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Kompliment berlingazza (24.05.2008) 5

Anno 1910 wurde die Musikalienhandlung Riedel in Berlin gegründet.
Seit dem war Musik-Riedel ein Anlaufpunkt für Komponisten, Berufsmusiker, Musiklehrer und Musikhörer aus aller Welt.
Riesig war die Auswahl an Noten, Instrumenten, Musikliteratur und vielerlei Zubehör, die in Räumen, die an eine verschachtelte
Bibliothek erinnerten, präsentiert wurden.

Riedel war in der ganzen Welt ein Begriff

Der Laden in der Uhlandstraße barst von all den Sammlungen, die das Unternehmen in dieser Zeit sich ans Lager legte.

Nun kam aber die Zeit, dass man feststellte, dass es besser ist, wenn man diese kostbaren Stücke nicht nur ausstellte, sondern sie auch verkauft.

Nach ungefähr 100 Jahren kam der Besitzer, Wolfgang Riedel, mit seinem Unternehmen in Schwierigkeiten.

Im März 2001 wurden der Mietvertrag für die 10 Jahre vorher angemieteten Filialräume im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt nicht verlängert.

2006 verschäfte sich die Situation, und das Unternehmen mußte Insolvenz anmelden.
In 2000 kam dann plötzlich ein Märchenprinz in Gestalt des Unternehmers Hans Wall aus der Tiefe des Raumes.
Der mit der Installation von sog. Stadtmöbeln zur sanitären Entspannung, kurz Klohäuschen, zu Wohlstand gekommene Künzelsauer ( da kommt auch der reckvirtuose Kunstturner Eberhardt Ginger her ) bot den kompletten Kauf einer Gesamtausgabe von 40 großen Komponisten für 100 000 Euro an, um diese dem Konservatorium für Musik in Sankt Petersburg schenken.

Der Ladeninhaben freute sich kindisch, dennoch zu früh.

Nach dem die Presse deutschlandweit über diesen großzügigen Gutmenschen berichtet hatte, und auch ich mit verdrückter Träne mich solcher Großherzigkeit erfreute, verlangte die Wall AG dann doch lieber mal die Bilanzen des Unternehmens zu sehen, wollte sie ihre Großzügigkeit doch an die durchaus verständliche Bedingung knüpfen, dass diese Finanzspritze auch das Überleben der Notenhandlung sichere.

Der Schuldenberg war aber weit größer als erwartet, angeblich hätte nicht mal die 5-fache Summe ausgereicht, um den Ruin abzuwenden.

Die bereits versandfertig Sammlung wurde wieder ausgepackt, denn das Geld floß nun leider nicht.

Bei allem Verständnis für die Wall AG, die ihr Geld nicht ein einen Faß ohne Boden stecken wollte, hätte ihnen die Überprüfung der Bilanzen auch schon vor dem medienrummel einfallen können.
Es blieb ein kleines Geschmäckle.

Wolfgang Riedel versuchte nun mit einer Räumungsverkaufsaktion zu retten, was nicht mehr zu retten war.

Jetzt kam aber doch noch die Rettung in Person der Ingolstädter Musikunternehmens Loib GmbH, die mit ihrem Tochterunternehmen Bauer & Hieber den Riedel übernahm.
Dieser Name stammt von der schon vorher in München geretteten Königlichen Musikalienhandlung gleichen Namens.
Der neue Chef des Hauses, Gregor Bosch, zog mit Musik-Riedel nach nebenan in die Hausnummer 42, dort wird ein erweitertes Sortiement auf nunmehr 450 qm präsentiert.

Die 5. Filiale dieser Musikalien-Kette erinnert nun an einen übersichtlichen Supermarkt, allerdings mit einer exquisiten Auswahl an ausgefallenen Klarinetten-Etüden, Saxophon-Solos und Klavier-Stücken.
Alle zu finden in hunderten gut beschrifteter Fächer.

Wolfgang Riedel wirds wohl mit einem weinenden und einem lachenden Auge von außen beobachten.

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