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mostro

Kompliment mostro (03.02.2007) 5

Wenn es einen Kanditaten für die verrückteste Entstehungsgeschichte unter den europäischen Museen geben sollte, wäre Dulwich die unangefochtene Nr.1!
Im 18. Jahrhundert beauftragte der polnische König zwei reiche Kunsthändler damit, für ihn eine königliche Kunstsammlung zusammenzustellen; die beiden Unglücklichen waren der Franzose Noel Desenfans und der Schweizer Francis Bourgeois . Sie kauften auf eigene Rechnung Masssen von hochrangigen Kunstwerken - und wurden sie dann nicht mehr los, weil mittlerweile Polen durch die diversen Kriege als politische und royale Macht eliminiert worden war. Pech! Sie liessen die einmalige Sammlung aber merkwürdigerweise (obsessiv?) intakt, verbesserten sogar noch den Bestand (waren also wirklich reiche Leute, dem Anschein nach) und vermachten sie dann schließlich auch noch dem britischen Volk.

Da sie aber dem eigentlich empfangsgewohnten British Museum mißtrauten, kamen sie auf die kuriose Idee, alles dem bis dahin quasi unbekannten Dulwich College zu hinterlassen.

Dulwich kennt heute auch kaum einer. Der Süden Londons ist für Touristen lustigerweise kaum erschlossen - und das liegt ausschließlich daran, daß die verrückten Briten die Hälfte ihres öffentlichen Nahverkehrs nicht in Stadtplänen abbilden: Fast der gesamte Süden Londons wird nicht von Undergrounds sondern von British Railways versorgt (oder deren Nachfolger). Im Prinzip ist das Netz ähnlich dicht wie die Tube im Rest der Stadt, nur weiß kein Fremder hier Bescheid - der Süden sieht auf allen Plänen wie ein weißes Loch aus!

Ich hatte das Glück, in Denmark Hill zu arbeiten und wurde von gebildeten Mitarbeitern auf die Existenz dieses Museums hingewiesen. Von der East Dulwich Station muß man auch noch ein Viertelstündchen durch grüne Parks und leere Sträßchen laufen, bevor das riesige Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert auftaucht.

Aufgrund der Abgelegenheit verirren sich wirklich nur wenige Besucher hierher, was einerseits angenehme Ruhe erzeugt, andererseits aber der Qualität der Kollektion nie gerecht wird, weil hier Werke hängen, die jeder Nationalgalerie würdig wären: Die Sammlung, die von der Hängung geographisch ausgerichtet ist, bietet alles was an alten Meistern zwischen 16. und 18. Jahrhundert Rang und Namen hat. Gainsborough, Reynolds, Rubens, Rembrandt, Murillo, Reni, Barbieri, Tiepolo, Bellucci und all die anderen in besten Ausführungen- hier findet sich nichts von minderer Qualität - eben eine Sammlung für einen König…..

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Beliebte Stichworte: dulwich, england, gemälde, kunst, malerei

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