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hafi46 (27.04.2008)
Die Tinnum-Burg
Sylter Wahrzeichen (7)
Wer in dem heutigen Ort Tinnum auf der Suche nach einer Burg im herkömmlichen Sinn geht, wird sich vergebens danach umsehen. Eine Burg gibt es dort nicht und hat es dort auch nie gegeben. Es liegt südlich von Tinnum auf einem flachen Geestvorsprung, der in die Marsch hineinragt, ein hoher Ringwall von erheblichen Ausmaßen. Dieser Wall wird die “Tinnum-Burg” genannt. Wälle dieser Art gab es auf Sylt noch zwei mehr. Einer lag im südlichen Archsum und ein anderer bei dem alten, heute längst untergegangenen Rantum. Letzterer wurde die “Ratsburg” genannt. Ob sie heute noch unter Dünensand verschüttet liegt oder ob die Nordsee sie schon geholt hat, ist unbekannt. - Welche Bedeutung hatten nun diese Burgen genannten Wälle?
Ursprünglich nahm man an, daß die Germanen der Bronzezeit diese Stätten als Kultplätze errichtet hätten. Andererseit vermutete man hier sichere Fluchtplätze für Mensch und Tier bei Überflutungen oder bei feindlichen Überfällen. Von der “Tinnum-Burg” heißt es aber auch, daß hier um 1370 der Ritter Claus Lembeck sich festgesetzt hatte und von hier aus die Insel terrorsierte, dann aber schon bald, etwa vier Jahre später, durch die Truppen des Dänenkönigs Waldemar Atterdag besiegt und von Sylt vertrieben wurde. Doch diese “Burg” wurde später beim Volk immer als eine Zwingburg betrachtet, zumal sich hier in der Nähe die erste Landvogtei, der Sitz der fürstlichen Gewalt auf Sylt, befand.
Der heute noch stehende Ringwall, zu dem der jetzige Ort Tinnum eine gute Zuwegung geschaffen hat, hatt in seinem Inneren früher einen Wassertümpel, der aber im Laufe der Zeit vermoort ist. Aus diesem Tümpel, dessen Wasser die Schätze vorgeschichtlicher Zeit gut konserviert haben, trank der Landvog Steffen Taken, wenn er sein um die Burg herumliegendes Land mähte und dabei Durst bekommen hatte. So genügsam war er.
Als in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Kieler Professor Handelmann daranging, in der Burg selbst Ausgrabungen vorzunehmen, fand er nichts, das irgendwie zur Datierung dieser Stätte dienen konnte. Da der Wall an seiner Nordseite einst von einer großen Wasserfläche, dem “Döplemsee”, umgeben war, und an seiner Westseite ein tiefer aus dem See herausführender Graben “Küdemgraav”, der zum südlichen Wattenmeer hinausführt, noch heute vorhanden ist, so mußte man vermuten, daß der See einst den Hafen für diesen unzweifelhaft als frühere Wohnstätte anzusehenden Platz gebildet hat. Hier konnten die Waren leicht umgeschlagen werden; und von hier aus bestand eine gute Fluchtmöglichkeit zu Schiff ins nahe Meer.
Um festzustellen, wann dieser große Ringwall errichtet worden war, wurden kurz vor der Währungsreform 1948 in der Burg selbst Grabungen durchgeführt. Dabei fand man Scherben des 9. und 10 Jahrhunderts und wahrscheinlich Hausreste dieser Zeit, die man die Wikingerzeit nennt. Es scheint also feszustehen, daß die Bewohner der Insel sie, wie vielleicht auch die beiden vorher genannten Burgen, als Schutz gegen die die Küsten unsicher machenden Nordvölker errichteten. Die späteren Inselbewohner haben dann diese festen Plätze immer wieder ihren Zwecken dienstbar gemacht, wie vorher schon erwähnt wurde.
Die “Tinnum-Burg” kann übrigens ohne weiteres betreten werden.
Foto: Kurverwaltung Sylt-Ost
Stichworte sylt, wikinger, tinnum, landvogt, ratsburg, dömplemsee, küdemgraav, dänenkönig
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