Eine Wanderung? Eine Spaziergang? Eine geschichts- und landschaftsträchtige Entdeckungsreise zu Fuss in einer der ersten Landschftsparks allemal!
Schon immer und dies seit Jahren habe ich geografische Karten studiert. Ihnen Information, zur Vegetation, zum Gelände und der Siedlungsstruktur entlockt. Mit etwas Kombinationsgabe – Interpretation der Äquidistanz (zeigt Geländeeinschnitte und Erhebungen, Licht und Schatten, geschützte oder offene Wetterseite), der geografischen Ausrichtung (Sonneneinstrahlung,), der Wasserverläufe (See, Bach (flach, steil)) und der Bodenbeschaffenheit (Siedlung, Fels, Wald, Landwirtschaft, Moor/Sumpf) geben alte und neueste Karten, wenn man sie zur Deckung bringt, viel her.
Auf einer dieser Karten sog mich wie ein Strudel die Bezeichnung Badeturm an. Mitten in einem bewaldeten und wahrscheinlich feuchten Tal mit möglicherweise offenen sonnigen Flächen an. Da erwarte ich eine vielfältige verschiedenartige facettenreiche Natur mit genutzten und ungenutzten Flächen. Genau das, was das Saarland so herzlich macht..
Teilansicht einer Hinweistafel
Am Ende des Oligsbachtal, beim Bahnhof Fremersdorf, etwa dort, wo sich der Bach mit der Saar vereint, habe ich das Auto – einige Parkmöglichkeiten sind vorhanden oder man nutzt die Parkplätze bei der Bietzer Heilquelle
(http://www.qype.com/place/1967153-Heilquelle-Merzig) abgestellt.
Feuchter, warmer Geruch – wie sie nur von schattigen bachführenden bewaldeten Taleinschnitten im Frühling entstehen können – habe meine nasalen Sinne aufgenommen. Vogelstimmen mein Ohr erreicht. Bevor ich die Wanderung angetreten habe, wollte ich die Gerüche und das Vogelgezwitscher differenzieren und meinem bisherigen kombinierten kartalen Wissen zuführen.
Erst einige wenige Schritte auf dem Weg zurückgelegt – dieser Abschnitt kann mit Rollstühlen befahren werden – entdecke ich einen dem Zerfall und der Kraft des Waldes hingegebenen Wasserkanal. Ein weiterer Hinweis zu meinem bisherigen Wissen. Also Augen auf und Schrittzahl reduzieren.
Gemächlich, kundschaftlich spaziere ich den Weg weiter. Gebe den Kindern aus dem naheliegenden Dorf Ratschläge, wie sie den Bach effizienter stauen können und erreiche, nach dem Überqueren des Baches einen Obstwiesenhang an dessen Fuss einmal eine Ölmühle gestanden hat.
Ich versinnbildliche mir, wie dies einmal ausgesehen haben mag. Frage mich, aus was die Müller das Öl gemahlen und ausgepresst haben mögen. Wie sie sich und ihre Tiere gegen Mücken gewehrt haben. Wie ihre Beziehung zum naheliegenden, auf einer Anhöhe liegenden, Dorf bestand.
Eine sicher gut strukturierte Gesellschaft mit differenzierten handwerklichen und landwirtschaftlichen Fähigkeiten. Ohne diese Prämisse kann ich mir nicht vorstellen, wie optimal dieses nutzbar gemacht wurde.
Endlich bin ich beim Badeturm – mit einer aussenseitigen Treppe – angekommen. Sein Aussehen hat mich wenig beeindruckt.

Eigentlich bin ich enttäuscht. Also versuchte, ich diese Enttäuschung zu überdecken. Versuche, die bisherigen Informationen besser zu vernetzen und neu zu organisieren. Auf meinem Weg zum Turm bin ich leicht angestiegen. Vor mir liegt eine im Tal gelegene flache pfannenartige Ebene. Währe nicht ein einsamer kundiger Spaziergänger gekommen, meine Spekulationen hätten ein sicheres Ufer schwerlich erreicht. Also angesprochen und aus den Spekulationen wurde gesichertes Wissen: Der Badeturm war einmal, vor den starken Regenfällen, Bestandteil einer Staumauer. Im ersten Stock des Turmes haben die Herrschaften ihre Kleidern mit den Badeanzügen getauscht. Das aufgestaute Wasser wurde dosiert den Öl- und Getreidemühlen zugeführt.
Versprochen hatte ich, dass ich zweieinhalb Stunden wegbleiben würde, damit noch genügend Zeit zum Umkleiden, den Weg und Gläschen Sekt vor dem Theater bleibt.
Zurückgelegt habe ich bis jetzt ca. 750 m und die zweite Stunde meiner Tour will anbrechen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als den Heimweg anzutreten. Dazu wähle ich den oberen Fussweg, der bis zum Freilichtklassenzimmer komfortabel begehbar ist.
An Hang weiter, hoch über der Obstwiese und einem Zerfallen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg vorbei geht es nun bergab meinem Ausgangspunkt entgegen. Währe da nicht die Bank mit einem Ausblick auf einen Teil des Kanalsystems gewesen, ich währe fast pünktlich zu Hause angekommen.
Für eine kurze Rast mit verarbeiten des Erlebten muss noch Zeit sein. Zeit, zum Zusammentragen des Entdeckten und gedanklichen Vorbereiten auf den Abend. Hätte nur nicht das Handy geklingelt und mich auf meine Verspätung aufmerksam gemacht, ich hätte das Theater – wenn auch ungeduscht – verpasst.
Kommentieren 17 Kommentare zu diesem Beitrag Alle anzeigen
Freilichtklassenzimmer ? … es ist besimmt vielfältig nutzbar … :)
Schöner Beitrag und Fotos, OX19!
Ronja114: Und ob. Es werden auch Theater aufgeführt. Es soll sogar Weinverkostungen gegeben haben. Werde, sobald ich wieder ins Tal gehen kann, mehr berichten.
Kiwi2008: Das ehrt mich, dass Dir mein Bericht, aus dem Leben gegriffen, gefällt. Die Fotos habe ich mit meiner alten Dame, V Lux1, meiner Lieblingskamera, gemacht.
Die alten Damen sind manchmal nicht die schlechtesten…lach.
Ja, dein Beitrag, aus dem Leben gegriffen, gefällt mir gut.
wie bekommst du die Fotos da so rein…ohne dass sie unscharf werden!? ….
Guter Beitrag!
Die2Mädels: Bildadresse zwischen zwei ! kopieren.
Alsozum Beispiel (ausrufe)…BLABLA….!
?? aber welcher Link denn genau? also von wo holst du den?
Toller Beitrag….
Die2Mädels: für Mac (PC sicher analog):
1) Bild hochladen
2) Bild mit “ctrl” und Maus markieren
3) Es öffnet sich ein Fenster
4) Im Fenster "Bildadresse kopieren " auswählen
5) Die Adresse zwischen zwei “Ausruefezeichen” einfügen. Dats it
Sommerferien: Danke sehr, das freut mich.
Ein sehr schöner Bericht. Leider gibt es solche noch viel zu wenig im Qype.
Bornheimer_Jung: Danke. Dein Lob soll mir Ansporn sein!
Die2Mädels: Bei PC – so sagt unser IT Service Center- wird die Adresse mit einem Klick der rechten Maustaste sichtbar und kann kopiert werden.
Bornheimer_Jung: Danke. Dein Kompliment wird mir Ansporn sein noch besser zu werden.
Susanne_1: Das scheint wieder eines der QYPE spezifischen Probleme zu sein. Je nachdem wie die Seite aufgerufen wird, sind sie da oder eben nicht.
ha..Mutter Natur! Unschlagbar schön!:=)