Adresse: Sylt-Ost
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Kompliment
hafi46 (29.04.2008)
Sylt, Treffpunkt Sylt! Alle Jahre wieder. Man kann es nicht lassen. Einige versuchen es. Sie erklären, Sehnsucht nach den Süden zu haben, und fahren hin. Im Süden gibt es Palmen, Agaven, Chianti, Feigenblätter. Auf Sylt kann man gut und gern darauf verzichten. Im Süden kriegten sie erst recht Sehnsucht nach Sylt. Hier, erklären sie und atmen tief ein, gehören wir hin!
Die Unentwegten kommen bereits im März. Die Entwegten waren schon im April da. Im Mai kommen die Schwalben. Und dann kommt die Saison. Die dehnt sich von Nord bis Süd und verliert sich fern am Horizont. Im August kommen die Unentwegten zum zweiten Male. Im September erscheinen die Entwegten. Ihnen gehört dann die Insel ganz und gar bis tief in den Oktober hinein. Im November kommt der Nebel. Er legt sich zwischen Festland und Insel, und die Eingeborenen rüsten ihrerseit zum Urlaub. Aber mit den ersten Schneeflocken rücken die winterlichen Besucher Sylts an. Sylt ist auch im Winter schön. Viele wissen es schon.
Man trifft sich zu allen Jahreszeiten. Haupttreffpunkt ist natürlich die Saison. Der Wind weht, die Sonne brennt, das Meer rauscht. Ja, da ist man wieder. Die anderen sind auch da. Alle sind wieder da, seit Jahrzehnten. Man wechselt Händedrucke oder winkt einander zu und stellt befriedigt fest, das der Dicke immer noch so dick ist und der Dürre immer noch so dürr. Nur die Endneunzehnerin ist inzwischen eine Endzwanzigerin geworden.
Und die Kinder von einst, die im Sand buddelten oder munter über die geheiligten Wälle der Sandburgen turnten, sind zu sittsamen Jungfrauen und Jünglingen herangewachsen, eifrig bemüht, den künftigen Partner fürs Leben innerhalb der Urlaubsspanne zu entdecken. Sylt ist nicht nur ein Ferien-, sondern auch ein Eheparadies. Nicht nur Möwen werden hier beringt. Zu zweit wandert es sich schöner. Zu zweit badet es sich schöner. Zu zweit hat man mehr von der Einsamkeit. Sylt ist eine Insel der brausenden Stille. Der Alltag ist auf dem Festland zurückgeblieben. Dort gehört er hin. Und der eigene Wagen steht brav hinter den Dünen. Dort gehört er hin. Man sieht ihn nicht und man hört ihn nicht, aber er ist griffbereit. Welche Beruhigung!
Seht Ihr, und dies ist die Hauptsache auf Sylt: die Beruhigung. Man weiß, das man nicht weg kann. Man ist ein Robinson. Wenn man ankommt, ist man als solcher deutlich an der Hautfarbe zu erkennen. Hinterher gibt sich das. Man taucht im Meer der Braunhäutigen und im Meer überhaupt. Sylt ist neidlos. Das einzige was man neidet, ist die Bräune. Aber sie ist gratis erhältlich, und der Neid versickert im Sand. Das Gehirn schrumpft, die Faulheit regiert. Es soll Leute gegeben haben, die nur auf der einen Seite braun wurden. Sie waren einfach zu faul, sich umzudrehen. Umdrehen lohnt immer, nicht zuletzt auf Sylt. Übrigens: wisst Ihr, daß es auf Sylt nur nette Leute gibt? Natürlich wisst Ihr das, Ihr seit ja selbst hier. Und wenn`s anders wäre, würdet Ihr nicht wiederkommen. Aber wir alle kommen wieder, Ihr auch.
Wetten, daß?
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