Adresse: Im Hafen, Insel- und Halligreederei, 25980 List
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Kompliment
hafi46 (13.03.2008)
Wenn das Wort Tief fällt, löst es, besonders im Sommer, Unbehagen aus. Aber diesesmal ermutigte und das Wetter zu einer Ausfahrt, die uns an Bord eines Seefahrzeuges ein paar Meilen westlich der Insel Sylt hinausführt. Und der Weg vom Lister Hafen in die freie Nordsee führt durch das Lister Tief, eine natürliche Fahrrinne zwischen der dänischen Nachbarinsel Röm im Norden und Sylt. Wir hatte unter den verschiedenen Lister Booten und Kuttern das kleinste Fahrzeug gewählt: eine richtige Nußschaale von Ruderboot mit Segel und Hilfsmotor.
Als es mit gedämpften Tuckern aus dem Hafen geht, haben wir einen ganzen Tag vor uns, der nur einem Sport gewidmet ist, dem Makrelenangeln. Wir sind, dem Fischer einbegriffen, zu dritt und haben nun bei der Ausfahrt erst einmal Muße, uns etwas zu mustern. Der Fischer mit seinem sonnenverbrannten Gesicht steckt in einem alten, blauen Arbeitspäckchen und ist mehr als einsilbig. Aus einer kurzen Stummelpfeife entlockt er einen kräftigen Qualm. Um uns ist das ruhige Wattenmeer, über dem ein leichter Schleier des Morgennebels lagert.
Schon umfahren wir die Ostspitze des Ellenbogens, winken einigen Frühaufstehern, die bereits den Strand beleben, und gehen durch die Lister Tiefe mit Kurs West. Ost- und Westfeuer, die beiden Leuchttürme des Ellenbogens, lassen wir hinter uns. An Backbordseite wird mitten in der See ein Kranz schäumender Wellen sichtbar. Wir werden belehrt, daß wir zwischen zwei gefährlichen Sanden, die die Einfahrt in die Lister Tiefe flankieren, dem Salzsand und dem Küstsand, hindurchsteuern. Am Horizont zieht ein Frachtdampfer vorbei. Wir erfahren, daß er die Fahrstrasse Cuxhaven - Esbjerg benutzt.
Langsam versinkt dann der Sylter Weststrand im Dunst. Die leichte Dehnung schaukelt unser nun nach Süden abdrehendes Boot. Die Angelschnüre liegen bereit. Sechs und mehr Haken sind an jeder befestigt, und am Ende der Leine hängt ein ziemlich schweres Senkblei. Als Köder genügt eine weiße Feder, mit einem roten Faden umwickelt.
Der Morgendunst hebt sich langsam, die Sonne kommt immer stärker durch. In einiger Entfernung vom Boot ist plötzlich in der Luft eine seltsame Aufregung zu beobachten: Schreiende Seeschwalben stürzen sich kopfüber in die See, tauchen wieder auf und wiederholen das Spiel. Mit zufriedenem Lächeln steuert unser Fischer darauf zu - und dann beginnt ein tolles Schauspiel: Leine auf Leine wird eingeholt…. drei, vier und mehr Makrelen zappeln daran. Rasch ab damit und wieder ins Wasser mit der Leine! So geht es stundenlang. Die Arme erlahmen und der Boden des Bootes füllt sich rasch mit den glitzigen, stahlbau-weißlich gefärbten Raubfischen. Bald sind es Zentner. In solchen Augenblicken kostet es Überwindung aufzuhören. Aber mehr als verwendbar ist, soll nicht gefangen werden. Makrelen sind eine Köstlichkeit, aber frisch müssen sie sein! Gleich nach dem Fang beginnt das Ausschlachten, die Arbeit während der Rückfahrt.
Als wir dann im Abendlicht der Sonne wieder den Lister Hafen erreichen, sind wir zwar hundemüde und mit Salzkruste und Fischschuppe bedeckt, aber um ein außergewöhnliches Erlebnis reicher.
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