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Qype Advanced Insider 7072
Benutzerfoto: Richensa

Richensa

Kompliment Richensa (24.03.2008) •••••

Irgendwann geht man einen Weg, den man schon oft gelaufen ist, und merkt, dass irgendetwas vollkommen anders ist, dass man etwas, obwohl es die ganze Zeit da war, übersehen hat. Und die Umgebung verändert sich durch dieses Hinzufügen von optischen Eindrücken schlagartig und für immer.
So ist es mir heute beim Spazierengehen ergangen, als wir heute durch den Plänterwald an der Spree entlang liefen. Das Unterholz steht noch entlaubt und verfroren da, die Bäume knarren ohne Blätter im kalten Märzwind und die Sonne taucht trotzdem alles in helles Licht. Den verrostenden Zaun hatte ich schon wahrgenommen, hatte aber den Treptower Park nie so weit hinter mir gelassen, dass ich gemerkt habe, was sich hinter den sonst grünen Vorhängen befindet: ein verlassener Vergnügungspark.
Trotz des Sonnenscheins kamen mir sogleich ein paar Ideen zu einem Film, den ich mir vermutlich selber vor Angst niemals ansehen würde. Die Stahlstreben des bunten Zeltes könnten greifende Skelettfinger werden, die Bahn mit der abblätternden Farbe und dem grinsenden Gesicht wird zur clownesken Horrorgestalt, die an Fahrt aufnimmt und ungebremst dahinrast, ohne sich nur einen Zentimeter auf den rostenden Schienen zu bewegen. Nach ein paar weiteren Schritten wähnt man sich in der Kulisse von „Jurassic Park“: hier liegen der einst stolze Tyrannosaurus Rex aus Hartplastik und seine Zeitgenossen mit starren Beinen auf der Seite. Hohl, regungslos mit gebrochenen Augen. Nur einer starrt blicklos auf das Riesenrad mit den blauen und roten Gondeln, die für immer still zu stehen scheinen.
Die Kamera fängt Augenblicke ein, die Geschichte spielt im Kopf und neben dem Zaun laufen die Jogger mit starrer Miene geradeaus.

Die Geschichte des „Spreeparks“ zu verfilmen, wäre an sich schon spannend. Als Plot mag bereits der Artikel bei „Wikipedia“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Spreepark) dienen. Hier finden sich die Wirren der Nachwendewirtschaft am Plänterwald in der Person des Norbert Witte wieder, dem Enkel des in den 1920er Jahren als „König von Albanien“ bekannt gewordenen Schausteller-Originals Otto Witte. Ebenso bunt wie die Erzählungen des Vorfahren war das Geschäftsgebahren des Enkels, der sich Anfang 2001 auf der Höhe eines 11 Millionen Euro-Schuldenberges wiederfand. Ein Jahr später setzte er sich mit seiner Familie nach Südamerika ab, im Gepäck 20 Schiffcontainer mit sechs Fahrgeschäften. Aber auch in Peru war Witte das Glück wenig hold. Derzeit ist sind sowohl er als auch der Sohn inhaftiert, irgendwie waren 167 kg Berauschendes im Spiel oder besser gesagt: in einem der Fahrgeschäfte versteckt.

G’schichten aus’m Plänterwald…..

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