat er zwar gewisse flug-und bewegungsaktive Phasen, da
glaubt man, er sei wieder fit, doch diese sind kurz. Grundsätzlich spüre
ich aber, dass er nicht gesund ist und was "ausbrütet".
Nun ergab sich, dass ich trotz des Verständnisses, warum immer wieder
auf die wichtige Vogelkundigkeit bei Tierärzten hingewiesen wird, keinen
Termin bei einem gut erreichbaren Spezialisten bekommen konnte. Da mir
das irgendwann dann zu lang dauerte, bis ich eine Lösung fand, sagte ich
mir: "Besser zu einem Tierarzt, als zu keinem." Dieser Gedanke ist ein
Irrtum. Heute, nach einem ziemlich enttäuschenden Tierarztbesuch muss
ich den Satz umformulieren: "Beim Vogel lieber kein Tierarzt, als ein
nicht vogelkundiger".
Es fing dort an mit dem Pseudointeresse der Assistentin an der
Rezeption. Floskeln und Vermutungen, auf die man auch selbst schon
gekommen sein dürfte. Die blonde Laufsteg-Stelze war Mitte 20 und
meinte, es könnte nach Schilderungen der Symptome wohl eine
Mangelerscheinung sein.
Nun, in der Hoffnung, dass der Arzt mehr untersuchen würde, als
spekulieren ging es dann in den Behandlungsraum. Die Tierärztin hört
sich meine Beobachtungen an und tippt sie in den PC. Doch was macht sie
anschließend? Sie öffnet die Zimmertür und holt sich die blonde Stelze
mit der Bemerkung: "Falls sie festhalten muss". Haben wir es hier mit
einem Pottwal zutun, den man mit mehreren bändigen muss?
Nunja, nach einigen weiteren Schilderungen der Symptome beauftragt die
Ärztin das blonde Assistenten-Hühnchen den Vogel aus dem Kleinkäfig zu
holen. Was dann kam, veränderte meinen Puls.
Diese dürre Mitarbeitern, von der Aura einer Praktikantin schleicht zum
Käfig, öffnet die Tür und fuchtelt in Zeitlupe darin herum, wie in ihrer
Handtasche, um ihren glitschigen Lippenstift zu erwischen. Sie schien
zeitweise zu vergessen, dass das ein flugfähiges Tier ist.
Der verängstigte Vogel weicht ihr unentwegt aus und das natürlich mit
Erfolg. Die dilettantischen Handbewegungen waren einfach nicht zu
ertragen. Ich zählte die Sekunden bis der Vogel dann aus dem Käfig
entwischte, was dann natürlich auch passierte. Jetzt fliegt der Vogel,
der mit Leichtigkeit , kurz und schmerzlos aus dem Käfig hätte genommen
werden können, im Arztzimmer herum.
Die Ärztin schaltet das Licht daraufhin aus, während die bleiche
Blondine ihre Lack-Griffel nach oben wirbelte, als wenn sie dem in
Todesangst steckenden Vogel signalisieren wollte: "Komm zu mir, kleiner
Vogel, ich bin doch nur blöd und nicht böse."
Dann, nach zwei Minuten erschöpfendem Freiflug in beängstigender
Dunkelheit sackt das Tier in einer Ecke herunter, sodass ich glaubte,
dass es sein letzter Flug war. Beide Weiber stürzten sich auf den
gefährlichen Greifvogel und die Ärztin "begutachtet" das Federvieh.
"Ganz schön dünn, man fühlt die Knochen".... mehr Erkenntnisse gab es
nicht. Was macht die Frau nun, nach dieser aufreibenden
Fang-Veranstaltung? Sie bittet die Assistentin den Vogel wieder in den
Käfig zu lassen.
Der arme kleine Piepser musste all das über sich ergehen lassen, damit
eine ahnungslose Ärztin feststellen konnte, dass er zu dünn ist.
Kropfabstrich, sonstige Überprüfungen auf welche Krankheiten auch immer?
Fehlanzeige. Als ich sie auf all die Möglichkeiten und zu prüfenden
Aspekte ansprach, floskelte sie in einer Tour, dass das eher unpraktisch
wäre. Dass der Vogel dies nicht aushalten würde, und aufgrund seiner
Geschwächtheit (die eigentlich noch gar nicht besonders ausgeprägt ist).
In der Summe wollte sie eigentlich sagen, dass jede nähere Untersuchung
einer Risiko-Abwägung nicht standhalten würde und man daher lieber
weniger macht, als zu viel. "Was nützt dem Vogel eine Untersuchung, die
er nicht überstünde?" Meine Meinung, die ich auch äußerte war: "Was
nützt dem Vogel keine Untersuchung, welche er aufgrund der sich daraus
ergebenden Verschlechterung des Zustandes und Nichtbehandlung nicht
überstünde?"
Sie meinte Blutabnahmen wären nicht praktikabel, da ein Vogel sein Blut
braucht und eine genügende Entnahme wäre eventuell mit tötlichem
Blutverlust verbunden. Auch ein Kropfabstrich wäre zu heikel, bei der
Gebrechlichkeit.
Mir blieb nichts mehr übrig, als sie darauf aufmerksam zu machen, dass
sie nicht vogelkundig ist. Sie redete daraufhin um den heißen Brei herum
und beschönigte diese Tatsache. Letztlich erkannte sie, dass ich sehr
unufrieden war und las aus meinen Aussagen und meinem Gesichtsausdruck,
dass ich den gesamten Besuch bedauerte. Erst dann kam sie nach und nach
dazu, mir als Fazit einen Vogelspezialisten zu empfehlen.
Die Kritik, die ich an diese Behandlungsstrategien richte, liegt nicht
darin, dass dieser Arzt eben nicht vogelkundig ist. Sondern darin, dass
ich ihr den einzigen Rat, der letztlich von Belang war, erst aus der
Nase ziehen musste. Hätte ich das nicht getan oder erkannt, dass sie
völlig unfähig auf dem Gebiet ist und nicht einmal die grundlegenden
Behandlungsprinzipien bei Vögeln beherrscht, hätte sie mich nämlich
nicht an einen Spezialisten verwiesen und die Vogelkompetenz weiter
vorgetäuscht, die von Anfang an nicht vorhanden war.
Authentisch und korrekt wäre gewesen, den Vogel nicht zu behandeln, gar
nicht erst diesem sinnlosen Stress auszusetzen und mich direkt an einen
Fachmann zu vermitteln. Und genau das machen diese "Tierfreunde" nicht.
Lieber 45 Euro aus 10 Minuten Gefasel quetschen, als von Anfang an die
Karten auf den Tisch zu legen.
Dann schaffte sie es noch, mir "Bene Bac" und Korvimin anzudrehen, um
das mal "auszuprobieren". Wenn ich mich nicht täusche ist genau das Zeug
die Allzweck-Waffe bei hoffnungsloser Ahnungslosigkeit.
NUR NOCH VOGELKUNDIGE TIERÄRZTE !
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