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Benutzerfoto: rheinnixe

rheinnixe

Kompliment rheinnixe (12.04.2008) 5

Kleines Weinseminar im Winzerkeller
Dazu bot die VHS einen Kurs an und ich wollte dabei sein. Und ich war dabei! Gut vorbereitet zog ich aus, um zu lernen, zu lernen, von den Reben, den Säften und den Männern, die was davon verstehen.
Das Auto musste zu Hause bleiben und so wurde aus der routinierten Autofahrerin eine unerfahrene Buspassagierin. Im Internet suchte ich mir die Busverbindungen heraus. Knappe 6,00 € pro Strecke pro Person sollten uns den Spaß nicht verderben. Dass die Busse nach 22.00 Uhr nur noch stündlich fuhren, schon eher. Aber dazu später mehr.
Fahrtzeit mit Umsteiger am Löhrcenter (weil es regnete und wir möglichst wenig zu Fuß gehen wollten): 50 Minuten. Mit dem Auto wäre ich in 15 Minuten dort gewesen. Egal, wir wollten ja weintechnisch auf unsere Kosten kommen.
War schon mal jemand im hintersten Winkel von Güls? Da ist der Hund begraben! Laut KEVAG sollten wir an der Haltestelle “Im Biengarten” aussteigen, um innerhalb von 2 Minuten das Weingut Lunnebach zu erreichen. Das war dann wohl nichts. Haltestelle “Friedhof” wäre der richtige Tipp gewesen. Aber wir sind ja noch jung, wir haben ja noch Zeit…. Nach strammem Fußmarsch und Strecken-Erkundungen haben wir es dann aber pünktlich geschafft.
Der Eingang zum Weingut war durch zwei Rüttelbretter, in denen Flaschen steckten, einladend gestaltet.
Jetzt irrten wir auf dem Grundstück herum. Ah - da war eine größere Menschenansammlung, sicher der VHS-Kurs. Wieder nichts, nur eine geschlossene Veranstaltung. Also raus und weiter über den Hof getapert. Da kam aus einem kleineren Gebäude ein fröhlicher junger Mann heraus, erkannte uns als VHS-Täter und wies uns den Weg in dieses Gebäude.
Kuschelig warm war es hier. Die langen schmalen Tische waren sehr nett mit weißen Tüchern, glänzenden Gläsern (so nach dem Motto: “dann klappts auch mit dem Nachbarn”) und Vasen mit Narzissen geschmückt. Das ließ sich schon sehr gut an! Nachdem auch der letzte Teilnehmer eingetrudelt war, begann der junge Mann, der wirklich ausgesprochen sympathisch und fachkundig war (übrigens wurde er mit jedem Glas Wein auch attraktiver), uns über den Weinanbau des Familienunternehmens einiges zu erzählen. Dann ging es auch schon gleich zur ersten Verkostung. Die Gläser wurden zu je einem Drittel gefüllt. Herr Lunnebach erklärte uns dann, wie man Wein richtig “erschmeckt”. Weinfarbe, Aroma und natürlich Geschmack (so mit dem Schlürfen, über das wir uns bei “Wetten Dass” immer schiefgelacht haben). Aha - welch eine Erleuchtung! Da lernten wir ja wirklich etwas dazu. Die Weine wurden erklärt, wir erfuhren, von welchem Weinberg sie stammten, welche Sorte es war, ob es ein lieblicher, halbtrockener oder trockener Wein war und wie der Wein hergestellt wurde. Hmmm - schon bald fühlte ich mich zum Weinpropheten berufen! Es gab Brot und später auch Mineralwasser, damit man seine Geschmackspapillen zwischendurch immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen konnte.
Und es gab einen Krug, in den der Wein zurückgeschüttet werden sollte, den man nicht trinken wollte. Das hätte ich nun nicht erwartet von unserer deutschen Mitnehm-Mentalität: Es wurde wirklich jede Menge in diesen Krug geschüttet. Ich weinte um jeden Tropfen und überlegte immerzu, wie ich die anderen dazu bewegen konnte, ihre Gläser in mein Glas zu entleeren. Nein, das tut man nicht, meine Liebe! Dafür fraß meine Nachbarin jede Menge Brot, so dass der Brotkorb unseres Tisches als einziger mindestens dreimal nachgefüllt werden musste. Peinlich!

Wir bekamen Kostproben von Riesling, uns wurde der Begriff Hochgewächs erklärt, kosteten Weißburgunder und Blanc de Noir. Auch dazu erhielten wir wieder eine sehr gute Erklärung der Herstellung dieses Weines. Es folgte ein Spätburgunder, ein Riesling Secco und zum Schluß der liebliche Johannes B. - ist natürlich quatsch - natürlich ein Kerner. Also eine schöne Steigerung insgesamt von trocken nach lieblich. Gut gemacht! Herr Lunnebach hat uns auch erzählt von den Korken, vom Rütteln, vom Veredeln, von dem Alkoholgehalt - alles gewürzt mit einer wunderbaren Prise Humor. Wir waren völlig begeistert!
Und weil das Beste immer zum Schluss kommt, haben wir davon dann auch gleich zwei Flaschen mitgenommen (mehr ging ja nicht im Bus). Der liebliche Kerner, pro 0,75 l-Flasche 3,80 €. Ich finde, der Preis ist sehr in Ordnung!
Die Veranstaltung dauerte übrigens ungefähr zweieinhalb Stunden. Bezahlt haben wir dafür 10,50 € pro Person. Ein Schnäppchen für dieses Vergnügen!
Auch wenn Herr Lunnebach nun bald verheiratet sein wird, eine Weinverkostung mit ihm sollte sich niemand entgehen lassen. Man lernt wirklich eine Menge und erlebt einen wunderbar unterhaltsamen und genussreichen Abend!
Irgendwann im Juli gibt es ein Hoffest im Weingut Lunnebach. Dann sind wir sicher wieder dabei.
Bepackt mit unseren Weinflaschen (in den Jackentaschen verstaut), machten wir uns auf den Rückweg. Vom Friedhof aus fuhr jetzt kein Bus mehr, also mussten wir über die Gülser Brücke, um dort die Linie 6 zu erreichen. Na, wir sind ja noch jung… Aber in angeheitertem Zustand braucht man auch etwas länger. Doch, wir waren eine Viertelstunde vor Eintreffen des Busses an der Haltestelle.
Mit Alkohol im Blut wird man auch leichtsinniger. Also beschlossen wir, bis zur nächsten Haltestelle zu laufen, weil es doch öde wäre, so lange zu warten. Wir machten uns auf den Weg, der uns auf eine zweistündige Wanderschaft von Güls nach Horchheim führte. Denn die Linie 6 fuhr nicht dort entlang, wo wir es vermuteten. Viele Haltestellen fanden wir unterwegs, aber hier fuhr nach 22.00 Uhr kein Bus mehr ab. Nach 90 Minuten hatten wir endlich einen Stopp gefunden, an dem auch die Linie 6 stoppen würde, aber erst in 25 Minuten wieder. Na, bis dahin wären wir dann doch auch zu Fuß zu Hause.
Könnt Ihr Euch vorstellen, wie stocknüchtern ich dort schließlich eintraf? Die letzten Schritte - purer Muskelkater! Aber: Ich habe lange nicht mehr so viel gekichert und geblödelt. Irgendwie tat das richtig gut. Und die Weinflaschen sind auch unversehrt zu Hause angekommen. Morgen werden wir Sie zu Spargel und Schinken entkorken. Na, denn: Prost Kerner!

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