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Kompliment meme (09.03.2008) 5

„Die meisten Menschen träumen ihren Traum – Karl-Heinz Voss lebt ihn“ - hat mir gut gefallen dieser Satz aus einem Zeitungsartikel, den ich auf Stenvorde.de gefunden habe. Und noch viel mehr habe ich dort gefunden – „meine Marita“ aus Kindertagen zum Beispiel. Auf einem der vielen Fotos lacht sie mir entgegen, in einem selbstgeschneiderten Kleidchen, mit unverwüstlicher Lockenfrisur. Wen wundert´s, ist Marita doch eine brave Schildkröt-Schönheit aus Celluloid mit fest eingebrannten Locken – und sie existiert noch, irgendwo in einer Kiste verstaut. Von der nächsten Puppe aus weichem Vinyl mit „echten“ Kunststoffhaaren weiß ich nicht mal mehr den Namen – war irgendwas modisches wie Bettina oder so. Gestrickt, gehäkelt und genäht habe ich aber auch für sie. Und ich bin sicher, ein ähnliches Modell würde ich ebenfalls in der wunderbaren Sammlung von Herrn Voss finden – denn nicht in irgendwelchen Kartons auf irgendwelchen Dachböden sollen diese Schätze aus der Kinderzeit versauern, sondern in angenehmer Gesellschaft weiterer Kinderträume - anzuschauen von allen, die Spaß daran haben.

Gefunden habe ich bei meinem Adventsspaziergang, von dem ich schon schrieb, aber zunächst mal nur dieses schöne alte Haus mit den freundlich erleuchteten Fenstern in der Kirchstraße. Da ich ja ein überaus neugieriger Mensch bin, hatte ich keinerlei Hemmungen, mich den hell erleuchteten Fenstern zu nähern, und mich mit staunenden Augen in einer Fülle von Erinnerungen zu verlieren. Eine ganz normale Wohnung – über und über dekoriert mit schönen alten Dingen. Ein Zimmer voller Spielzeug, eine Theke mit Parfümerie und Galanteriewaren, viele alte Tabak- und Zigarettenschachteln – Sorten und Marken, die Erinnerungen an eigene erste Versuche oder Menschen wach werden lassen.

Friseur und Galanteriewaren – Mouson und Tosca – Seifen, Wässerchen, alte Rasierpinsel und Gillette-Klingen – ja sogar Korsettverschlüsse gehören zum Fundus. Den weitaus größten Teil aber nimmt das liebevoll zusammengetragene Spielzeug ein. Jedes Teil hat seinen Platz und seinen Wert, keines ist minderwertig – er (Herr Voss) ist „ein Demokrat der Dinge, und gibt ihnen ihre Würde mit der schöpferischen Phantasie eines Kindes zurück“ wie Herr Lüttmann im Steinfurter Kreisblatt im Dezember 2006 schrieb (hier zusammengefasst und verkürzt wiedergegeben). Gefällt mir - diese Erklärung - ist so weit entfernt von Auswahl und Selektion, von Stil- und Profitdenken, ist einfach nur sympathisch, und beschert vielen Menschen kostbare Erinnerungsmomente.

Puppen und Bären, Pucki-Bücher (wer kennt die nicht) und Bilderbaukästen, Baufix, Matador, Blechspielzeug und Glasmurmeln, Holzperlen und Glanzbildchen (Steck- oder Stechbilder nannten wir die damals ihrer Blindtausch-Funktion entsprechend) – Schaukelpferde, Kaufmannsläden und Heerscharen von Spielen. Es gibt keine Ecke, die nicht vollgestopft wäre mit Zeugen der Vergangenheit. Man kann mit Fug und Recht von einer Zeitreise sprechen, wenn man sich nach Anmeldung bei Herrn Voss einfindet. Für sich selber braucht er nicht viel Platz – er lebt inmitten seiner Erinnerungen. Das muß er auch wohl, denn viel Zeit und Liebe gehört schon dazu, diese einmalige Sammlung in Schuß zu halten. Alle sechs Wochen beginnt er damit, jedes Teil – und sei es auch noch so klein – gründlich zu reinigen. Zehn Tage und länger ist er jedes Mal damit beschäftigt. Da kann man sich in etwa ein Bild von der Größe der Sammlung machen. Früher lebte er mit seinen Schätzen übrigens in einer 40 qm kleinen Wohnung, für ihn selber blieb da wohl nicht viel Raum. Nach dem Umzug in die Kirchstraße hat er mehr Platz, und kann seine Schätze angemessen präsentieren. Vielleicht ein bisschen so wie früher - in Form eines Ladens mit dem klassischen Sortiment Spielwaren, Tabak, Parfüm und Galanterie.

Schon sein Großvater gründete 1910 ganz in der Nähe ein Barbiergeschäft, das ständig erweitert und von seiner Mutter bis 1976 weitergeführt wurde – erst als Tabakimport Carl Lauscher, später als Spielzeug-Lauscher. Sicher kommt seine Liebe zu den kleinen Dingen auch aus dieser Zeit und Familiengeschichte.

Was soll ich noch viel schreiben – viele schlaue Sätze über das „Warum und Wieso“ kann man in den diversen Zeitungsbeiträgen nachlesen. Diese Ausstellung aber muß man einfach selber anschauen. Einen kleinen Eindruck gibt es auf Stenvorde.de, nie versiegende Informationsquelle für alles, was Steinfurt betrifft. Viele Fotos und Informationen stimmen ein auf eine wirklich außergewöhnliche Zeitreise. Ob alt oder Jung – ich denke, jeder wird hier Gefährten und Gefühle seiner Kindheit wiederfinden. Die freudigen Ah´s und Oh´s der Besucher dürften sich schon zu einem beeindruckenden Konzert in den Räumen der Erinnerung zusammengefunden haben – ja wenn denn Wände reden könnten.

Besichtigen kann man die Traumwelt wohl nur auf Voranmeldung – in einem Fenster war eine kurze Information dazu (ich schaue bei Interesse gerne noch mal nach). Bei meinen Recherchen zum Haus Hohne habe ich übrigens gelesen, dass evtl. an eine Ausstellung im restaurierten Gebäude gedacht ist. Mal sehen, was kommt – vor 2010 wird Haus Hohne wohl nicht fertig sein.

PS: gerade habe ich die Fotos hochgeladen - die Qualität ist leider äußerst bescheiden. Für mehr - viel mehr !!! - empfehle ich die obige Website.

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