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Supermarkt
Spindleruv Mlýn
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Bedřichov, 543 51 Spindleruv Mlýn
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1 Beitrag zum Platz "Supermarkt" auf Deutsch
War Kafka nicht eigentlich Tscheche? Gut, denn jetzt verstehe ich einige seiner Bücher schlagartig besser. Hätte Kafka heute gelebt, hätte er sicher auch ’"Der Supermarkt" geschrieben. Ein düsteres, nahe am psychotischen Strukturzerfall des Lesers schrill auf den Nerven entlangschrammendes Epos voller böser Vorahnungen, toter Winkel und sadistischer Verkäuferinnen.

Hier hat sich ein Kollektiv zwanghaft-analfixierter Einrichter zusammengerottet um einen trostlosen Ort völlig unerträglich zu machen.
Das perfide am Wahnsinn ist eigentlich das der schleichende Verlauf ganz harmlos und scheinbar ganz vertraut daherkommt. So finden sich auch hier Regale gefüllt mit scheinbar ganz gewöhnlichen Artikeln, beschriftet in unverständlichen Glyphen, bevölkert von ganz einfachen Menschen, die die Augen auffällig nach unten richten und sicheren Abstand halten.

Das giftige Licht, das aus den Neonröhren sickert taucht alles in ein Schlachhof gleiches zwielichtiges Halbdunkel, das jegliches Leben aus dir saugt.
Der Boden ist nass vom Schnee, den die Besucher nach innen tragen und der langsam auf den Fliesen den Hitzetod stirbt, nicht ohne vorher noch seine Leichenflüssigkeiten auf dem Boden auszugiessen und den Kacheln damit jegliche Haftungsmöglichkeit entzieht, so dass die scharfkantigen Regale nur darauf warten, das sich eine fallende Hand daran aufreissen mag.
Die Wände pflastern Schilder mit boshaften Anweisungen die dem Besucher verborgen bleiben und nur das Gefühl vermitteln zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Jeder Ort ist besser als dieser hier.

Wie eine Warnung aus dem Jenseits. Ein Pappschild auf Knöchelhöhe malt in einer hoffnungslosen Kinderkrakelschrift: NO KREDiT KARD.

Aber spätestens an diesem Punkt ist dem verlorenen Besucher klar, das er hier nie einen Kredit gleich welcher Art besessen hat. Hier wird bar bezahlt. Wie auf einem illegalen Schwarzmarkt in einem eisigen russischen Gulag.
Nur hier hat man auf die bulligen Schlägertypen mit den aknezerfressenen Gesichtern verzichtet. Nicht das die Verkäuferinnen diesen in perfidem und überaus hysterischen Getue nachstehen, deren Ausbildung in stacheldrahtumzäunten Arbeitslagern in der Hohen Tatra stattfand.
Besser man hält sich von ihnen fern und senkt den Blick, wenn sie vorüberschreiten.
Jetzt wird mir auch klar, warum die halbe Auslage hier aus schweren Alkoholika besteht. Anders ist das hier wirklich nicht zu ertragen als in der Hoffnung, das auf dem Boden jeder Flasche Becherovka das seelige Vergessen zu finden ist, welches wenigstens für einen Augenblick einen warmen Moment der Glückseeligkeit schenkt.
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Kommentieren 3 Kommentare zu diesem Beitrag Alle anzeigen
das foto verspricht schon mal viel. sieht geil aus! :D
daumen hoch :D
Hallelujah! Aber Dir ist schon klar, dass das Verborgene in den Schriften an der Wand möglicherweise auch der mangelnden – oder mangelhaften? – Ausbildung des hier Wandelnden und Schreibenden in Sachen Tschechischer Sprache ist? na ja, oder sein könnte. Der Rest – ausnehmlcih bedrohlich. Nur – so weit muss man nicht fahren, wenn man derartiges seinem Antlitz antun möchte. Da hat Berlin Gott sei Dank auch einiges an Material für gute Bücher parar ;-)