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Top Empfehlung:
Kopenhagener Str. 13, 10437 Berlin
Top Friseur im typischen Berlin-Style, in Berlin Prenzlauer Berg. Kundenzitat: "Gutes Sortiment von Magazinen, gute Musik vom Band und hippes Aussehen der Räumlichkeiten. Einziger Friseur, den ich mehr als einmal an meine Haare lasse."
Kompliment
Labude (14.05.2008)
Vor ein paar Tagen hat mir Qype eine Mail geschrieben. Ein Beitrag von mir verstoße gegen die AGB und ich solle ihn doch bitte löschen. Dann kam noch irgendetwas … so sinngemäß, man wisse, wo ich wohne und was ich für ein Auto fahre. Nun, da ich im Grunde ein friedliebender, konfliktscheuer Mensch bin, habe ich gelöscht und erst einmal brav die AGB gelesen.
Es war eine bittere Enttäuschung.
Es ist so ziemlich alles verboten, was Spaß macht. Man darf keine vulgären oder kränkenden Benutzerbilder hochladen, Bewertungen müssen sachlich und genau sein, es sollen nur Orte bewertet werden, die man aufsuchen kann. Nein, mal ehrlich, wie soll ich denn einen Bericht über das Ku’dorf schreiben, ohne vulgär zu werden? Und: kann man diesen Ort wirklich aufsuchen? Es ist ein bisschen wie mit diesen Hinweisschildern aus sozialkritischen Kinderserien: „Ball spielen verboten!“, „Betteln und Hausieren verboten!“, Betreten des Rasens verboten!“ Am schlimmsten aber war, als ich lesen musste, dass pornografische und gewaltverherrlichende Inhalte verboten sind. Ich werde also ohne den Hauch eines Zweifels eine Mail vom Senior Vice President of the Community Health and Safety Department bekommen, dass ich diesen Text innerhalb von 24 Stunden löschen muss. Aber da muss ich durch. Manchmal muss man sich eben entscheiden.
Am Wochenende schlenderte ich die Schönhauser Allee entlang. Ich entdeckte ein Schaufenster: Brazilian Waxing Studio. Entschuldigen Sie meine Naivität, aber das sagte mir überhaupt nichts. Wenn Sie gerade im Büro sind, sollten Sie das nicht googeln. Da erscheinen jede Menge pornografische Inhalte. In der Damen-Abteilung der Preisliste fanden sich kryptische Eintragungen wie „Hollywood”, “Landing Strip” oder “Bikini Stripes” um die 20 €. Ich hatte eine Idee, aber erst spätere intensive Recherchen zeigten mir, dass ich mit meinen Vermutungen teils richtig (Landing Strip) und teils bemerkenswert falsch (Hollywood) gelegen hatte. Wirklich gewaltverherrlichend wurde es dann aber auf der Herrenseite der Preisliste. Allein der Gedanke daran, was Kaltwachs auf meinem Po (16 €, ohne Anus 13 €) anrichten könnte, jagt mir kalte Schauer über den gottlob unbehaarten Rücken. Sollte jemals jemand auf die Idee kommen, mir einen “Brazilian Hollywood Man” mit Wachs zu verpassen, dem schneide ich bei lebendigem Leib die Leber aus dem Leib, brate sie in Butter und verspeise sie mit Äpfeln und Zwiebelringen.
Alle diese pornografischen und gewaltverherrlichenden Dienstleistungen wurden öffentlich, völlig unverblümt, ja schamlos auf einer Preisliste angeboten, die in ihrer unschuldigen Aufmachung an einen altmodischen Friseur in Wilmersdorf erinnerte. Mein Friseur hat da eine wesentlich komplexere Preisstruktur.
Meine Friseurerfahrung lässt sich grob in zwei Epochen unterteilen. Es gibt die Prä-Lydia-Ära und die Post-Lydia-Ära. Lydia, die schöne Russin mit den dunklen Augen und den schlanken Händen hat mich in die Kunst des Haarewaschens eingeführt. Seit ihr lasse ich keine robusten Azubis mehr an meine Kopfhaut, die meine Haare rubbeln, als müssten dort hartnäckige Soßenflecken entfernt werden. Irgendwann war Lydia dann nicht mehr da. Es war schlimm. Mit der Zeit habe ich verschiedene wunderbare Haarwäscherinnen gefunden und wieder verloren. Wahrscheinlich haben sie alle früher oder später einen Kunden geheiratet und machen diesen jetzt mit sanften Berührungen der Kopfhaut glücklich.
Ich bin wieder fündig geworden. Meine neue Lydia heißt Lisa und arbeitet in der Janko Appelt Filiale in der Jägerstraße. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich das hier wirklich preisgeben soll. Aber mein Mitteilungsbedürfnis hat meine latente Eifersucht besiegt und jetzt werde ich vermutlich nie wieder einen Termin bei ihr bekommen, weil sie über Wochen ausgebucht ist. Es ist nicht das Haare waschen als solches. Das würde ich eher als sachlich-routiniert bezeichnen. Es ist auch nicht das Haareschneiden, mit dem ich durchaus zufrieden bin. Es ist die als Extra zubuchbare Kopfmassage. Mehr sage ich jetzt nicht, sonst wird der Bericht tatsächlich gelöscht. Es wäre nämlich sicher unsachlich. Ich bin süchtig. Jawoll.
Ansonsten ist über den Laden zu berichten, dass die loungige Musik immer etwas zu laut ist, aber auf meine Bitte leiser gemacht wird, dass der Chef wohl in Sachen Modenschauen macht, dass die Einrichtung ziemlich grün und der Cappuccino ziemlich gut ist. Ach ja, das Preismodell. Es hat irgendetwas mit der Uhrzeit zu tun, zu der man erscheint und mit der Zeitspanne, die zwischen zwei Terminen liegt. Ich habe es nicht wirklich verstanden, meistens sind es gut 20 € und ich finde, das ist ein ausgesprochen fairer Preis für ein kleines Glück im Alltag.
Das einzige, was mit seit heute wirklich nicht mehr aus dem Kopf geht, ist die Frage, ob man beim Brazilian Waxing auch so etwas wie die Kopfmassage zubuchen kann. Vielleicht weiß ja einer meiner Leser mehr.
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