Mein Lieblingsplatz Zu Guides hinzufügen Als E-mail versenden

Werben Sie hier mit einer Qype Premium Anzeige (mehr...)

Qype Advanced Insider 2099
Benutzerfoto: Kormoran

Kormoran

Kompliment Kormoran (19.02.2008) 2

Für manche Menschen ist es eine große Gnade eine gute Nase zu haben, z.B. für einen Parfümeure. Auch für einem Koch kann ein gutes Riechorgan und der damit ausgeprägte Geschmack von großem Vorteil sein.
Obwohl ich ein Kormoran bin, habe ich einen sehr guten Geruchssinn und auch das entsprechende Erinnerungs-Archiv in meinem Gedächtnis. Das ist manchmal von Vorteil: beim Fischhändler, wenn er einen Fisch in 5 Meter Entfernung hochhält, ich sofort den Verwesungsprozess rieche und ablehne. Aber oft genug ist es für mich eine Last, z.B. in der U-Bahn, diese Fülle von Gerüchen und die Erinnerung mit den verbundenen Erlebnissen der Menschen zu riechen und zu erleiden.
Sobald ich die riesige Hofanlage (Viereckhof) in Bischofswerder betrete und einen Schritt in verschiedene Eingangsbereiche der Gebäude mache, überwältigen mich die Kaskaden der Erinnerungen. Kann man Geschichte riechen?
Eindeutig riecht es nach Militär, Pferden, Kranken, Pilzen, Konserven, Angst der Menschen und den verschiedenen Versuchen mit Reinigungsmitteln den Gerüchen Herr zu werden.

Bischofswerder war zeitweise der mächtigste Minister Preußens und ein Freund des Königs Friedrich Wilhelm II. Das Land-Gestüt 1789 begonnen, diente bis 1806 als Hengstdepot mit über 100 Hengsten.
Vom Lazarett zum Traindepot der Garde-Train-Bataillons zur Champignonzüchterei zur Konservenfabrik Karl Rost und nach der Weltwirtschaftskrise Landjahrheim, Führerschulungslager und zur Reichsfachschule.
Nach der Zwischennutzung durch die Rote Armee wird es zur Parteihochschule Karl Marx der SED, Wandel zur Landesparteischule Friedrich Engels und zum Institut zur Ausbildung von Politleitern der MTS, schließlich Institut zur Ausbildung von Funktionären für die sozialistische Landwirtschaft
Heute heißt es hier stolz: Preußischer Hof und nennt sich Vital- & Seminarhotel mit 4 Sternen.

Der Hofanlage sind auch die letzten Jahre der Vergangenheit an Putz- und Fenstertechnik noch gut anzusehen, aufgrund der Grösse des Objektes blieb es an vielen Bauteilen bei einer Pinsel-Sanierung.

Fast benommen von der Gerüchevielfalt und den Abdrücken der Erinnerungen mit Überreaktionen meines Gehirns bis kurz vor dem Erbrechen stolpere ich über die Rezeption in den Gastraum.
Die vielen anwesenden Gäste halten in ihren Gesprächen kurz inne, schauen auf meine grau-schwarze Erscheinung und murmeln weiter.

Hier also wollten wir die Küche vom Chefkoch Thomas Stoffel und seinem Team testen, der hier nach Angabe regionale Speisen und erlesene Kreationen der internationalen Küche, heimisches Wild aus den umliegenden Wäldern und frischen Fisch aus den Brandenburger Seen serviert.

Oh Graus, gleich beim Betreten sehe ich das Buffet: heute ist Sonntag = in Brandenburg oft Brunchtag.
Wenn ich etwas hasse, ist es diese Brunchkultur. Abgestandener eingekochter Braten-und Schinkenduft, festes angetrocknetes Kartoffelpüree reihen sich an eine Fülle von Duftüberlagerungen mit abgestandenem Reis, Früchten, Wurst, Schinkenscheiben, Rührei, Brühkaffee und Sekt.

Der noch sehr junge Kellner hat uns entdeckt und zeigt uns einen der wenigen Plätze. Verwundert war er, dass wir um 13.00 Uhr "a la carte" essen möchten.

Wir wählten Kraftbrühe vom Tafelspitz mit Gemüseeinlage, 1/2 Bauernente mit Rotkohl und Klösen, Schnitzel vom Jungschwein mit Salat und Bratkartoffeln und Getränke: Radeberger Bier, Mineralwasser.
Die Wartezeit war natürlich aufgrund des Brunchtages länger.
Die Kraftbrühe hatte leider deutlich Fondorzuschläge, das Gemüse war bereits zu weich geworden, die Ente war sehr trocken, der Knödel roch stark nach Fertigprodukt, die Schnitzel in der Grösse in Ordnung, nicht richtig braun und doch schon trocken.
Überraschend schmeckte am besten der gemischte Salat und die Bratkartoffeln waren große Klasse. Das Service-Personal wechselte mehrmals am Tisch, war sehr freundlich, wenn auch nicht immer informiert.
Alles in allem für zwei Personen 51,30 €uro incl. Espresso aber ohne Nachtisch kein Schnäppchen. Den dargestellten höheren Küchenanspruch konnten wir weder in der Speise-Karte noch in den probierten Gerichten erkennen.

Die Restaurants in dieser Gegend sind jedoch dünn gesäht und wer eine nicht ganz so feine Nase hat und die Geschichte ruhen lassen kann, findet hier eine unaufgeregte normale Küche.

Stichworte , , , , , , ,

Kommentare (12) Bedenklicher Inhalt?

Schreibe einen Beitrag zu „Hotel Preußischer Hof”

  • Deine Wertung:
  • Wieviele Sterne?
Stichworte
Beliebte Stichworte: geruch, geschichte, gestüt, hotel, restaurant

Youtube Video hinzufügen

Schreib einfach so, als würdest Du mit deinem besten Freund sprechen.
Bitte keinen Spam, keine Internetseiten, keine Eigenwerbung und keine Privatpersonen kommentieren.
Hier geht es zu unserem Verhaltenskodex.

Verzeichnis: # A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Diese Seite aufUser_language_en_icn EnglischUser_language_fr_icn Französisch ansehen