Ryanair Ticket Desk @ Flughafen Lübeck-Blankensee, Lübeck

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PJebsen

Kompliment PJebsen (14.03.2008) 3

Ich gebe hier mal einen Tipp weiter, den zu beherzigen ich selbst manchmal vergesse:

Selbst bei Super-Sonder-Spezial-Schnäppchen-Tarifen der Ryanairs, easyjets, TUIflys und Germanwings dieser Welt kann es sich bei aller Begeisterung übers vermeintlich eingesparte Geld lohnen, nicht sofort zuzuschlagen, sondern ein paar zusätzliche Minuten zu investieren und auch den Lufthansen per Preisrecherche eine Chance zu geben.

Es empfiehlt sich nämlich, realistisch alle Zusatzkosten mitzuberechnen. Wenn man etwa die Transferkosten für die Bus- oder Zugfahrt von Stansted (Ryanair) mit dem durch die Oyster Card reduzierten U-Bahn-Tarif für die (schnellere) Fahrt von Heathrow in die Londoner Innenstadt (Lufthansa) vergleicht, dann sind manchmal selbst Ryanair-Flüge für je 1 Cent netto plötzlich gar nicht mal so sehr viel günstiger als z. B. ein 99-Euro-Hin- und Rückflug mit der guten alten Lufthansa.

Vor allem, wenn man die mehr oder weniger versteckten Nebengebühren und Allgemeinen Geschäftsgebühren von Ryanair berücksichtigt. Irgendwann reduzierte diese Low-Cost-Airline beispielsweise die Freigepäckgrenze für aufgegebene Koffer von 20 auf 15 Kilo – und stellt derzeit pro Kilo Übergepäck 10 Euro in Rechnung. Bei Besuchen in Shopping-Metropolen wie London kann das ins Geld gehen!

Details findet ihr hier: http://www.ryanair.com/site/DE/faqs.php?sect=CHARGES

Was die ansonsten mit Eigenlob nicht geizenden Billigflieger von Ryanair nicht allzu offensiv herausposaunen, ist ihre Kreativität in Bezug aufs Ausdenken kostenpflichtiger Zusatzleistungen. Wer sich zum Beispiel umentscheidet und statt des ursprünglich gebuchten Online-Check-ins nur mit Handgepäck doch einen Koffer aufgeben will, dem knöpfen sie eine erhöhte Gebühr von 22 Euro pro Flug ab. Dazu kommen weitere 4 Euro fürs Privileg, die Leistungen der Flughafenabfertigung in Anspruch zu nehmen (so haben wir es zumindest kürzlich in „Hamburg-Lübeck“ erlebt). Solche Extrakosten können durchaus den Wert des ursprünglich gebuchten Tickets übersteigen.

Ein echtes Schnäppchen sind im Vergleich dazu die 4 Euro, die man zahlt, wenn man vergisst, die Online-Check-in-Bestätigung auszudrucken.

Wo das Geld landet, berichtete die taz am 25.11.2007: „Vor zwei Wochen präsentierte das Unternehmen seine Halbjahresbilanz. Bei einem Umsatz von 1,554 Milliarde Euro verdiente Ryanair in den letzten zwölf Monaten 408 Millionen Euro nach Steuern - bei beiden Kennzahlen ein Anstieg um satte 24 Prozent. Entsprechend stieg seit April 2006 der Preis für die an der amerikanischen Nasdaq gehandelten Ryanair-Aktien um mehr als 90 Prozent.“

Intern ist Ryanair nicht ganz so großzügig. Bei Wikipedia ist zu lesen: „Des Weiteren wird von Gewerkschaftseite oft der Umgang mit den Arbeitnehmern kritisiert. Es gibt weder gewerkschaftliche Organisationen noch eine innerbetriebliche Personalvertretung. Ein großer Teil der Piloten und Flugbegleiter wird von Zeitarbeitsfirmen gestellt.“

Bei Readers Edition hieß es am 21. 1. 2008: „Ryanair etwa duldet keine Tarifverträge und Betriebsräte. Stewardessen müssen ihre Ausbildung selbst bezahlen. Bezahlt wird nur die reine Flugzeit. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt es nicht, denn es gilt ,Irisches Arbeitsrecht’. Die Uniform muss sich das Kabinenpersonal für 360 Euro selbst kaufen. Dafür muss es unter Umständen an 20 Tagen zwischen 8 und 11 Stunden täglich arbeiten. Die Gewerkschaft Ver.di nennt die Arbeitsverträge von Ryanair ,schlimm’. Inzwischen ist von der International Transport Worker’s Federation (ITF), dem Dachverband von 600 Gewerkschaften aus 130 Länder (darunter Ver.di), im Internet ein Protestforum (,Ryan-be-fair’) eingerichtet worden, wo sich Ryanair-Angestellte Luft machen können.“

Schön zu wissen, dass Ryanairs Praktiken auch mit Steuergeldern subventioniert werden. Im sehr empfehlenswerten Buch „No Frills: The Truth Behind the Low-Cost Revolution in the Skies“ (London 2006) schreibt Simon Calder, dass Ryanair an manchen Zielen nicht nur keine Flughafengebühren zahlt, sondern sogar von Flughafen- und Stadtverwaltungen ein „Kopfgeld“ für jeden Gast erhält, von dem man sich ein Ankurbeln der lokalen Wirtschaft verspricht.

Manche haben damit ein Problem, wie bei Wikipedia nachzulesen ist: „Am 3. Februar 2004 entschied die EU-Kommission, dass ca. 75 % der Subventionen, die das Unternehmen vom staatlichen Flughafen Brüssel-Charleroi erhalten hatte, unrechtmäßig seien und von Ryanair zurückgezahlt werden müssten.“

Ergänzung: Die erwähnte Gewerkschafts-Website hat die Adresse http://www.ryan-be-fair.org.

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