Kompliment
mostro (26.04.2007)
Die Hamburger Presse mästet uns regelmäßig mit sogenannten Home-Stories über den überlegenen Lebensstil unserer sogenannten "Star-Architekten" und deren ebenfalls überlegenen und der Öffentlichkeit zu verkündenden Lebensphilosophien. Höhepunkt dieser Pulitzer-preiswürdigen Emissionen war vor zwei Jahren ein vollseitiger Artikel der Hamburger Morgenpost, in dem Herr Teherani dem gemeinen Unterbürger doch tatsächlich huldvoll erklärte, wie man eine Banane richtig und vor allem atraumatisch zu schälen habe. Im Verlauf des Pressejahres zeigte er uns dann ebenfalls auf 2 bildreichen Seiten seine wohlverdiente Sammlung erlesen erhaltener Oldtimer.... Bei soviel Hochmuut überraschen die architektonischen Umsetzungen diese Büros nicht. Es wird prinzipiell groß, klotzig und rücksichtslos geplant. Hauptsache es ist irgendwie spektakulär. Das war der zweite Weltkrieg auch - und ähnlich ist die Wirkung klotziger Bauten auf das Stadtbild - zerstörerisch. Monströse Bauklötze, Stahl und Glas, möglichst ohne freundliche Farben und am besten mit direkter Verdrängung aller umliegenden Masse. Und wer jetzt kommt und sagt, die Formen des "Berliner Bogens" seien doch revolutionär und originell, dem sei beschieden, daß auch das Design von Mittelstreckenraketen eigentlich ja sehr formschön ist...
Aber das alles ist natürlich das Dilemma der heutigen Architektur: Keiner der "führenden" Stars (und die schieben sich fleissig gegenseitig Preise, Jury-Plätze und Professuren zu und sichern so, daß Tausende gehirngewaschener Architekturstudenten ihnen blind folgen) fragt mal repräsentativ das gemeine Volk, was es denn "schön" fände - nein, da müsste man ja nur über "kindische" Ideen und ähnlichen Kitsch nachdenken. Gründerzeit, Jugendstil, Venedig, Paris -alles igitt! Und Rundungen, Bögen, Giebel, Ornamente, kleine statt grosse Klötze oder gar Farbe? Ogottogott, das wäre ja viel zu aufwendig und gar nicht modern!! Wäre aber schön. Nur regiert im Moment eine Politik der Verdrängung des Schönen, Emotionalen und Mitmenschlichen zugunsten von sogenannter Effektivität, Ökonomisierung und Globalisierung. Und so siegt das Großmaul über die Vernunft, die Kälte über die Wärme und schlußendlich (vorläufig) die Architektur von BRT über das Kleine, Bescheidene und Schöne....
Update April 2007: Mittlerweile traut sich plötzlich die Presse, die über Monate als "ehrgeizigstes Architekturprojekt Europas" hochgejubelte Unsäglichkeit der Hafencity (ein meterlanger Stern-Artikel war der Gipfel) schlecht zu finden. Fahnen im Wind des Volksszornes, aber vergänglich gewebt wie so vieles... Die Hafencity und ihre ebenfalls unmenschlich klotzige Architektur hat mich vom ersten Tag an wütend gemacht, nur durfte man ja nicht so laut schreien in all dem Heilsgebrülle! Was für eine Chance wurde hier in Hamburg vertan! Ein ganzer Stadtteil am Wasser... und einfach nur zubetoniert...
Stichworte
architektur, groß, beton
Kommentare (3)
Bedenklicher Inhalt?