Udo Lindenberg, St. Georg, Hamburg
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1 Beitrag zu Udo Lindenberg auf Deutsch
Nachtrag am 12. Oktober 2008: Ich habe einen kurzen You-Tube-Clip vom Lindenberg-Konzert am 10. Oktober 2008 hinzugefügt - Beiträge darüber findet ihr hier.
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Lieber Udo,
wir kennen uns schon ziemlich lang. Als ich mit 16 bei der Lokalzeitung meiner Heimatstadt schreibend und fotografierend mein Taschengeld aufbesserte, warst du einer der ersten Musiker, die ich interviewte.
Seitdem haben wir uns teilweise im Jahrestakt für weitere Interviews getroffen. Und ich bin dir seitdem in kritischer Sympathie verbunden, auch wenn ich irgendwann mal nicht mehr wie früher jedem deiner neuen Tonträger entgegengefiebert habe. Und auch wenn mich manchmal störte, dass du bei TV-Auftritten und in Interviews quasi per Autopilot als Udo-Lindenberg-Darsteller nur noch die immer gleichen Worthülsen von dir zu geben schienst.
Doch dann gab es immer wieder Momente, in denen klar wurde, dass man weiterhin mit dir rechnen muss. Zum Beispiel im Jahr 2000 bei einem grandiosen Konzert im Hamburger Schauspielhaus, bei dem du zusammen mit dem Panik- und dem Filmorchester Babelsberg Rock’n’Roll-Fetzer und deutsches Liedgut von Bertolt Brecht bis Kurt Tucholsky mischtest.
Du zeigtest, dass du das Zeug zum großen zeitgenössischen deutschen Entertainer hast. Also das, was Harald Juhnke gern gewesen wäre und was der andere Udo (der Jürgens) nie sein wird, da er sich musikalisch nie wesentlich weiterentwickelt hat.
Großartig fand ich auch 2004 das Konzert in der Hamburger AOL-Arena, das unter dem Motto „Aufmarsch der Giganten“ das 30-jährige Bestehen des Panikorchesters feierte. Du warst besser bei Stimme als bei manchen deiner Konzerte vergangener Jahrzehnte; und die Panik-Jubilare zeigten, dass sie immer noch eine der frischsten, vielseitigsten und kompetentesten Live-Bands der deutschen Rockszene sind.
Zuletzt sahen wir uns im Oktober 2007 in der Axel Springer Passage, anlässlich einer Vernissage mit Lindi-Gemälden, -Zeichnungen, -Likörellen und -Stasi-Akten, inklusive Live-Auftritt mit dem Panikorchester. Dort gab es eine interessante kreative Fortsetzung deines musikalischen Schaffenstums zu sehen (hier sind Fotos vom Konzert und den Akten).
Warum ich so weit aushole? Weil ich am Samstag nach deinem „Wetten dass..?“-Auftritt zum ersten Mal mit großer Freude dein neues, am Freitag (28. März 2008) erschienenes Album „Stark wie zwei“ gehört habe. Und weil ich offenbar nicht der einzige bin, der sich freut: Im Moment ist die CD bei Amazon der meistverkaufte Tonträger, und die Download-Version (die es erfreulicherweise mit PDF-Booklet gibt!) die bei iTunes am häufigsten heruntergeladene.
Und das mit Recht, denn du hast mal wieder ein starkes Stück zustande gebracht. Die Single „Wenn du durchhängst“ ist ein typischer Lindenberg-Balladen-Ohrwurm; „Ganz anders“ ein weiteres Duett mit Jan Delay (der dir in seinem Songtext folgende schöne Zeile in den Mund legt: „Eigentlich bin ich ganz anders, ich komm nur viel zu selten dazu!“); „Nasses Gold“ ein vortrefflicher Beitrag zu einem Thema, das du vorher im Song „Unterm Säufermond“ besonders gut betextet hast; „Der Deal“ eine rockige Kollaboration mit Silbermond.
Mein absoluter Favorit ist jedoch der Gaga-Song „Chubby Checker“, produziert von Helge Schneider, der zudem sämtliche Instrumente spielt. Herrlich! (Helge Schneider ist ja auch ein besserer Udo-Lindenberg-Darsteller, als du es manchmal warst – der Song „Pinguine können nicht fliegen“ vom Album „I Brake Together“, in dem Helge Schneider im Alleingang ein Duett mit „dir“ singt, ist einer der komischsten Schneider-Songs aller Zeiten und für mich auch eine Hommage an dich.)
Fazit: „Stark wie zwei“ ist kein Comeback-Album, weil du ja nie wirklich weg vom Fenster warst. Aber es ist ein so frisches, junges und gleichzeitig weises Werk, wie ich es dir spätestens seit den Aha-Erlebnissen im Schauspielhaus und in der AOL-Arena gewünscht habe.
Du bringst es mit deinen 61 Jahren in einem der neuen Songtitel mit hübscher Selbstironie am besten auf den Punkt: „Der Greis ist heiß!“
(31.03.2008)
PJebsen @Burkey: Danke!
Für die Lindi-Komplettisten noch zwei Tipps: Vor dem “Hoch im Norden”-Album (1972) gab es 1970 noch eine Jazz-Rock-Platte von Free Orbit (mit Lindenberg als Schlagzeuger und Sänger, und mit seinem späteren Kreativkomplizen Peter Herbolzheimer an der Posaune) sowie 1971 sein erstes englischsprachiges Soloalbum “Lindenberg”.
Ein weiteres Frühwerk hören ARD-Zuschauer regelmäßig am Sonntag, denn es ist Lindenberg, der das Schlagzeug der “Tatort”-Titelmelodie gespielt hat.
Was ich zudem noch empfehlen kann, ist die Autobiografie “Panikpräsident”, die Lindenberg zusammen mit Kai Hermann (u. a. “Christiane F.: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”) verfasst hat.
Darin finden sich Details, die selbst ich noch nicht wusste. ;-) Z. B., dass Lindenberg mit 17 nach Libyen auswanderte. Er spielte dort mit einer zusammengewürfelten deutsch-französischen Band auf einer US-Airbase in der Wüste nahe Tripolis.
Zitat: “Als Udo L. eines Mittags mit dem Zahnputzglas voll Whisky in der Linken, der Camel in der Rechten am Stamm einer gezausten dreiblättrigen Palme letzten Halt sucht, erscheint ihm die erste Mutter Morgana. Die Flimmerpunkte über dem Wüstensand puzzeln sich zu Hermines Antlitz. Die Mutter spricht: ,Junge, du musst zum Doktor.”
Der “zapft etwas blutverdünnten Alkohol aus brüchiger Vene” - und schickt “Matz” (so Udos damaliger Gronauer Spitzname) zurück in die Heimat.
7 April 2008
blearpro Ich hab sie alle erworben –
die pechschwarzen gewienerten Langrillen von Udo.
Dann gab es die Pause – da fand ich Udo abgedroschen – ausgelutscht.
Doch er ist genau der coole Junge geblieben, den ich schon in den 70ern verehrte.
Er hat nur – alles andere als panisch – ne’ coole Auszeit genommen –
ne’ Mülltonne aufgemacht -
reingeguckt – und kräftig Luft geschnappt.
Heute – im Februar 2012 – mache ich mal wieder richtig Mucke mit Udo, privat – in meinem Kämmerlein.
Krame meine tollen Scheiben vor – schwelge in Erinnerungen, singe mit und werde kreativ –
da bin ich nicht mehr Rudi Ratlos,
da bin ich wieder ganz bei Öle Pinguin und bei Gerhard Gösebrecht aus dem dreizehnten Sonnensystem.
nicht nur meinen Platte, auch YouTube und zufällig Qype bereichern dieses Privat-Event –
und bei PJebsen werde ich mal anklopfen – sofort.
13 Februar 2012
Deutsch
