Kompliment
Markus Sowada (06.09.2007)
Zweitausendeins. Das war früher einmal ein im Namen vorgetragenes Zukunftsversprechen. Die Zeit verrinnt seither zusehens. Wir schreiben heuer schon das Jahr 2007 und man darf nach so langer Zeit mit Fug und Recht sagen. Der Verlag Zweitausendeins und sein Laden am Kornmarkt sind eine Frankfurter Institution. Sie überstanden und überstehen Stürme und Wogen aus Konkurrenz, Internetbuchhändlern und viele anderen Widrigkeiten und wenn man über ein Erfolgsgeheimnis nachdenkt, so wird man auf keines stossen. Stattdessen sollte man sich einfach mal ein wenig Zeit nehmen und folgendes antun: Man setze sich an einem schönen sonnigen Tag mal auf die Mauer direkt vor dem Laden. Dabei suche man sich ein Plätzchen, von dem aus man sowohl den Eingang des Ladens im Blick hat als auch das Geschehen auf dem kleinen Platz zwischen dem "Cafè Wacker", dem Restaurant "Leib und Seele" und dem angrenzenden Italienern auf der Strassenseite des Zweitausendeins Ladens. Und nun schaue man die Menschen und alles Leben überhaupt an, welches sich dort abspielt. Ein Schauspiel beginnt:
Menschen kommen teils hastig, teils gemütlich aus dem Parkhaus gelaufen oder sie kommen aus einer anderen Richtung, vielleicht aus Richtung Hauptwache. Viele von ihnen strömen durch die angrenzenden Strassen und bewegen sich zielgerichtet auf den Zweitausendeins Laden zu. Kurz vor dem Betreten wechselt die Mimik im Gesicht, es macht sich Enspanntheit breit und nicht selten fliesst ein Lächeln über die Lippen der Münder. Manche Zeitgenossen bleiben vor dem Schaufenster stehen. Die eingeweihten streben zielsicher auf ein kleines Kästchen zu, auf Füssen stehend und oben offen und meist randvoll mit dem aktuellen "Merkheft". Wenn das "Merkheft" ersteinmal in die Hand genommen worden ist, bleiben die Menschen stehen oder sie setzen sich an sommerlich warmen Tagen auch gerne mal auf die Mauer, vielleicht direkt neben Dich. Sie blättern, sie lesen, manchmal huscht wiederum ein Lächeln über ihr Gesicht und irgendwann streben sie dann schnellen Fusses in den Laden, an das Ziel ihrer kurzfristigen Träume. Der Laden selber birgt keinerlei Geheimnisse oder Finessen. Es gibt kein Designkonzept (oder etwa doch?). Vielmehr sind in Regalen und an den Wänden Bücher ausgestellt. Es finden sich Taschenbücher, Bildbände, Monographien, aber es finden sich auch schwere Schuber mit Gesamtausgaben von Schriftstelllern, Zeichnern, Journalisten oder Fotografen. Der Laden ist meist ziemlich voll und wer nicht in Büchern blättert oder liest, den findet man entweder im separierten Bereich für CD's oder er steht direkt an der Theke an, wartet mehr oder minder geduldig, bis er dran ist und verlangt unter Zuhilfenahme seines Merkheftes, den von ihm begehrten Titel. Irgendwann kommen die Leute geradezu körperlich fühlbar entspannt wieder aus dem Laden. Sie haben bis dahin etliche Male einen Ellbogen im Rücken gehabt, haben jemanden anderem auf den Füssen gestanden und hatten anderweitige Begegnungen, die man sonst als unangenehm empfinden würde. Jetzt sind die Leute zumeist glücklich. Sie streben an einen Platz, andem sie ihre Beute begutachten, liebkosen und namentlich erleben können. Manchmal landet dann wieder jemand neben Dir auf der Mauer. In diesem Momenten spürt man nicht selten eine gewisse Entrücktheit und diesen Ausdruck in den Augen, den man in so grosser Dichte eben nur hier erleben kann.
Stichworte
musik, kultur, bücher, lesen, bildbände, moodrecords
Kommentare (2)
Bedenklicher Inhalt?