Da es in der Stadt wenig kulinarische Alternativen gibt, bin ich in der Mittagspause meistens doch in der Mensa zur Essensaufnahme. Essensaufnahme trifft es eigentlich ganz gut, weil das mit Genuss nicht viel zu tun hat. Das erste große Ärgernis ist vor allem im Wintersemester, wenn der NC-freie Studiengang Rechtswissenschaften wieder hunderte Hirnpiloten an die Uni spühlt, die Fülle der Mensa und des Speisesaals. Ewig steht man an, um endlich etwas Essbares zu erhalten. Im folgenden Sommersemester hat sich das Problem dann eigentlich wieder fast gelöst, da die neuen Juristen schnell erkannt haben, dass Jura auch mit lernen zu tun hat und die Uni wieder verlassen.
Zur Wahl stehen jeden Tag vier Hauptgerichte: Essen 1 ist vegetarisch und für einen Schekel 50 zu bekommen. Essen 2 - 4 beinhalten in der Regel eine Fisch- oder Fleischspeise und kosten 2 bis 2 Schekel 50. Preislich kann man sich also überhaupt nicht beschweren. Das Personal ist trotz der stressigen Arbeit überaus freundlich und hat immer ein Lächeln im Gesicht, wovor ich größten Respekt habe. Wenn ich mir teilweise meine lieben Mitstudenten anschaue in welchem Ton und was für einer Art sie ihr Essen bestellen, würde ich ihnen als Küchenarbeiter wahlweise das Kartoffelpüree oder die Nudeln mitten in die Fresse klatschen oder bei der Zubereitung einen grünen Charlottenburger in die Sauce auswerfen.
Klingt ja erstmal eigentlich alles sehr ordentlich, wieso also nur drei Sterne?
Das große Aber sind die Speisen selbst. Natürlich sind sie günstig, schmecken dafür aber auch günstig. Egal ob es nun
- Schweineschnitzel mit einem Spiegelei, dazu Bechamelgemüse und Kartoffelstäbchen oder Kartoffelpüree,
- Mit Aromaten gebratene Hähnchenbrust an Zwiebeljus, dazu glasierte Möhrchen und Kartoffelstäbchen oder Reis,
- Steak aus dem Schweinerücken mit Ananas und Käse überbacken, dazu Kohlrabi-Erbsengemüse und gebackene Kartoffelstifte oder Kartoffelpüree,
- Kängurugulasch mit Oliven, Zucchini, Paprika und Knoblauch, dazu gebackene Kartoffeln oder Nudeln und Garnierung oder
- Hackfleischbällchen in feuriger Mobiler-Gebietsfremder-Sauce, Pilawreis oder gebackene Kartoffeln und Garnierung
gibt, es schmeckt alles gleich. Gewürze sind ja auch überbewertet. Die braucht keine Sau. Darüber hinaus ist die Anrichtung auf dem Teller alles Andere als appetitanregend, was nicht weiter schlimm ist, weil die Angestellten wirklich im Akkord arbeiten. Wenn mich mein Teller aber fast jedes Mal an Dresden '45 erinnert, steigert dies nicht meine Essenslust.
Großes Plus könnten die Portionen sein, die wirklich mehr als ausreichend sind. Wenn aber nahezu alles nach Presspappe schmeckt, bringen monströse Portionen auch nichts, da man bereits nach wenigen Bissen genug hat und einen Großteil via Fließband in die Küche schickt.
Als Alternative zu den Hauptgerichten gibt es eine wirklich große Salatbar, an der alles erdenkliche Grünzeug fein geschnitten angeboten wird. Jeder kann sich nach seinem Gusto seinen Salat selbst zusammenstellen. Die Kosten belaufen sich auf hab ich vergessen je 100g. Recht teuer ist aber auch das nicht, wurde von mir aber auch erst ganze zwei Mal genutzt, als alle vier Gerichte abartig klangen und auch aussahen. Wirken die Hauptgerichte noch einfach, so wird an der Salatbar ordentlich auf die Kacke gehauen, befinden sich doch tausende verschiedene Croutons, Essige und Öle im Sortiment, die stark an die Austern Bank unweit des Gendarmenmarkts erinnern. Ein kleines Bisschen High Society in der GD-Mensa im tristen, stets das Hochwasser und unpünktlich gezahlte Transferleistungen fürchtende Frankfurt (Oder)!
Im Sommer ist die Mensa weitaus besser, da auf der Terrasse gegrillt wird und diese Speisen demzufolge auch einen eigenen Geschmack haben. Im Angebot gibts es dann in der Regel Folienkartoffel, Putenschnitzel, Bratwürste und Nackensteaks mit Salatbeilage. Wer möchte, kann sich noch ein Bier vom Fass zapfen lassen. In der Sonne auf der Terrasse sitzend, vergisst man dann schnell, wo man eigentlich ist und dass die nächste Vorlesung wartet.
Einen Stern erhält also das sehr freundliche Personal, einen zweiten teilen sich das Preis-Leistungs-Verhältnis und das Sommer-Grillangebot und den dritten gibt's für die Kassiererin mit dem knackigen Hintern. Toller Schachzug, dass das Mensa-Personal in weiß gekleidet ist!
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