Adresse: Behrenstrasse 72, 10117 Berlin
Stichworte aufregend chinesisch innendesign scharf weine
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Top Empfehlung:
Simon-Dach-Straße 2, 10245 Berlin
Orginal und frisch zubereitete chinesische Nudelsuppe findet man in diesem etwas deplatzieren aber um so stilvollem Restaurant in Friedrichshain. Kundenzitat: "Die Konzentration auf das Wesentliche ist es, was dieses Essen ausmacht."
Kompliment
Niclas Grabowski (20.07.2008)
Wo und wann immer er kann verkündet Tim Raue sein Credo für dieses Restaurant, gerne in der Presse aber noch lieber direkt nach dem Essen beim Gast. Dass er das immens erfolgreiche 44 verlassen hat, weil er etwas wirklich Neues machen wollte, erzählt er dann. Dass er die Gäste und deren Geschmacksinn fordern wolle. Das er keine Kompromisse machen möchte. Und das kein einziges Gericht nur langweilig lecker sein darf.
Das große Menü des Abends heißt dann auch gleich “Aroma Revolution”. Bei der Bestellung werden wir auch vom sonst sehr netten Service ganz ungefragt darüber informiert, dass der Meister weder den Austausch von Gerichten noch eine Umstellung der Gänge in diesem Menü zulassen würde. Meine Begleiterin und ich könnten uns aber einen Versuch, hier rein zu reden, nicht ersparen. Wir endecken ein hinreißendes Gericht auf der Speisekarte mit den einzelnen Gerichten und bestellen es einfach dazu. Glücklicherweise gibt der Meister seine Genehmigung, und so erhalten wir ein drittes, dann auch großartiges Fleischgericht: Herz vom Spannferkel. Wunderbar zartes, aber doch eindeutig zu identifizierendes Herzmuskelfleisch. Genial gemacht mit zwei Soßen und kleinen Zugaben.
Und wie ist es sonst, das Provokationsessen des MA? Chinesisch inspiriert soll es sein. Das merkt man bei den meisten Gerichten aber eher an einzelnen Zutaten als an den kompletten Gängen. Bereits eines der beiden Amusegeules findet sich mit einem Rollmops und ein bisschen Kaviar etwas typisch europäisches. Bei der Weichschalenkrabbe isst man dafür wie in Asien die Beine mit, was knusprig und sehr lecker ist. Der Heilbutt ist mir etwas zu scharf, was die sonst großartige Soße mit Spargel etwas untergehen lässt. Möglicherweise ein kleiner Dosierungsfehler in der Küche, denn die Begleiterin hatte hier einen anderen Eindruck. Ein Höhepunkt ist dann der berühmte fish maw, also Fischblase, die großartig mit der Jacobsmuschel zusammen passt, auch diesmal mit leichter Schärfe, aber gerade richtig. Die Taube erweist sich als eine Miniversion der Pekingente, lecker aber aufgrund der kleinen Knochen nicht einfach zu essen. Shabu, dünne Scheiben von Rindfleisch, überforderten meine Begleiterin aufgrund der Minimalgarung und des vorhandenen Fettrandes. Der hier schreibende Rindfleischfan bekam dadurch noch einen vierten Fleischgang durch diskretes Tellertauschen. Optisch schwierig, aber in wunderbarer Sojasoße, mit Ingwer und wahrscheinlich auch Reiswein aromatisiert. Für mich das Gericht, was mich am ehesten an China erinnert - genauer: Aussehen China, Geschmack Japan. Dazu einen Waldorfsalat mit äußerst intensiven Kräutern. Der Nachtisch bot dann einen Ausflug in die Molekularküche mit Tapioka aus Himbeere. Das Gericht war aber geschmacklich überkomplex. Mit den Himbeertapioka, den frischen Himbeeren, Estragonschaum und auch noch Zesten von (wahrscheinlich) Limone war mein Geschmacksinn einfach überfordert. Gleich viermal frisch sauer auf einmal.
Wie der Leser merkt, man hat hier zu jedem Gericht etwas zu schreiben, und so ist das Essen hier wirklich in jedem Gericht eine kulinarische und intellektuelle Herausforderung. Geeignet aber aus meiner Sicht vor allem für den experimentierfreudigen Vielesser. Andere Gäste sollten sich vielleicht eher an den einfach zugänglicheren Menüs oder Gerichten orientieren. Aber ein Erlebnis ist es so oder so.
Erwähnenswert ist dann auch noch die Weinbegleitung zum Menü. Sehr, sehr gut, wenn auch diesmal mit weniger Risiken und deshalb durchaus teuer. Höhepunkte sind ein Meursault aus dem Jahr 2003 und herausragender 1990er Chateaux Canon, ein mir bisher noch unbekannter 1er Grand Cru Classe aus St. Emilion. Der Gevrey-Chambertin, sonst einer meiner Lieblingsweine, war schon zehn Jahre alt, was mir für einen Burgunder schon fast zu lange ist. Dazu noch drei sehr gute, deutsche Weißweine, macht 72 EUR pro Person für 0,1l Gläser zu jedem Gang. Das passt dann auch zu der sehr schönen Inneneinrichtung, deren Kernstück, das MA, also das Pferd, angeblich eine siebenstellige Summe gekostet haben soll. Wir haben den Abend uns insgesamt 400 Euro kosten lassen, das erscheint dagegen dann sogar preiswert. Stammgast zu werden, kann ich mir hier aber nicht leisten.
Stichworte chinesisch, scharf, weine, aufregend, innendesign
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