Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche im NDR-Konferenzzentrum, Lokstedt, Hamburg
- Kategorie:
- Messe & Kongress Lokstedt | Messe & Kongress Hamburg
- Adresse:
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Hugh-Greene-Weg 1, Haus 14, 22529 Hamburg
- Website:
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1 Beitrag zu Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche im NDR-Konferenzzentrum auf Deutsch
Beruflich ist die Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche im NDR-Konferenzzentrum in Lokstedt für mich jedes Jahr einer der inspirierendsten Fixpunkte.
Zwei Tage lang treffen sich dort rund 600 Journalisten, Leitthema war an diesem Freitag und Samstag (13./14. Juni 2008) „Qualitätssicherung“.
Die Podiumsdiskussionen sind teilweise hochkarätig besetzt. In diesem Jahr drehten sich zwei um Spitzel-Affären – dabei waren der Pressesprecher eines Telekommunikationskonzerns und der Präsident eines großen deutschen Geheimdienstes, dessen Personenschützer genau dem Klischee entsprachen (mit Knopf im Ohr und Mikro im Ärmel). Die beiden Podiumsgäste redeten viel und sagten - wie nicht anders zu erwarten - relativ wenig. Dennoch war es ein positives Zeichen, dass sie sich überhaupt den kritischen Fragen von Kuno Haberbusch (NDR) resp. Thomas Leif (SWR) stellten.
Es wurde auch ein Preis vergeben, allerdings ein negativer: Die "Verschlossene Auster" für den "Informationsblockierer des Jahres" ging an das Internationale Olympische Komitee (IOC) und seinen Vizepräsidenten Thomas Bach, ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Begründung: Das IOC dulde „seit vielen Jahren Korruption und Interessenkonflikte bei der Vergabe der Spiele“.
Der britische Investigativ-Journalist Andrew Jennings hielt dazu eine brillante Laudatio: „Heute ehren wir Herrn Bach und seine Freunde vom IOC, die so hart daran arbeiten, um zusammen mit den Medien-Zensoren in Peking dem chinesischen Volk und den Athleten aus aller Welt das Recht auf freie Meinungsäußerung zu versagen."
In kleineren Workshops berichteten Journalisten ihren Kollegen über erfolgreiche Recherchen und die Resultate. So erzählten Malte Arnsperger (Stern.de) und Markus Grill (Stern) im rappelvollen Zapp-Café, wie sie den vielzitierten Artikel über die Bespitzelung von Lidl-Mitarbeitern erarbeiteten.
Laut Grill kostete die Spitzel-Story Lidl in den Tagen nach der Veröffentlichung täglich rund 500.000 Kunden, ein Rückgang um zehn Prozent.
Lieblings-Anekdote von der nr-Jahreskonferenz: Bei meinem ersten Besuch im Jahr 2003 trat dort der heutige Gazprom-Mitarbeiter Gerhard Schröder auf und ließ sich zwei Stunden lang von Jürgen Leinemann (Spiegel) und Michael Jürgs (Publizist) interviewen. Er machte sich dabei über Journalistenkollegen lustig, die keine richtigen Fragen mehr stellten, sondern ihm einfach ein Mikrofon ins Gesicht hielten: "Herr Bundeskanzler, und …?"
PJebsen @Kixka: Wer sich überhaupt nicht mit dem Thema auseinandersetzen will, für den bleibt am Ende wahrscheinlich nur noch der Presserat. ;-)
17 Juni 2008
Kixka Nebraska Heute bei Kress gefunden:
Recherche im Netz: Erst zu den Kollegen, dann zu Google
Die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) hat in einer breit angelegten Studie die Online-Recherche in deutschen Redaktionen untersucht. Dabei wurde deutlich, dass das Internet zunehmend an Bedeutung gewinnt und insbesondere die Schnelligkeit und Vielfalt der Informationen ein Vorteil sind. Jedoch würden die Online-Quellen nur selten überprüft. Zudem schauten die Journalisten oft bei ihren Kollegen nach, was diese zu einem aktuellen Thema schon recherchiert hätten. In der Untersuchung wurden 600 Journalisten bei 34 Medien bundesweit schriftlich befragt und 235 bei ihrer Arbeit beobachtet.
Googles Dominanz wurde auch auf dem Gebiet der Recherche deutlich: Dreiviertel der Befragten nutzten die Suchmaschine, auf Platz 2 folgt “Spiegel Online” (53,4%), als dritte Anlaufstelle “Wikipedia” (37,4%). Das Telefon sei nach wie vor ein wichtiges Recherchewerkzeug, doch bei der Suche von Zusatzquellen spiele das Internet eine große Rolle. Wer bei Google beispielsweise zu einem aktuellen Thema als Experte unter den ersten zehn Treffern auftauche, habe größte Chancen, wiederum interviewt zu werden. Die meisten Journalisten seien sich der Problematik bewusst, gaben jedoch personelle Engpässe und Zeitmangel als Grund für ihr Googeln an. In anglo-amerikanischen Redaktionen seien “fact-checkers” zur Nachprüfung der Informationen oft schon Standard.
25 Juni 2008
Deutsch



