Adresse: Via IV novembre 4, Monselice
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gargano (12.07.2008)
In den nahen Kurstädten Abano und Montegrotto in den Euganäeschen Hügeln (Colli Euganei) südlich von Padua ging es auch schon mal nobler zu: heute verkehren und kuren hier vor allem Menschen mit schmalem Geldbeutel ihr Zipperlein. Der Glanz früherer Tage ist dahin.
Knapp fünfzehn Kilometer südlich, kurz vor dem netten Provinzstädtchen Monselice, geht es feudaler zu: auf dem Castello di Lispida bei Alessandro und seiner Familie. Das ehemalige Kloster nahe Padua und den Euganeischen Hügeln ist heute ein wundervoller Herrensitz mit wenigen aber sehr stilvollen Zimmern. Insgesamt stehen sechs schöne Zimmer zur Verfügung (ab 90 € für zwei Personen), im kleinen Turm gibt es auch noch die Ferienwohnung “La Toretta”. Kleiner Nachteil: auf dem Schloß gibt es kein Restaurant. Ist aber kein wirkliches Handicap - die Auswahl sehr guter Lokale in der Umgebung ist erfreulich groß.
Die Geschichte von Lispida als Kloster ist bis ins 12. Jahrhundert urkundlich belegt. im 18. Jahrhundert gingen Kloster und Ländereien in Privatbesitz. Im ersten Weltkrieg nutzte Italiens König Vittorio Emanuele Lispida kurzfristig als sein Hauptquartier.
Alessandro, der Hausherr, verdient sein Geld mit einem großen Campingplatz an der Adria bei Venedig. Die Anlage “Union Lido” in Cavallino mit Stellplätzen für Zelte und Camper, Bungalows und einem Hotel ist vor allem bei deutschen Urlaubern ziemlich nachgefragt.
Alessandros wirkliche Leidenschaft aber ist der Wein und sein Schloß. Er baut einen Teil seines Rotweins in unterirdischen Amphoren aus. 3000 - 4000 Liter passen in einer der Amphoren. Absolute Spitzenklasse ! - leider auch vom Preis (ca. 25 Euro ab Keller). Excellent auch seine “normalen” Weine wie der Merlot (ca. 8 Euro), der gerne auch in der nahen Trattoria da Mario ausgeschenkt wird.
Alessandro ist ein hochintelligenter Mensch, wirkt zunächst sehr zurückhaltend, kann aber unendlich komisch sein. Er spricht sehr viel besser deutsch als er zugibt. Aber eine Privatführung durch seinen Weinkeller ist auch auf italienisch ein Genuß.
Die Zimmer sind klassisch-einfach eingerichtet mit historischen Möbeln und sehr großzügigen Bädern. Besonders hübsch ist das Badehaus im Schlossgarten, das mit Thermalwasser aus dem ehemals vulkanischen Untergrund gespeist wird. Alessandro hat es vor drei Jahren restaurieren lassen. Er würde gerne noch mehr Zimmer auf seinem Schloß für Urlauber anbieten - aber er liegt im Dauerclinch mit dem Denkmalamt. Und das kann in Italien dauern…
Das Castello di Lispida ist bei Italienern unheimlich beliebt: vor allem für Hochzeiten. Dann werden im Schloßpark weiße Zelte aufgebaut, in den alten Gemäuern wird getafelt, was das Zeug hält - und getanzt und gesungen ohne Ende (es kann also gelegentlich etwas turbulenter zugehen).
Lispida ist eine verkehrsmäßig günstig gelegene Basis für Besuche in Venedig, Padua oder Chioggia, für Wanderungen in den nahen Hügeln, für Radtouren oder für einen Golfurlaub.
Ach ja: auf dem Gelände des Castellos liegt auch noch ein kleiner See vulkanischen Ursprungs. Eigentlich darf man da nicht baden, eigentlich…aber Alessandro drückt ein Auge zu. Ein Bad im See ist um Klassen stilvoller als die Fangopackungen im nahen Abano.
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