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Weises Garten
Görlitz
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Görlitz
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muss man sich verdienen
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1 Beitrag zum Platz "Weises Garten" auf Deutsch
Der provencalische Garten
Architekturbüro Weise steht auf dem unauffälligen kleinen Schild an der ziegelroten Klinkerfassade. Die Glasscheiben des schweren hölzernen Portals zieren frische Abdrücke menschlicher Neugier, manche Nase drückte sich hier schon platt, um einen Blick auf das lockende Grün des Innenhofes zu erhaschen.
An dem liebevoll restaurierten Haus in der Görlitzer Kränzelstrasse kommt kaum ein Spaziergänger vorbei, ohne den Schritt zu verlangsamen. Im Souterrain sausen die Bleistifte fleißiger Planer über Zeichenbretter, deren riesige weiße Blätter nach Bemalung gieren. Man kann von außen die dazu gehörenden Köpfe nicht sehen in dieser Kellermanufaktur, dafür gibt der Blick derer da unten nur die Sicht auf Beine frei und auf manche schlanke Fessel.
Wer hineingelassen wird in das schöne Haus, betritt eine andere Welt. Nicht ganz, vielleicht ein Sprung über Ländergrenzen oder vielmehr in ein anderes Klima. Der Betrachter wähnt sich im Mediterranen, die Kühle des hohen Hausflures und die bei der ersten Begegnung schier erschlagende Fülle feucht-warm dampfender Botanik im grünen Hof rufen Erinnerungen an schöne Urlaubstage wieder.
Vielleicht ist es auch dieser sich ständig verändernde Duft nach Kräutern und leichten Parfums, der die Sinne trügt. Drei Generationen leben hier unter einem Dach und in einem Garten. Der Görlitzer Architekt Christian Weise erwarb das Haus gemeinsam mit Frau und Schwiegereltern Anfang der Neunziger, zwei Kinder, zwei Katzen und das Architekturbüro sind in der Zwischenzeit der kleinen Gemeinschaft beigetreten. Aus einem funktionellen Nutzgarten ist über die Jahre eine Lebendigkeit verströmende Schnittstelle verschiedenster Temperamente erwachsen.
Ein großer Mistelzweig an der Eingangstür lässt den Rückschluss auf freundliche Bewohner zu, dem Brauch nach darf unter Misteln ein jeder frei geküsst werden. In der Ecke lehnt ein nostalgischer Reisigbesen, ein Spinnwebchen verrät, dass er mehr Zier- als Gebrauchsfunktion hat, schön anzusehen ist er allemal. Mitbringsel aus aller Welt lassen das Auge immer wieder abschweifen. Der Kronleuchter mit den echten Wachskerzen ist so ein Stück, der riesige Zwiebelzopf und die herrlich respektlos durcheinander gewürfelten Materialien.
Stein, Holz und Metall schimmern im Hof immer wieder durch zwischen all dem Grün. Nichts wirkt geordnet und doch alles in Ordnung. Der kleine bunte Kinderball könnte ein paar Stöße Luft vertragen. So ruht er friedlich neben einer leicht verwitterten Steinbank und ruft das Bild von Opa und Enkel hervor, die hier jederzeit ihr Spiel wieder aufnehmen könnten. Eine rote Schaukel baumelt an dicken Stricken leicht im Wind und narrt Lucie, die Katze. Oder ist das Casanova? Nein, der Kater räkelt sich schon fast provozierend gemütlich in einem Korbstuhl, der aus einer Puppenstube entliehen sein muss. Geschickt sind steinerne Elemente in den Hof integriert, wie zufällig verstreut stehen da ein paar Grenzsäulen, die ziegelgedeckte Natursteinmauer, Trinktröge für die durstigen unter den Vögeln.
„Es gibt sogar einen Gestaltungsplan.“ Bei diesen Worten kann Christian Weise sich eines Lächelns nicht erwehren. Fast wie entschuldigend hebt er die Schultern angesichts der wild-romantischen Schönheit dieses „Hinterhofes“. Manchmal muss man den Dingen wohl einfach ihren Lauf lassen. Wenn Freunde kommen, und das ist jetzt im Sommer oft der Fall, kann man das Klingen der Gläser bis in den Ochsenzwinger hören. Kein Wunder, das Grundstück grenzt unmittelbar an die städtische Grünanlage, nur sehen kann man nicht, wer zu Besuch ist, wegen des Höhensprungs.
Wer frische Kräuter braucht im Hause hat die frei Auswahl. Estragon, Oregano und afrikanisches Zitronenkraut zittern in prächtiger Größe dem Wiegemesser entgegen. Ein riesiger Ananassalbei riecht tatsächlich so, wie er heißt. Die Wände sind weinberankt und der feine Duft von blühendem Lavendel weht einen Hauch von Provence in die Nase des Träumenden. Nur ein Tütchen Petersiliensamen wartet noch auf die Aussaat, vielleicht wurde es vergessen in all der verschwenderischen Fülle.
„Wir wollten den Süden in die Stadt holen“, erklärt Christian Weise und lässt dabei offen, ob er die Gestaltung meint oder die Lebensweise. Er scheint es ein wenig zu bedauern, wie lieblos häufig mit solch wertvollen Plätzen umgegangen wird, ohne dass er sich zum Richter aufspielen möchte. Er jedenfalls hat die alten Obstbäume im Hof stehen lassen, auch wenn das Laub viel Arbeit macht. Die Kinder haben Freude dran und die Kollegen aus dem Büro lassen sich inspirieren von der Vielfalt der Farben und Formen, die Mutter Natur hervorbringt.
Wehe ein Unvorsichtiger spielt gedankenverloren mit der alten gußeisernen Wasserpumpe. Ein unerwartet kräftiger Schwall frischen Wasser schießt zur Freude der Umstehenden hervor und kündigt gleich schon vom nächsten Vorhaben. Ein kleiner Teich soll her, wieder ein Gedankenmitbringsel von einer Urlaubsreise. Auf Sizilien haben die Weises sich das angeschaut. Jetzt kommt es nach Görlitz, in die steinerne Stadt mit soviel Leben in den Höfen.
axel krüger
www.goerlitz-kocht.de
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Kommentieren 2 Kommentare zu diesem Beitrag
Wow.. Klasse Bericht! Ausführlich und schön geschrieben. :-)
Da freu ich mich, mach einen Knicks und sage artig: Danke!