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Benutzerfoto: Richensa

Richensa

Kompliment Richensa (09.05.2008) 5

Das Tolle in einer fremden Stadt ist ja, dass frau mit einem Reiseführer, sei es in Buchform oder als schmucker männlicher, um nicht zu sagen herrlicher Begleiter, durch die Straßen schlendern kann und mal hier ein Museum, dort eine Kirche und da hinten den angesagten Schuhladen findet, mit des Reiseführers Hilfe natürlich.
Und dann kommen die eigenen Entdeckungen, die auf der Erinnerungsskala den ungleich höheren Wert erreichen. Hierzu zählt bei mir das „Carmelitas“, mitten im Viertel el Raval, etwas nördlich der carrer Hospital, die mir nach der Woche dort so etwas wie die Demarkationslinie zwischen dem (schon) schickeren nördlichen Teil des Viertels und dem (noch?) etwas ursprünglicheren, leicht angerotviertelten Südteil bildet. An der carrer carme, an der auch das alte Hospital de la Santa Creu abends etwas düster und abweisend die Herrschaft führt, liegt das erst seit wenigen Jahren renovierte Gebäude.
Bereits von weitem lockte es mit quasi richensaroten Farben an der Fassade heran. Auch der Blick hinein versprach mehr: Fast komplett in edlem Weiß, nur mit wenigen Farbakzenten gehalten. Und der Blick auf die Teller der Speisenden versprach noch mehr. So wurde das Carmelitas die Wahl des Abends.
Wir wurden bereits am Eingang freundlich begrüßte uns der Wirt, natürlich auf katalàn wieder. „Bona tarda, com va això?“ „Bé, graciès..una taula per a tres…“ Es lebe mein Kauderwelsch-Sprachführer (Buchform, leider !), der Wirt war gleich erfreut, wahrscheinlich hat er einfach uns abgezählt und sich schon gedacht, dass wir nicht an der Tür stehen bleiben wollten.
Der wunderbare hohen Raum mit den Metallsäulen war es zwar schon recht gefüllt, aber wir bekamen einen schönen Tisch mit Blick auf den Platz, die Bar und die kleine Videoinstallation, die auf Dauerschleife lief: die Bagger, die im Viertel offensichtlich Tatsachen schaffen wollten, schwangen wild die Schaufeln, der Zuschauer war aber erleichtert, dass sie ihr Werk nicht vollendet hatten und man selber so nett an einem Tisch saß. Unser Kellner brachte auch, quina sorpresa, gleich drei Gläser Sekt, tres copas de xampany und ein Schälchen kleiner unglaublich schmackhafter Oliven. Zum Glück konnte unser Kellner auch französisch sprechen, das hat dann doch die Auswahl dessen, was wir essen wollten, erleichtert. Er riet uns für unseren ersten Besuch zu den Vorspeisen in Tapasgröße, ein wunderbarer Tip! Fast ohne zu fragen notierte er pa amb tomaquet (Brot mit Knoblauch, Olivenöl und Tomate), patates braves (gebratene Kartoffelwürfel), croquetes (Kartoffelkrokettchen, hier mit Frischkäse gefüllt), bunyols de bacallà (Würfel von gebratenem Stockfisch), seitons en vinagre (diese kleinen Fischlein in Essigmarinade) und dann noch eine ganze Flasche von dem formidablen Sekt aus einer katalanischen Weingebiet westlich von Barcelona. Und das war köstlich! Stockfisch hatte ich noch nie gegessen, kenne ihn nur aus mittelalterlichen Rezepturen und war total überrascht, wie gut der mundete. Der eigentlich getrocknete und gesalzene Fisch war gewässert worden und dann in Olivenöl knusprig ausgebraten. Auch die anderen Tapas waren unglaublich gut: die Kartoffelwürfel waren auch knusprig ausgebacken, mit Paprika und Kräutern gut gewürzt, das Brot frisch gebacken, nicht aufgebacken… und der Xampanya dazu!
Später des Abends testeten wir noch als Nachtisch ein Brotscheibchen, welche mit Olivenöl und Meersalz beträufelt waren und dann mit einem Stück feiner Bitterschokolade langsam überbacken war. Unglaublich lecker! Und auf Anraten des Kellners gab es ein Gläschen Ratafìa dazu, einen Kräuterlikör, der meilenweit von anderen Vertretern seines Faches entfernt war. Selbst die Variante aus dem Perigord landete weit abgeschlagen auf den Plätzen meiner Erinnerung.

Höchst zufrieden wandelten wir später in die Nacht… und kamen ein paar Tage später wieder, um ein ähnlich tolles kulinarisches Erlebnis mit Vorspeise und Hauptgang, ein wunderbar rosa gegrillter Thunfisch mit mariniertem Gemüse, zu haben, natürlich wieder mit Xampanya und dem Pa amb xocolata-Dessert und einem Ratafìa dazu.
Lecker!

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