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Beitrag zu Schwebebad Oberursel vom 9 August 2012
Schwebebad Oberursel – ein „EINMALIGES“ Erlebnis
Bevor wir, Bine und ich, unseren Erfahrungsbericht zum Besten geben, sei all denen gedankt, die uns dieses Wellness-Erlebnis großzügig spendiert haben. Umso trauriger ist es, dass Ihr so viel Geld dafür ausgegeben habt. Das großartig beschriebene Entspannungserlebnis war leider nicht mal im Ansatz das Geld wert, dass Ihr ausgegeben habt! :-( !!!
Doch der Reihe nach:
Frohen Mutes haben Bine und ich uns gestern im Schwebebad Oberursel eingefunden, um Entspannung zu suchen und das Geschenk lieber großzügiger Freunde an uns zu genießen. Ich freute mich wie ein kleines Kind darauf, endlich einmal einige Stunden Ruhe und Entspannung zu finden, zumal der Gutachter meiner Krankenversicherung mir dieses letzten Montag DRINGENST ans Herz gelegt hatte.
Doch wie soll es anders sein: Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum!
Schon beim Betreten sind wir etwas irritiert. Im Empfang eine Säule, die in einem Goldfischteich endet und weiland wohl als eine Art Wasserfall angedacht war. Völlig verdreckt steht dieses futuristische Etwas mitten im Raum.
Während ich noch so meinen Gedanken zu Thema „Hygiene“ nachhänge, betreten wutentbrannt zwei Damen, die offensichtlich aus der Salzgrotte kamen, den Empfangsraum. Sie haben Ihre Entspannungsversuche abgebrochen, da sie permanent von laut spielenden Kindern gestört wurden, die mit Steinen gegen die Kabinentür warfen und auch immer wieder in den Entspannungsraum kamen um dort zu spielen. Das ganze bei fehlender Musik.
Das Personal ist völlig hilflos und unfähig eine Lösung zu finden.
Dann werden wir überschwänglich in die Salzgrotte geführt, wobei uns drei Mütter mit drei Kindergartenkindern plappernd und johlend auf der Straße mehr oder weniger umrennen.
Ich sah unser drohendes Problem damit als gelöst an, was jedoch nur bedingt der Fall war. In der Salzgrotte keine Musik, dafür das störende Geräusch der Klimatisierungsanlage in Kombination mit einem trägen Brünnlein, was den Entspannungsgenuss akustisch abrundete.
Nach knapp 40 Minuten bollert es an die Tür, so, dass zart besaitete Menschen kurz vor dem Herzinfarkt stünden. „Die Anwendung sei jetzt beendet!“ Gott sei Dank, sagten meine Ohren …
Nun denn: Frisch voran und geschwebt, freuten wir uns, ab jetzt kann es nur besser werden. Weit gefehlt.
Die Dame zeigte uns die Umkleiden und bringt uns Schuhe und Bademäntel. Dann führt Sie uns in den Keller, der auch nicht gerade den saubersten Eindruck macht. (Auch Ecken kann man reinigen).
DANN DAS SCHWEBEBAD: Ein niedriges Kellerloch mit muffigen Geruch. Unter den Duschen kann ich nicht aufrecht stehen, dafür ist eine der beiden Duschen halb über den Liegestühlen montiert, die lt. Führerin auch zur Ablage der Bademäntel gedacht sind. Sehr intelligent…
Das farbliche Ambiente beeindruckt: Die Duschecke hat ein dezentes Leberwurstgrau, allerdings eher von der Sorte Leberwurst, die schon eine Zeit in der Sonne lag … Das Schwebebad ist rundherum mit Gipsputz und blaugelben Muster ausgestattet und gleicht einer Höhle.
Und was heißt hier eigentlich Schwebebad? SCHWEBEPFÜTZE trifft es dann wohl eher bei einer Wassertiefe von ca. 25 - 30 cm. Ich erinnere mich an meine Figur und mir kommen Bedenken. Auf der anderen Seite dachte ich mir: Wenn ich beim Duschen nicht stehen kann, warum sollte ich dann beim Schweben schweben?
Wohl denn, ab in die „Fluten“, streng nach Anweisung und 75 Minuten schweben.
Schon bei einsteigen werde ich stutzig: Was macht der Dreck auf dem Boden der Pfütze? Hinsetzen. Was macht das Haar vor dem Scheinwerfer. SO weit waren wir doch noch gar nicht? Äh … und was bitte liegt da dunkel in den Kanten zwischen Beckenboden und Wand? Ich will es nicht wissen …
„Dicker!“ sagte ich zu mir, „Das Meer ist ja auch nicht sauber, da musst Du großzügig sein. Leg Dich hin, lausche der Musik unter Wasser und genieße das Schweben!“
BINE SCHWEBT! Ich schleife mit dem Ar… auf dem Boden. Keine Chance. Also Bauchdecke anspannen und tatsächlich verirren sei einige Wassermoleküle unter mein Hinterteil.
ICH SCHWEBE!
Mitvöllig verkrampfter Bauchdecke!
Den Körper komplett unter Spannung!
Toll!
Gut … nicht so toll wie in meinem Pool. Aber dafür teuer und dreckig.
Nach 40 Minuten geht mir die Kondition aus, weiter angespannt zu entspannen und ich verlasse das Paradies der schimmligen Leberwurst, was, Gott sei Dank, bis auf die Poolbeleuchtung völlig dunkel ist und damit nicht mehr als Leberwurst zu erkennen ist.
Übrigens, wenn man den Kopf aus dem Wasser nimmt, ist die Akustik in im Schwebebad etwa so, wie die in der Salzgrotte ohne Musik … nur lauter!
Bine schwebt weiter. Zwanzig Minuten vor dem Ende, so berichtet sie, endet abrupt die Musik und Stille herrscht unter Wasser. Über Wasser beschrieb ich es ja bereits. Über Wasser Salzgrottenfeeling in muffig und laut.
Dann, Schock schwere Not, Dunkelheit! Die Beleuchtung im Pool ist aus und der Hasenzahn sitzt ohne Licht in einer Salzpfütze im brummenden, muffigen Keller eines Oberurseler Altbaus.
Das ist der ultimative Entspannungsmoment!!! Wenn der Kreislauf das Bad wider erwarten überstanden hat und wenn man das Wecken in der Salzgrotte ohne Defilbrillator überlebt hat, wird man jetzt durch Methoden à la Hitchcock oder Stephan King der finalen Entspannung - dem Exitus – doch sehr nahe gebracht.
Dann geht das Licht langsam wieder an und das vorher merkwürdig erscheinende Lebewurstambiente wird zur Insel der Hoffnung.
Währenddessen bin ich, was zur völligen Verwirrung beim Service geführt hat, verfrüht und vor allem lebend wieder am Empfang. Die Angestellte schaut mich an, als ob ich ein Geist wäre. „Ist Überleben im Entspannungskonzept nicht vorgesehen?“ frage ich mich.
Ich klagte ihr mein Leid; das mit dem schleifenden Hinterteil. Sie fragte mich dienstbeflissen, ob ich etwa nicht entspannen konnte? Was sollte ich antworten? Ich schwieg. Das war besser, als über Dummheit zu weinen oder über Unfähigkeit brüllen. Ich war doch zur ultimativen Entspannung hier.
Sie bot mir an, dass ich mich zur Wassermassage bereits anziehen könne. Diese „Wasser“-Massage würde auch in Straßenkleidung möglich sein? Ich war ernsthaft befremdet …
Immerhin sollte ich die Fassbrause probieren. Natürlich völlig unverbindlich. Ich lehnte dankend ab und bat um Wasser. Nach Attentaten auf meinen Kreislauf, meinen Hygienesinn, meine Gelenke und meinen Intellekt wollte ich nicht ein weiteres Attentat auf meine Verdauungsorgane riskieren.
Auf die Massage müsse ich warten. Diese sei gerade anderweitig besetzt. Ich fing an zu entspannen. Wasser (im Glas), Musik und ein gutes Buch: ja jetzt komme ich doch langsam in den Entspannungsmodus.
Dabei sehe ich doch glatt auf dem Tisch eine Kundeninformation, aus der viele sinnvolle Hinweise hervorgehen, wir zum Beispiel, dass man Wunden vorab mit Vaseline abdecken sollte und bei größeren Wunden auf das Schweben verzichten möge. Ist das nicht genial. NACH DEM SCHWEBEN, erfährt man solche Dinge …
Während ich noch über die Einweisungen des Personals nachdenke öffnet sich der Raum zur Wassermassage. Neugierig, wie ich bin schaue, ich mal rein. Wassermassage in Straßenkleidung? Haben die dort einen Ganzkörperfön?
Weit gefehlt. Aus dem Raum kommt eine Dame im Bademantel und in dem Raum steht ein großes Wasserbett mit einem gebrauchten Handtuch darauf. Aha! Deshalb geht es auch in Straßenkleidung. Die Wassermassage ist ein automatisches Wasserebett, das ich für einen Euro pro Minute mieten kann.
(Wie war das: Bine nimmt für 30 Minuten Massage 21 Euro. Wer braucht Bine wenn er hier für 30 Euro die halbe Stunde einen Automaten buchen kann …)
Die nächste Dame betritt den Raum, legt sich auf das undesinfizierte Wasserbett mit gebrauchtem Handtuch und die Servicekraft start das Gerät.
Ein unbeschreiblicher Moment war das. Ich erinnerte mich sofort an meinen Segeltörn in der Türkei. Dort hatte ich in Bodrum, nachdem ich die Nacht mit Freunden und einem türkischen Reiseführer die Altstadt erkundet hatte, morgens mit dem Kopf auf der Holzverkleidung des laufenden Schiffsdieselmotors geschlafen. Das hat gerüttelt und war sehr laut. Vor allem war es im Nachhinein eher blöd.
Und jetzt sollte ich dieses Erlebnis nochmals genießen? Nur mit gebrauchtem Handtuch und gegen Geld? Mir war sofort klar, dass ich das in Bodrum erlebte nicht nochmals erleben muss.
Also zurück zum Buch und auf den Hasenzahn warten. Sie erschien kurze Zeit später und berichtete von ihrem Hitchcockerlebnis im Leberwurstparadies. Die Servicekraft faselte etwas von anderem System, Musik wird vorher beendet weil Licht wecken würde … Band mit Musik falsch geschnitten … bla, bla, bla. Bine resignierte. Ich freute mich, dass der Hasenzahn noch lebte und war nun noch entspannter. Hasenzahn, Buch, Musik, Wasser … das Leben kann so schön und entspannt sein, sogar im Schwebebad Oberursel.
Dann strahlte uns die Servicekraft an und teilte uns mit, dass wir nun einzeln und nacheinander zur Massage könnten. Welch Dramen spielten sich in Ihrem Gesicht ab, als ihr freundlich mittelte, dass ich verzichten würde. Es hat Sie wohl in ihren Grundfesten erschüttert, dass ich auf den Genuss des gebrauchten Handtuches verzichten wollte. Bine wagte den Versuch. 30 Minuten Rütteln mit dem ultimativen Fortissimo an Brummen.
Da ist man in Oberursel wirklich gradlinig unterwegs: Salzgrotte nervendes Summen und Brummen, Schwebepfütze im Leberwurstparadies schon ein gepflegtes Mezzoforte und dann bei der Massage das akustische Finale Furioso!
Also – ich hätte nie und nimmer gedacht, dass der Hasenzahn so mutig ist: Das Bett undesinfiziert, die Decke voller Spinnweben und ab im Bademantel mit freien Beinen auf das inzwischen mehrfach, teils im Bademantel teils in Straßenkleidung, gebrauchte Handtuch.
Völlig durchgerüttelt und kurz vor dem Tinitus kam sie nach 30 Minuten wieder heraus und wollte wie ich nur noch heim. Entspannen von der Entspannung. Als Bine die Servicekraft auf die Lautstärke ansprach meinte diese, dass es sogar Gäste gäbe, die dort schliefen.
Das mag durchaus möglich sein, so man denn schwerhörig ist oder wie ich, weiland in Bodrum, über mehr als 3 Promille Alkohol im Blut verfügt.
Wir schauten noch kurz in die Massageräume. Dort lagen gebrauchte Handtücher überall auf dem Boden verstreut. Handtücher - ja die lagen da, trotz des „Handtuchrecyclings“ bei der Wassermassage. Doch Bademäntel sahen wir dort keine. Mir schwant Fürchterliches, über das ich nicht weiter sinnieren möchte, da ich zum Glück meinen eigenen Bademantel dabei hatte. Aber der Hasenzahn …
Fazit: Völlig überteuert, stellenweise eklig, weit ab von jeder Entspannung und vor allem nur für schlanke schwerhörige Menschen unter 185 cm Körperlänge, die keine offenen Wunden haben, präsentiert sich das SCHWEBEBAD OBERURSEL. Von allen Wellness-Tempeln, die ich jemals besucht habe, ist das SCHWEBEBAD OBERURSEL bei weitem nicht die günstigste und mit Sicherheit der schlechteste Art, Wellness zu erleben. Spart Euer Geld, es ist die Sache nicht wert und kostet wertvolle Lebenszeit! Onanie mit einem Käsehobel ist ähnlich: Sehr schmerzhaft und wenig unterhaltsam.
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