S. Maria di Siponto, Siponto

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S. Maria di Siponto - Siponto

Beiträge zu S. Maria di Siponto (1)

03.03.2008

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Siponto am Fuße des Gargano, ein Platz auf dieser Welt, den ich um jeden Preis sehen wollte auf meiner ersten Apulienreise vor vielen Jahren. Zu Füßen des Monte Sant'Angelo, eines der drei berühmten Michaelsberge, liegt das Örtchen, das in der Antike eine bedeutende Stadt war, mal griechisch, mal römisch, ehe es im Mittelalter geschleift wurde. Nicht von einfallenden Feinden, nein, vom eigenen Herrscher, dem Nachfolger und illegitimen Sohn des zweiten Friedrich, Herrscher beider Sizilien, Stupor mundi und der Pugliesen Lieblingstyrann. Sohn Manfred hatte den Gesundheitszustand seiner Untergebenen im Sinn, als er Sipontum dem Erdboden gleich machen ließ, um den tödlichen Sumpfstreifen am Adriatischen Meer trockenzulegen. Diverse Erdbeben hatten ihm diese Arbeit nicht abgenommen.

S. Maria di Siponto blieb übrig, ein Kirchlein im byzantinisch-romanischen Stil, in dessen Krypta der britische Italienreisende H.V. Morton in den sechziger Jahren noch die abwegigsten Exvoto-Gaben vorfand, darunter ein verschlissenes Hochzeitskleid, das von Gott weiß was für einem Wunder zeugte.

Die Moskitoplage war längst eingedämmt, die Malariasümpfe ausgetrocknet, die Bevölkerung unter Zwang in die aus den alten Steinen Sipontos neu erbaute Hafenstadt Manfredonia umgesiedelt. Das Kirchlein steht immer noch, auf quadratischem Grundriss mit einer Kantenlänge von 18 Metern, schon neunhundert Jahre. Es hat ein wunderschönes Portal, Säulen, die sich auf Löwenrücken stützen und diese Krypta, die die Madonna inmitten ihrer Geschenke beherbergt.

Mehr kann ich dazu nicht sagen, kein Eintritt, keine Besichtigung: Hier wurde geheiratet. Das wusste ich schon, hier wird viel geheiratet. Normalerweise würde ich mich ja schamlos unter die Hochzeitsgäste schummeln und sogar, um nicht aufzufallen, die ganze Zeremonie aushalten: Weihrauch, Singsang, Predigt, Ringetausch, Segen, bis der Padre (wohl doch nicht Padre Pio) die ehrenwerte Gesellschaft in die Mittagshitze entlässt.

Hier hielt mich etwas davon ab, mich auch nur auf halbe Schußweite dem Portal zu nähern. Die Limousinen auf dem Vorplatz waren schwarz und sahen stark aus, verstärkt sozusagen. Die Braut war zart, sehr jung und verhuscht, der Bräutigam grantig und ansonsten ein Sohn. Sie gaben sich fragende Blicke aus der Ferne. Auch die Hochzeits-Gesellschaft wirkte eigenartig angespannt, keine Heiterkeit, keine Gelassenheit bei den Mitgliedern der Familia bzw. der Familien. Oder ließ ich mich vom vorherrschenden Schwarz täuschen?

Die Leibwächter, an der Zahl, teilten sich auf, drinnen, draußen, rundherum. Der Sand auf dem Vorplatz glühte, die Luft flirrte. Mir kam in den Sinn, wie es sich hier wohl einst angefühlt haben mochte, in der anderen Schwüle, als die Sümpfe noch ihre Mücken ausbrüteten. Besser jetzt! Eine bemerkenswerte Kulturleistung. Dinge sind also zu ändern, sagt die Fortschrittsgläubige. Um welchen Preis, fragt die Kulturkritische.

Einig sind sich beide Kopfanteile aber darin, dass es wohl doch noch so einiges an Sumpf auszutrocknen gilt, nicht nur im Süden Italiens.

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