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Mathilde, Literatur und Cafe

Bogenstr. 5, 20144 Hamburg

Literatur & Café diese geniale Kombination bietet das Mathildean. Kuchen, aktuelle Tagespresse, Bücher und vieles mehr. Kundenzitat: "Im Sommer draußen sitzen, am liebsten das Wochenende mit einem Mathilde-Frühstück und der aktuellen Zeitung beginnen."

Qype Advanced Insider 2081
Benutzerfoto: Schnuppidu

Schnuppidu

Kompliment Schnuppidu (07.07.2008) 5

Samstag morgen, 8 h, wie von den Experten empfohlen, schäle ich mich rund drei Stunden vor meiner persönlichen Startzeit aus dem Bett. In der Nacht hat es nach rund 30 Stunden tatsächlich aufgehört zu regnen. Wie bei so vielen Hamburger Sportveranstaltungen hat Petrus sich kurzfristig dazu entschlossen, mit äußerlich besten Bedingungen dafür zu sorgen, dass herrliche Bilder von Hamburg in den Köpfen der Teilnehmer aus nah und fern bleiben werden. Um 11.50h werde ich in die Alster springen, um als einer von rund 4.000 Hobbyathleten, viele Frauen darunter, die Sprintdistanz des schönsten Triathlons anzugehen: 500 m im Trinkwasser der Binnenalster schwimmen, 22 km auf der Panoramastrecke entlang des Hafens, der Reeperbahn und der Elbchaussee Rennrad fahren und am Ende mit Gummibeinen noch 5km entlang der Binnen- und Außenalster zu laufen, um dann auf dem Rathausmarkt triumphal als Finisher einzulaufen.

Noch ein vorletzter Kaffee, eine Marlboro, noch ein letztes Mal mit Sportteil unterm Arm in der Tiefe der Wohnung verschwinden, letzter Check von unten nach oben: Schuhe, Transponder zur Zeitmessung am Fußgelenk, Hose zum Schwimmen, Radfahren und Laufen, Startnummer für den Helm, für das Rad, für den Rücken, Badekappe mit Startnummer, Fahrradhelm usw. usf.

Der Hamburg, ehemals Holsten City Man ist innerhalb weniger Jahre zum größten Triathlon der Welt geworden, wenn es um die Teilnehmerzahlen geht. Letztes Jahr hatte er den Status einer Weltmeisterschaft, heute ist er für die Profis ein Weltcup.

Rechtzeitig erreiche ich den Check-In für die Wechselzone, wo man sein Rad, alle Klamotten und Ausrüstungsgegenstände, die man während des Wettkampfs braucht, deponiert. Auf dem mit 2m hohen Zäunen komplett eingegitterten und gut bewachten Ballindamm stehen jetzt ein paar Tausend Fahrräder, überwiegend Rennräder, der Triathlon hat für die ersten Starter schon morgens um 7.30 h begonnen, während einige ihren Stellplatz suchen, sind andere mitten im Rennen, hört man Rockys Eye of the Tiger vom Alsteranleger, untrügliches Zeichen, dass der nächste Startblock mit rund 200 Mutigen gerade in die Alster gesprungen ist, begeistert angefeuert von enorm vielen Zuschauern, die hier an der Alster versammelt sind.

Die Starts erfolgen im 10 Minuten-Takt, so dass über Stunden immer Leute schwimmen, während andere radfahren und weitere das Ziel erreichen. Samstag Sprintdistanz, Sonntag Olympische Distanz (1.500m Schwimmen/40km Rad/10km Laufen).

Wir sind gesettlet, es kann losgehen, barfuß und ohne Lackschuh trotten wir durch die U-Bahnunterführung auf den Jungfernstieg. Zwischen vielen amüsierten Shoppern, die sich an unserem Anblick erfreuen, erreichen wir den Alsteranleger, Hamburg 11.45 h, die Badekappe sitzt, die Schwimmbrille auch. Per Arschbombe in die Alster, 20,6 Grad, was durchaus angenehm ist. Vor Jahren war es schon so kalt, dass mir fast der Atem wegblieb. 11.50 h Startschuß, wie eine in Aufregung geratene Lebendfischsuppe schwimmt jeder so schnell wie er kann. Das ist bei einigen, die 500m am Stück kraulen können, sehr schnell, bei anderen eher gemütlich. Ich schwimme z.B. jedes Jahr insgesamt 500m und die in der Alster. Heute ist also mein Schwimmtag.

Immerhin gehe ich nicht unter, entsteige der kleinen Alster am Rathausmarkt, laufe auf einem grünen Teppich bis zu meinem Rad auf dem Ballindamm. Schuhe anziehen, Hemd anziehen, Startnummer, Helm zu, Rad schieben bis zum Ende der Wechselzone. Und dann radfahren gen Westen bis nach Teufelsbrück am Jenisch-Park, Panoramstrecke mit Hafen, Reeperbahn, Speicherstadt, Landungsbrücken.

Nach 22 km wieder Wechselzone, absteigen, Rad schieben, Kommissäre springen anderen vor das Rad, weil der Helm schon geöffnet ist. Hobbyrennen eben.

Und jetzt laufen, eine Tüte Energy-Gel schmeckt wie Knüppel auf den Sack, Leistungsexplosion bleibt leider auch aus. Auf den Startnummern stehen die Vornamen, Wildfremde muntern die Läufer auf, nette Idee. Das Laufen ist trotzdem eine Tortur, 5km können lang sein, als ich unter der Lombardsbrücke hindurchlaufe, sehe ich den Rathausturm, da will ich hin, da ist das Ziel. Rechts “fliegt” das 4 Jahreszeiten vorbei, Alsterhaus, die Strecke wird enger, immer mehr Zuschauer, die Stimmen der Moderatoren sind zu hören, Neuer Wall, gleich biege ich links ein, Tausende Zuschauer, meine Kinder an der Hand, Jubel-Orkan, Ziel erreicht, fühle mich gut, Medaille um den Hals für mich und die Kinder (sehr nett von der Medaillendame).

Alle sind gutgelaunt, durchaus erschöpft, die von Nichtteilnehmern oft belächelte Sprintdistanz ist völlig ausreichend, um sich mal richtig anzustrengen. Viel lustiger als jede der drei Disziplinen für sich alleine.

Im Ziel gibt es alkoholfreies Weizen, besser kommt aber die kalte Coca-Cola, Bananen und Orangen mag ich jetzt nicht mehr, Blecheweise gibt es Butterkuchen, köstlich, einer der Höhepunkte des Events.

Meine Schwägerin ist Heldin des Tages, früher noch große Leichtathletin, hat sie seit 10 Jahren keinen Sport mehr gemacht, mit dem Herzen einer Wettkämpferin ausgestattet, erreicht sie ebenfalls das Ziel, ist völlig aufgedreht und happy.

Danach Reesendammbrücke, einige kalte Biere wider die Dehydration, das Männerprofirennen startet, durchtrainierte Jungs pflügen durch die Alster, mitreissend.

Um 18 h holen wir als letzte unsere Räder aus der Wechselzone ab, sehr freundliche Jungs von der Crew verabschieden uns, wir danken und radeln nach Hause.

Diese Veranstaltung ist phantastisch, die Organisation ist so viel diffiziler als bei einem Marathon oder einem einfachen Radrennen, doch alles klappt wie am Schnürchen. Als durchschnittlicher Teilnehmer kommt man jedenfalls nicht auf die Idee, das irgendetwas fehlen könnte oder schief läuft.
Und wie die das immer mit dem Wetter machen…

Auf dem Nachhauseweg gerate ich an den Landungsbrücken in den Schlager-Move, vom Rad abgestiegen, zwischen 38 Trucks geschoben, mitgesungen, Bier getrunken, bis ich am Pinnasberg quasi wieder ausgespuckt wurde. Ich liebe Hamburg.

Und ich finde es jedenfalls absolut herrlich, dass ich in einer Stadt lebe, wo andauernd etwas los ist, ob Sport, Musik, Motorräder oder Kreuzfahrer, wo es Veranstalter gibt, die etwas bewegen. Und es ist gut, dass Hamburgs Politik/Ämter diese Veranstaltungen unterstützen, mein Sportstadt Hamburg Tattoo auf dem Arm verblasst langsam, die Erinnerung an diesen schönen Tag bestimmt nicht so schnell.

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Benutzerfoto: naiart

naiart

Kompliment naiart (07.07.2008) 5

Ich kann dass leider nicht so stehen lassen, was Scipio schreibt. Für mich (und viele der anderen fast 10000 Sportler) war das ein super Event. Attraktive Strecken, tolle Organisation und viele Zuschauer (nicht alle Sportarten sind so beliebt wie Fußball). Der Triathlon in Hamburg zählt sicher zu den attraktiven, wenn man nichts gegen Großverantstaltungen an sich hat. Wann kann man schon in der Alster schwimmen gehen (die ist gar nicht so dreckig) oder ohne Autos die Elbchaussee langfahren?

Eine Stadt wie Hamburg sollte und muss Events dieser Art unterstützen. Wer die Harley Days, Fußball-WM oder eben den Triathlon Weltcup nicht verkraftet, weil er an den anderen 250 Tagen nicht zum Shoppen gekommen ist, sollte lieber online bestellen und auf dem Land wohnen. Ich jedenfalls liebe den Flair der Stadt, die auch von den Sportevents lebt.

Im übrigen zahlen wir durch das üppige Startgeld von 70 Euro die Organisation durch Polizeit und Co. und die Müllentsorgung etc. selbst.

Wer sich die Impressionen auf http://www.hamburgcityman.de/ anschaut, der kann sich selbst ein Bild machen, wie das Event war.

Und allen, die sich diesmal nicht “getraut” haben: Nächstes Jahr geht es wieder los…

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Benutzerfoto: Scipio

Scipio

Kompliment Scipio (06.07.2008) 1

Das Beste am Kapitalismus ist, dass wir nicht kaufen müssen, was wir kaufen könnten. Doch es gibt immer mehr Produzenten und Produkte, die sich wie eine böse Halbkugel über uns stülpen wollen und die Freiheit des Verbrauchers einfach nicht ertragen. Dazu zählen für mich zunehmend auch Festivals und raumgreifende Sportevents wie etwa der „Hamburg City Man“, eine Triathlon-Veranstaltung, die wie Schlagermove, Hafengeburtstag und andere Zuckungen der Spaßgesellschaft unser hanseatisches Gemeinwesen mehr und mehr erschüttern.

Es sollte mich ja eigentlich erfreuen, wenn hier 8000 Herren etwas für das gute Ansehen der Stadt und des männlichen Geschlechts unternehmen. Doch der Nutzen für die City scheint mir eher gering zu sein: Riesige Plastikflaschen, die für bayrisches Weißbier werben, beleidigen nicht nur das Schönheitsempfinden eines Barbourjacken-tragenden Hanseaten und einer mit Perlohringen verzierten Blondine. Weißrote Absperrbänder und Asics-Werbetafeln behindern den Gang zum Alsterhaus, zu Ladage&Oelke und Feinkost Oschätzchen, verbarrikadieren Übergänge, Passagen, noble Entrées, verunstalten die schönsten Straßen Hamburgs. Was sollen diese Mätzchen? Nicht mal an der Alster können wir mehr entspannt sitzen. Und dann diese Sportler! Schwimmen, rennen, radeln, angefeuert von Ihren Müttern und begleitet von ohrenbetäubendem Klappern ihrer Nichten durch die Stadt. Sollen wir sie auch bewundern? Nein, das ist absolut unmöglich: Sie sehen meiner Meinung nach, ganz gleich welcher Leibesübung sie gerade nachgehen, absolut unelegant aus: Auf dem Rad gebückt erinnern sie mich irgendwie an platt gedrückte Heuschrecken mit ultraspitzem Po, nach dem Laufen, torkeln sie wie auf Eiern, und wenn sie schnaufend dem Wasser der Alster entsteigen, gleichen sie blau angelaufenen Fröschen. Vom Geruch, der ihren Poren entströmt, möchten wir lieber schweigen. Keine gute Werbung für das männliche Geschlecht. Nein.

Im “Hamburger Abendblatt” werden wir Montag trotzdem lesen, dass Hunderttausende in der Innenstadt dabei waren, um den harten Burschen zuzujubeln. Aber diese Beschreibung trifft nicht zu. Ich habe hier und da Mütter und Nichten Lärm schlagen hören, aber die vielen Hunderttausend, von denen geschrieben wird, wollten nur fix zum Alsterhaus, zu Ladage&Oelke, zu H&M oder Saturn. Nein, und selbst die Teilnehmer waren nicht wirklich dabei. Am Infostand auf dem Gänsemarkt wollten viele angemeldete Sportskanonen ihr Startgeld von 45 € zurückholen, boten ihre Nummer auf den letzten Drücker anderen an. Und die Mädels, die für Asics werben sollten, suchten sich abseits ein schattiges Plätzchen, um mal Eine zu rauchen. Oh, oh, ganz unsportlicher Eindruck! Aber fast schon wieder sympathisch, weil menschlich.
Bezahlen müssen wir den ganzen Marketing-Zirkus trotzdem: Die Polizei, das THW, die Absperrung, den Einbruch der Geschäftszahlen.

Ich mag Alternative-Musik nicht besonders. Aber ein paar Platten von Beck mit dem Titel „Loser“ wären bei den leicht übergeschnappten Sportindustriellen sicher eine therapeutisch sinnvolle Investition.

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