Adresse: Route de la Treille, Cimetière La Treille, 13011 Marseille
Stichworte aprikosenwörter film césar film marius fisch gymnasium thiers lavendel matrose provenzalischer dialekt romancier simone collin theaterregisseur weites meer
Website Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten anzeigen
Werben Sie hier mit einer Qype Premium Anzeige (mehr...)
Kompliment
Lenz (06.06.2008)
„Lavendelsätze, Aprikosenwörter“, betitelte Annick Eimer in ZEIT online ihren Artikel über den fantastischen südfranzösischen Romancier, Theaterregisseur und Filmemacher Marcel Pagnol. Ich muss sagen, mir hat das gut gefallen und ich bin der ZEIT-Wissen-Autorin unendlich dankbar für diesen poetischen Headline-Erguss. Auch für ihre liebevolle Beschreibung eines beinahe vergessenen Meisters der Milieustudien des Midi. Die Wortschöpfungen haben bestimmt auch ihren Grund und Annick muss von Marcel inspiriert worden sein. Man sagt nämlich, dass der Wortschatz des Mannes aus der Gegend um Marseille den des durchschnittlichen französischen Autors um mindestens 30 Prozent übertroffen hat. Bevor wir zu Marius kommen und zu meinen ersten freudvollen Erfahrungen in Cinematheken, die unumgängliche Frage: „Wer war nun dieser Marcel Pagnol?“

Diese Sehnsucht muss man verstehen
Marcel Pagnol wurde am 28. Februar 1895 in Aubagne, einer Kleinstadt zwischen Marseille und Toulon, also im Herzen der Provence geboren. Man kann sich vorstellen, wie die weiten Lavendelfelder in der Umgebung von Aubagne in der Blütezeit ihren duftigen Zauber entfalteten. Marcel verbrachte eine unbeschwerte Kindheit. Vor allem in der Ferienzeit, in einem kleinen Häuschen in der Bastide neuve, im Marseiller Hinterland. Er soll Fallen gelegt haben, um Salamander zu fangen und soll glücklich mit einem Zipfel Wurst und einer Scheibe Brot zur Mittagszeit gewesen sein. Als er Neun wurde, übersiedelte die Familie nach Marseille. Was war das für ein Unterschied, der Wechsel vom weichen Provenzalisch zum trommelgewehrfeuerähnlichen Accent Marseillais! Ein Schock. Marseille, vor allem der alte Hafen, schien ihm dennoch aufregender als alles andere auf der Welt.

Lavendula; die Pronence duftet danach
Marcel besuchte das Gymnasium in Thiers, machte seinen Abschluss an der Universität Aix-en-Provence und wollte erst Englischlehrer werden. Er kritzelte aber an Bühnenstücken herum und hatte erste Erfolge. 1916 heiratete er eine gewisse Simone Collin. Ab 1927 lebte er als freier Schriftsteller, auch in Paris. 1932 kehrte nach Marseille zurück und gründete ein eigenes Filmstudio. Voilà. Ach so, Kinder hatte er natürlich auch, fünf. Von vier verschiedenen Frauen. Aber nicht von Simone. Sondern Jacques von Kitty Murphy, Jean-Pierre von Orane Demazis, Francine von Yvonne Pouperon und Frédéric und Estelle von Jacqueline Bouvier. Ist das nicht unglaublich?
Aber nun zu meinen freudvollen Erfahrungen in der Cinemathek. Marcel Pagnols Filme gehören zu den ersten wertvolleren Werken, die ich im Dunkeln gesehen habe. Vor allem die Trilogie „Marius“ (1931), „Fanny“ (1933) und „César“ (1936). Da Marcel Pagnol universell war, versteht es sich, dass er erst die Romane geschrieben und dann für die Verfilmung gesorgt hat. Von diesen drei Stücken ist mir Marius am Liebsten, zumal das Fundament für die Folgen darin schon gelegt worden ist. Marius ist auch ein Paraderührstück wie es schöner nicht sein kann. Eine Matrix für vieles, was in der Kunst des Zelluloids möglich ist. Archetypisch. Obwohl schon ziemlich nostalgisch angestaubt. Schön. Lassen Sie sich die Geschichte mit meinen bescheidenen Worten erzählen:

Das Hantieren mit Fisch ist nicht ohne Risiko. Von links oben angefangen: Scholle, Tintenfisch, Forelle, Aal, Dorade
Marius, gespielt von Pierre Fresnay, ist ein junger Mann, der in der Hafenspelunke „Bar de la Marine“ seines Vaters César, gespielt von Raimu, herumlungert. Schick ist er. Die Hemdsärmel sind immer hochgerollt, so dass man seine gebräunten Oberarme sehen kann und um den Hals trägt er ein smartes Tüchlein geknotet. Marius träumt von Frauen und vom Meer. Der erste Wunsch wird schnell erhört; er lernt die liebreizende Fischverkäuferin Fanny, gespielt von Orane Demazis, kennen. Diese ist nun wirklich nicht von schlechten Eltern, will sagen, sehr hübsch. Und bevor sie zu Bette geht oder an den Kai, reibt sie ihre runden Arme und Hände mit Zitrone ein, damit der Fischgeruch verschwinden soll. Nun kommt es wie es kommen muss; die beiden verlieben sich und es bleibt beim feurigen Marius nicht platonisch. Ich denke, dass sie eine leidenschaftliche Nacht verbrachten und als der Morgen im Marseiller Hafenviertel graut, schleicht sich Marius davon wie ein Dieb und hat fortan nur noch eines im Kopf, das wilde und weite Meer. Er schifft sich als Matrose ein.

Die Zitrone; ein probates Mittel gegen Fischgeruch
In Fannys gesegnetem Leib wächst aber bald ein Kind heran, das bei seiner Geburt bestimmt 3.400 Gram wiegen soll. Ob es später mal Pastis oder einen ordentlichen Coup de Rouge mögen wird, bleibt offen. Natürlich heiratet die arme Fanny einen reichen Knacker und Marius hat keine Ahnung von den Geschichten, die das Leben so schreibt. Aber wie steht es in einer Erklärung zum Film: „Et pourtant la mer est là…“
Schön, und darum so schön, weil Pagnol die Mentalität der Menschen in der Gegend so gut kannte und schilderte. Und weil er zu einer Zeit, als die Zentralisten in Paris Dialekte beinahe verbieten wollten, seine Darsteller den Accent Marseillais sprechen ließ. Regie führte Alexander Korda und Dialogregie natürlich Marcel Pagnol. Der Mann, der einmal zur Literatur sagte: Edle Wörter sind solche, die Bilder in sich tragen“. Kein Wunder, dass es bei ihm von der Literatur zum Film nicht weit war. Marcel Pagnol starb am 18. April 1974, also in hohem Alter, und er liegt da begraben wo das Qype-Sterchen in etwa ist. Im alten Friedhof La Treille bei Marseille, wie Sie vermuten etwas ländlich.
Stichworte literatur, fisch, film, sehnsucht, provence, filmemacher, lavendel, filmgeschichte, romancier, südfrankreich, matrose, fischgeruch, marcel pagnol, hafen marseille, lavendelsätze, aprikosenwörter, cimetière la treille, theaterregisseur, annick eimer, milieustudien des midi, cinemathek, aubagne, provenzalischer dialekt, accent marseillais, gymnasium thiers, universität aix-en-provence, simone collin, kitty murphy, orane demazis, yvonne pouperon, jacqueline bouvier, film marius, film fanny, film césar, paraderührstück, pierre fresnay, raimu, fischverkäuferin, platonisch, archetypisch, weites meer, provenzalische mentalität
Kommentare (17) Bedenklicher Inhalt?Verzeichnis: # A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z