twitterlesung, Prenzlauer Berg, Berlin

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von lokalreporter
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2 Beiträge zu twitterlesung auf Deutsch

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Beitrag zu twitterlesung vom 27 Juli 2008 (aktualisiert am 29 Juli 2008)

twitterlesung im nbi, der lokalreporter vor ort, gesäumt von netten begegnungen und unbeholfenen gesten. man könnte auch sagen: seltsames im ausschnitt des möglichen.

johnny haeusler von spreeblick conferierte durch den abend, amüsant und angemessen adjustiert, klasse, er könnte eines tages peter frankenfeld beerben.

ich hatte glück, neben mir saß ein sehr netter mensch, er nennt sich reinerwein, ein eher stiller beobachter, wie er sich selbst beschreibt, einer der zahlreichen schläfer die sich hier tummelten. hinter mir hörte ich den atem einer netten frau, sie nennt sich wikipippi, neben ihr ein groupie, eine lebedame die jedesmal wenn sascha lobo in der nähe steht auffällig lacht, ihre versorgebereitschaft unüberhörbar signalisiert.

erfreulich fand ich den grimme-preisträger und elektrischen reporter mario sixtus, der, im duett mit sascha lobo die lacher auf seine seite zog. und so bot denn auch der twitterlog [dialog] der beiden antipoden eines der highlights des abends.

auch der bachmannpreisträger tilman rammstedt hatte was zu sagen, las aus der twitterchronologie diverser threads, amüsiert amüsant, geistreich kommentiert, unbeteiligt in der sache, die rolle seines/r selbst.
dauertwitterin PickiHH moderierte mit rotkammträger und twt-obergockel sascha lobo das opening, bot sich als dialoges kanonenfutter an. ich fand sie gut, meinen alten kiez-kumpel lobo hingegen etwas ermüdend, laut, projizierend, schwäche vermeidend, ausufernd.

jaja, ich weiß, die aufregung vor einer inszenierten selbstbelobigung kann selbst die fetteste rampensau in den hochfrequenzbereich des inneren tons verleiten.

da fällt mir ein, don dahlmann war och da, küßte sich draußen sichtlich unübersehbar mit einer dame, zog das angedeutete gespräch schnell zurück als ein ranghöherer twitterer die szene betrat, das fand ich zum kugeln.
mit allen und allem kritisch und investigativ umgehen, aber in der persönlichen begegnung den arsch nicht in der hose haben. was bitte will mir einer über die welt erzählen, wenn er mir unmittelbar nicht die stirn bietet? -> hey, thats social behavior, nimms nicht persönlich..

frank lachmann alias frank93 hattte die besten twitter-shortcuts auf lager, ihn fand ich richtig gut. seine dialogpartnerin kaltmamsell hingegen kommt gelesen besser rüber als gesprochen, ihr einsatz optisch zwar erfreulich [eine dame mit guter figur, mittleren alters, im gepunkteten kostüm, mit sehr bayrischem rrr..], aber leider wenig lustig [sorry]. der eigentliche star des abends war nicht anwesend, kosmar, einer seiner vielen: höre im radio einen neuen klingelton, es ist das handy in meiner hose.. oder so ähnlich.

kurz vor schluss bin ich gegangen, twitterautoren zuzuhören die zuhörenden twitterautoren aus ihren getwitterten tweets vorlesen, das war mir dramaturgisch irgendwann zu viel, auch im publikum wurde es unruhiger, unkonzentrierter.

falls es eine wiederholung geben sollte, müssen die gäste unbedingt besser eingebunden werden, schließlich sitzen alles autoren im publikum.
mein ego ist doch kein esel, es hört sich nicht stundenlang den auswurf anderer an, möge er noch so originell sein.

mein twittzit:
ich hätte die erste twitterlesung anders konzipiert, nicht so ego-lastig, das programm war sehr auf die ideengeber, auf sich selbst zugeschnitten. mit einem 140zeichen-ejakulat von stars gewinnt man auf dauer keinen blumentopf.

lokalreporter stimmt, den hatte ich ursprünglich ausgesucht, mich dann aber für den interpretierten klingelton entschieden, der im original richtig gut ist..

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KMTO

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Beitrag zu twitterlesung vom 27 Juli 2008 (aktualisiert am 29 Juli 2008)

Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert,
denn er ist der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit.
(Johann Wolfgang von Goethe) via Bublo

Das erste Mal ist immer besonders. Weltpremieren sowieso. Was ist überhaupt eine Twitterlesung? Das war die Frage des Abends. Twitter = sms im Kollektiv. Permanente, oft sehr persönliche Gedankensplitter. Mit Bezug auf das eigene Leben in Jetztzeit. Sichtbar und vielmehr unsichtbar mit anderen verbunden. Freunde, Fremde. In diesem Sinn auch lebendige Literatur und damit Lesungswürdig. Als neues Format aber nicht immer einfach zu handhaben. Was Literatur ist, weiss man. Aber wie geht man mit der Lebendigkeit um?

Literatur: SlamPoetry auf Speed - so kann man den ersten Wurf nennen. Reinste Comedy des Alltags, verbunden mit den feinsten sprachlichen Schnitzern der Twitterwelt. Klamauk, Kunst, Wortspiele - eine wilde Mischung im 140 Zeichentakt.
Die Autoren von twitkrit.de lasen im Duett die besten eigenen und fremden Twits vor. Dazu passend der aktuelle Bachmann- Preisträger und damit beste Literat des Landes. Sein erster Kontakt mit der Twitterwelt schien mir wie eine tiefe persönliche Begegnung mit einer Form von Literatur, die Ihre Kraft aus dem Jetzt und dem Persönlichen schöpft und war somit der literarische Ritterschlag der Veranstaltung.
Es wechselten sich zwei Formen ab: die Geschwindigkeit des doppelt- getakteten Lesens und der Dialog. Letzerer kam viel zu kurz. Vorschlag: die beiden Vorleser präsentieren Twits im inhaltlichen Dialog miteinander. Vorschlag 2: mehr Literatur 1.o. Dramen a'la Dostojewski, schräge Realitäten und Zufälle a'la Shakespeare - das findet in Twitter in Echtzeit statt. So bekommt man auch die ruhigen Momente hin und damit Punkt zwei:

Lebendigkeit: Während der Schwerpunkt der Organisatoren auf dem Wort an sich und damit dem klass. Literaturbegriff lag, bezog sie ihre überwiegend unglaublich starke Kraft aus der Lebendigkeit des Hingeschriebenen. Erhöhte Augenblicke. Augenblicksliteratur. Immer aber im unsichtbaren Netz der gefolgten und folgenden Mitleser: Twitter ergo sum.
Das muss der zukünftige Schwerpunkt der Veranstaltung sein. Teil eins der Twitterlesung - ein Tag auf Twitter - ging in diese Richtung. Nun gilt es zu zeigen, wie sehr doch das große Ganze im ganz Kleinen liegt. Es ist eben nicht der Tagesablauf, der sich in Twitter zeigt, sondern - in literarischer Hinsicht - der Moment, an dem die Welt stehen bleibt - so wie sie eben ist.
Das zeigt sich, wenn ein Twitterer "in eine kritische Masse getreten ist". Schallendes, befreiendes Lachen im Saal. Das Leben, wie es ist. Im Fremden das Ich erkennen.

So erstaunt es nicht, wenn das Twitterarische Quartett der schwächste Punkt im Programm war. Die Interpretationen versuchten das comediantische Potenzial der vorangegangenen Lesungen zu halten, hätten aber vielmehr den Augenblick des Schreibens ans Licht bringen sollen. Es ist nicht das Wort, es ist die verdammt kurze Situation, in der jemand z.B. sagt: "du siehst so aus, als könnte ich einen drink benötigen." (frank93).
Und - aber das wissen die Vorleser selbst - gerade dieser Programmpunkt braucht gute Vorbereitung. Mit Spontan ist bei aller Spontanität der Beiträge kein Follower zu gewinnnen. Je kürzer der Twit, desto aufwändiger seine Rezeption.

Zu den anderen Formaten:
- Twitterer lesen eigene Twitts im Duett
Sollte hintereinander gelesen werden. Jeder liest seine eigene Twitts für 10min und erzählt etwas zum Kontext des Twitts.
(Die Stile und Themen von Frank93 und Kaltmamsell waren zu unterschiedlich.)
- Promi- Duett
Lobo vs. Sixtus war auch beim zweiten Mal ein Erlebniss. Die beiden können mit Online Sprache. Für mich eine perfekte Eröffnung der Veranstaltung, nach der auch ruhige Momente folgen können.
- Lesung Bachmannpreisträger
Schon die Tatsache, daß ein nicht Twitterer so viel mit den Beiträgen anfangen kann, schreit nach einer Wiederholung. Mein Tipp - auch wenn er gestern nicht verstanden wurde - den "klass." Autor als Twit- Kritiker einsetzen. Alleine die Art wie er redigiert hat, zeigte, wie gut das passt. (Bühnen-Twitkrit)
- Sonstiges
Auf das Lesen eigener Beiträge verzichten, auch wenn sie noch so gut sind. Ausnahme sind die beiden Autoren- Leser.
Beim Vorlesen möglichst wenig Betonung. Die Twitts sprechen für sich selbst und das Publikum baut sich die Betonung im Kopf zusammen.
Keine Twitter-Wall. Das lenkt zu sehr ab. Ausnahme: während des Best-Of Teils, der dann als vernetztes Poetry-Slam organisiert werden kann.
Der Raum wird beim nächsten Mal wohl größer sein müssen. Der Herbst/Frühling sind zudem bessere Jahreszeiten für eine Lesung.

Und ganz persönlich: Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß, wie an diesem Abend. Die TV Comedy Veranstaltungen sind dagegen müde, gekünstelte Auslaufmodelle. Als Twitt: "Kalter Kaffee #Comedy"

Ein riesen Dank an alle Organisatoren, Leser und Twitterer!

Und weil es - sagen wir, in der Hektik des 1. Mal vergessen wurde - mein Twitteratur Preis 2008 geht an: Frank93 - http://twitter.com/frank93

Auch die Zeit hat eine Kritik geschrieben: http://www.zeit.de/online/2008/31/twitter

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