Ich war am Samstag, 21.05.2011, zum "Contact Samstag Mai", einem ganztägigem Contact Improvisation Workshop in der Tanzfabrik Berlin-Kreuzberg (http://tanzfabrik-berlin.de/wsbescheibung.php?d1=2011-05-.... Weil ich unter der Woche abends nicht ständig unterwegs sein kann, um feste Kurse zu besuchen, fuhr ich die 33 KM von außerhalb nach Kreuzberg, um einmal tagsüber etwas über Contact Improvisation zu lernen.
Am Vortag hatte ich in der Tanzfabrik angerufen und gefragt, ob ich als Anfänger ohne Vorkenntnisse beim Contact Samstag Mai richtig bin. Und es wurde mir gesagt, dass die beiden ersten "Klassen" von
11.30 - 13.15 h bei Christine Mauch und
14.00 - 15.45 h mit Peter Pleyer für absolute Anfänger geeignet sind.
Leider hatte ich nur Zeit bis 13:30 Uhr, so dass ich mich mit einer Bekannten bei Christine Mauch einfand. Die Klasse war so gut besucht, dass der gewählte Raum für die etwa zwei Dutzend BesucherInnen gerade ausreichte, wofür sich das Team der Tanzfabrik zu Beginn der Veranstaltung entschuldigte. Auch wenn der verfügbare Platz ausreichte, stellte sich doch ein Gefühl der Enge ein. Mir wäre es lieber gewesen, die Verantwortlichen hätten die Teilnehmerliste zu einem bestimmten Zeitpunkt geschlossen, anstatt weiter die Hand (Kasse) auf zu halten und danach scheinheilig um Entschuldigung zu bitten. Den TeilnehmerInnen fiel der schwarze Peter zu, sich damit abzufinden.
Die Klasse begann weder damit, dass sich Christine Mauch vorstellte, noch, dass sie die BesucherInnen informierte, was diese in den vor ihnen liegenden knapp zwei Stunden zu erwarten hätten. Statt dessen wurde kurz in die Runde gefragt, wer denn Englisch statt Deutsch spräche. Eine erkennbare Meldung wurde zum Anlass genommen, alle folgenden Anweisungen und Erklärungen für zwei Dutzend Frauen und Männer zweisprachig abzuhalten, was ich persönlich für übermäßig entgegenkommend und übertrieben freundlich erachte. Die Sprache der internationale Profiszene ist Englisch. In der Klasse fanden sich jedoch allem Anschein nach Tanzlaien ein. Darüber hinaus waren wir mitten in Deutschland. Und die allgemein anerkannte Basis der Verständigung ist in Deutschland: Deutsch. Nicht deutsch-englisch, englisch-deutsch, denglisch oder sonst irgendwas. Und wenn mitten in Kreuzberg auf Weltstadt gemacht wird (was Berlin und Kreuzberg definitiv nicht sind), wirkt das auf mich grotesk.
Der Unterricht begann natürlich nicht mit Contact Improvisation, sondern damit, dass die TeilnehmerInnen ein Gefühl für den Raum und ihren Körper erhalten sollten mittels ca. 15 minütigem Durcheinanderlaufen. Dabei wurden von der Lehrerin so ziemlich alle Körperteile benannt und die SchülerInnen sollten sich derer bewusst werden. Diesem Prozedere konnte ich absolut nichts abgewinnen außer dem Wiederauffrischen von englischen Vokabeln.
Auch im Anschluss daran wurde die Erwartung auf die jahrelang ersehnte Contact Improvisation weiter gesteigert. Die Übenden wurden sich ihres Gleichgewichts in der normalen, vertikalen Lage bewusst und auf die Umkehrung der Vertikalen vorbereitet, indem sie im Käferlauf rückwärts mit hängendem Kopf und Blick durch die Beine durch den Raum krabbelten. Interessanter Nebeneffekt: nachdem die Klassenleiterin uns darauf aufmerksam machte, fiel tatsächlich jedem die Täuschung auf, es würden alle an der Decke hängen. Das war für mich das einzig wirklich Überraschende und Witzige in dieser Klasse.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die TeilnehmerInnen diese beiden Übungen brauchten. Ich bin mir hingegen sicher, dass die Veranstaltung ausschließlich von Leuten mit Vorerfahrung in diversen Bewegungsformen (Tanz, Yoga, Pilates usw.) und einem dadurch bereits ausgeprägten Körpergefühl besucht wurde. Totale Tanz- und Bewegungsmuffel besuchen keinen Contact Impro-Workshop. Also bis dahin Verschwendung meiner Zeit.
Wir waren bereits mitten im Ablauf der "Klasse" und noch immer von Contact Improvisation weiter entfernt als jemals zuvor. Nun schloss sich ein Kursteil an, dessen Sinn und Zusammenhang mit Contact Impro sich mir völlig verschließt und der natürlich auch nicht erklärt wurde. In diesem Zusammenhang fällt mir auf, dass von den Studierenden fraglos alles befolgt wurde, was die Lehrerin ihnen vorsagte. Wie bei Erst- und Zweitklässlern in der Grundschule. Das scheint allgemein ein Phänomen in der Erwachsenenbildung zu sein - das Schulverhalten von Pubertierenden wird mir auf einmal sympathisch, die lassen sich irgendwelchen Unsinn nicht mehr einfach so verkaufen, sondern fragen kritisch nach.
Gut, wie ging's also weiter? Es schloss sich eine Partnerübung in Form einer hmm... Massage/Körperarbeit/Entspannungs-/ Sinnlichkeits-Übung an, die darin bestand, dass die auf der Seite Liegende von der Partnerin mit beiden Händen zunächst an der Schulter gefasst und sanft bewegt wurde, danach noch an zwei weiteren Stellen im Bereich der Rippen. Mit Rauf - Runter, Vor - Zurück, Wechsel und dem Ganzen nochmal von vorne war locker eine halbe Stunde vertan. Und wozu? Vielleicht weiß es Frau Mauch? Die Übenden wussten es wohl nicht.
Nach der Horizontalentspannung ging's dann plötzlich von Null auf Hundert: zwei Partner sollten drei vorher gezeigte Übungen im KOPFSTAND nachmachen. Der Kopfstand ist eine anspruchsvolle Übung und gehört zum Beispiel im Yoga zu den fortgeschrittenen Asanas. Hier sollte sich die Übende lediglich an der Partnerin im Vierfüßlerstand anlehnen. Die Aktive wurde nicht von einer dritten Person gesichert und davor bewahrt, zu einer anderen als der Soll-Richtung zu fallen. Die Übenden wurden weder nach ihrer Vorerfahrung noch nach eventuellen Risiken befragt. Und es kam, wie's kommen musste: ich hatte den Kopfstand zuletzt als Kind gemacht, habe das Gleichgewicht verloren, bin zur Seite gekippt und mit dem Becken auf dem Parkett aufgeschlagen. Zu allem Überfluss lag darunter der Fuß meiner Partnerin. Der schmerzte natürlich erheblich, wurde sofort blau und musste gekühlt werden. Ein Unfall, der hätte vermieden werden müssen. Wir können von Glück sagen, dass wir uns nicht ernsthaft verletzt haben. Sie konnte nach einer Stunde Zwangspause weitermachen, ich habe nach der Klasse sowieso Schluss gemacht.
Gegen 13:20 wurden die TeilnehmerInnen dann noch aufeinander losgelassen und sollten einfach Contact Impro machen, ohne dass sie etwas dafür gelernt hätten. Ich hab dann einfach mit einer anderen Partnerin (meine hielt sich Eis auf den Fuß) das abgespult, was ich mir vorher bei anderen abgeschaut hatte.
Leider konnte ich der Klasse von Christine Mauch nichts abgewinnen. Ich halte sie darüber hinaus für unfähig, Anfängerklassen in Contact Impro zu leiten. Ich kann AnfängerInnen daher nur davon abraten, Unterricht bei Christine Mauch zu besuchen.
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