Kompliment
mostro (18.12.2006)
Zugegeben, die meisten Menschen ziehen sich jetzt so langsam in ihre Weihnachtshöhlen zurück um sich den Marzipan-Winterspeck anzufressen. Da ist ein Spaziergang vielleicht etwas exotisches, aber es soll ja noch einige frostfeste Exemplare der Gattung Mensch geben. Und die haben in Hamburg oft das Problem, dass sie entweder schon alle potentiellen Gehstrecken zu kennen glauben oder aber immer wieder in das Sonntagnachmittag-Getümmel an Alster oder Elbe geraten.
Daher versuche ich seit Jahren immer mal wieder mithilfe des Stadtplanes neue Routen zu finden. Diese allerdings ist altbewährt.
Das Eppendorfer Moor - das ist zumindest den militanten Lokalpatrioten wichtig- liegt nicht (!!!) in Eppendorf. Sondern in Groß-Borstel, das eigentlich neben Eppendorf liegt, von den meisten Hanseaten aber einfach ignoriert oder gar in Richtung Poppenbüttel (igitt) verschoben wird (für Nicht-Hamburger: Poppenbüttel ist sehr fein und reich und daneben liegt ein Stadtteil, der Klein Borstel heisst).
Aufgrund dieser geographischen Unklarheiten ist das Moor nicht besonders bekannt, obwohl sehr zentral. Von der U-Bahn Lattenkamp kann man über die Meenkwiese in 5 Minuten den alten (und schönen) Mühlenteich erreichen, an diesem nach Nordwesten gehen, dort mündet die Tarpenbek, der man nur kurz unter der Unterführung am Rosenbrook folgt (den meisten ist der Tarpenbekwanderweg bekannt, den aber muss ma hier verlassen). Dann geht man an der Alsterkrugchaussee 100 Meter nach Norden und ist im Naturschutzgebiet Eppendorfer Moor.
Das Gebiet beinhaltet einen ganz ansehlichen Rest alter Moorlandschaft (ursprünglich bildeten Tarpenbek und Alster hier am Zusammenfluß ein weit größeres Moorgebiet), die in den letzten Jahrzehnten von allerlei Umbauten der Nachkriegszeit befreit worden ist. In den zahlreichen, miteinander verbundenen Teichen und kleinen Moorflächen gibt es eine zunehmende Vielfalt an Vögeln. Der Mensch hat viele kleine Wege durch den Wald und darf im Winter auf den Teichen Schlittschuh laufen.
Vorteil: die kleinen Teiche sind flach, frieren früh zu und hier ist ob der geringen Tiefe beim Einbrechen meines Wissens noch nie jemand ertrunken.
Wer spazieren gehen will kann jetzt ein große Runde durch die 10 Groß Borsteler Kleingartengelände und den Bosteler Jäger (einen kleinen Jagdwald aus der Kaiserzeit) antreten -am besten aber mit eingeborenem Führer, denn in diesem Labyrinth (Borstel hat mehr Kleingärten als Wohnhäuser!!) sind wohl schon viele Wagenmutige verhungert.
Am Schluß trifft man oben am Flughafen nämlich wieder auf den Lauf der Tarpenbek und kann dann auf besagtem Wanderweg hervorragend wieder zurück zum Ausgangspunkt kehren.
Ohne Verirren und je nach Tempo und Begleitung dauert die Strecke etwa 1,5 - 2 Stunden (geschätzt 5-6 Km).
Stichworte
wasser, grün, moor, schlittschuhlaufen, urlandschaft
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