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Qype Advanced Insider 2386
Benutzerfoto: emililly

emililly

Kompliment emililly (11.03.2008) •••••

Grundsätzlich schreibe ich bei Qype nur über Plätze, die ich kürzlich selbst besucht habe, denn mein Urteil mit der Bewertung soll ja auch einen Sinn haben.
Dieses Mal bediene ich mich ausnahmsweise eines Artikels aus dem heutigen Standard (11.3.08), der über eine für Österreich neuartige Bestattungsform berichtet. Und da ich das nicht zuerst ausprobieren kann, weil ich mich dann bereits an den Radieschen erfreue, gebe ich diesmal etwas wieder, was ich nicht selbst getestet habe.

Bislang war es in Österreich verboten, Asche auszustreuen. Wir haben speziell in Wien ein großes Naheverhältnis zum Tod und zur schönen Leich, aber trotzdem wollen wir unsere Anverwandten traditionell “eing’schert” wissen.
Über die privaten deutschen Sender wehen nun schon seit längerer Zeit neue Bestattungsideen herüber und der Österreicher, auch nicht blöd, will das auch so haben.
So hat sich eine findige Geschäftsfrau, Frau Zadrobilek (ob sie etwas mit dem Radlfahrer gemein hat?) um eine Seebestattung bemüht. Triest mussten wir abgeben, daher ist nichts mit Meer. Aber vorläufig können sich Wiener an der schönen blauen Donau bestatten lassen. Es gibt dafür ein eigenes Platzerl wo dies geschehen kann. Die Zusammenarbeit erfolgt sehr schön seemännisch, mit der Marinekameradschaft Admiral Erzherzog Franz Ferdinand, die mit einen der beiden historischen Patrouillenboote von der Reichsbrücke aus starten, um die sterblichen Aschenreste stromaufwärts zu bestatten.
Wie das passiert, ist natürlich eine Frage des Geldes.
So kann man zwei Schiffanakeln wählen: Die kleinere Oberst Brecht, oder die größere Niederösterreich bringt mit oder ohne Verwandtschaft die Urne an ihr Ziel.
1590,- wenn sich die Verwandten zu Hause besaufen.
1890,- wenn fünf Verwandte ein Seemannslied pfeifen.
Die Asche, mir san saubere Leut, darf nicht so mir nix dir nix verstreut werden, sondern muss in einer Zelluloseurne mit Anker (wenn der Tod nicht so traurig wäre, man könnte darüber noch mehr schreiben.) um wohlfeile 126,- versenkt werden. Ob der Anker auch aus Zellulose ist, oder einfach ein großer, geschnitzter Erdäpfel, darüber schweigt das Management.
Was bei normalen Erdbegräbnissen der Grabredner, ist bei einer Seebestattung die Salutsirene. Was ist schon umsonst, selbst der Tod kostet das Leben, legt man für so ein Trara weitere 30 Euro hin. Die Sirene muss schließlich gewartet werden.
“Das ist mehr als nur Freiheit”, lockt der Werbeprospekt, wenn man die Urne auf ein Blumenbett setzen will, was wiederum 70 Euro kostet. (Aber der Anker zieht doch das gleich runter? Einer soll das einmal verstehen.)
Frau Zadrobilek bot bisher alle Naturbestattungen im Ausland an. Die Baumbestattung, Asche im Wurzelbereich eines Baumes vergraben, die Bergbestattung (auf einer Schweizer Blumenwiese), eine Felsbestattung, ein Gedächtnisbaum, Seebestattung in der Nord-oder Ostsee, oder man lässt die Asche der Erbtante als Diamant pressen.

Ja, wer die Wahl hat, hat die Qual. Nicht einmal nach dem Tod hat man seine Ruhe!

Fünf Sterne, weil sich die Dame so um die Donaubestattung bemüht hat und seit drei Jahren ein Gerichtsverfahren wegen einem Friedhofswald in Wien-Penzing laufen hat. Das find ich gut.

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