Adresse: Rathaus Münsingen, 72525 Münsingen
Tel: +49 Tel.:07381 182-145
Website: www.muensingen.de
Stichworte biosphärenreservat gruorn militärgeschichte museum natur parklandschaft radfahren schafe wandern
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Kompliment schaefli63 (23.07.2008) •••••
Als der Truppenübungsplatz 2005 geschlossen wurde, konnte man sich nur an den Toren und Schranken die Nase platt drücken. Jetzt, über 2 Jahre nach der Öffnung des Platzes, wollten wir uns die „Innereien“ anschauen…
Erst mal ein paar Worte zur Geschichte des Platzes: Entstanden ist der Übungsplatz im siedlungsleeren Münsinger Hardt im Jahr 1895 für das XIII. Königlich Württembegrische Armeekorps. Im Jahr 1937 wurde der Truppenübungsplatz von 3666 ha auf 6700 ha erweitert, wobei das Dorf Gruorn mit etwa 700 Einwohnern vollständig umgesiedelt wurde. Während des Zweiten Weltkriegs kamen hier Kriegsgefangene unter, danach wurde der Platz von französischen Truppen genutzt, ab 1960 sowohl von französischen und weiteren NATO-Truppen, wie auch von der Bundeswehr. 1992 zogen die französischen Streitkräfte ab und der Truppenübungsplatz diente bis 2005, dem Jahr seiner Schließung, nur noch der Bundeswehr.
In der Touristen-Information im Münsinger Rathaus, haben wir Karten und ausführliches Infomaterial zum Platz bekommen. Da wir zu Fuß unterwegs sind, hat man uns den Eingang bei Trailfingen empfohlen: von dort aus hat man den kürzesten Weg zum ehemaligen Dorf Gruorn (dem touristischen Highlight auf dem Platz…).
Man darf aus Sicherheits- und naturschutzgründen das Gebiet nur auf den ausgeschilderten Wegen betreten. Im Infoblatt steht, dass sich noch jede Menge Munition auf dem Gebiet befinden (naja, die vielen Schafherden mit ihren Schäfern wissen wohl genau, wo sie nicht hintreten dürfen…).
Die freigegebenen Wege sind fast durchgängig asphaltiert – wir schauen schon nach wenigen hundert Metern den vorbeiflitzenden Radfahrern neidisch nach… Nach ca. 2 km erreicht man das ehemalige Dorf Gruorn ( http://www.gruorn.de/ ). Schon von weitem sieht man die kleine Dorfkirche auf dem Hügel, die neben dem Schulgebäude das einzig erhaltene Bauwerk des ehemaligen Dorfes ist. Die Stephanuskirche und der Friedhof hinter der Mauer wurden, nach einem Treffen der einstmaligen Bewohner an Pfingsten 1968, wiederhergestellt (seit 1973 gibt es 2 Mal im Jahr, an Pfingsten und Allerheiligen, ein Heimattreffen an der Kirche). Die alten Gräber sind schön bepflanzt, man hört Schafe hinter der Friedhofsmauer , die alte Dorflinde steht noch, das Schulhaus auch – Es wirkt tot, da ein Teil der Fenster zugemauert sind, an Sonn- und Feiertagen im Sommerhalbjahr wird es jedoch “lebendig“, dann wird es nämlich bewirtet („…kleines feines Speisen- u. Getränkeangebot“…). Das war schon das „Dorf“, die restlichen Häuser kann man nur unter Brennesselhügeln erahnen oder sind vollkommen getilgt.
Von Gruorn aus muss man zurück (den Hügel hinunter) zum Durchgangsweg laufen; dieser war einst eine alte Römerstraße, welche die Posten des Alb-Limes verband (das Militär war hier also schon seit fast 2000 Jahren präsent…).
110 Jahre lang hat sich die Landschaft trotz militärischer Nutzung kaum verändert. Selbst während der Zeit als Truppenübungsplatz wurde das Gebiet stets mit Schafen beweidet und auch jetzt trifft man allenthalben auf Schafherden. Die karge, parkartige Weidelandschaft, wie sie in früheren Jahrhunderten auf der gesamten Schwäbischen Alb verbreitet war, hat sich so weitgehend und sehr großräumig erhalten: sanfte Hügel, darauf vereinzelte Wäldchen, Trockenwiesen, alte Bäume und Baumgruppen, blühende Raine, Schmetterlinge… Einfach traumhaft. Der ehemalige Truppenübungsplatz ist übrigens Kernstück des Biosphärenreservats Schwäbische Alb“.
Zum Wandern hatten wir den Weg vorbei am Trailfinger Kopf - Oberes Böllental – Altes Lager – Gänsewag + zurück gewählt, was aber etwas zu weit (nicht wegen der Strecke, sondern wegen des harten Asphalts – wandern auf Boden ist angenehmer…) und per pedes ein wenig eintönig war. Ich würde Wanderern die kurze Tour nach Gruorn und den Abstecher zum Aussichtspunkt „Gänsewag“ empfehlen: hier ist die Landschaft am abwechslungsreichsten (Halbtrockenrasen, Wald + viel Aussicht).
Den Rest der 35 km langen Wege in diesem Gebiet (+ auch drum herum!) eignen sich hervorragend für’s Fahrrad – das haben wir nämlich gleich am nächsten Tag ausprobiert.
Noch mehr Aussicht kann man auf den 4 zugänglichen Türmen (zwischen 8 und 42m hoch) geniessen – diese sind jedoch nur an Sonn- und Feiertagen zugänglich, an den anderen Tagen kann man sich in den umliegenden Dörfern die Schlüssel dazu holen (oder man trifft nette Leute mit Schlüsseln, die einen mit hoch nehmen…).
Im Süden befindet sich des „Alte Lager“ mit den aussen im Original erhaltenen, denkmalgeschützten Mannschafts- und Offiziersbaracken und einem Truppenübungsplatzmuseum mit Munitionssammlung. Zugang hat man bislang nur im Rahmen von Führungen zu speziellen Terminen oder nach Voranmeldung.
Hier soll auch 2009/2010 das Informationszentrum des Biosphärenreservats entstehen; deren Geschäftstelle und die des GeoParks Schwäbische Alb befinden sich schon dort.
Fazit: Ein Besuch des Truppenübungsplatzes lohnt sich auf jeden Fall, sei’s wegen der Natur, der Geschichte oder auch der Architektur…
P.S.: Weitere Infos findet man unter der homepage der Stadt Münsingen und http://www.garnisonsstadt.de/html/truppenubungsplatz.html
Stichworte museum, natur, radfahren, wandern, schafe, parklandschaft, biosphärenreservat, militärgeschichte, gruorn
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