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Kompliment FannyvanLoo (08.04.2008) •••••

“Einmal kurz Italien!” - wollte ich. Zweimal für länger bin ich in Londons “Bar Italia” gelandet.
Zunächst Chaos in Heathrow statt Gran Casino in Roma. Im erste Klasse- Abteil des Paddington Express (Ein bisschen Luxus muss sein!) begann dann mein Urlaub. Und später in der 22 Frith Street, Soho, Ecke Old Compton Street erreichte er einen kleinen Höhepunkt! Die Bar ist “very continental“. Zum Glück! Sie passt eher nach Trastevere.
Der Cappuccino den sie auf Silbertabletts servieren, schmeckt jedenfalls echt und ist seine £ 2,50 wert. Ich kostete von einer mit Kakaopulver dekorierten Milchschaumkapuze am Spätnachmittag in Gegenwart des Mannes, der meine Reise von Süden nach Westen umgeleitet hatte. Zur Entschädigung musste er noch das leckere Panino für £ 6 bezahlen. Auf der anderen Seite des kleinen runden Tischchens lockte ein dunkelroter Wein mit feinem Beerenaroma.
Bei der Platzwahl lachte mir ebenfalls das Glück:
Ich hatte meinen Bekannten eine Stunde auf mich warten lassen, auch damit er die Zeit fand, zwei freie Stühle an der Straße für uns zu erobern. Heizstrahler wärmten mir an diesem kalten Aprilnachmittag von oben die Beine. Ich konnte mir also ganz entspannt die vielversprechenden Pläne meines Gegenübers anhören und nebenbei jede Menge interessante Typen beobachten, ohne nur eine Sekunde zu frieren.
Die nettesten Leute, die vorbeiliefen, waren natürlich meine Freundinnen Jil und Maria, die schon lange in London wohnen. Sie erzählten mir, dass es die Bar Italia schon seit über 50 Jahren gibt und rieten mir, unbedingt noch das Innere anzugucken. Eine tolle Idee! Dort sieht es aus wie in einem alten italienischen Film: Kiloweise Knoblauch, Schinken und pralle Würste baumeln von der Decke, an der Wand klebt das coole Plakat eines verschwitzten Boxers.
Für das Dinner mit meinen Freundinnen wollte ich noch eine Flasche von dem Rotwein mitnehmen, den wir draußen hatten. Der dünne, dunkelhaarige Kellner, ein süßer aber in diesem Moment irgendwie auch verstockter Typ, reagierte darauf ziemlich verwundert. Wahrscheinlich kommen sie hier alle zum Essen und Trinken aber nie zum Einkaufen vorbei.
Nach ein paar aufregenden Tagen und Nächten in London bin ich kurz vor meiner Abreise noch einmal da gewesen: Wieder auf einen Cappuccino, dieses Mal drinnen und allein. Jetzt waren nicht die Fußgänger auf der Frith Street die Schauspieler, sondern die Leute an der Bar. Ich liebte es, ihnen dabei zuzusehen, wie sie schnell aber ohne Hektik ihren Job erledigten, Getränke und Speisen balancierten. Der dünne Schwarzhaarige war auch wieder da und an diesem lebendigen Spiel beteiligt. Er sagte allerdings kaum ein Wort. Die Ruhe, mit der er seine Arbeit tat, erinnerte mich an einen Messdiener. Ich lächelte ihn an. „Du kannst ruhig ein bisschen italienischer werden,“ dachte ich: „… dieses Britische mal wieder ablegen.“ Vielleicht konnte ich ihn ja etwas auflockern. „Ciao Bella“ hat er allerdings nicht gesagt.
Die Bar Italia in London bleibt übrigens 24 Stunden am Tag geöffnet.

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