18.03.2008 (aktualisiert am 14.01.2009)
Tut mir ja fast schon leid daß nach ein paar Tagen-Qype-Abstinenz direkt wieder ein “virtueller Platz” kommt. Aber die Geschehnisse von gestern machen es einfach nötig.
Da sitzt man im Büro und verrichtet nach bestem Wissen und Gewissen seine Arbeit. Plötzlich kommt ein Kollege rein und schaut aus dem Fenster raus und meint “Es brennt im Tanklager”. “Ja ?” war meine Reaktion und ich schaute auch mal raus. Tatsächlich konnte man hinter einem Gebäude Flammen sehen. Aber es sah nicht so schlimm aus. Einige Minuten später stieg dann dicker schwarzer Rauch auf. Wie ich später durch die Presse erfahren habe war es eine “gewaltige Explosion”. Ich glaube ich muß dringend mal zum Ohrenarzt, denn ich habe gar keinen Knall gehört. Wir hatten noch nicht einmal Blockalarm. Heißt, wir konnten uns normal im Werk bewegen und auch das Gebäude verlassen. Also ein richtiges Inferno.
Pünktlich um 15:45 machten wir Feierabend und gingen nach Hause. Wohlgemerkt über das Werksgelände, setzen uns ins Auto und fuhren über die B9 nach Hause. Die A57 war ja inzwischen vorsorglich gesperrt. Aus Sicherheitsgründen, denn sie verlief unmittelbar neben dem brennenden Tank. Aber sicherlich auch noch aus einem 2. Grund. Es wären bestimmt noch ein paar Unfälle passiert weil dann ja jeder gebremst hätte und gaffen wollte…
Soviel erst einmal zur Vorgeschichte. Sicherlich ist es Schade das so etwas passiert, aber es kann nun mal passieren und wir sollten alle froh sein das nichts schlimmeres passiert ist. Natürlich verfolgte ich das Geschehen in Radio und TV. Und mir wurde mal wieder die Kreativität der Presse sehr deutlich. Schlagzeilen wie “Flammen-Inferno in Köln” waren normal. Warum kann man dabei nicht sachlich bleiben ? Klar sah es schlimm aus, aber bei geschlossener Wolkendecke und nachher der Dämmerung sieht man es nun mal umso extremer. Oder “Will die Chemie uns noch alle umbringen ?”. Aber tanken wollt Ihr alle, ihr wollt Textilien haben die Polyacrylnitril enthalten. Ihr wollt Eure Einkäufe in Plastiktüten verstauen die nun mal Polypropylen oder Polyethylen enthalten. Und wer stellt so etwas her ? Die Chemie. Aber das ist in solchen Momenten vergessen. Und selbst die Farbstoffe mit denen Ihr Eure Zeitungen druckt sind Chemie. Was nun ?
Noch schlimmer fand ich aber dann noch die Inkompetenz der Bürger. Ich habe auf 2 Nachrichtenportalen die Berichte verfolgt und auch die Kommentare der Bürger. Und da konnte ich nur den Kopf schütteln:
Einer schreibt: “Was explodiert als nächstes? Die geplante CO2-Leitung ?”. Leute, informiert Euch doch erst einmal. CO2 ist Kohlendioxid, das atmen wir aus und leben sogar noch. Die geplante Pipeline soll Kohlenmonoxid (CO) fördern. Und wer es schafft diesen zum brennen zu bekommen hat den Chemie-Nobelpreis verdient.
Ein anderer schreibt: “Wieso das Riesen-Aufgebot an Krankenwagen? Ist doch ANGEBLICH niemand etwas passiert.”. Schon einmal drüber nachgedacht das eine große Gruppe an Feuerwehrleuten vor Ort ist. Von denen kann sich auch jemand verletzen, verbrennen oder ähnliches. Da ist es doch gut wenn Vorsorge getroffen wird für den Fall der Fälle und dann nicht noch Hilfe geholt werden muß die durch die verstopten Straßen nicht durchkommt.
Ein weiterer Kommentar: “Wieso siedelt sich die Chemie an Wohnorte an ? Haben die denn keine Verantwortung den Menschen gegenüber”. Wenn ich überlege wie lange es das Bayerwerk und auch die Ineos schon gibt, dann kann ich nur fragen: “Wieso siedelt Ihr Euch an der Chemie an ?”. Denn vielleicht gerade mal 5% der Häuser und Wohnungen ist älter als die Chemie.
Andere schreiben “Da sagt man uns es besteht keine Gefahr, aber 2 Leute kamen mit Reizungen der Schleimhäute ins Krankenhaus. Alles Lüge !”. Da kann ich mir nur an den Kopf packen. Da schaut man sich die “aktuelle Stunde” im WDR an und sieht wie Menschentrauben auf der Straße stehen und unweit vom Geschehen sich das Feuer anschauen, oder sagen wir besser man be-GAFFEN. Und das trotz Hinweisen man sollte zu Hause bleiben und die Fenster und Türen schließen. Aber sich dann hinterher lautstark beschweren. Und Begriffe wie Windrichtung, etc., sind wohl zu kompliziert.
Dann haben sich Leute beschwert “Man wurde gar nicht richtig informiert”. Gut, über diese Thema kann man streiten. Auf der einen Seite gibt es Schutzmechanismen die eingreifen. Wenn ernsthafte Gefahr besteht, dann gibt es Sirenen. So hat man aber den normalen Weg gefählt: Information an die Behörden. Und das bei einem solchen Brand nicht noch eine Gruppe von Leuten durch Worringen spatziert und Informationsblätter verteilt ist ja auch logisch. Hättet Ihr man drinnen Radio gehört statt draußen zu gaffen, hättet Ihr mehr gewußt. Auch wenn die Infos im Radio nicht immer das Non-Plus-Ultra sind.
Einer der Besten Sprüche war aber “Warum werden Autobahnen und Bahnlinien gesperrt, wenn es doch angeblich keine Gefahr für die Menschen gibt ?”. Also erstens führt die A57 und auch die S-Bahn-Linie direkt an dem Tank vorbei und zweitens weiß doch jeder: “Qualm und Rauch ist nun mal nicht gesund”. Da regt man sich auf weil man Fenster und Türen schließen muß wegen der Chemie. Aber wenn vor der Tür ein Auto oder eine Mülltonne brennt, dann macht man dies automatisch. Aber die Chemie ist trotzdem der Böse. Aber eine brenndende Mülltonne ? Da könnt Ihr das Fenster auch auflassen, ist doch nur “BIO”. Wenn ich meine Nase über den Grillanzünder halte bekomme ich auch Kopfschmerzen. Uups, da fällt mir ein: der ist ja auch aus Chemie. Und im Sommer braucht ihn trotzdem jeder.
Andere haben etliche Rettungshubschreiber gesehen. Im Werk konnte ich in den ersten 1,5 Stunden keinen einzigen entdecken. Das die Polizei die Strecke mal abfliegt ist doch logisch. Auch alleine um den Verkehr zu checken.
Meine Lieblingssprüche waren aber nach wie vor noch diese, die mit Fachkompetenz glänzten. “Ethylen ist brennbarer als Benzin, Hilfe !”, “Die Feurwehr kann mit ihrem herrkömmlichen Löschequipment sowieso nichts bewirken. Ich weiß daß weil mein Kumpel bei der Feuerwehr ist.”. Oder “Acrylnitril kann nur mit einem bestimmten Löschmittel gelöscht werden was die deutsche Feuerwehr gar nicht hat.”. Wenn dem so wäre, dann hätte unsere Werksfeuerwehr dieses Löschmittel. Denn bei solchen Dingen ist unserer Firma, auch wenn es niemand glaubt, vorbildlich…
Oder “Die Ursache ist immer noch nicht geklärt, gibt es denn dort keine Fachkompetenz ?”. Leute, Euch kann ich einen Tip geben: “Erst denken, dann schreiben oder reden !”. Kein Mensch mit gesundem Menschenverstand würde mitten ins Feuer gehen um Ventile oder Leitungen zu überprüfen oder auf Fehlersuche zu gehen. Das macht man wenn das Feuer gelöscht ist und nicht während es brennt.
Besonders interessant fand ich auch die Diskussionen von wo man überall das “Flammen-Inferno” sehen kann. Glaubt mir, diese Infos interessieren wirklich nur die Schaulustigen. Damit sie wissen wo sie hin müssen. Ist doch egal ob man es aus Bergheim oder Langenfeld besser sieht. Da sind andere Dinge wichtiger.
Und noch eins an die Anwohner der direkten Umgebung: Anstatt auf der Strasse zu stehen und lautstark zu gaffen hättet Ihr besser 2 andere Dinge gemacht:
- Euch ins Haus begeben, dann hättet Ihr Euch auch hinterher nicht beschweren müssen daß Euer Hals kratzt.
- Den Einsatzkräften ein paar Stullen schmieren oder was zu trinken bringen statt denen mit Euren Fragen auf die Nerven zu gehen.
Die Stadt und die Firma Ineos haben ein Notfalltelefon eingerichtet. Aber da rufen dann die Leute an die weit weg wohnen. Ihr gafft aber lieber und bildet Euch Euer persönlich, überaus qualifiziertes, Urteil. Und wahrscheinlich dabei noch das Einsatzpersonal behindern… Traurig so etwas…
Wir sollen alle froh sein das nichts schlimmeres passiert ist. Ja, es sah dramatisch aus, aber besser es brennt kontrolliert ab als wenn es z.B. ausläuft und ins Grundwasser gelangt. Aber auch dann wäre es ja mal wieder die Chemie schuld. Und Ihr könnt in beiden Fällen sagen “Wir waren live dabei”...
Dafür habt Ihr eigentlich 0 Sterne verdient. Und die Einsatzkräfte vor Ort, die sich für Euch in die Flammen begeben haben, eigentlich sogar 10 !!!
Aber Dank Euch Besserwissern weiß ich nun auch mal endlich in welcher Gefahr ich lebe… :-o
“Oh, ich glaube ich bekomme Kopfschmerzen. Und ich muß gleich mal dort hin und schauen was da noch los ist”... grins
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Nachtrag (18.03.08): Die Presse hat eben schon wieder eine Warnmeldung raus gegeben. Angeblich ein neuer Gasausbruch. Klasse Information. Nur vielleicht hätte man unser Werk auch mal informieren sollen, denn da weiß noch keiner was von… :-o
Wie heißt es so schön ? “Die Presse spricht zuerst mit den Toten”... :-o
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Nachtrag (19.03.08): gestern habe ich noch 3 äußerst interessante Aussagen vernommen:
- Ein Anwohner sagte: “Es sind sogar 3 Leichenwagen in die Firma gefahren”. Klar, wir bestellen unsere Pizza immer bei “Bestattungen Müller”... Ich habe ja noch Verständnis wenn Leute verängstigt sind. Aber so einen Mist zu erzählen. Im Werk gab es keine Verletzten und erst recht keine Toten. Also brauchen wir auch keinen Leichenwagen. Vielleicht höchstens ein paar Vögel die sich erschreckt haben. Da kann ich nur den Tip geben “Fielmann”... :-/
- WDR hat gestern mal wieder live von einem unserer Tore berichtet und eindrucksvoll mit der Kamera gezeigt wie noch weiter giftiger Acrylnitril-Dampf aufsteigt. Zumindest sollten das die Leute wohl glauben. Erstens haben die ein Kühlhaus gezeigt. Das was da aufsteigt ist reiner Wasserdampf. Der ist so sauber, den würde ich sogar kondensieren lassen und meinen Kaffee damit kochen. Was sollen also diese unqualifizierten Aussagen und auch die Panikmache ???
- Ein Kommentar auf einem Nachrichtenportal “Die Cheffs solcher Firmen gehören mit Haftstrafen bestraft wenn sie uns wissenlich solchen Gefahren aussetzen”. Also erstens: Wer ein Problem mit der Chemie hat zieht nicht dort hin und zweitens war unsere Geschäftsführung bemüht die Leute zu schützen. Deswegen auch länger als nötig, den Sicherheits-Hinweis Türen und Fenster geschlossen zu halten. Wenn man dafür bestraft werden soll, dann verstehe ich gar nichts mehr. Dann werde ich bestimmt auch bald im Knast sitzen weil ich letztens noch einem Kollegen geraten habe mit den Sommerreifen zu warten. Bin ich jetzt kriminell ? Ich wollte doch auch nur “helfen”...
Aber es ist Generell interessant was Leute, die sonst die Zähne nicht auseinander bekommen, plötzlich für ein Mitteilungsbedürfnis entwickeln wenn so etwas passiert.
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Und noch einer: “Das hochgiftige Acrylnitril reagiert mit Wasser zu Blausäure”. Wenn das so wäre, dann wäre bei den Mengen die im Tank waren alle im Umkreis von etlichen Kilometern mausetot. Dann können die erwähnten Leichenwagen ja doch kommen. Und die Feuerwehrleute, die den Tank ja mit Wasser (!) gekühlt haben muß ich mal fragen wo die ihre Blausäureresistente Lunge gekauft haben…
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Und noch eine Nachricht aus Worringen: Ein Anwohner schreibt, es wäre sogar Acrylnitrilschaum in Worringen gesichtet worden. Das sollte man direkt mal den Chemikern im Werk mitteilen. Wäre man ein komplett neue Aggregatzustand der sich bestimmt gut vermarkten läßt. Aber mit Sicherheit kein Löschschaum der durch Wind unter Umständenauch etwas im Umfeld verteilt sein kann. Ich bin schon auf die ersten Kohlenmonoxid-Bonbons gespannt, die man den Betreibern der Pipeline dann abkaufen kann… :-o
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Die Meldungen reißen nicht ab: “Halb Worringen ist noch gesperrt. Überall Feuerwehr und Meßwagen. Also immer noch höchste Alarmstufe.” Die 2 direkt am Tank vorbeiführenden Straßen sind logischerweise noch gesperrt. Erstens weil dort noch Einsatzfahrzeuge stehen und weil auch das Umfeld gereinigt (von Löschschaum und Einsatzmaterialien) und untersucht wird bevor man alles wieder freigibt. Ist doch nur zur Sicherheit der Leute und nicht weil noch so eine extreme Gefahr besteht. Außerdem hält das die Gaffer fern, die dann vor dem Tank stehen und ihre Sach-Kompetenz zum Besten geben…
Es werden bestimmt noch wochenlang weitere Kommentare folgen, aber meine Finger tun langsam weh… :-o
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Nachtrag (26.03.2008): Und auch der Rheinische Anzeiger glänzt mit beeindruckender Sach- und Fachkompetenz. Zitat aus dem Artikel: “Laut Landesumweltamt sei es zeitweise zu einer Belastung von fünf ppm (Teile pro Minute) gekommen.”. Schön daß wir eine neue Einheit erfunden haben. ppm heißt “parts per million” und nicht per “minute”. Aber vielleicht könnte man die Einheit, wenn sie schon so flexibel gehandlet wird, auch für andere Dinge nutzen: “Pommes per Muh”, also das Verhältnis der Pommesmenge zu einem Kalbsschnitzel !? Oder “Pänz per Mutter”, um eine Statistik der durchschnittlichen Kinderzahl pro Mutter zu beschreiben. Danke “Rheinischer Anzeiger”, Du hast uns komplett neue Perspektiven eröffnet… :-o
Inzwischen hat der Rheinische Anzeiger aber eine Richtigstellung abgedruckt. Hatte sie ja auch mit dem Bericht angemailt… :)
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Nachtrag (03.04.2008): Mal wieder überschlagen sich die Pressemeldungen. Es sind bis zu 7 mal höhere Meßwerte als “erlaubt” gemessen worden. Das kommt natürlich davon wenn die Presse (mal wieder) nur die halben Informationen veröffentlicht. Die Meßergebnisse sind nämlich nicht verläßlich, da das Meßverfahren als unsicher gilt. Nach der Durchführung hat der Verantwortliche sogar selber zugegeben “Die drei hohen Werte könnten auch auf Messfehler zurückgehen”. Sowohl Proben vom Boden und Luft von Ineos, Umweltmeßwagen und Feuerwehr haben bei 50 Meßstellen keine erhöhten Ergebnisse geliefert. Außerdem ist der Grenzwert von 3 (oder manchmal auch 5) ppm nur dann kritisch wenn man dem längere Zeit ausgesetzt ist und nicht wenn der Wert mal kurzzeitig überschritten wird. Aber hier wird mal wieder klar. Die Presse stürzt sich auf das was man medienwirksam ausschlachten kann. Und ein Teil der Bevölkerung springt auf diesen “Zug” auf. Das finde ich, ehrlich gesagt ziemlich traurig…
Ich hatte selber die Meßwerte in der Hand. Und zwar Meßwerte denen man trauen kann, weil die Personen die die Entnahmen und die Messungen durchgeführt haben nicht an den Ergebnissen zweifeln. Des weiteren sollte man überlegen wo die hohen Werte gemessen wurden ? Das geht aus dem Bericht nicht hervor ? War es in unmittelbare Nähe vom Tank (wo keine Wohnhäuser sind) oder in benachbarten Worringen. Aber auch diese Info fehlt natürlich. Denn die Aussage “neben dem Tank” wäre für die Presse natürlich weniger “dramatisch”...
Ein Zitat aus dem Bericht “Die Messwerte sind nicht mitgeteilt worden, weil dazu in der aktuellen Situation kein Anlass gesehen wurde”. Logisch, wenn ich meinen Werten selber nicht vertraue dann halte ich sie auch zurück. Oder warte halt bis die Presse das Thema mal wieder medienwirksam ausschlachtet.
Auf jeden Fall konnte die BILD hier in Köln wieder mit tollen Schlagzeilen neue Leser und Käufer gewinnen. Ich nenne es einfach nur noch “Eigenwerbung auf Kosten anderer”.
Bin mal gespannt was das Magazin Monitor heute Abend berichtet. Sie haben es ja anscheinend aufgedeckt. Oder, so würde ich es formulieren, die nächste Inkompetenzwelle ins Rollen gebracht…
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Gerade ist der Bericht bei Monitor gezeigt worden: Dieser war natürlich an unsachlichkeit kaum zu überbieten.
Daraufhin habe ich folgenden Leserbrief verfaßt und auch auf diesen Beitrag hier hingewiesen:
“Habe soeben die Berichterstattung zum Thema 'Großbrand in Worringen’ bei Monitor gesehen. Und ich mußte leider feststellen das der WDR sich inzwischen mit der Bild-Zeitung die Hand geben kann. So einen unsachlichen Schwachsinn habe ich noch nie im Fernsehen gesehen. Informationen wurden verdreht und überzogen. Aber was soll man von einem Sender erwarten der Türme zeigt aus denen Wasserdampf aufsteigt und dazu sagt 'Noch immer steigt giftiger Acrylnitril-Dampf auf’. Im Anschluß des Beitrages hieß es dann noch, das hochgiftige Blausäure in der Luft war. Aber ich kann Euch beruhigen. Dabei stirbt man sofort und nicht später. Wenn Ihr also jetzt noch lebt, dann “Herzlichen Glückwunsch”...
Bleibt nur zu hoffen das die Firma Ineos Möglichkeiten findet gegen so eine Berichterstattung vorzugehen.” ABer das wird dann leider wieder mit dem Begriff “Pressefreihet” abgetan.
Berichterstattung ist ja gut, aber so eine Panikmache. Da kann man sich nur fragen ob man höhere Einschaltquoten braucht ? Für mich ab sofort jedenfalls ein Tabu-Sender !!!
Aber noch ein INSIDERTIP an den zitierten Sender und auch die zitierte Zeitung: Ich werde morgen trotz den ganzen Giften arbeiten gehen. Und wenn ich dann morgen an den Vergiftungen sterbe, so könnt Ihr mich an Wochenende interviewen, da habe ich dann nämlich Zeit. Dann werdet Ihr Euren Ruf gerecht: “Manche Presse spricht zuerst mit den Toten” !!!
Es war das Ansprechen einer Sicherheitseinrichtung = keine Gefahr = Schont Eure Energien für wichtigere Dinge !!!
Ich werde mir diesmal nicht wieder die Mühe machen nach Berichten und Kommentaren besorgter Bürger zu suchen. Denn über so viel Unsinn rege ich mich dann nur unnötig auf.
Man liest wieder Kommentare wie “wegen dem Umfang der Gefährdung mussten sogar wieder Strassen gesperrt werden”. Die direkt angrenzende B9 wurde Zeitweise gesperrt. Aber nicht wegen der ach so großen Gefahr sondern einfach vorbeugend. Aber solche “Gedankengänge” entfallen einem in solchen Situationen ja immer…
Hier das offizielle Statement: “Die Auswirkungen der Undichtigkeit war lokal begrenzt, weshalb das Ereignis von den Behörden nicht als Störfall eingestuft wurde”.
Also kein Störfall, und mit Sicherheit KEIN INFERNO
Ich sage nur eins: Nehmt die Meldungen diverser Presseerzeugnisse, vermischt mit den Kommentaren “besorgter Fachleute aus der Nachbarschaft”. Dann 95% der Tragik davon wieder raus nehmen, dann seit Ihr ungefähr im Bereich der Realität.
Veröffentlicht auf: twitter.com/Suchtlive
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15.12.2008
Da muss ich mich den beiden mal ganz klar anschließen…
Wie so mancher weiß, der meine Beiträge regelmäßig liest… ich bin Fußball-Fan und fahre auch regelmäßig “auswärts”.
Vor einigen Wochen ging es dann auch nach Berlin zum Auswärtsspiel und auf der Rückfahrt gab es dann einen netten 4-Stunden-Aufenthalt in Ludwigslust, da die Fahrt seitens der Bahn so genial geplant war, dass für hunderte Fans lediglich eine kleine Privatbahn mit einem Waggon bereit gestellt wurde.
Es wurde ein wenig gemptzt und gepöbelt und natürlich lautstark nach einem Entlastungszug geschrie’n.
Okay eine kleine Handvoll Leute machte nicht nur verbal seinem Unmut Luft, sondern reagierte sich auch u.a. damit ab, dass eine Mülltonne vor Frust auf die Bahngleise geworfen wurde.
Nicht wirklich fein… zugegeben.
Dies war jedoch auch eine Folge der Hinhaltetaktik der Bahn, die uns immer wieder für die nächsten 30 Minuten einen Entlastungszug durchgesagt ahben, der aber erst nach 4 Stunden und lauten Protesten kam.
Und während die Boulevard-Presse (u.a. die mit den 4 großen Buchstaben) von “Randalierenden Proleten” schrieb, die außer “Kontrolle geraten waren” und von 3 “Hundertschaften in Schach gehalten” werden mussten, schrieb die “normale” Presse lediglich “hunderte von Fans saßen nachts auf verlassenem Bahnhof Ludwigslust wegen Fehlplanungen der Bahn 4 Stunden lang fest”.
PS: von ca. 500 Fans haben sich vielleicht 5 daneben benommen, die 3 “Hundertschaften” waren zwei Mannschaftswagen mit insgesamt etwa 15 Polizisten, sowie zwei Sicherheitsleute der Bahn.
Aber ein randalierender, besoffener Proll-Mob verkauft sich nun mal besser.
19.03.2008
Da hat sich aber jemand den Frust von der Seele geschrieben. ;o)
Habe bei dem Beitrag einige Male herzhaft lachen müssen. So ist es doch immer. Vor allem der Spruch: “Die Presse spricht zuerst mit den Toten” trifft es auf den Punkt.
Ich habe mein Radio nach der ersten Meldung während der Nachrichten teils ausgeschaltet, da ich mir die “Horrormeldungen” nicht mehr anhören konnte.
Super Beitrag!!!
18.03.2008
Hallo, Ihr Lieben,
da spricht mir Suchtlive aus dem Herzen. Nach 19 Jahren Werkfeuerwehrmann (hauptamtlich) in der Chemieindustrie kann ich dem Beitrag eigentlich nix hinzufügen. Jetzt im Vorruhestand konnte ich den Gesamtablauf gestern funkmäßig verfolgen und muß feststellen, dass bis auf Kleinigkeiten alles gut abgelaufen ist. Einsatzkräfte wurden überall hergeholt ( Viersen, MG, Aachen, Köln, Bonn Flughafenwehr, Troisdorf, Siegburg, Krefeld und Moers, ) - Sammelräume für die Einsatzkräfte mussten bestimmt werden - Lotsendienste für Auswärtige wurden gefahren. Aber nicht nur die Feuerwehr, auch die Kräfte des THW waren von weit her im Einsatz. Die Löschwasserversorgung aus dem Rhein und den umliegenden Baggerseen erforderte viel Material und fleissige Hände. Und zu den Händen gehöhren Mäuler, die auch gestopft werden wollen - Getränke sind sogar noch wichtiger - Macht euch dochmal ne Vorstellung wenn abends um 20:30 h 600-800 Einsatzkräfte verpflegt sein wollen. Das alles ist eine logistische Meisterleistung, die aber nicht umsonst so gut geklappt hat.( Die Besatzung des Rettungshubschraubers landete direkt neben der Gulaschkanone!! Auch Hunger!!)
Da heisst es üben und nochmals üben.
Bei ähnlichen Vorfällen bei uns im Werk haben wir den Gaffern Besen in die Hand gedrückt - zum Fegen kam es dann nicht, diese Herrschaften verschwanden einfach.
Und noch was, wenn ich bei einem Verkehrsunfall draussen auf der Straße Erste Hilfe oder ähnliches leiste, binde ich die Gaffer immer mit ein und verteile die Aufgaben - selten verweigert so ein Gaffer seine Hilfe wenn er direkt angesprochen wird.
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